Review: Machos und Macheten – Der sechste Hap & Leonard-Roman | Joe R. Lansdale (Buch)

Hap & Leonard

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Schon geht es weiter mit den beiden Best Buddys Hap und Leonard, auch wenn es diesmal einen kleinen Zeitsprung gibt und wir uns nun bereits beim sechsten Band der Reihe befinden. Wer jetzt aber droht, den Überblick zu verlieren, der kann sich nun auf der eigens eingerichteten Seite zu den beiden umtun, die heute (endlich) online gegangen ist und die neben ein paar erläuternden Worten und Eckdaten natürlich eine Übersicht sämtlicher Bücher und Serienstaffeln liefert und freilich künftig ergänzt werden wird. So, genug der Eigenwerbung, kommen wir zur heutigen Rezension!

Machos und Macheten
Der sechste Hap & Leonard-Roman

Captains Outrageous, USA 2001, 277 Seiten

Machos und Macheten von Joe R. Lansdale | © Golkonda Verlag
© Golkonda Verlag

Autor:
Joe R. Lansdale
Übersetzerin:
Heide Franck

Verlag (D):
Golkonda
ISBN:
978-3-944-72019-7

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

 

Inhalt:

An den Wachschutzjob war ich durch einen Bekannten geraten, der gekündigt hatte und meinte, es würden zwei Neue gesucht. Ich musste einen Waffenschein machen, wie das in Texas so geht, und Leonard, der den Schein schon hatte, wurde mit mir zusammen eingestellt. Wir waren nun die letzte Bastion zwischen den Hühnchen in der Geflügelfabrik (die meisten davon bereits tot, geköpft, gerupft und aufgehängt) und der Außenwelt, die nach ihnen gierte.

Hap und Leonard verdingen sich mittlerweile als Wachschutzleute in einer Geflügelfabrik, doch wie es der Zufall will, stolpert Hap unversehens in den nächsten Schlamassel, als er in eine nächtliche Auseinandersetzung gerät und einem jungen Mädchen das Leben rettet, was deren Vater dazu veranlasst, ihn mit der stolzen Summe von hunderttausend Dollar zu belohnen. Kurzerhand beschließen die beiden Kumpels, sich doch mal einen ausgiebigen Urlaub zu gönnen und auf Anraten von Leonards Freund John buchen sie eine Kreuzfahrt, die allerdings – wie es sich für die beiden gehört – einen gänzlich anderen Verlauf nimmt als zunächst angenommen und sie im mexikanischen Playa del Carmen stranden lässt. Zuverlässig vom Regen in die Traufe stolpernd, versucht man Hap und Leonard auch hier gehörig aufzumischen und erst das beherzte Eingreifen des Fischers Ferdinand und seiner Machete rettet ihnen womöglich das Leben. Nun gilt es, von Mexiko aus nach LaBorde in East Texas zurückzukommen, doch bis dahin bändelt Hap mit Ferdinands Tochter Beatrice an, während Leonard längst ahnt, dass auch diese Frau seinen naiven Kumpel für ihre Zwecke einzuspannen versucht…

Rezension:

Mit Machos und Macheten liegt nun der erste Hap-&-Leonard-Roman hinter mir, bei dem ich nicht auf Serienkenntnisse oder auch nur auf das Wissen sämtlicher vorangegangener Bücher zurückgreifen konnte, denn nachdem ich mich nur noch vage an den vor Jahren gelesenen vierten Band Schlechtes Chili erinnern kann (seinerzeit wusste ich im Vorfeld nicht einmal, dass es sich um einen aus dem Kontext gerissen Teil der Reihe handelt) und das fünfte Abenteuer Rumble Tumble dummerweise derzeit vergriffen ist. Das macht sich natürlich dahingehend bemerkbar, dass ich viele der Rückbezüge nicht wirklich habe einordnen können und nun weder weiß, wie Hap genau seine On-Off-Freundin Brett kennengelernt hat, noch, wie Leonard an sein Gürteltier gekommen ist, aber das will ich dem Band natürlich weder ankreiden, noch schmälert es den Genuss an der Lektüre nachhaltig, denn auch wenn Lansdale zweifelsohne eine fortlaufende, lose aufeinander aufbauende Geschichte erzählt, kann man jedes Abenteuer der beiden ungleichen Freunde freilich auch ohne Vorkenntnisse und Kontext ganz wunderbar genießen.

Der Mond schien nicht besonders hell, aber ich kriegte mit, dass sich zwischen den Bäumen etwas bewegte. Was genau da vor sich ging, konnte ich allerdings nicht erkennen. Ich griff ins Wageninnere und schaltete die Scheinwerfer ein, und was ich dann sah, ließ mir die Nackenhaare zu Berge stehen.

So erging es mir auch hier wieder, dass ich bereits nach wenigen Seiten wieder voll und ganz in LaBorde beheimatet war, während Ich-Erzähler Hap den geneigten Leser eben auf gewohnt lakonische Art auf den Stand der Dinge bringt. Besonders begeistert hat mich hierbei ein weiteres Mal, wie sehr sich die Geschichten doch einerseits unterscheiden und wie sehr sich der Autor einem gängigen dramaturgischen Konstrukt verweigert, denn wo man andernorts locker hätte voraussagen können, wie die Geschichte sich weiterentwickelt, nimmt der Plot hier doch manch überraschende Wendung, ganz davon abgesehen, dass es gleichermaßen merkwürdig wie unterhaltsam ist, die beiden Ost-Texaner auf einem Kreuzfahrtschiff zu erleben. Das wie gesagt ist aber auch nur eine Etappe auf einer wendungsreichen Reise, die mit einer nächtlichen Auseinandersetzung ihren Anfang nimmt, von dort aufs Meer und letztlich nach Mexiko führt und Hap und Leonard wieder in so manchen Schlamassel geraten lassen. Dessen sind sich die beiden aber auch vollkommen bewusst und Leonard selbst merkt an, dass es womöglich dem Wohlbefinden beider zuträglich wäre, nicht mehr so viel miteinander zu unternehmen, zumal er des Öfteren der spürbar Leidtragendere der beiden ist.

