Review: The Fades (Serie)

Heute mal eine sehr kurze und gleichermaßen sehr gute Serie, die ich vor Jahren schon einmal kurz auf dem Schirm hatte, um sie dann völlig zu vergessen. Dafür habe ich jetzt kurzerhand zugeschlagen und mir die Serie gegönnt. Naja und wie das eben immer so ist, möchte ich euch jetzt natürlich auch ausgiebig von meinen Eindrücken berichten.

The Fades

The Fades, UK 2011, ca. 54 Min. je Folge

The Fades | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Serienschöpfer:
Jack Thorne
Ausführende Produzentin:
Susan Hogg

Regisseur:
Farren Blackburn
Autor:
Jack Thorne

Main-Cast:
Iain De Caestecker (Paul)
Joe Dempsie (John)
Natalie Dormer (Sarah)
Tom Ellis (Mark)
Johnny Harris (Neil Valentine)
Daniel Kaluuya (Mac)
Claire Rushbrook (Meg)
in weiteren Rollen:
Lily Loveless (Anna)
Daniela Nardini (Helen)
Sophie Wu (Jay)
Jenn Murray (Natalie)
Chris Mason (Steve)

Genre:
Fantasy | Mystery | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Fades | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Paul Roberts ist der klassische Außenseiter, der nur wenige Freunde hat – abgesehen natürlich von seinem besten Kumpel Mac -, der sich mehr für Filme und Videospiele denn für Sport begeistern kann und der vor allem von immer wiederkehrenden, grausigen Alpträumen geplagt wird, gegen die auch sein Psychiater nichts auszurichten vermag. Als Paul und Mac eines Nachts auf der Suche nach Requisiten für ein Film-Projekt in ein verlassenes Einkaufszentrum gelangen, scheinen Pauls Alpträume allerdings Realität zu werden und er beginnt mehr denn je an seinem Verstand zu zweifeln, als er auch tagsüber eine Art Geisterwesen zu sehen meint. Dann allerdings eröffnet ihm Neil Valentine, dem er im Einkaufszentrum das erste Mal begegnet ist, dass es sich bei den Erscheinungen um so genannte Fades handelt, Geister, denen der Aufstieg verwehrt worden ist und die seitdem auf Erden spuken. Normalerweise sind sie körperlos, doch ein Fade namens Polus hat einen Weg gefunden, durch den Konsum von Menschenfleisch und –blut seine körperliche Gestalt zurückzubekommen. Valentine, Mitglied einer Gruppierung namens Angelics, macht Jagd auf die Fades und dass Paul sie sehen kann muss bedeuten, dass etwas an ihm besonders ist, zumal es scheint, dass seine Alpträume vom drohenden Weltuntergang künden…

Rezension:

Kürzlich bin ich mehr durch Zufall über die als Mini-Serie vermarktete BBC Three-Produktion The Fades aus 2011 gestolpert und konnte selbst kaum glauben, wie die mir in all den Jahren hat durchrutschen können, spricht schließlich allein die Besetzung – auf die ich später noch genauer eingehen möchte und werde – in diesem munteren Fantasy-Reigen schon Bände, derweil ich mich freilich auch thematisch sofort angesprochen gefühlt habe von dieser interessant klingenden Genre-Mixtur. Zu meiner Ehrenrettung kann ich derweil höchstens anführen, dass mir ein wenig später auffiel, dass die DVD zumindest seit 2015 auf meinem Amazon-Wunschzettel gestanden hat, gleichwohl ich nun mangels Blu-ray-Veröffentlichung auf das digitale Angebot zurückgegriffen habe. In beiden Fällen dennoch sehr bedauerlich, dass ich im Nachgang habe erfahren müssen, dass die Folgen wohl gekürzt und zumindest um eine jeweilige, vorangestellte Rückblende erleichtert worden sind, do noch dazu von Pauls bestem Freund Mac kommentiert worden sind, was ich mir sehr spaßig vorgestellt hätte. Immerhin, wirklich getrübt wird der Seriengenuss dadurch freilich nicht, denn die sechsteilige Serie, die wohl ursprünglich Option auf Verlängerung gehabt hätte, weist dafür ganz andere Qualitäten auf.

