Review: TAU (Film)

Diesmal habe ich mir mal wieder einen Netflix-Film zur Brust genommen, doch leider konnte auch der mich mal wieder nur leidlich überzeugen, was mich im Moment noch darin bestärkt, dass diese "Eigenproduktionen" (oft genug ja auch nur eingekauft), doch überwiegend Ausschussware darstellen, wobei Ausnahmen freilich die Regel bestätigen.

TAU

TAU, USA 2018, 97 Min.

TAU | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
Federico D’Alessandro
Autor:
Noga Landau

Main-Cast:
Maika Monroe (Julia)
Ed Skrein (Alex)
Gary Oldman (Tau [Stimme])

Genre:
Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus TAU | © Netflix
© Netflix

In einer nicht näher bezeichneten Zukunft wird Julia eines Nachts unvermittelt von dem Forscher Alex entführt, der sie in sein höchsteigenes High-Tech-Gefängnis verschleppt, wo sie Teil seiner grauenhaften Experimente werden soll, stetig überwacht von dem bahnbrechend programmierten Computerprogramm TAU, das seinem Erschaffer bedingungslos loyal gegenübersteht. Je mehr Alex allerdings der jungen Frau vertraut und sie sich in seinen Hallen frei bewegen lässt, umso mehr intensiviert sie in dessen Abwesenheit ihre Anstrengungen, TAU auf ihre Seite zu ziehen, indem sie ihm von der so faszinierenden Außenwelt berichtet, vor der Alex ihn so überaus sorgsam abgeschirmt hat…

Rezension:

Auch wenn oder gerade weil ich hoffnungslos hinterherhinke, musste es jüngst mal wieder ein Netflix-Film sein und nachdem sich TAU bereits im Trailer außerordentlich interessant anhörte, entschied ich mich kurzerhand, diesem Science-Fiction-Thriller mit philosophisch-existentialistischem Einschlag eine Chance zu geben. Produktionstechnisch sieht das auch alles zunächst mal ganz ordentlich aus und die Geschichte nimmt angenehm zügig an Fahrt auf, was ich in Anbetracht der knappen Laufzeit von rund 90 Minuten durchaus als begrüßenswert empfunden habe, doch nach vielversprechendem Start gerät der Film leider immer häufiger und spürbarer ins Straucheln. So sind die Hintergründe darum, warum Hauptfigur Julia von Mad-Scientist-Paradebeispiel Alex entführt worden ist, schnell geklärt, doch hätte ich mir da im weiteren Verlauf noch einiges mehr an Erklärungen gewünscht, zumal auch das Worldbuilding an sich gerne ausgeprägter hätte sein können, denn im Grunde weiß man weder, wann genau der Film spielen soll, noch wo wir uns eigentlich befinden oder wie der Rest der Welt ausschaut, wenn man einmal von den Club-Einsprengseln und einer nächtlichen Straße absieht, die man in den ersten Momenten zu sehen bekommt, denn ab der Entführung Julias mutiert der Streifen zum reinen Kammerspiel, was zwar gut zu der Isolation passen mag, ansonsten aber auch den Zuschauer schnell von der (unbekannten) Außenwelt entfremdet.

Szenenbild aus TAU | © Netflix
© Netflix

Das wäre nun nicht maßgeblich schlecht, doch zielt der gesamte Film ja im Grunde auf der einen Seite darauf ab, dass Julia ihre Freiheit zurückerlangen will, auf der anderen Seite darauf, der titelgebenden Intelligenz TAU besagte Außenwelt begreifbar zu machen. Hier findet Regie-Debütant Frederico D’Alessandro auch immer wieder gelungene Ansätze, über die er allerdings zu keinem Zeitpunkt hinauskommt, denn kaum drohen die Gespräche zwischen Julia und TAU in gewisse Tiefen vorzudringen, stellt sich zumeist die Rückkehr des von Ed Skrein (Deadpool) verkörperten Wissenschafts-Genies Alex, was jede weitere Konversation unterbindet. Durchwachsen auch die Art und Weise, wie der eigentliche Thrill inszeniert wird, denn während sich die Effekte in TAU grundsätzlich durchaus sehen lassen können, gibt es da noch einen mobilen Roboter, der so dermaßen plump und künstlich animiert daherkommt, dass man ihm dessen Bedrohlichkeit schlichtweg nicht abkaufen kann, weshalb sich die Frage stellt, ob man hier nicht einen besseren Weg hätte gehen können, wenn das Budget doch augenscheinlich nicht reicht, diese Maschine auch nur halbwegs glaubhaft in Szene zu setzen.

