Review: Picnic at Hanging Rock (Serie)

Kommen wir heute zu einer frisch erschienenen Miniserie, die ich allerdings leider mitnichten vorbehaltlos empfehlen kann, wie ich das im Vorfeld mal angenommen hatte, denn irgendwie verhebt sich die Show an ihren Themen, ihrer Ausrichtung, ihrer Optik doch merklich.

Picnic at Hanging Rock

Picnic at Hanging Rock, AU 2018, ca. 51 Min. je Folge

Picnic at Hanging Rock | © Universum Film
© Universum Film

Regisseure:
Michael Rymer
Larysa Kondracki
Amanda Brotchie
Autoren:
Beatrix Christian
Alice Addison
Joan Lindsay (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Natalie Dormer (Mrs. Appleyard)
Lily Sullivan (Miranda Reid)
Lola Bessis (Mademoiselle Dianne de Poitiers)
Harrison Gilbertson (Michael Fitzhubert)
Samara Weaving (Irma Leopold)
Madeleine Madden (Marion Quade)
Inez Currõ (Sara Waybourne)
Ruby Rees (Edith)
Yael Stone (Dora Lumley)
Philip Quast (Arthur)
in weiteren Rollen:
Marcus Graham (Tomasetti)
James Hoare (Albert Crundall)
Mark Coles Smith (Tom)
Don Hany (Dr. Mackenzie)
Anna McGahan (Miss Greta McCraw)
Bethany Whitmore (Blanche Gifford)
Mayah Fredes (Rosamund Swift)
Alyssa Tuddenham (Lily Kenton)
Kate Bradford (Rose Kenton)
Markella Kavenagh (Myrtle)
Jonny Pasvolsky (Sgt Bumpher)
Emily Gruhl (Minnie)

Genre:
Drama | Mystery | Romantik | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Picnic at Hanging Rock | © Universum Film
© Universum Film

Am Valentinstag des Jahres 1900 unternehmen die Schülerinnen des australischen Appleyard College einen Ausflug zum Hanging Rock und veranstalten dort ein ausgedehntes Picknick, während die Leiterin des Internats mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, die sie bis an dieses gefühlte Ende der Welt verfolgt zu haben scheinen. Auch einige der Mädchen scheinen ihr unlängst auf die Schliche gekommen zu sein, doch verschwinden insbesondere ebenselbige während des Ausfluges spurlos. Eine großangelegte Suche wird gestartet, um die drei Mädchen und die verschwundene Lehrerin zu finden, doch während die Tage verstreichen, scheint ein Erfolg der Aktion in immer weitere Ferne zu rücken. Unterdessen beginnt die Fassade des nach außen hin so renommiert wirkenden Appleyard College zunehmend Risse zu bekommen und immer mehr Eltern entscheiden sich, ihre Mädchen von der Schule zu nehmen, deren guter Ruf längst erste, tiefe Risse bekommen hat. Mrs. Appleyard ihrerseits ist allerdings nicht gewillt, das Leben einfach aufzugeben, das sie sich im fernen Australien mühsam aufgebaut hat…

Rezension:

Nach Beendigung der sechsteiligen Miniserie Picnic at Hanging Rock bin ich noch immer sehr unsicher, was genau ich von der im Australien des Jahres 1900 angesiedelten Show wirklich halten soll, bei der es sich um eine (weitere) Adaption des gleichnamigen Buches von Joan Lindsay handelt. Einerseits nämlich sind die einzelnen Episoden allein atmosphärisch und von ihrer Ausstattung her sehr gelungen, andererseits war selbst mir das Ende zu offen, zu nichtssagend, zu trivial geraten, was natürlich bei einer Geschichte, die ganz um ihr zugrunde liegendes Mysterium herum aufgezogen wird, ein echter Schuss vor den Bug ist. Dabei ist es nicht einmal die Auflösung oder Quintessenz des Ganzen, die mich enttäuscht hat, sondern vielmehr vielleicht noch, dass zahllose Nebenhandlungen, die anscheinend im Mittelteil als Füllwerk herhalten sollten, hier einfach nicht auserzählt werden und gänzlich im Sande verlaufen, wenn die Berührungspunkte zum Hauptplot nicht mehr gegeben sind.

Szenenbild aus Picnic at Hanging Rock | © Universum Film
© Universum Film

Schade, denn nach dem Theater, das um die Show gemacht worden ist, war ich doch sowohl gespannt als auch voller Erwartung, zumal hier Natalie Dormer (The Fades) als Mrs. Appleyard die Leiterin des Internats gibt und so einiges an Geheimnissen und verstörenden Erinnerungen mit sich trägt. Je größer aber das Rätsel allein um ihre Figur, umso überzeugender auch Picnic at Hanging Rock in seiner Gänze, weshalb auch hier die – in weiser Voraussicht – lediglich in der letzten Folge zu verortenden Erkenntnisse im Grunde recht ernüchternd geraten sind. Wo man aber ansonsten auch gerne mal kritisiert, eine Adaption könne nicht in ihrer Gänze alle Facetten eines Romans abbilden, bin ich hier sogar der Meinung, dass man es mit den insgesamt lediglich sechs Episoden vielleicht gar schon übertrieben hat, denn zwischen einem vielversprechenden Beginn und einem zumindest als solide zu bezeichnenden Ende liegen hier nun einmal insgesamt vier Folgen, die teils wirklich mehr schlecht als recht die Geschichte voranbringen oder sich gleich auf ausladende Rückblenden stürzen, die leider aber ebenfalls nicht viel Substanz aufweisen, sondern eben nur mal ein halbes Jahr in die Vergangenheit springen, um mal hier, mal da ein Mosaiksteinchen zu ergänzen.