Szenenbild aus The Fades | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Der Einstieg zu Zwischen den Welten (1.01) hätte allerdings zugegebenermaßen eleganter ausfallen können, denn man wird hier doch schon reichlich ins kalte Wasser geschmissen, was sowohl die Vorstellung von Paul und Mac als auch der weiteren Figuren anbelangt, während man insbesondere den Angelic Neil Valentine (Johnny Harris; Enemies) bemüht, den Erklärbär zu geben. Freilich bedarf es gerade bei diesem mystischen Setting mit Fantasy-Einschlag und Anstrich von rudimentär religiösem Gestus eines gewissen World-Building, dennoch ist die erste Folge vorwiegend interessant, nicht jedoch bereits packend geraten, denn dafür versteht man im Grunde noch viel zu wenig, was eigentlich vor sich geht. Immerhin Iain De Caestecker (Lost River) als Paul vermag vom ersten Moment an zu überzeugen, wächst aber im weiteren Verlauf noch sichtlich in die Rolle hinein, während man ihm seine Unsicherheit und jugendliche Naivität vollends abkauft, auch wenn die Figur des etwas nerdigen, etwas schüchternen Jungen, der feststellt, über besondere Kräfte zu verfügen, nun nicht eben neu oder unerwartet daherkommt.

Dafür allerdings ist das bereits in der ersten Folge angerissene Konzept der "Fades" vergleichsweise innovativ und spannend geraten, was dem Thema Geister und Konsorten hier ganz neue Aspekte und Blickwinkel abzuringen weiß, während man sich auch hinsichtlich Effekten nicht zu beschweren braucht, denn insbesondere der "Ober-Fade" ist wirklich geeignet, einen das Fürchten zu lehren. Vor allem aber ist es erfrischend zu sehen, dass zwar einerseits religiöse Ansätze und Glaubensrichtungen verbaut worden sind, ohne das gleich wieder die Rede von Himmel und Hölle, Engeln und Dämonen sein muss, so dass man sich hier doch elegant bedeckt hält, auch wenn der Aufstieg der Verstorbenen – der den Fades eben verwehrt geblieben ist – freilich gleichzusetzen sein kann mit der sprichwörtlichen Himmelfahrt. Vor allem aber wird der Mythos um die Fades sukzessive erweitert und selbst einem gestandenen Angelic wie Valentine stehen im Verlauf der gerade einmal sechs Folgen noch so einige Überraschungen bevor, die insbesondere mit dem von Joe Dempsie (Game of Thrones) verkörperten John zusammenhängen, der quasi zum Halbstaffelfinale die Bühne betritt und sich zu einem tieftragischen wie brandgefährlichen Antagonisten aufschwingt.

Szenenbild aus The Fades | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Überhaupt könnte man meinen, dass The Fades in seinen zwei Staffelhälften von unterschiedlichen Leuten inszeniert worden sei, denn während die ersten drei Episoden noch vergleichsweise ruhig und behutsam erzählt werden und sich anschicken, Stück für Stück einzelne Puzzleteile zusammenzufügen, scheint mit dem schockierenden Cliffhanger zum Ende von Menschenfleisch (1.03) ein regelrechter Knoten zu platzen und unvermittelt schwingt sich die Serie in ihrer zweiten Hälfte zu ungeahnten Höhen auf, die sie auch nicht mehr zu verlassen gedenkt. Leider ist dort andererseits auch der Punkt erreicht, an dem bis dato liebevoll gepflegte Nebenhandlungsstränge ein wenig in den Hintergrund rücken müssen, doch gerade dadurch, dass man sich eben im Vorfeld bereits beispielsweise der sich anbahnenden Romanze zwischen Paul und Jay (Sophie Wu) – der besten Freundin seiner Schwester – gewidmet hat, besitzt die Story schließlich auch ein emotionales Standing. Ähnlich gelungen sind die zahlreichen Foreshadowing-Momente, die sich zumeist als Pauls Albträume manifestieren, wobei ich mich dazu bedeckt halten möchte, ob es sich um eintretende Visionen oder bewusst falsche Fährten handelt.

