Review: Fallen – Engelsnacht (Film)

Mein Dank geht heute an Amazon Prime, dafür, dass ich einen solch würdigen Vertreter für den Schlechte-Filme-Donnerstag habe sehen dürfen, ohne dafür indes etwas bezahlt zu haben.

Fallen
Engelsnacht

Fallen, UK/HU 2016, 91 Min.

Fallen - Engelsnacht | © Wild Bunch/LEONINE
© Wild Bunch/LEONINE

Regisseur:
Scott Hicks
Autoren:
Michael Arlen Ross (Drehbuch)
Kathryn Price (Drehbuch)
Nichole Millard (Drehbuch)
Lauren Kate (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Addison Timlin (Lucinda Price)
Jeremy Irvine (Daniel Grigori)
Harrison Gilbertson (Cam Briel)
Lola Kirke (Penn)
Sianoa Smit-McPhee (Molly Zane)
Daisy Head (Arriane Alter)
Hermione Corfield (Gabrielle Givens)
Malachi Kirby (Roland)
Chris Ashby (Todd Hammond)
Joely Richardson (Ms Sophia)

Genre:
Drama | Fantasy | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Fallen - Engelsnacht | © Wild Bunch/LEONINE
© Wild Bunch/LEONINE

Nachdem Lucinda Price nur knapp einem flammenden Inferno entkommen konnte, wird sie dazu verdonnert, nunmehr das Sword-&-Cross-Internat zu besuchen, wo sie allerdings schnell aneckt. Doch dafür scheint der rebellische Cam Briel ein Auge auf sie geworfen zu haben und lädt sie prompt zu einem Date ein, während sie sich auch mit ihrer Zimmernachbarin auf Anhieb gut versteht. Weit interessanter für Luce ist allerdings der schweigsame Daniel Grigori, der sie allerdings mit Nichtachtung straft. Dennoch könnte sie darauf schwören, sich Daniel verbunden zu fühlen, ihn seit Ewigkeiten zu kennen. Was Luce nicht ahnt, ist, dass Daniel tatsächlich ein gefallener Engel ist, der sich dereinst nicht für eines der verfeindeten Lager von Gott und Lucifer entscheiden wollte und seitdem verflucht ist, was beinhaltet, dass er sich in jede einzelne Inkarnation von Lucinda verliebt, nur um sie dann ein ums andere Mal sterben zu sehen. Auch Cam hat allerdings so seine Geheimnisse und während Daniel zunehmend davon überzeugt ist, dass es diesmal anders laufen könnte mit Luce, ist Cam wiederum sich sicher, dass der Tod dieser Inkarnation weitaus gravierendere Folgen hätte, schließlich ist Lucinda von ihren Eltern nicht getauft worden…

Rezension:

Es scheint ein beliebtes Hobby für Filmstudios zu sein, sich an die Verfilmung einer Young-Adult-Romanreihe zu wagen und voller Ambitionen den ersten Band der Reihe zu adaptieren, um das Ganze dann nach enttäuschenden Einspielergebnisse fallenzulassen mit der Erkenntnis, eben wieder nicht das nächste Twilight produziert zu haben. Dessen Qualität und Güte mag ebenso zweifelhaft sein wie die von Dutzenden anderen, ähnlich gelagerten Geschichten – hier sind es übrigens Engel anstelle von Vampiren –, doch zumindest der Erfolg gibt dem großen Vorbild Recht. Die Verfilmung von Fallen – Engelsnacht scheint aber ohnehin von vornherein zum Scheitern verurteilt worden zu sein, denn hier fehlt offenkundig Geld für sowohl Effekte als auch Dialogschreiber, so dass beides beschämend amateurhaft und krude geraten ist. So wirkt das Ganze natürlich schnell wie ein reines Retortenprodukt und man versteht bei der Sichtung durchaus, weshalb das Endergebnis lange Zeit nicht einmal veröffentlicht worden ist, derweil man dann bei Erscheinen zumindest vorgewarnt gewesen ist, dass auch hier aller Voraussicht nach keine Fortsetzung folgen würde.

