Review: The Autopsy of Jane Doe (Film)

Und weil es so schön war kommt hier noch ein Horrorfilm, den ich mir jüngst zu Gemüte geführt habe und der grundsätzlich doch sehr überzeugend inszeniert worden ist, gegen Ende aber für meinen Geschmack ein wenig zu sehr über die Stränge schlägt.

The Autopsy of Jane Doe

The Autopsy of Jane Doe, UK/USA 2016, 86 Min.

The Autopsy of Jane Doe | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
André Øvredal
Autoren:
Ian Goldberg
Richard Naing

Main-Cast:
Emile Hirsch (Austin)
Brian Cox (Tommy)
in weiteren Rollen:
Ophelia Lovibond (Emma)
Michael McElhatton (Sheriff Burke)
Olwen Catherine Kelly (Jane Doe)

Genre:
Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Autopsy of Jane Doe | © Universum Film
© Universum Film

Im ländlichen Virginia werden in einem Haus fünf Leichen gefunden, die den Ermittlern Rätsel aufgeben, denn davon abgesehen, dass sich dort keinerlei Einbruchsspuren finden, handelt es sich bei einer der Leichen um eine im Keller halbvergrabene junge Frau. Der Sheriff schickt die "Jane Doe" getaufte Unbekannte zu Gerichtsmediziner Tommy und bietet ihn, noch in der selben Nacht die Autopsie vorzunehmen, weshalb Tommys Sohn Austin sogar das Date mit seiner Freundin Emma verschiebt, um seinem Vater zu helfen. Schon kurz nach Beginn der Obduktion beginnen sich allerdings die Merkwürdigkeiten zu häufen und sowohl Vater als auch Sohn stehen vor einem Rätsel, was die Todesursache der jungen Frau betrifft, zumal die inneren und äußeren Spuren an ihrem Körper partout keinen Sinn ergeben sollen. Während Austin langsam das Gefühl bekommt, etwas Merkwürdiges und Unerklärliches gehe vor sich, beharrt der Rationalist Tommy noch etwas länger darauf, dass sie das Rätsel schon noch lösen werden, bis auch er einsehen muss, dass etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugeht…

Rezension:

Als weiterer Vertreter der Horrorfilm-Sparte landete nun auch der Pathologen-Horror-Thriller The Autopsy of Jane Doe bei mir im Player, lässt mich jedoch mit ziemlich zweigeteilter Meinung zurück, denn vieles an dem Film ist außerordentlich gelungen und bemerkenswert, wohingegen dadurch die dramaturgischen Schwächen – insbesondere im letzten Drittel – aber nur umso deutlicher zutage treten, zumal die Marschrichtung, die der Film letztlich einschlägt, nicht unbedingt überall Anklang finden dürfte und auch mir zumindest ein wenig zu abgehoben und an den Haaren herbeigezogen wirkte. Bis dahin und davon abgesehen aber entpuppt sich der von André Øvredal (Trollhunter) inszenierte Film als ungemein beklemmendes, überzeugend produziertes Kammerspiel mit gleich drei überzeugenden Hauptdarstellern, denn während Emile Hirsch und Brian Cox das routiniert-rationalistische, sich die meiste Zeit erfreulich nachvollziehbar verhaltende Pathologen-Vater-Sohn-Duo geben, überzeugt selbst Newcomerin Olwen Kelly als reglose Leiche, die trotz dessen eine beeindruckende Präsenz an den Tag legt.

Szenenbild aus The Autopsy of Jane Doe | © Universum Film
© Universum Film

Dabei beginnt The Autopsy of Jane Doe auch schon ungemein mysteriös und vielversprechend, so dass zumindest schnell klar ist, dass wir uns hier über kurz oder lang in übernatürliche Gefilde wagen werden und mitnichten einen "simplen" Gerichtsmedizin-Krimi vorgesetzt bekommen, denn dafür ist hier zu früh zu viel auf Grusel und Mystery getrimmt, derweil natürlich die Wirkungsstätte der beiden Pathologen aus der Natur der Sache heraus eine morbide Atmosphäre verströmt. Die eigentliche Obduktion fällt dabei überraschend explizit aus und wer so etwas nicht sehen möchte sollte sich auf einen subtileren Schocker stürzen, wobei ich betonen möchte, dass die Szenen und Einstellungen meinem Empfinden nach weder als Schock- noch ekel-Elemente genutzt werden und tatsächlich einer glaubhaften Inszenierung einer "echten" Obduktion dienen, was dem Geschehen freilich sehr zugute kommt, um es anfänglich bewusst zu erden und in der Normalität zu verankern, statt bereits hier mit Blutfontänen oder dergleichen aufzuwarten.

