Review: Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (Film)

Diesmal erzähle ich euch von einem Film, den ich nach langen Jahren nun auch endlich nachgeholt hätte, denn eigentlich hatte er mich schon seinerzeit zum Kinostart enorm gereizt, aber irgendwie hat es über all die Zeit hinweg nie sollen sein – bis jetzt zumindest.

Spieglein Spieglein
Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

Mirror Mirror, USA/CA 2012, 106 Min.

Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen | © STUDIOCANAL
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Regisseur:
Tarsem Singh
Autoren:
Marc Klein
Jason Keller

Main-Cast:
Julia Roberts (The Queen)
Lily Collins (Snow White)
Armie Hammer (Prince Alcott)
in weiteren Rollen:
Nathan Lane (Brighton)
Mare Winningham (Baker Margaret)
Michael Lerner (Baron)
Sean Bean (King)

Genre:
Abenteuer | Fantasy | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen | © STUDIOCANAL
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Obgleich Waisenkind Schneewittchen eigentlich Prinzessin des Reiches ist, fühlt sie sich im Palast der grantigen Königin – ihrer Stiefmutter – mehr wie eine Gefangene, denn die Despotin duldet nicht, dass Schneewittchen sich herumtriebt oder – Gott bewahre – sich auf einem der zahllosen Bälle blicken lässt, die die Königin veranstaltet. Davon lässt Schneewittchen sich aber nicht irritieren und lernt so auch den frisch zugereisten Prinz Alcott kennen. Die Königin aber will sich nicht länger von dem Gör auf der Nase herumtanzen lassen und verstößt sie schließlich, woraufhin sich die langsam zur Rebellin reifende Schneewittchen sich mit den im Wald hausenden Zwergen verbündet und letztlich den Plan fasst, die Königin zu stürzen. Die ihrerseits setzt Alcott auf Schneewittchen an, doch hat der freilich längst auf ganz andere Art ein Auge auf Schneewittchen geworfen…

Rezension:

Nach all den Jahren habe ich mir den langgehegten Traum erfüllt, mir endlich Tarsem Singhs Spieglein Spieglein anzusehen, auf den ich bereits seit seinem Kinostart anno 2012 ein Auge geworfen hatte, denn auch wenn der zuvor entstandene Krieg der Götter nicht annähernd an The Fall und The Cell herangereicht hat und Singh mittlerweile mit Self/less seinen bislang wohl konventionellsten Film abgeliefert hat, ist doch zumindest sein optisch oft visionärer Stil über die meisten Zweifel erhaben und auch die thematische Wandlungsfähigkeit des Regisseurs steht außerfrage, weshalb ich mehr als gespannt war, was er aus dem weithin bekannten Märchenstoff machen würde. Zugegebenermaßen war ich daher anfangs ein wenig enttäuscht, denn die Geschichte von Schneewittchen beginnt auch hier, wie man es gewohnt ist, nur dass als Erzählerstimme diesmal die böse Königin fungiert, die freilich auch der festen Überzeugung ist, es handele sich um ihre Geschichte und mitnichten die eines unscheinbaren Görs, das in ihren Augen kaum die Klamotten wert ist, die es am Leib trägt. Mit jeder verstreichenden Minute allerdings emanzipiert sich Singh weiter von der Vorlage und spätestens, wenn Schneewittchen zu den sieben Zwergen stößt, bricht sich der subversive Charme dieser Erzählung langsam Bahn und weiß fortan kein Halten mehr.

Szenenbild aus Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen | © STUDIOCANAL
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Dabei nimmt Singh in Spieglein Spieglein genüsslich all die Versatzstücke klassischer Märchen aufs Korn und zieht so manches Klischee mit einem Augenzwinkern durch den Kakao, ob es sich dabei um den reichlich dümmlichen Prinzen handelt, der nicht von ungefähr im weiteren Verlauf unter einen Zauber gerät, der ihn als treudoof-naives Hundchen in Erscheinung treten lässt, die böse Königin, die mittels ausgedehnter Schönheitskuren gegen die nachrückende Jugend ins Feld zu ziehen versucht oder natürlich die eingeschworene Gemeinschaft der Zwerge, die sich von der Dorfgemeinschaft diskriminiert fühlt, woraufhin Schneewittchen prompt eine Lanze für sie zu brechen versucht. Ausgehend von einer wunderbar bösartigen Julia Roberts (Im August in Osage County), die sichtliche Freue verspürt, auch einmal ein richtiges ekel verkörpern zu dürfen, geben sich derweil sowohl Lily Collins (Okja) als durchweg bezauberndes und gutherziges Schneewittchen als auch Armie Hammer (Codename U.N.C.L.E.) keine Blöße und spielen mit Genuss ihre spleenigen Rollen, so dass Singhs vierter Film dann nach kurzer Aufwärmphase zu exakt dem anarchischen Vergnügen wird, das ich mir erhofft hatte.