Ich begrüße es ja immer sehr, wenn sich ein Autor in Selbstironie übt und freilich geht das, was die beiden bisher haben durchmachen müssen, eigentlich auf keine Kuhhaut, doch die augenzwinkernde Inszenierung lässt locker darüber hinwegsehen, zumal die teils brüllend komischen Dialoge hier noch pointierter und gewitzter daherkommen, als dies ohnehin schon immer der Fall gewesen ist. So lebt Machos und Macheten auch hier wieder einmal mehr von dem ungleichen Gespann und ihrer unglaublichen Chemie, wobei das diesmal Lansdale nicht gereicht zu haben scheint, so dass er auch noch Jim Bob Luke in Erscheinung treten lässt, den Privatdetektiv, an den ich mich noch mehr als gut aus Die Kälte im Juli erinnere, auch wenn er schon in Schlechtes Chili einen Auftritt bei Hap & Leonard für sich hat verbuchen können, an den ich mich aber beim besten Willen nicht mehr erinnere. So ist der erzählerische Sprung oder Bruch bei zwei "ausgelassenen" (beziehungsweise in einem Fall weitestgehend vergessenen) Büchern zwar nicht von der Hand zu weisen, doch überwiegt die Dankbarkeit, auch ihren weiteren Abenteuern beiwohnen zu können, nachdem wie bereits mehrfach erwähnt die gleichnamige TV-Adaption bereits ihr viel zu frühes Ende gefunden hat.

Am Abend nach der Schlägerei war ich so aufgekratzt, dass ich nicht schlafen konnte, und am nächsten Tag war ich immer noch überdreht, und am Tag drauf auch. Ich war nicht nur überdreht, ich hatte auch Schmerzen. Es fühlte sich an, als wäre ich, in Klebeband eingewickelt, einen felsigen Berghang runtergeschubst worden und dann mit den Eiern zwischen den Zähnen gegen eine Backsteinmauer geprallt.

Und so wie sich die Geschichte fortentwickelt, entwickeln sich auch die Figuren und man merkt deutlich, dass sowohl Hap als auch Leonard mit der Zeit zwar nicht unbedingt gereift, aber doch zumindest gealtert sind, so dass sie beileibe nicht mehr so mühelos wegzustecken wissen, was ihnen beispielsweise in Wilder Winter widerfahren ist, wobei eben auch in der Realität zwischen der Veröffentlichung des ersten und des vorliegenden sechsten Bandes Machos und Macheten rund elf Jahre vergangen sind. Und das macht sich eben auch zum Teil bei der Schreibe bemerkbar, wobei Lansdales Arbeiten nichts von ihrer rohen und urtümlichen Kraft verloren haben, sondern er vielmehr noch besser weiß, wie er seine Stärken herausarbeiten und stimmungsvoll in Szene setzen kann, so dass der Band eben nicht nur einiges an Überraschungen parat hält, sondern eben auch mit gehörig Witz und Charme zu punkten versteht, derweil man meinen würde, aberwitziger könne es kaum noch werden. Nichtsdestotrotz zählt dieser Vertreter der Reihe für mich nicht zu den ausgewiesenen Highlights, was aber mehr daran liegt, dass durch den Ausflug gen Mexiko das Setting LaBorde hier doch über wiete Strecken ins Hintertreffen gerät, derweil sich manche Themen auch spürbar zu wiederholen beginnen. Nichtsdestotrotz freue ich mich natürlich schon jetzt sehr auf Das Dixie-Desaster, das seinerseits den siebten – und zum Glück noch lange nicht letzten – Teil dieser ungemein unterhaltsamen und erfrischend andersartigen Reihe von einem meiner liebsten Autoren markiert. Hier wird es ebenfalls spannend bleiben, denn nach Machos und Macheten sollten zunächst einmal acht Jahre vergehen, bevor sich Lansdale erneut seinen beiden Protagonisten widmen würde.

Fazit & Wertung:

Mit Machos und Macheten liefert Joe R. Lansdale erneut eine gelungene Fortsetzung der Abenteuer von Hap und Leonard, auch wenn diese hierzulande ein wenig daran krankt, dass die beiden vorangegangenen Bände kaum noch aufzutreiben sind. Das schmälert den Genuss dieser abwechslungsreich und überraschend inszenierten Story aber kaum, die vor allem von einer gehörigen Portion an derbem Humor aufgewertet wird, mit einem ordentlichen Schuss Tragik und Melancholie aber auch ein wenig geerdeter wirkt als manch vorangegangenes Abenteuer.

8,5 von 10 scheinbar ausweglosen Situationen

Machos und Macheten – Der sechste Hap & Leonard-Roman

  • Scheinbar ausweglose Situationen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Machos und Macheten liefert Joe R. Lansdale erneut eine gelungene Fortsetzung der Abenteuer von Hap und Leonard, auch wenn diese hierzulande ein wenig daran krankt, dass die beiden vorangegangenen Bände kaum noch aufzutreiben sind. Das schmälert den Genuss dieser abwechslungsreich und überraschend inszenierten Story aber kaum, die vor allem von einer gehörigen Portion an derbem Humor aufgewertet wird, mit einem ordentlichen Schuss Tragik und Melancholie aber auch ein wenig geerdeter wirkt als manch vorangegangenes Abenteuer.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Golkonda. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Machos und Macheten ist am 20.02.14 als Klappenbroschur im Golkonda Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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