So mag es grundsätzlich begrüßenswert sein, dass Picnic at Hanging Rock über die Versatzstücke der gerade mal 200 Seiten fassenden Novelle hinausgeht und das Geschehen zu "unterfüttern" sucht, doch ist man hier eben in keiner Weise konsequent und verliert tatsächlich zwischenzeitlich das namensgebende Ereignis beinahe gänzlich aus den Augen und konzentriert sich vielmehr auf das Mädcheninternat, seine mysteriöse Leiterin und allerlei Liebeleien und tragische Liebschaften, wobei die verschwundenen Mädchen hier eben auch "nur" in den Rückblenden glänzen dürfen, obwohl sie ja neben Dormers Figur die angeblichen Hauptrollen innehaben. So kann ich auch nicht behaupten, dass mich Lily Sullivan, Samara Weaving (The Babysitter) oder Madeleine Madden nachhaltig begeistert hätten, auch wenn jede von ihnen durchaus überzeugende Szenen für sich zu verbuchen weiß, doch fehlt dem Geschehen schlichtweg die klare Marschrichtung, um wirklich fesseln zu können. So scheinen die Macher eben weitaus mehr Wert auf eine mysteriöse Atmosphäre zu legen und es wirkt teils gerade so, als würde man aufs Geratewohl in den Zeiten springen, weil einem der Autoren dann doch noch eine wichtige Information eingefallen ist, die man hätte bringen müssen.

Szenenbild aus Picnic at Hanging Rock | © Universum Film
© Universum Film

Tatsächlich glaubte ich an mancher Stelle, die Show hätte gar besser funktioniert, wäre sie chronologisch erzählt worden und das Verschwinden der Mädchen hätte sich erst im Mittelteil der Staffel ereignet, denn so fühlte ich mich schlichtweg kaum involviert, bevor es zu dieser Schlüsselszene kam, die im Nachgang bis zum Erbrechen erneut aufgerollt wird, ohne dass bis zuletzt so einige Rätsel gelöst würden. So verhält es sich, dass ausnahmslos alle Mädchen während des Picknicks in einen unerklärlichen Schlummer fallen, der bis zuletzt als großes Mysterium aufrechterhalten wird, während man ansonsten mit reichlich uninspirierten Einschüben so etwas wie Schockmomente zu generieren versucht, die sich auf an Türen genagelte Tiere und über Schuhe kriechende Maden erstrecken, was aber ebenfalls kaum mehr als ein Stilmittel zu sein scheint, um ein bisschen morbides Flair zu verströmen. Dieser auf familientauglich getrimmte Horror wiederum beißt sich allenthalben mit einer oft und gern genutzten Weichzeichner-Optik, die wohl die Unschuld und Naivität der Mädchen unterstreichen soll, hier aber einfach nur reichlich altbacken wirkt und eben kaum mit der ansonsten bewusst auf modern getrimmten Inszenierung zusammenpasst. So versandet Picnic at Hanging Rock in beinahe allen Belangen in ärgerlichem Mittelmaß und blieb somit weit hinter seinen Möglichkeiten und auch meinen Erwartungen zurück. Ebenfalls ein Ärgernis – aber weder Teil meiner Kritik noch Wertung – ist der Umstand, dass die Miniserie bislang einzig und allein auf DVD veröffentlicht worden ist, denn das mühsam hochskalierte Bild lässt selbst die schönen Kulissen und malerischen Aufnahmen nicht eben im besten Licht erstrahlen. So mag es zwar keine Zeitverschwendung gewesen zu sein, der sechsteiligen Serie Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, doch hätte ich mir einfach mehr Substanz, ein kohärenteres Bild, eine packendere Story erwartet, während man stattdessen die Geschichte an den falschen Stellen aufgepolstert hat und viele weitaus interessantere Zusammenhänge und Andeutungen am Wegesrand links liegen lässt.

Fazit & Wertung:

Die als Miniserie konzipierte Neuinterpretation Picnic at Hanging Rock müht sich redlich, sich als historisches Mystery-Drama zu inszenieren, schießt mit den vielen ungeklärten Fragen und einer kruden Mischung aus Weichzeichner-Optik und aggressiv modernisierter Schnittführung jedoch die meiste Zeit über das Ziel hinaus und wirkt in seiner Gesamtheit kaum aus einem Guss, geschweige denn, dass die vielversprechend gestartete Geschichte wirklich über die Dauer von rund sechs Stunden zu faszinieren und packen wüsste. In der Art der Inszenierung sicherlich einzigartig, jedoch leider nicht immer unbedingt im positiven Sinne.

6 von 10 Rätseln und Mysterien um den Hanging Rock

Picnic at Hanging Rock

  • Rätsel und Mysterien um den Hanging Rock - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Die als Miniserie konzipierte Neuinterpretation Picnic at Hanging Rock müht sich redlich, sich als historisches Mystery-Drama zu inszenieren, schießt mit den vielen ungeklärten Fragen und einer kruden Mischung aus Weichzeichner-Optik und aggressiv modernisierter Schnittführung jedoch die meiste Zeit über das Ziel hinaus und wirkt in seiner Gesamtheit kaum aus einem Guss, geschweige denn, dass die vielversprechend gestartete Geschichte wirklich über die Dauer von rund sechs Stunden zu faszinieren und packen wüsste. In der Art der Inszenierung sicherlich einzigartig, jedoch leider nicht immer unbedingt im positiven Sinne.

6.0/10
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Episodenübersicht:

1. Vergessene Welten (6,5/10)
2. Der verfluchte Berg (6/10)
3. Mädchenträume (5,5/10)
4. Verschlungene Pfade (5,5/10)
5. Das Ende der Zeit (6/10)
6. Am Abgrund (6,5/10)

 
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Picnic at Hanging Rock ist am 12.10.18 auf DVD im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

vgw

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