Review: Bodyguard (Serie)

Na komm, einen Artikel hauen wir noch raus mit "B"-Beginn. Hätte ich das früher geahnt, hätte ich bereits am Montag die Comic-Review entsprechend gewählt, aber dafür ist es ja nun zu spät. Trotzdem rede ich dann heute mal ein wenig über den BBC-Überraschungserfolg.

Bodyguard

Bodyguard, UK 2018, ca. 56 Min. je Folge

Bodyguard | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Jed Mercurio
Ausführende Produzenten:
Simon Heath
Jed Mercurio
Elizabeth Kilgarriff

Regisseure:
Thomas Vincent (#1-3)
John Strickland (#4-6)
Autor:
Jed Mercurio

Main-Cast:

Richard Madden (David Budd)
Keeley Hawes (Julia Montague)
Gina McKee (Anne Sampson)
Sophie Rundle (Vicky Budd)
Paul Ready (Rob MacDonald)
Vincent Franklin (Mike Travis)
Stuart Bowman (Stephen Hunter-Dunn)
Nina Toussaint-White (Louise Rayburn)
Stephanie Hyam (Chanel Dyson)
Tom Brooke (Andy Apsted)
Matt Stokoe (Luke Aitkens)
Pippa Haywood (Lorraine Craddock)
Nicholas Gleaves (Roger Penhaligon)
Shubham Saraf (Tahir Mahmood)
Claire-Louise Cordwell (Kim Knowles)
Richard Riddell (Tom Fenton)
Ash Tandon (Deepak Sharma)
Michael Shaeffer (Longcross)
David Westhead (Prime Minister)
Anjli Mohindra (Nadia)

Genre:
Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Bodyguard | © Netflix
© Netflix

Als Kriegsveteran arbeitet David Budd nun seit geraumer Zeit als Personenschützer in der Abteilung "Royal and Specialist Protection" der Londoner Polizei. Nachdem er durch eine souveräne Deeskalationstaktik bei einem versuchten Terroranschlag in einem Zug reichlich mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, wird er als Bodyguard für die Innenministerin Julia Montague eingeteilt, was ihm gehörig gegen den Strich geht, da Montague Ansichten zum Krieg vertritt, die sich nur schwer mit seinen persönlichen Erfahrungen vereinbaren lassen. Pflichtschuldig tritt Budd freilich trotzdem seinen Dienst an. Auch Andy Apsted – ebenfalls Kriegsveteran – kann nicht verstehen, wie sich Budd auf so etwas hat einlassen können und insistiert, er müsse etwas unternehmen. Doch während Budd der Innenministerin langsam auch auf menschlicher Ebene näher kommt, folgt nicht nur ein Anschlagsversuch auf ihr Leben, sondern es tritt eine weitere Interessengruppe an ihn heran und bittet um Mithilfe bei der Frage, was die Ministerin möglicherweise zu verbergen versucht. David Budd sieht sich plötzlich als Spielball konkurrierender Mächte und ist selbst hin und her gerissen zwischen Pflichtgefühl und persönlichen Belangen, die ihn bald selbst ins Fadenkreuz geraten lassen…

Rezension:

Sehr schnell wird bei der Sichtung der sechsteiligen BBC-Miniserie Bodyguard klar, weshalb sie sich zu solch einem Überraschungserfolg entwickelt hat, denn das Geschehen um den namensgebenden Personenschützer David Budd ist nicht nur hochspannend und eindringlich inszeniert, nein, es wirkt auch noch hochspannend und aktuell, was der Serie ein schönes Momentum verleiht, während man sich gleich in den ersten Minuten ein Bild von Budds Fähigkeiten und Professionalität machen darf. Die Ausgangssituation, ihn zum Bodyguard der Kriegsbefürworterin Montague zu machen, mag dabei noch simpel klingen, doch offenbart der Plot in den nachfolgenden Episoden so einiges an Überraschungen und Winkelzügen, während es immer komplizierter wird, die unterschiedlichen Interessengruppen und Parteien auseinanderzuhalten, denn während es anfänglich tatsächlich um Personenschützer und Innenministerin gehen mag, spielen alsbald die Londoner Polizei, das Ministerium und der Geheimdienst mit hinein, während Budds Vergangenheit zwar nie konkret thematisiert wird, dafür aber im Subtext stets mitschwingt.

Szenenbild aus Bodyguard | © Netflix
© Netflix

Das alles wird vergleichsweise nüchtern erzählt und insbesondere Budds reservierte Art trägt ihren Teil dazu bei, denn der allzu förmliche und auf Korrektheit bedachte Budd macht es einem als Zuschauer nicht unbedingt leicht, Zugang zu der Figur zu bekommen, was durchaus dahingehend beabsichtigt gewesen sein mag, dass man sich unvermittelt fragen muss, wem genau denn nun seine Sympathie und vor allem Loyalität gilt, wenn das Spiel erst einmal eröffnet ist. Mit Richard Madden, dem ehemaligen Game of Thrones-Star, hat man sich freilich auch ein adäquates Zugpferd besorgt, denn einerseits ist sein Gesicht weithin bekannt, andererseits ist er darstellerisch noch recht unverbraucht und macht vor allem als bedachter und aufmerksamer Personenschützer eine formidable Figur, so dass deren Stoizismus durchaus aus dem Pfuhl aus Ränkeschmieden, Betrug und gegenseitiger Überwachung herausragt, ohne dass man es extra darauf anlegen müsste. Die Frage, ob Budd womöglich aber selbst ein Verräter oder Terroristen-Sympathisant ist, hat man sich freilich bei den lang zurückliegenden ersten Staffeln von Homeland entlehnt, doch abgesehen von dieser kleinen Überschneidung geht Bodyguard durchaus eigene, nicht minder überzeugende Wege.