Nichtsdestotrotz ist die Obduktion von Jane Doe nichts für schwache Mägen und gibt auch bald erste Rätsel auf, denn was Vater und Sohn hier zunehmend an Hinweisen und Ungereimtheiten aufdecken lässt sich rational schnell nicht mehr erklären. Hier sammelt der Film dann auch erste echte Pluspunkte, denn wo ein Horrorfilm sonst oft nur funktioniert, weil sich die handelnden Figuren ausnehmend dämlich verhalten (Stichwort "Am besten, wir teilen uns auf"), bewahren Tommy und Austin hier einen auffallend kühlen Kopf, selbst als sie akzeptieren müssen, dass es etwas vor sich geht, das das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt. So hatte ich zunächst nicht das Gefühl hatte, etwas grundlegend anders gemacht zu haben als die beiden, auch wenn Tommy vielleicht ein wenig zu lange darauf beharrt, die Autopsie fortzusetzen, bevor sein Sohn ihn überzeugen kann, dass womöglich ihrer beider Leben in Gefahr ist. In dem Moment aber, wo sich der eigentliche Horror wirklich und offiziell Bahn bricht, verliert The Autopsy of Jane Doe zunehmend an Bodenhaftung, womit er sich nicht unbedingt immer einen Gefallen tut.

Szenenbild aus The Autopsy of Jane Doe | © Universum Film
© Universum Film

Über die Auflösung, was es mit der mysteriösen Jane Doe auf sich hat, schweige ich mich selbstredend aus, doch war ich nicht wirklich glücklich mit dieser Erklärung, zumal speziell das Finale dann leider doch auch zunehmende Ungereimtheiten bereithält, die man irgendwie glücklicher hätte lösen müssen, denn so verkommen sowohl Emile Hirsch (Killer Joe) als auch Brian Cox (Mindscape) auf den letzten Metern dann doch noch zu den "typischen" Horrorfilm-Protagonisten, gegen die sie zuvor so erfolgreich angespielt haben. Immerhin bleibt The Autopsy of Jane Doe aber erfrischend konsequent bei der Auflösung, was einen doch recht kompromisslosen Terror mit sich bringt, der das letzte Drittel durchzieht. Eingangs erwähnt, fallen dann aber auch die leichten Schwächen umso gewichtiger aus und es mutet schlicht deplatziert an, wenn Vater und Sohn inmitten der losbrechenden Höllenfahrt plötzlich ihre Beziehung zueinander zu diskutieren müssen meinen, aber vielleicht nur mir das so störend auf. Dafür immerhin gibt sich der Film inszenatorisch keine Blöße und tut gut daran, sich zwei fähiger Darsteller zu versichern, die eben mehr sind als typische Schlachtfest-Monsterfutter, das gerne dutzendweise verheizt wird, so dass ich mich doch weitaus mehr mit ihnen identifizieren konnte, als dass bei einer College-Sauftour zu einem abgelegenen See der Fall gewesen wäre. Wenn ich also auch nicht mit allen Plot-Wendungen und Story-Entscheidungen einverstanden gewesen bin, hatte ich doch durchaus meinen Spaß mit Øvredals Film und begrüße dessen erfrischende wie kompromisslose Inszenierung und das ausgiebig genutzte kammerspielartige Flair des Ganzen.

Fazit & Wertung:

André Øvredal liefert mit The Autopsy of Jane Doe einen grundsätzlich überzeugenden Horror-Schocker, der sich mit dem Pathologen-Duo und seinem kammerspielartigen Aufbau angenehm von der Masse abhebt, doch was als zunehmend beklemmende Obduktion beginnt, mündet gen Ende in teils überzogenen Terror, dessen Dramaturgie bei weitem nicht so ausgereift und nachvollziehbar wirkt wie die weitaus gelungeneren ersten zwei Filmdrittel. Damit verspielt er zwar manche Chance, hebt sich aber immer noch positiv aus dem Einheitsbrei einschlägiger Veröffentlichungen ab und punktet vor allem mit intensiver Atmosphäre und charismatisch-glaubhafter Besetzung.

7 von 10 widersprüchlichen Obduktions-Funden

The Autopsy of Jane Doe

  • Widersprüchliche Obduktions-Funde - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

André Øvredal liefert mit The Autopsy of Jane Doe einen grundsätzlich überzeugenden Horror-Schocker, der sich mit dem Pathologen-Duo und seinem kammerspielartigen Aufbau angenehm von der Masse abhebt, doch was als zunehmend beklemmende Obduktion beginnt, mündet gen Ende in teils überzogenen Terror, dessen Dramaturgie bei weitem nicht so ausgereift und nachvollziehbar wirkt wie die weitaus gelungeneren ersten zwei Filmdrittel. Damit verspielt er zwar manche Chance, hebt sich aber immer noch positiv aus dem Einheitsbrei einschlägiger Veröffentlichungen ab und punktet vor allem mit intensiver Atmosphäre und charismatisch-glaubhafter Besetzung.

7.0/10
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vgw

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