Review: Ein verborgenes Leben – The Secret Scripture (Film)

Zum Wochenende hin mal wieder eine aktuellere Filmempfehlung, wobei "Empfehlung" hier und diesmal leider mit Abstrichen betrachtet werden muss, denn dieser Film hätte meines Erachtens so viel mehr werden können, ist aber trotzdem in seinen besten Momenten sehr schön, beziehungsweise eher melancholisch/tragisch. Als Gesamtwerk nicht ganz so überzeugend, aber allemal einen Blick wert. Aber hey, was greife ich hier denn in einer Tour vor, lest doch einfach die nachfolgende Kritik!

Ein verborgenes Leben
The Secret Scripture

The Secret Scripture, IE 2016, 108 Min.

Ein verborgenes Leben - The Secret Scripture | © Wild Bunch/Universum Film
© Wild Bunch/Universum Film

Regisseur:
Jim Sheridan
Autoren:
Jim Sheridan (Drehbuch)
Johnny Ferguson (Drehbuch)
Sebastian Barry (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Rooney Mara (Rose)
Vanessa Redgrave (Lady Rose)
Jack Reynor (Michael McNulty)
Theo James (Father Gaunt)
Eric Bana (Dr. Grene)
in weiteren Rollen:
Tom Vaughan-Lawlor (McCabe)
Aidan Turner (Jack Conroy)
Susan Lynch (Nurse)

Genre:
Drama | Romantik | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Ein verborgenes Leben - The Secret Scripture | © Wild Bunch/Universum Film
© Wild Bunch/Universum Film

Bereits seit einem halben Jahrhundert lebt die rund achtzigjährige Roseanne McNulty in der Nervenheilanstalt Roscommon, doch nun soll das Gebäude abgerissen werden und einem noblen Hotel weichen. Das nimmt die Erzdiözese Sligo zum Anlass, den Psychiater Dr. William Grene zu beauftragen, den Fall McNulty neu zu bewerten. Eingewiesen wurde Rose, nachdem sie nymphomanischer Tendenzen beschuldigt worden war, vor allem aber, ihr eigenes Kind ermordet zu haben. Grene ist schnell fasziniert von der alten Dame, weiß allerdings nicht so recht, welcher Version der Ereignisse er Glauben schenken soll, denn dass sie ihr eigenes Kind getötet hat, kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen. In den letzten Tagen der Nervenheilanstalt sucht Grene das Gespräch mit Rose und taucht in deren Tagebücher und Aufzeichnungen ab, die eine lange zurückliegende Geschichte voller Tragik und Schmerz offenbaren, die ein gänzlich anderes Bild vom Schicksal der damals noch jungen Frau zeichnen…

Rezension:

Bereits zu Beginn von Ein verborgenes Leben – The Secret Scripture, wenn die beiden unterschiedlichen Erzählstränge einander gegenübergestellt werden, ohne dass man überhaupt so richtig in die Geschichte hat eintauchen können, offenbart sich ein gewisser spröder Charme des Gezeigten, der dem oft etwas sperrig wirkenden Stoff leider nicht immer zum Vorteil gereicht, auch wenn insbesondere der Part der jüngeren Rose durchaus mit einer gewissen Eindringlichkeit und dem latenten Gefühl der Bedrohung erzählt wird. Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass die von Rooney Mara verkörperte jüngere Version von Rose so dermaßen polarisiert, dass demgegenüber der in der "Gegenwart" (gemeint sind damit in diesem Fall grob gesprochen die 1980er-Jahre) verortete Plot nicht annähernd so überzeugend wirkt und insbesondere Vanessa Redgrave als ältere Rose regelrecht verschenkt wird, denn in Einzelmomenten vermag sie zwar anzudeuten, wie sie in der Rolle hätte glänzen können, doch kommt der Film über diese Ansätze kaum je hinaus.

Szenenbild aus Ein verborgenes Leben - The Secret Scripture | © Wild Bunch/Universum Film
© Wild Bunch/Universum Film

Ähnlich unnahbar und undurchsichtig erscheint gleichsam Eric Bana, der zwar einen durchaus charismatischen und sympathischen Dr. Grene gibt, seine Rolle aber abgesehen von der übertriebenen Anteilnahme und Aufopferungsbereitschaft aber nicht wirklich um nennenswerte Facetten zu ergänzen vermag. Dabei sind die Vorzeichen eigentlich ziemlich gut, denn immerhin hat sich der irisch-stämmige Regisseur Jim Sheridan (Brothers) seine Meriten längst verdient, gerade was Literatur-Adaptionen irischer Stoffe betrifft, derweil das ebenfalls The Secret Scripture betitelte Buch von Sebastian Barry bei seinem Erscheinen 2008 ja durchaus wohlwollend vom Feuilleton aufgenommen worden ist. Allerdings scheint Sheridan als Drehbuchautor auch vieles von den Anknüpfungspunkten an den irischen Befreiungskrieg herausgekürzt zu haben, so dass hier ganz klar einzig Rose‘ Leben im Vordergrund steht und man über die zeitgeschichtlichen Hintergründe nicht allzu viel erfährt, wenn es nicht ihr direktes Umfeld betrifft.