Was beide Serien aber ebenfalls eint, ist die ambivalent-tiefgründige Figurenzeichnung, die sich tunlichst von Schwarz-Weiß-Zeichnungen fernhält und stattdessen eine Handvoll ungemein vielschichtiger – und vor allem vielschichtig engagierter und involvierter – Personen entwirft, die diesen Polit-Thriller zu so einem Ereignis machen, ganz davon abgesehen, dass London natürlich nicht nur eine sehr dankbare Kulisse für Bodyguard liefert, sondern auch global betrachtet "gleich ums Eck" liegt. Entsprechend brisant, nah- und greifbar wirkt das, was sich hier in sechs Episoden entfaltet, auch wenn der Plot und die Zusammenhänge freilich manchmal ein wenig sehr konstruiert wirken mögen, was man aber sicherlich (nicht nur) bei dieser Art Serie in Kauf nehmen kann und muss. Madden zur Seite als zweite, ausgewiesene Hauptfigur steht hierbei Keeley Hawes (High-Rise) als Innenministerin Julia Montague, die eine resolute und tatkräftige Politikerin gibt, deren Ansichten man freilich nicht immer gutheißen muss, die aber als Figur unbestreitbar funktioniert. Nicht nur die beiden Hauptrollen betreffend hält die BBC-Serie aber auch einiges an Überraschungen parat und ist im Grunde – trotz ihrer "nur" sechs Folgen – eine Erzählung in zwei Akten, was sich auch darin widerspiegelt, dass die erste Hälfte von Thomas Vincent, die zweite Hälfte von John Strickland inszeniert worden ist, denn zur "Halbzeit" bekommt man es mit einem durchaus einschneidenden Paradigmenwechsel zu tun, der noch einmal frischen Wind in die Erzählung bringt.

Szenenbild aus Bodyguard | © Netflix
© Netflix

Die rund sechs Stunden, die Bodyguard insgesamt umfasst, darf man also getrost investieren, wenn man auch nur ansatzweise etwas für Polit-Thriller übrig hat, derweil eben nicht nur das ambivalente Innenleben von Budd und Konsorten, sondern auch die wenigen, aber ungemein gelungen inszenierten Actionszenen zu überzeugen wissen, wobei der Fokus ganz klar auf der Ermittlungsarbeit, der dräuenden Spannung und der Frage liegt, wer hier eigentlich mit wem im Bunde steht und welche Ziele er oder sie damit verfolgt. So sollte man durchaus aufmerksam der Erzählung folgen, um bestmöglich alle Zusammenhänge zu begreifen, denn in dieser Hinsicht ist der Plot durchaus fordernd geraten, was als Lob verstanden werden darf, denn auch hier liegt der Reiz gerade darin, dass die Geschichte eben nicht künstlich simplifiziert wird und den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht, sondern eben eine vielschichtige Momentaufnahme der aktuellen Situation abliefert, die freilich dramaturgisch überhöht dargestellt sein mag, als in der Realität verankerter Thriller aber durchaus formidabel funktioniert. Kein Wunder also, dass unlängst Gespräche darüber begonnen haben, ob das als Miniserie konzipierte Event nicht womöglich doch eine zweite Staffel spendiert bekommen wird, doch wie die Antwort auf diese Frage schlussendlich auch aussehen mag, sollte man sich diese BBC-Produktion definitiv nicht entgehen lassen.

Fazit & Wertung:

Die BBC-Miniserie Bodyguard punktet mit einem dicht und ambivalent ausgearbeiteten Plot und einer bodenständig-realitätsnahen Inszenierung, die insbesondere den die meiste Zeit ungemein besonnen und professionell agierenden Protagonisten David Budd und damit Richard Madden ins beste Licht rückt. Für Freunde von Polit-Thrillern eine echte Empfehlung, die durch ihre stringente und gleichwohl anspruchsvoll verwobene Erzählung besticht.

8 von 10 Anschlagsversuchen

Bodyguard

  • Anschlagsversuche - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die BBC-Miniserie Bodyguard punktet mit einem dicht und ambivalent ausgearbeiteten Plot und einer bodenständig-realitätsnahen Inszenierung, die insbesondere den die meiste Zeit ungemein besonnen und professionell agierenden Protagonisten David Budd und damit Richard Madden ins beste Licht rückt. Für Freunde von Polit-Thrillern eine echte Empfehlung, die durch ihre stringente und gleichwohl anspruchsvoll verwobene Erzählung besticht.

8.0/10
Leser-Wertung 7/10 (9 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht:

01. Folge 1 (8/10)
02. Folge 2 (8/10)
03. Folge 3 (8,5/10)
04. Folge 4 (8/10)
05. Folge 5 (8/10)
06. Folge 6 (8,5/10)

 
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Bodyguard ist seit dem 24.10.18 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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