Szenenbild aus Fallen - Engelsnacht | © Wild Bunch/LEONINE
© Wild Bunch/LEONINE

Manchmal darf es aber eben einfach übelster Trash sein und mit genau dieser Maßgabe sollte man – wenn überhaupt – an Fallen herangehen, denn hier stimmt wirklich kaum etwas und so sehr ich beispielsweise Hauptdarstellerin Addison Timlin (Odd Thomas) auch mag, bekommt sie hier kaum Gelegenheit zu glänzen und bildet stattdessen die konturlos bleibende Schablone für die nach Schema F gestrickte Love-Story, die mich vielleicht noch am ehesten dahingehend überrascht hat, dass hier nicht das klassische Liebesdreieck aufgebaut wird. Das ändert aber auch nichts daran, dass die beiden gefallenen Engel ebenso blass und beliebig wirken, was weder Jeremy Irvine noch Harrison Gilbertson (Upgrade) zur Ehre gereicht. Obwohl die sich nämlich kaum ähnlich sehen, brauchte es für mich tatsächlich des Öfteren die obligatorische, Cam als Rebellen brandmarkende Leserjacke, um die zwei Gestalten voneinander unterscheiden zu können. So schleicht man also zunächst gefühlte anderthalb Stunden umeinander herum, wirft sich vielsagende Blicke zu und führt belanglose Dialoge, bevor es Regisseur Scott Hicks überhaupt wieder in den Sinn kommt, dass er hier ja eine Geschichte erzählen wollte, die halt irgendwie mit gefallenen Engeln zusammenhängt.

Da darf man dann schon staunen, dass sich die gesamte Menagerie der aus dem Himmel Verstoßenen ausgerechnet am Sword-&-Cross-Internat eingenistet haben und allesamt als attraktive "Teenager" (sind natürlich alle wieder viel zu alt für ihre Rollen) ein menschliches Dasein fristen. Zu allem Überfluss gibt es dann noch Lehrerin Ms. Sophia – eine gänzlich verschenkte Joely Richardson (Die Farbe aus dem All) – die im Unterricht die pseudo-biblischen Geschichten zum Besten gibt, welche die getarnten Engel allesamt selbst miterlebt haben, was natürlich eine extrem billige und abgeschmackte Art darstellt, den Zuschauer auf denselben Kenntnisstand zu hieven. Ansonsten dümpelt es die meiste Zeit dramaturgisch extrem und man gibt sich bewusst geheimnisvoll, verschwörerisch und mysteriös, was im Fall von Fallen noch den Vorteil mit sich bringt, dass man die meiste Zeit über kein Geld für Effekte ausgeben muss.

Szenenbild aus Fallen - Engelsnacht | © Wild Bunch/LEONINE
© Wild Bunch/LEONINE

Breiten dann nämlich die Engel das erste Mal ihre Flügel aus, will man einerseits dankbare Stoßgebete gen Himmel schicken, dass sie das bislang haben sein lassen (weil es eben wirklich schlimm animiert ist) und sollte sich andererseits dafür wappnen, dass der Film alsbald unvermittelt und mit wenig befriedigendem Ende vorbei sein wird. An sich erstaunlich, dass man während des Drehs noch so viel Zuversicht gehabt hat, eine etwaige Fortsetzung tatsächlich realisieren zu können, dass man das Ende nicht gleich geändert hat. Im vorliegenden Fall aber macht das wohl ohnehin keinen Unterschied, denn unabhängig davon, ob Lucindas Schicksal nun abschließend geklärt wird (nein), ob man den Showdown im Keim erstickt (tut man) oder alles in der Schwebe lässt (tut man), dürfte kaum einer ein gesteigertes Bedürfnis verspüren, zu diesen unglaublich gesichtslosen Figuren in einer überkonstruiert wirkenden, religiös angehauchten Fantasy-Parallelwelt jemals zurückzukehren, denn noch während der Abspann läuft, dürfte man bereits weite Teile des Geschehens ohnehin wieder vergessen haben.

Fazit & Wertung:

Regisseur Scott Hicks scheint sich bei Fallen – Engelsnacht nicht einmal mehr Mühe gegeben zu haben, eine wie auch immer einnehmende oder spannende Geschichte zu erzählen. Während die vermeintlich vorherrschende Prämisse der gefallenen Engel lange Zeit überhaupt kein wirkliches Thema darstellt und man sich stattdessen an Teeniefilm-Allgemeinplätzen abarbeitet, stürzt das stümperhaft inszenierte Finale das ohnehin schon dürftige Werk noch weiter ins eigene Verderben.

2 von 10 vom Himmel verschmähten Engeln

Fallen – Engelsnacht

  • Vom Himmel verschmähte Engel - 2/10
    2/10

Fazit & Wertung:

Regisseur Scott Hicks scheint sich bei Fallen – Engelsnacht nicht einmal mehr Mühe gegeben zu haben, eine wie auch immer einnehmende oder spannende Geschichte zu erzählen. Während die vermeintlich vorherrschende Prämisse der gefallenen Engel lange Zeit überhaupt kein wirkliches Thema darstellt und man sich stattdessen an Teeniefilm-Allgemeinplätzen abarbeitet, stürzt das stümperhaft inszenierte Finale das ohnehin schon dürftige Werk noch weiter ins eigene Verderben.

2.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Fallen – Engelsnacht ist am 17.11.17 auf DVD und Blu-ray bei Wild Bunch im Vertrieb von LEONINE erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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