Vor allem aber vollzieht sich der Wechsel zwischen Thriller und Drama nicht eben elegant und während man sich anfänglich beinahe an Saw erinnert fühlt, werden Julia doch nach einer initialen Auseinandersetzung irritierend viele Freiheiten zugestanden, während Bösewicht Alex bereitwillig darüber zu diskutieren bereit ist, ob er Julia nicht bitte wieder freilassen könne, nur um die Unterhaltung dann an einem beliebigen Punkt wieder im Keim zu ersticken. Derweil lernen wir, dass Julia Intelligenz-Tests absolvieren möge, um Alex‘ Forschungen zu unterstützen, die – um es möglichst mysteriös und diffus zu halten – allerdings im Verborgenen bleiben. Während Antagonist Alex dabei von Skrein mit gepflegter Langeweile verkörpert wird in deren krassem Gegensatz die seltenen, aber lautstarken Wutausbrüche stehen, macht es sich Maika Monroe (The Guest) zunächst in ihrer Opferrolle bequem und trägt zumindest zu Beginn den ewig gleichen Gesichtsausdruck vor sich her. Während dann der immer gleiche Tagesablauf, die immer gleichen Intelligent-Tests, die immer gleichen Diskussionen und freilich auch die immer gleichen Räumlichkeiten gepflegt zu langweilen beginnen, kommt langsam so etwas wie Handlung in Fahrt, wenn Julia beginnt, TAU die Welt zu erklären.

Szenenbild aus TAU | © Netflix
© Netflix

Und in diesem Punkt wäre so vieles möglich gewesen, derweil TAU immerhin von Oscarpreisträger Gary Oldman (Den Sternen so nah) – beziehungsweise wahlweise dessen Stamm-Synchronsprecher Udo Schenk – "verkörpert" wird, doch kommen eben selbst diese Unterhaltungen nicht über die gelungenen Ansätze hinaus und beißen sich zunehmend mit dem Entführungs-Plot, der dann schlussendlich die Handlung von TAU in genreüblicher Manier an die Wand fährt, was dann aber auch nicht mehr groß tangiert, denn eine wirkliche Veränderung bei TAUs Denken und Verhalten bleibt im Grunde pure Behauptung, während auch die Logik des Ganzen zunehmend in sich zusammenzufallen droht (und es dann auch tut). So bleibt am Ende ein reichlich unbefriedigendes und enttäuschendes Filmerlebnis, das vielversprechend anfängt, um schnell in Trivialität zu versanden, sich im philosophischen Diskurs noch einmal aufzubäumen versucht und dann mit Karacho gegen die Wand brettert.

Fazit & Wertung:

Frederico D’Alessandro scheint nicht gewusst zu haben, ob er mit seinem Regie-Debüt TAU lieber einen Entführungsthriller, einen Science-Fiction-Film oder ein existenzialistisches Drama inszenieren möchte. "Warum nicht alles auf einmal?", muss er sich da gefragt haben, doch was manchmal klappt, funktioniert hier auf kaum einer Ebene und die unterschiedlichen Ansätze graben sich rigoros gegenseitig das Wasser ab, bis nichts mehr bleibt als eine hübsche Kulisse und die charismatische Stimme von Gary Oldman.

3,5 von 10 philosophischen Diskursen

TAU

  • Philosophische Diskurse - 4/10
    4/10

Fazit & Wertung:

Frederico D’Alessandro scheint nicht gewusst zu haben, ob er mit seinem Regie-Debüt TAU lieber einen Entführungsthriller, einen Science-Fiction-Film oder ein existenzialistisches Drama inszenieren möchte. "Warum nicht alles auf einmal?", muss er sich da gefragt haben, doch was manchmal klappt, funktioniert hier auf kaum einer Ebene und die unterschiedlichen Ansätze graben sich rigoros gegenseitig das Wasser ab, bis nichts mehr bleibt als eine hübsche Kulisse und die charismatische Stimme von Gary Oldman.

4.0/10
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TAU ist seit dem 29.06.18 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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