Ähnlich verhält es sich mit dem visuellen Look des Ganzen, der anfänglich nur zurückhaltend Singhs spezifische Handschrift erkennen lässt, denn auch wenn beispielsweise der Thronsaal oder auch das Schloss an sich durchaus als opulent zu bezeichnen sind und nicht von ungefähr an die Märchenbauten von Disney erinnern, hat das doch wenig mit den visuellen Exzessen zu tun, denen sich der Regisseur in der Vergangenheit so hingegeben hat. Das ändert sich allerdings im weiteren Verlauf ebenso, wenn beispielsweise die Königin mittels belebter Marionetten gegen die Zwerge vorzugehen sucht oder auch, wenn sich der gesamte Adel in prächtigste und schillerndste Monturen wirft, um auf einem eigenes errichteten Zeltplatz Festivitäten zu begehen, denn hier schlägt dann eben doch der überbordende Stil durch, der weder Maß noch Zurückhaltung zu kennen scheint, speziell einer derart märchenhaft aufgezogenen Geschichte aber eben auch wahnsinnig gut zu Gesicht steht.

Szenenbild aus Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen | © STUDIOCANAL
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Wie schon erwähnt, beugt sich Spieglein Spieglein aber mitnichten jedem Credo, das ihm der Märchenaspekt und die klassische Version der Geschichte aufzubürden versucht und geht bewusst eigene Wege, Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen zu erzählen, so dass einerseits unsere Hauptfigur deutlich emanzipierter und tatkräftiger daherkommt, als man das vermuten würde und sich zudem von den Zwergen in Kampf und Täuschung schulen lässt, andererseits der Prinz zwar darauf erpicht ist, der Prinzessin in Nöten zu helfen, mit diesem Ansinnen bei dem eigensinnigen Schneewittchen aber auf Granit stößt. Auch die Sache mit dem Apfel verläuft hier übrigens anders als man das erwarten würde, aber über Details schweige ich mich selbstredend aus. Veredelt wird das muntere Treiben dann noch mit ein bisschen Geblödel und Klamauk, der zumindest in den meisten Fällen zündet und dem Charme der Geschichte grundsätzlich zuträglich ist, wenn man sich denn grundsätzlich bereitwillig auf diese doch sehr eigene Interpretation der Geschichte einzulassen bereit ist, die sicherlich nicht jedem munden wird. Ein wenig zu viel des Guten wurde es mir persönlich einzig und allein bei einer im Bollywood-Stil angelegten Gesangs- und Tanzeinlage, die den Abspann begleitet, denn das war dann doch eher ein Fremdschäm-Moment als alles andere. Und auch wenn es schade ist, dass der Film auf einer so ärgerlichen Note endet, ändert das ja grundsätzlich nichts an den Qualitäten dieser bestens aufgelegten Neuauflage des klassischen Märchens.

Fazit & Wertung:

Tarsem Singh betritt mit Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen erzählerisches Neuland, auch wenn sein visueller Stil geradezu prädestiniert für Märchenverfilmungen scheint. Dabei gelingt ihm ein leichtfüßiger wie subversiver Reigen, der gehörigen Spaß bereitet, auch wenn er etwas behäbig in die Gänge kommt. Dabei ist nicht zu übersehen, wie viel Spaß die Besetzung rund um Robert, Collins und Hammer gehabt hat, in die Haut ihrer durchweg spleenigen Figuren schlüpfen zu dürfen. Ein mit einem großen Augenzwinkern versehenes, durchweg kurzweiliges Vergnügen.

7 von 10 märchenhaften Begebenheiten

Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

  • Märchenhafte Begebenheiten - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Tarsem Singh betritt mit Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen erzählerisches Neuland, auch wenn sein visueller Stil geradezu prädestiniert für Märchenverfilmungen scheint. Dabei gelingt ihm ein leichtfüßiger wie subversiver Reigen, der gehörigen Spaß bereitet, auch wenn er etwas behäbig in die Gänge kommt. Dabei ist nicht zu übersehen, wie viel Spaß die Besetzung rund um Robert, Collins und Hammer gehabt hat, in die Haut ihrer durchweg spleenigen Figuren schlüpfen zu dürfen. Ein mit einem großen Augenzwinkern versehenes, durchweg kurzweiliges Vergnügen.

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vgw

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