Review: Ms. Marvel (Serie)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Eigentlich albern, jetzt einen Artikel zu veröffentlichen, wo doch in weniger als drei Stunden der neue Media Monday daherkommt, aber ich wollte nicht noch eine Woche verstreichen lassen, in der eine Handvoll Lückentexte mein einziger Beitrag zur Blogosphäre gewesen sein sollen.

Ms. Marvel

Ms. Marvel, USA 2022, ca. 45 Min. je Folge

Ms. Marvel | © Disney+
© Disney+

Serienschöpferin:
Bisha K. Ali
Showrunnerin:
Bisha K. Ali

Main-Cast:

Iman Vellani (Kamala Khan)
Matt Lintz (Bruno Carelli)
Zenobia Shroff (Muneeba Khan)
Mohan Kapur (Yusuf Khan)
Saagar Shaikh (Aamir Khan)
Yasmeen Fletcher (Nakia)
Rish Shah (Kamran)
Samina Ahmed (Sana)
Nimra Bucha (Najma)
Arian Moayed (Agent Cleary)
Alysia Reiner (Agent Deever)
Laurel Marsden (Zoe Zimmer)
Laith Nakli (Sheikh Abdullah)
Aramis Knight (Red Dagger / Kareem)

Genre:
Abenteuer | Fantasy | Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Kamala Khan ist sechzehn Jahre alt, Highschool-Schülerin und das, was man gemeinhin Fangirl nennen würde. Besonders begeistert ist sie von Carol Danvers aka Captain Marvel und so verwundert es kaum, dass sie gemeinsam mit ihrem besten Freund Bruno schon einige Zeit an einem Captain-Marvel-Cosplay bastelt, das sie bei der ersten AvengerCon auf der Bühne präsentieren will. Ihre Eltern Yusuf und Muneeba sollten dabei bestmöglich gar nicht erst erfahren, dass Kamala zur AvengerCon möchte. Mit einem Armreif im Gepäck, der kurz zuvor in einem Päckchen ihrer Großmutter aus Karatschi eingetroffen ist, schleichen sie und Bruno sich letztlich hinaus, um am Cosplay-Wettbewerb teilnehmen zu können. Um ihr Outfit ein wenig zu pimpen und das gewisse Extra zu verleihen, greift Kamala dann kurzerhand auf besagten Armreif zurück und staunt nicht schlecht, als sie kurz darauf unvermittelt eine Art Energiekonstrukte zu verschießen beginnt. Während Kamala noch ganz aus dem Häuschen ist, anscheinend ebenfalls eine Heldin zu sein wie ihr großes Idol Carol, bahnen sich andernorts bereits Probleme an, denn nicht nur die Agenten des Department of Damage Control sind dank der öffentlichen Zurschaustellung ihrer Kräfte auf die junge Frau aufmerksam geworden…

Rezension:

Vor nicht ganz drei Wochen nun also ist mit Ms. Marvel auch die neueste Marvel-Serie bei Disney+ zu Ende gegangen und ich bin weiterhin irritiert von dem doch sehr verhaltenen bis negativen Tenor, der einem so im Netz zur Serie entgegenschlägt, denn auch wenn diese bei weitem nicht so episch oder bombastisch sein mag wie manch anderes, was dieser Tage im Serienformat veröffentlicht wird, hat sie doch dafür ganz eigene Qualitäten und Vorzüge. Die offensichtlichste aber auch naheliegendste dürfte hierbei Iman Vellani sein, die Kamala Khan mit entwaffnender Natürlichkeit zum Besten gibt und damit streckenweise locker vergessen lässt, dass wir uns überhaupt in einer Marvel-Superheldenserie befinden. Des einen Freud, des anderen Leid, mag das aber natürlich auch für manche Stein des Anstoßes sein, derweil ich es als Indiz dafür betrachte, dass die Marvel-Produktionen längst nicht so generisch und austauschbar geraten, wie gerne mal geunkt wird. So hat es auch hier reichlich Alleinstellungsmerkmale und grandiose Kniffs inszenatorischer Art, wenn Kamala ihre teils aberwitzigen Pläne beispielsweise mit ausführlichen Sketchnotes bebildert und diese sich über den Bildschirm zu bewegen beginnen, oder es im Hintergrund der Szenerie zu kreuchen und fleuchen beginnt, um den umtriebigen Geist und die übersprudelnde Kreativität zu unterstreichen, die diesem frenetischen Captain-Marvel-Fangirl innewohnen.

Szenenbild aus Ms. Marvel | © Disney+
© Disney+

Spielereien dieser Machart treten zwar auch zeitweise in den Hintergrund und sind im weiteren Verlauf leider längst nicht so präsent, wie man das hätte machen können, aber allein die für Marvel-Erzeugnisse doch ungewohnte Perspektive einer sechzehnjährigen Highschool-Schülerin – die noch dazu die Avengers abgöttisch verehrt und damit eine Art Geek im Geek-Multiversum verkörpert – vermag schon zu überzeugen und für sich einzunehmen, wenn man sich denn darauf einlässt. Mir ist klar, dass Ms. Marvel sicherlich nicht die Serie sein mag, die sich jetzt beispielsweise Fans von The Falcon and the Winter Soldier sehnlichst herbeigewünscht haben, aber als bestens aufgelegte und schmissig inszenierte Coming-of-Age-Story macht das alles eine wirklich gute Figur. Da möge man auch verzeihen, dass an der Figur im Vergleich zur gar nicht mal so alten Comic-Vorlage – Kamala Khan gab ihr Debüt 2013 in Captain Marvel #14) – doch einige Änderungen vorgenommen worden sind. Die stören mich persönlich jetzt – welch Überraschung – aber überhaupt nicht, da ich mit der Figur bis dato null vertraut gewesen bin und beispielsweise auch nicht wusste, dass in der Comic-Historie auch Carol Denvers mal als Ms. Marvel firmiert hat und erst 2012 "Captain wurde".