Für mich persönlich ein wenig enttäuschend war allerdings auch, dass für den Film damit geworben wird, dass Rose Tagebuch über ihren langjährigen Aufenthalt in der Psychiatrie führe, was so schlichtweg nicht stimmt, denn eigentlich führt sie vornehmlich über die vorangegangenen Ereignisse Buch, womit die fünfzig Jahre in der Nervenheilanstalt auch zu einer kurzen Episode in einem Film verkommen, der seinen Fokus ganz woanders sieht. Und dieser Fokus besteht eben weit mehr in der jungen Rose und ihrer unglücklichen Liebe zu dem von Jack Reynor (Free Fire) verkörperten Michael McNulty, derweil auch der katholische Priester Gaunt ein Auge auf die junge Frau geworfen hat. Hier versteht Theo James tatsächlich zu glänzen, derweil ich ihn bislang nur aus den Underworld-Filmen kannte, so dass er mich gleich doppelt zu überraschen wusste. Wie weiter oben schon erwähnt, ist der in den 1930ern angesiedelte Plot aber ohnehin ungleich überzeugender geraten und ist regelrecht durchwoben von irischer Melancholie, während man voller Mitgefühl betrachtet, wie Rose zunehmend und unverschuldet immer mehr Opfer der damaligen Umstände wird. Und gerade weil diese Schilderungen und Episoden so eindringlich und emotional geraten sind, ist jeder Schwenk zurück in die "Gegenwart" im Grunde so ärgerlich, weil im direkten Vergleich zumeist reichlich trivial geraten. Hinzu kommt, dass durch diesen steten Wechsel der Erzählfluss des Öfteren in Stocken gerät, womit wir wieder bei der etwas sperrigen Inszenierung angelangt wären, die das Geschehen manchmal regelrecht fragmentarisch erscheinen lässt.

Szenenbild aus Ein verborgenes Leben - The Secret Scripture | © Wild Bunch/Universum Film
© Wild Bunch/Universum Film

Das macht sich insbesondere zum Ende hin störend bemerkbar, wenn der sich um die junge Rose kreisende Plot langsam zu seinem Ende findet, denn plötzlich sieht sich Ein verborgenes Leben gezwungen, ohne die Hilfe der auch hier wieder bestechend agierenden Rooney Mara (A Ghost Story) ein befriedigendes und überzeugendes Ende zu schildern, woran er leider in weiten Teilen scheitert. Denn so sehr ich Eric Bana (Cold Blood) und Vanessa Redgrave (Coriolanus) zu schätzen weiß, schaffen auch sie es nicht, gegen den zunehmend konstruiert wirkenden Plot anzukommen, der reichlich holprig noch schnell mit einem Twist ums Eck zu kommen versucht, den man einerseits hat erahnen können, der andererseits klischeehafter und schwülstiger kaum sein könnte. Besonders stört mich das dahingehend, dass ich den Film grundsätzlich wirklich sehr gemocht habe und ruhig noch ein letztes Mal die Ausnahmeleistung von Mara unterstreichen möchte, doch fernab dessen finden sich am Wegesrand so viele Auslassungen und Ungereimtheiten, holprigen oder lapidar inszenierten Wendungen, dass Sheridans neuster Film irgendwo im soliden Mittelfeld strandet und spürbar alle Anlagen gehabt hätte, um regelrecht herausragend werden zu können.

Fazit & Wertung:

Mit Ein verborgenes Leben – The Secret Scripture versucht sich Jim Sheridan einmal mehr an der Adaption eines irischen Literaturstoffes und punktet mit namhafter und fähiger Besetzung sowie einem melancholisch gefärbten Flair, erzählt die eigentlich spannende wie tragische Geschichte von Rose McNulty aber leider so fragmentarisch und konstruiert, dass am Ende eher überzeugende Einzelszenen als ein stimmiges Ganzes in Erinnerung bleiben.

6,5 von 10 im Geheimen gehegten Erinnerungen

Ein verborgenes Leben – The Secret Scripture

  • Im Geheimen gehegte Erinnerungen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Ein verborgenes Leben – The Secret Scripture versucht sich Jim Sheridan einmal mehr an der Adaption eines irischen Literaturstoffes und punktet mit namhafter und fähiger Besetzung sowie einem melancholisch gefärbten Flair, erzählt die eigentlich spannende wie tragische Geschichte von Rose McNulty aber leider so fragmentarisch und konstruiert, dass am Ende eher überzeugende Einzelszenen als ein stimmiges Ganzes in Erinnerung bleiben.

6.5/10
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Ein verborgenes Leben – The Secret Scripture ist am 25.05.18 auf DVD und Blu-ray bei Wild Bunch im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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