Review: Army of the Dead (Film)

Auch hier wäre ich ja eigentlich pünktlich nach Veröffentlichung mit meiner Rezension am Start gewesen und stattdessen dümpele ich nun also reichlich verspätet hinterher. Macht ja aber auch nichts und ändert vor allem nichts daran, dass ich den Film trotz kleiner Mankos wärmstens empfehlen kann.

Army of the Dead

Army of the Dead, USA 2021, 148 Min.

Army of the Dead | © Netflix
© Netflix

Regisseur:
Zack Snyder
Autoren:
Zack Snyder
Shay Hatten
Joby Harold

Main-Cast:

Dave Bautista (Scott Ward)
Ella Purnell (Kate Ward)
Omari Hardwick (Vanderohe)
Ana de la Reguera (Maria Cruz)
Theo Rossi (Burt Cummings)
Matthias Schweighöfer (Dieter)
Nora Arnezeder (Lilly (The Coyote))
Hiroyuki Sanada (Bly Tanaka)
Tig Notaro (Marianne Peters)
Raúl Castillo (Mikey Guzman)
Huma Qureshi (Geeta)
Garret Dillahunt (Martin)

Genre:
Action | Krimi | Horror | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Army of the Dead | © Netflix
© Netflix

Während ihrer Fahrt durch die Wüste von Nevada rätseln die Soldaten des US-Militär noch über den Inhalt einer mysteriösen Kiste, die geradewegs aus der Area 51 stammt, doch ist deren Inhalt mitnichten außerirdischer Natur, sondern tatsächlich eine Art Superzombie, der bei einem Unfall entkommt und sich bald in Richtung Las Vegas aufmacht. Schnell ist die Stadt überrannt und wimmelt vor frisch Infizierten und die herbeigerufenen Soldaten haben ihre liebe Mühe, auch nur einen Bruchteil der Bevölkerung zu retten, bevor es gelingt, die Stadt hermetisch abzuriegeln und die Kreaturen im Inneren festzusetzen. Lange wird diskutiert, wie man mit den Infizierten weiter verfahren soll, doch letztlich entschließt sich die Regierung zu einem gezielten Atomschlag, um die Angelegenheit zu regeln. Unterdessen wendet sich der Geschäftsmann Bly Tanaka an den Ex-Soldaten Scott Ward, der gemeinsam mit seinem Team bereits in den Straßenschluchten von Las Vegas gekämpft hat, denn noch immer liegen unter dem Strip in einem Tresorraum stolze 200 Millionen Dollar. Eilends wird ein Team zusammengestellt, dem sich auch Tanakas Sicherheitschef Martin anschließt, doch ist der Millionen-Raub natürlich nur die halbe Wahrheit der brandgefährlichen Mission…

Rezension:

Lange habe ich dem Erscheinen von Army of the Dead entgegengefiebert und bin tatsächlich ziemlich stolz auf mich, im Vorfeld keinen Trailer gesehen und auch sonst nichts zum Film gewusst zu haben, wenn man einmal von der Besetzung und den Eckdaten der Story absieht. Dabei ist es hier sicherlich nicht zwingend vonnöten, bestmöglich ohne Vorwissen an die Sache heranzugehen, aber so wusste mich Zack Snyders neuester Coup – der übrigens in keiner Verbindung zu seinem 2004 erschienenen Dawn of the Dead-Remake steht – recht schnell zu überraschen und begeistern, denn nach der gelungenen Einleitung kredenzt er ein Intro zu den Klängen von Elvis‘ Viva Las Vegas, das allein bereits das Zeug zu einem eigenen Film gehabt hätte. In Zeitlupenmanier wird derweil Vegas quasi dem Erdboden gleichgemacht, während verstörte Zivilisten um ihr Leben rennen, das Feuer eröffnen, gefressen werden. Ein Reigen, der in seiner hochstilisierten Art einerseits etwas ungemein Ernsthaftes und Tragisches an sich hat, wenn die Momentaufnahmen unterbrochen werden von den sich in Pose werfenden Überlebenden, andererseits aber auch etwas kokett Augenzwinkerndes mit sich bringt. So fand ich es tatsächlich ein wenig schade, als man dieser Episode den Rücken kehren und sich wieder der harschen Wirklichkeit widmen musste, denn der Film sieht zu keinem Zeitpunkt besser aus als in seinen ersten Minuten.

Szenenbild aus Army of the Dead | © Netflix
© Netflix

Doch keine Sorge, das bedeutet in keiner Weise, dass der Film nachlassen würde, denn während ich mir gar nicht einmal etwas sonderlich Originelles oder Überraschendes von der Verquickung aus Zombiefilm und Heist-Story erwartet hätte, macht der Film tatsächlich von den ersten Momenten an eine tolle Figur, wenn Ward sich in klassischer Manier ein Team zusammenzustellen beginnt und hierfür das in Aussicht gestellte Honorar als Lockmittel einsetzt. Neu mag an dieser Szenefolge so ziemlich gar nichts sein, aber allein der Kontext macht hier einiges aus und so kann man Snyder auch verzeihen, dass Army of the Dead in seiner Gänze doch schon überraschend lang, um nicht zu sagen ausufernd, geworden ist. Und natürlich hätte man sowohl zu Beginn als auch gegen Ende den Rotstift ansetzen und einiges zusammen streichen können, aber mir persönlich gefällt die gestalterische Freiheit, die Filmemacher bei Netflix besitzen, um ihre Vision realisieren zu können, wie es eben auch bei nicht minder umfangreich geratenen Werken wie Finchers Mank oder Scorseses The Irishman der Fall gewesen ist. Im Übrigen nutzt Snyder die ihm zur Verfügung stehende Zeit auch, um die einzelnen Team-Mitglieder vorzustellen, die sich des lieben Geldes wegen hinter die Mauern von Las Vegas wagen werden, so dass sie dankenswerterweise weit mehr sind als gesichtsloses Kanonenfutter.