Was man immerhin bewusst beibehalten hat, ist die pakistanische Herkunft der in Jersey City lebenden Teenagerin, wobei man hier – als Außenstehender aber freilich schwer zu beurteilen – meinem Gefühl nach viel Wert auf Authentizität gelegt hat, was Glaube und Kultur, Gebräuche und Rituale oder auch den familiären Umgang miteinander angeht. Zumindest werden hier meinem Empfinden nach weder Klischees bedient noch irgendwelche Vorurteile reproduziert, während man einen durchaus spannenden Einblick in die pakistanische Geschichte und die Teilung Indiens erhält, die im weiteren Verlauf der erneut insgesamt sechs Episoden umfassenden Story auch erzählerische Bewandtnis erlangt. Das mag alles weitestgehend oberflächlich bleiben und man kann darüber streiten, ob hier völkerrechtliche Gräuel zu erzählerischen Zwecken instrumentalisiert werden, aber Fakt ist, dass Ms. Marvel durchaus eine zu Herzen gehende Story abliefert und auch emotional zu überzeugen weiß, was die nicht gerade einfachen Familienverhältnisse angeht, denen Kamala entstammt. Wenn nur das Wörtchen "wenn" nicht wäre, denn leider ist es auch so, dass das Storytelling zuweilen recht sprunghaft erzählt wirkt. So erscheint manche Wendung auf den ersten Blick wenig nachvollziehbar, während andernorts wiederum zu viel Zeit darauf verwendet wird, Offensichtliches zu unterstreichen. Zurückzuführen ist das wieder einmal darauf, dass die erneut sechs Episoden doch arg knapp bemessen scheinen, eine theoretisch derart weitreichende Geschichte zu erzählen.

Szenenbild aus Ms. Marvel | © Disney+
© Disney+

Die führt Kamala im weiteren Verlauf nämlich auch bis ins pakistanische Karatschi, wo ich persönlich mich sehr über das Erscheinen von Red Dagger gefreut habe, denn der wird verkörpert von Aramis Knight, an den man sich noch aus Into the Badlands erinnern könnte, so man die Serie denn gesehen hat, und ich muss sagen, dass ich schon schwer hoffe, ihn noch öfter in dieser Rolle zu sehen zu bekommen. Aber gut, das wird sich alles in Zukunft zeigen, denn abgesehen von den offenkundigen Verbindungen zu Captain Marvel ist auch diese Serie noch relativ frei von wirklichen Querverweisen oder Anknüpfungspunkten, wobei Phase 4 im MCU ja wohl auch vorrangig dazu gedacht ist, neue Helden, Gruppierungen, Kontrahenten in Stellung zu bringen und das Universum in alle Richtungen zu erweitern, wie es ja nun Moon Knight zuvor auch schon getan hat (wobei sich interessanterweise einige erzählerische Parallelen zu Ms. Marvel ergeben). Bis man der namensgebenden Heldin allerdings in The Marvels erneut begegnen wird, vergeht nach derzeitigem Stand noch ein gutes Jahr, auch wenn man sich nach Betrachten der Mid-Credits-Scene wünschen würde, die Zeit bis dahin wäre nicht mehr so lang, doch immerhin stehen ja bereits die nächsten Projekte in den Startlöchern und werden die Wartezeit sicherlich zu verkürzen wissen. Indes, wer wirklich und wahrhaftig der Meinung ist, diese quirlige Coming-of-Age-Story links liegen lassen zu wollen, wird von der Origin der Figur abgesehen nichts Substantielles verpassen. Ich würde als vielseitig interessierter und begeisterter Film- und Serienfreund zwar stets raten, dem Ganzen eine Chance zu geben, doch bleibt das natürlich jedem selbst überlassen.

Fazit & Wertung:

Die aktuelle Marvel-Serie Ms. Marvel hebt sich in vielerlei Hinsicht von den anderen Produktionen ab, wobei allein die frenetische Begeisterung der Hauptfigur für Captain Marvel natürlich offenkundige Parallelen und Anknüpfungspunkte schafft. Im Kern überzeugt die sechsteilige Serie aber vor allem als kreativ inszenierte Coming-of-Age-Story einer mit Superkräften ausgestatteten, pakistanisch-stämmigen Teenagerin, der von Newcomerin Iman Vellani gehörig Leben eingehaucht wird.

7,5 von 10 einfallsreich genutzten Energiekonstrukten

Ms. Marvel

  • Einfallsreich genutzte Energiekonstrukte - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Die aktuelle Marvel-Serie Ms. Marvel hebt sich in vielerlei Hinsicht von den anderen Produktionen ab, wobei allein die frenetische Begeisterung der Hauptfigur für Captain Marvel natürlich offenkundige Parallelen und Anknüpfungspunkte schafft. Im Kern überzeugt die sechsteilige Serie aber vor allem als kreativ inszenierte Coming-of-Age-Story einer mit Superkräften ausgestatteten, pakistanisch-stämmigen Teenagerin, der von Newcomerin Iman Vellani gehörig Leben eingehaucht wird.

7.5/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht:

01. Avengercon (7/10)
02. Volltreffer (7/10)
03. Bestimmung (7,5/10)
04. Rot sehen (7,5/10)
05. Aber und abermals (6,5/10)
06. Nicht normal (8/10)

 
– – –

Ms. Marvel ist (komplett) seit dem 13.07.22 exklusiv bei Disney+ verfügbar.

vgw

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