Review: Personal Shopper (Film)

Heute ohne lange Vorrede, weil ich irgendwie einen ziemlich ermüdenden, stressigen Tag hinter mir habe, aber dafür ist das Wochenende ja schon fast beinahe in greifbare Nähe gerückt.

Personal Shopper

Personal Shopper, FR/DE/CZ/BE 2016, 105 Min.

Personal Shopper | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Olivier Assayas
Autor:
Olivier Assayas

Main-Cast:
Kristen Stewart (Maureen)

in weiteren Rollen:

Lars Eidinger (Ingo)
Sigrid Bouaziz (Lara)
Anders Danielsen Lie (Erwin)
Ty Olwin (Gary)
Hammou Graïa (Detective)
Nora von Waldstätten (Kyra)
Benjamin Biolay (Victor Hugo)
Audrey Bonnet (Cassandre)
Pascal Rambert (Jérôme)

Genre:
Drama | Horror | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Personal Shopper | © Universum Film
© Universum Film

Maureen Cartwright, gebürtige Amerikanerin, verdingt sich seit geraumer Zeit in Paris als persönliche Shopping-Assistentin gut betuchter Kunden wie der Designerin Krya, doch seit kurzem hat Maureen zudem den Tod ihres Zwillingsbruders Lewis zu verkraften, der einem Herzfehler erlegen ist, der auch Maureen eines Tages das Leben kosten könnte. Damit aber nicht genug der Gemeinsamkeiten der Zwillinge, denn nicht nur Lewis war ein Medium, sondern eben auch Maureen und so haben sich die Geschwister das Versprechen gegeben, dass wer auch immer zuerst sterbe, er eine Botschaft aus dem Jenseits schicken würde. Auf diese wartet Maureen nun zunehmend verzweifelt, zumal sie schon immer nicht genau wusste, was sie von ihren vermeintlichen Fähigkeiten zu halten habe. Dann aber erfolgt eine ungewöhnliche Kontaktaufnahme per SMS und Maureens Verhalten nimmt zunehmend manischere Züge an…

Rezension:

Besieht man sich Titel oder auch Cover von Personal Shopper, deutet zunächst einmal kaum etwas an Olivier Assayas‘ Film auf eine Geisterstory, wenn man einmal von Stewarts leicht erschreckten, leicht verhuschten Blick absieht, der aber bekanntermaßen alles bedeuten kann, doch geht das dahingehend schon in Ordnung, dass es sich eben auch mitnichten um eine klassische Geistergeschichte handelt, geschweige denn, dass sich der Film auch sonst einem konkreten Genre zuordnen ließe. Wer sich also einen klassischen, grob nach Akten aufgezogenen Plot mit rotem Faden und allem drumherum erwartet, ist hier von vornherein an der falschen Adresse, was wohl auch erklärt, dass das Werk im direkten Vergleich doch eher wenig Beachtung erfahren hat, doch dafür versteht es Assaya meisterhaft, Motive und Eindrücke, Momente und Stimmungen einzufangen, zu transportieren und zu verknüpfen.

Szenenbild aus Personal Shopper | © Universum Film
© Universum Film

Und tatsächlich macht darin auch Kristen Stewart freilich eine gute Figur, denn wer noch immer aus Twilight-Tagen an ihrem Talent zweifelt, der hat schlicht den Schuss nicht gehört oder sonst noch nie einen Film mit ihr gesehen (wie ich zuletzt beispielsweise Still Alice). In Gestalt der Amerikanerin Maureen gibt sie nicht nur eine zutiefst undurchsichtige und gleichsam vielschichtige Vorstellung, sondern gefällt sich auch in der Lethargie und Verlorenheit ihrer Figur, weshalb sie sich auch bereitwillig den zunehmend obsessiveren SMS-Dialogen mit einer unbekannten Person, bei der es sich nur vielleicht um ihren verstorbenen Bruder handelt, hingibt. Allein dieser Ansatz verleiht Personal Shopper vielerorts eine regelrecht sphärische Entrücktheit, die sich an den weiteren Figuren ebenso bricht, die bereitwillig zu akzeptieren bereit sind, dass Maureen Kontakt mit dem Totenreich aufzunehmen imstande ist, während sie selbst sich ihrer Fähigkeiten irritierenderweise nicht halb so sicher ist.