Überhaupt wachsen einem die Charaktere ans Herz, ob es sich um Wards aufopferungsbereite und mutige Tochter Kate (Ella Purnell, Die Insel der besonderen Kinder) handelt oder den brummbärigen, aber eben auch herzensguten Scott Ward selbst (Dave Bautista, (Hotel Artemis), den völlig verhuschten und von Matthias Schweighöfer mit viel komödiantischem Gespür verkörperten Safe-Knacker Dieter (dessen Spin-Off Army of Thieves bereits in der Mache ist) oder die knallharte Lilly (Nora Arnezeder, Alexandre Ajas Maniac), die alle nur als "Coyote" kennen. Motivationen und Konfliktpotentiale mögen zwar eher klassischer Natur sein, entbehren aber nicht einer gewissen Tragik, derweil es natürlich dank Theo Rossi (Luke Cage) oder Garret Dillahunt (Come and Find Me) auch Charaktere hat, die man ohne schlechtes Gewissen hassen lernen kann, auch wenn sie ein notwendiges Übel bei einer derartigen Mission zu sein scheinen. Vor allem aber gelingt Snyder, was die meisten noch nicht einmal probiert haben, nämlich, auch die Zombies als ernstzunehmende und greifbare Figuren zu inszenieren, was zumindest für die zugegebenermaßen seltenen "Alphas" gilt, die eben weit mehr sind als hirnversessene und aufs Beißen fixierte Durch-die-Gegend-Schlurfer. Die ungewohnt agilen Zombies mögen dabei nicht unbedingt per se ein Novum sein, dafür aber ein wirklich überzeugend furchterregender Zombie-Tiger. Last but not least gäbe es am Rande aber natürlich auch noch das Rätsel der Roboter-Zombies, aber wann, wie und welchem Kontext Snyder darauf zurückkommen wird, wage ich nicht einmal zu spekulieren.

Szenenbild aus Army of the Dead | © Netflix
© Netflix

Traurigerweise bleiben einem aber weder die Story noch Effekte oder Figuren so lange in Erinnerung, wie die für aufsehen sorgenden Pixelfehler, die auch bei mir zunächst die Sorge haben aufkommen lassen, es sei etwas mit dem Fernseher nicht in Ordnung. Natürlich ärgerlich, wenn so etwas nicht vor Veröffentlichung auffällt, zumal der Film ansonsten optisch außerordentlich gelungen ist (wenn man denn mit den vielen Unschärfen leben kann, mit denen es Snyder durchaus manches Mal übertreibt). Ein paar durchaus sehr explizite Gewaltspitzen, reichlich Gore und garstige Tötungen gibt es natürlich auch, derweil sich Army of the Dead ansonsten sehr ernst nimmt, was in Anbetracht von Thema und Setting überrascht, aber sehr gut funktioniert, zumal es eben dennoch einiges an Situationskomik gibt, die das Geschehen auflockert. Es könnte alles so schön sein, wenn die Logik nicht manches Mal kleinere Aussetzer hätte und einiges bei näherer Betrachtung nicht so ganz zusammenpassen mag, aber eigentlich sind das nur kleine Schönheitsfehler in einem ansonsten rundherum gelungenen, in vielen kleinen Dingen überraschend innovativen Genrebeitrag, der zwar inhaltlich überwiegend Altbekanntes neu arrangiert, mit Optik, Atmosphäre und Figuren aber umso mehr punktet. Bleibt lediglich abzuwarten, ob es fernab des Spin-Off dereinst eine Fortsetzung geben wird, denn einerseits bietet die sich in Anbetracht der offenen Fragen geradezu an, andererseits haben am ende der zweieinhalbstündigen Tour de Force ja durchaus einige der Figuren das Zeitliche gesegnet.

Fazit & Wertung:

Mit Army of the Dead liefert Zack Snyder einen einerseits überzeugenden Genre-Beitrag, andererseits eine gelungene Heist-Variation, die im Detail mit vielen frischen Ideen aufzuwarten vermag und sowohl mit brachialem Look als auch gelungenen Figuren punktet. Manchmal gilt es zwar, in Sachen Logik das eine oder andere Auge zuzudrücken, aber in der Summe macht diese blutige Chose im verheerten Las Vegas verdammt viel Spaß!

8 von 10 mm verheerten Las Vegas lauernden Gefahren

Army of the Dead

  • Im verheerten Las Vegas lauernde Gefahren - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Army of the Dead liefert Zack Snyder einen einerseits überzeugenden Genre-Beitrag, andererseits eine gelungene Heist-Variation, die im Detail mit vielen frischen Ideen aufzuwarten vermag und sowohl mit brachialem Look als auch gelungenen Figuren punktet. Manchmal gilt es zwar, in Sachen Logik das eine oder andere Auge zuzudrücken, aber in der Summe macht diese blutige Chose im verheerten Las Vegas verdammt viel Spaß!

8.0/10
Leser-Wertung 5.67/10 (3 Stimmen)
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Army of the Dead ist seit dem 21.05.21 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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