Der Natur der Sache nach ist The Fades dadurch auch ausnehmend düster geraten, denn während nicht nur die namensgebenden Fades Angst und Schrecken verbreiten, scheint auch das Ende der Welt ausgemachte Sache, während bereits in den ersten Minuten der ersten Folge eine prominente Figur das Zeitliche segnet (wobei wir natürlich schnell gelernt haben werden, dass der Tod mitnichten das Ende ist). Allein diese Genre-Mixtur aus Fantasy, Mystery, Horror und Thriller macht aus der BBC Three-Produktion zwar schon ein lohnendes Werk, doch veredelt und aufgelockert wird das Ganze dann schließlich durch Daniel Kaluuya (Sicario) als Mac, der nicht nur ein ausgewiesener Star Wars-Fan und eine reichlich optimistische Frohnatur ist, sondern mit seinen lockeren Sprüchen der ansonsten vorherrschenden Ernsthaftigkeit und Düsternis ihre Schärfe nimmt, zumal sich hier in vielerlei Hinsicht Aspekte einer Coming-of-Age-Geschichte finden lassen, was sowohl Paul als auch Mac betrifft.

Szenenbild aus The Fades | © Edel Germany GmbH
© Edel Germany GmbH

Als wäre dem aber nicht genug, wartet The Fades noch mit einer tragischen Beziehungsgeschichte auf, deren Parts von Tom Ellis (Lucifer) und Natalie Dormer (Die Tudors) gespielt werden. Während der von Ellis gespielte Mark als Lehrer an Pauls Schule arbeitet, ist dessen Frau Sarah Teil der Angelics gewesen, was schließlich zum Ehe-Aus geführt hat, derweil die beiden noch nicht recht voneinander lassen zu können scheinen. Wer nun aber die Augen verdreht, dass das ja wohl eine überaus generische wie gleichermaßen unnötige Dreingabe sei, dem sei verraten, dass Sarah es ist, die innerhalb der ersten paar Minuten der Serie stirbt und plötzlich bekommt das Beziehungs-Drama eine ganz neue Dimension, zumal man ahnt, wen man ob des Verschwindens von Sarah über kurz oder lang verdächtigen wird. So bin ich nicht nur in Sachen Story, sondern auch bezüglich Charakteren und Besetzung sehr positiv überrascht worden und hätte gerne auch noch mehr aus dieser Welt gesehen, doch funktioniert das Projekt als Miniserie tatsächlich ausnehmend gut und bietet einen befriedigenden Abschluss zu dieser düsteren Erzählung.

Fazit & Wertung:

Die sechsteilige BBC Three-Serie The Fades vereint neben zahlreichen Genre-Versatzstücken von Teen-Drama über Fantasy bis hin zu Horror-Thriller eine spannende Prämisse mit überzeugendem Storytelling, auch wenn die Geschichte erst in der zweiten Hälfte so richtig in Fahrt kommt. Eine ausnehmend stimmige Besetzung, durchdachte Inszenierung und ansprechende Effekte tun hierbei ihr Übriges, um den BAFTA Award Winner 2012 einem geneigten Publikum schmackhaft zu machen.

8 von 10 vom Weltuntergang kündenden Alpträumen

The Fades

  • Vom Weltuntergang kündende Alpträume - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die sechsteilige BBC Three-Serie The Fades vereint neben zahlreichen Genre-Versatzstücken von Teen-Drama über Fantasy bis hin zu Horror-Thriller eine spannende Prämisse mit überzeugendem Storytelling, auch wenn die Geschichte erst in der zweiten Hälfte so richtig in Fahrt kommt. Eine ausnehmend stimmige Besetzung, durchdachte Inszenierung und ansprechende Effekte tun hierbei ihr Übriges, um den BAFTA Award Winner 2012 einem geneigten Publikum schmackhaft zu machen.

8.0/10
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Episodenübersicht:

01. Zwischen den Welten (7/10)
02. Zwei Leben (7,5/10)
03. Menschenfleisch (7,5/10)
04. Die Spiegelung (8,5/10)
05. Verlasst die Stadt! (8,5/10)
06. Asche, nichts als Asche (8,5/10)

 
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The Fades ist am 27.07.12 auf DVD im Vertrieb von Edel Germany erschienen, ist aber alternativ auch bei bei Amazon Prime Instant Video erhältlich (jedoch nicht im Prime-Angebot enthalten). Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Prime Video:

vgw

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