Allein aufgrund der Unsicherheit der Protagonistin, was ihre eigenen, womöglich nur vermeintlichen Kräfte betrifft, bringt es aber auch mit sich, dass Personal Shopper sich schwer greifen lässt und nicht nur das doch sehr abrupte und unaufgeregte Ende dürfte mit einigen Fragezeichen zurücklassen, während sich der eigentliche Horror auf einige wenige, spärliche, immerhin effektiv inszenierte Momente konzentriert. Doch selbst wenn Maureen kurzzeitig um ihr Leben (oder ihren Geisteszustand?) bangen mag, bewahren sich Assayas und sein Film eine innere Ruhe, die ihresgleichen sucht. Das mag bis hierhin ein wenig schwärmerisch klingen, aber tatsächlich ist dieser Arthouse-Streifen auch einer, der ziemlich fasziniert, wenn man sich denn darauf einzulassen bereit ist und sich keine Standard-Kino-Kost nach Schema F erwartet, doch Faszination ist eben nicht alles und so hatte auch ich mit so manchen Elementen meine Schwierigkeiten.

Szenenbild aus Personal Shopper | © Universum Film
© Universum Film

Allein der Ansatz, hier die Geschichte einer persönlichen Shopping-Assistentin zu erzählen, die sich ab und an aber auch als Medium verdingt und zufällig wie ihr Bruder über die Fähigkeit verfügt, außerweltliche Präsenzen wahrzunehmen und Kontakt zu den Geistern der Verstorbenen aufzunehmen, ist für sich genommen schon mehr als gewöhnungsbedürftig. Darüber hinaus allerdings wirkt das Fehlen eines übergeordneten Plots zu Teilen auch schlichtweg ermüdend, wenn diverse Versatzstücke scheinbar beliebig aneinandergereiht werden und Maureen traumwandlerisch durch den Tag und ihr Leben gleitet, mal hier halbherzig Klamotten aussucht, mal dort halbherzig einen Geist anzurufen versucht, mal eben mit ihrem durch Abwesenheit glänzenden Freund chattet, sich bereitwillig auf die SMS einer fremden Person einlässt und dann wieder andernorts zum Essen verabredet ist, dass wünscht man sich schlichtweg ein wenig mehr Struktur und vielleicht auch Durchblick. So kann ich schlussendlich zwar nicht sagen, die Zeit bereut zu haben, die ich mit Personal Shopper verbracht habe, doch scheinen sich mir viele Teile der ihm womöglich innewohnenden Botschaften nicht erschlossen zu haben, es sei denn, Assayas hat es tatsächlich genügt, eine vom ersten Moment an merkwürdig anmutende Geschichte allein durch ihr Gefühl der Entrücktheit transportieren zu wollen, was trotz vieler überzeugender Einzelszenen und einer stellenweise faszinierenden Prämisse dann aber doch ein wenig dürftig ist, um damit beinahe zwei Stunden Film zu füllen, Arthouse-Anstrich hin oder her.

Fazit & Wertung:

In den besten Momenten überzeugt Olivier Assayas‘ Personal Shopper als Charakterstudie und Mystery-Drama gleichermaßen, lässt vor allem Kristen Stewart manches Mal zu Höchstform auflaufen, doch wirken die Vielzahl Themen und Ansätze nicht annähernd kohärent behandelt und berücksichtigt, während sich irgendwann das Fehlen eines übergeordneten Plots auch in einem dermaßen nur scheinbar lethargisch mäandernden Werk als störendes Element nicht mehr wegdiskutieren lässt.

6 von 10 erhofften Geistererscheinungen

Personal Shopper

  • Erhoffte Geistererscheinungen - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

In den besten Momenten überzeugt Olivier Assayas‘ Personal Shopper als Charakterstudie und Mystery-Drama gleichermaßen, lässt vor allem Kristen Stewart manches Mal zu Höchstform auflaufen, doch wirken die Vielzahl Themen und Ansätze nicht annähernd kohärent behandelt und berücksichtigt, während sich irgendwann das Fehlen eines übergeordneten Plots auch in einem dermaßen nur scheinbar lethargisch mäandernden Werk als störendes Element nicht mehr wegdiskutieren lässt.

6.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Personal Shopper ist am 23.06.17 auf DVD und Blu-ray bei Weltkino Filmverleih im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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