Review: The Promise – Die Erinnerung bleibt (Film)

Auch an einem Feiertag – ja, hier bei uns in NRW ist heute Feiertag – lasse ich euch natürlich nicht ohne Filmkritik stehen und habe mich diesmal einem historischen (Kriegs-)Drama gewidmet, das mich zwar grundsätzlich überzeugt und ziemlich mitgenommen hat, das dramaturgisch aber gerne noch ein wenig ausgefeilter hätte sein dürfen.

The Promise
Die Erinnerung bleibt

The Promise, ES/USA 2016, 133 Min.

The Promise - Die Erinnerung bleibt | © Alive
© Alive

Regisseur:
Terry George
Autoren:
Terry George
Robin Swicord

Main-Cast:
Oscar Isaac (Mikael Boghosian)
Charlotte Le Bon (Ana Khesarian)
Christian Bale (Chris Myers)

in weiteren Rollen:

Daniel Giménez Cacho (Reverend Dikran Antreassian)
Shohreh Aghdashloo (Marta Boghosian)
Rade Serbedzija (Stephan)
Marwan Kenzari (Emre Ogan)
Angela Sarafyan (Maral)
Tom Hollander (Garin)

Genre:
Drama | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Promise - Die Erinnerung bleibt | © Alive
© Alive

Im Jahre 1914 beschließt der armenische Apotheker Mikael, nach Konstantinopel zu reisen, um in der Hauptstadt des Osmanischen Reiches Medizin zu studieren, muss dafür allerdings seine Verlobte in dem beschaulichen Heimatort der beiden zurücklassen. Vor Ort lernt Mikael die ambitionierte Künstlerin Ana kenne, die ihrerseits mit dem amerikanischen Fotojournalisten Chris Myers liiert ist, doch ungeachtet dessen verliebt sich der junge Armenier Hals über Kopf in die schöne Frau, die alsbald seine Gefühle zu erwidern beginnt. Was aber wie eine tragische Liaison beginnt, nimmt ganz andere Ausmaße an, als mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der systematischen Verfolgung der Armenier das gesamte Land in Aufruhr gerät und Mikael in einem Gefangenenlager landet. Tatsächlich gelingt Mikael aber nach einer Zeit der Entbehrungen die Flucht und Anas und seine Wege kreuzen sich erneut. Zähneknirschend stimmt selbst Myers zu, Mikael dabei zu helfen, seine Familie und den Rest des Dorfes in Sicherheit zu bringen, doch wird das Land noch immer von den Kriegsgräueln erschüttert und selbst eine vermeintlich sichere Passage könnte in nackten Überlebenskampf münden, während die persönliche Situation der drei an sich schon verfahren genug wäre…

Rezension:

Lange Zeit schon hatte ich den von Terry George inszenierten Film The Promise – Die Erinnerung bleibt auf meiner Agenda stehen, wusste jedoch tatsächlich kaum etwas von den politischen Umständen, die diesen Film so dermaßen polarisieren ließen und war im Grunde nur darüber im Bilde, dass sich zwischen den drei Hauptfiguren eine Art Liebesdreieck entspinnen würde. Wie so oft war für mein Interesse hauptsächlich die Besetzung ausschlaggebend und nachdem ich den Film jüngst bei Amazon Prime entdeckt habe, musste ich relativ spontan dann den längst überfälligen Blick riskieren. Und während Georges Film bereits vor seiner Veröffentlichung mit Tiefstwertungen und Verrissen gestraft war, gleichzeitig aber bei Festivals Standing Ovations zur Folge hatte, liegt die Wahrheit wie so oft irgendwo dazwischen, denn weder ist es gerechtfertigt noch nachvollziehbar, den Film aufgrund seiner Botschaft und des Themas – dem noch immer oft und gerne geleugneten Genozid an den Armeniern – in der Luft zu zerreißen, noch hat man es mit einem modernen Klassiker zu tun, der Höchstwertungen verdient hätte, auch wenn ich jeden verstehe, der "aus reinem Protest" im Umkehrschluss die Höchstwertung vergeben hat.

Szenenbild aus The Promise - Die Erinnerung bleibt | © Alive
© Alive

Ich für meinen Teil bemühe mich freilich in meinem subjektiven Empfinden, das ich hier auf dem Blog zum Besten gebe, im Rahmen der filmischen Auseinandersetzung eine Art Objektivität zu wahren und dergestalt betrachtet, ist für mich The Promise ein zwar überzeugender, aber oft leider auch ein wenig fragmentarisch und überladen wirkender Historienfilm, der zweifellos ein wichtiges Thema anreißt, das oft und gerne totgeschwiegen wird (und mir daher auch weitestgehend neu war, was man in der heutigen, so aufgeklärt scheinenden Zeit nicht vermuten würde). Jedoch passen nicht alle Versatzstücke des Films wirklich nahtlos ineinander und während insbesondere die Szenen aus dem Kriegsgeschehen etwas tief in mir berührt haben und mit einer erschreckenden Eindringlichkeit inszeniert worden sind, wusste mich wiederum die dramaturgisch zwar durchaus sinnvolle Liebesgeschichte nicht gänzlich zu überzeugen. So ist die Bekanntschaft zwischen dem von Oscar Isaac (Mojave) verkörperten Apotheker Mikael und der Künstlerin Ana (Charlotte Le Bon) zwar noch gelungen, kommt im Rahmen der sich anbahnenden Affäre aber auch nicht über einschlägig bekannte Ansätze hinaus und wirkt in ihrer Machart gar zuweilen sehr schwülstig.

Hinzu kommt, dass ausgerechnet Christian Bale (Feinde) mich diesmal nicht hundertprozentig zu überzeugen wusste, was zwar weniger seinem wie immer grandiosem Schauspiel geschuldet ist, sondern dem, dass die Bedeutung und Funktion seiner Figur für meine Begriffe nicht genügend herausgearbeitet worden ist. So lässt deren Verhalten immer wieder Ansätze erkennen, er wüsste von der Affäre, während man andererseits zu denken bereit ist, es wäre ihm womöglich egal oder er habe sich damit abgefunden, derweil er trotz seiner (vermeintlichen) Wut sein Leben zu riskieren scheint, um die Familie desjenigen, der ihm die Frau ausgespannt hat, außer Landes zu schaffen. Nun kann man dem Charakter des Fotografen Chris natürlich schlichtweg ausgeprägte humanitäre Züge attestieren, doch dringt mir die eigentliche Story hier schlichtweg nicht tief genug in die Psyche ihrer Figuren vor, was daran liegen mag, dass eben dieser romantisch-tragische Ansatz im Grunde doch nur das Vehikel bleibt, um eine historisch bislang kaum beleuchtete Epoche zu visualisieren, der ansonsten schlichtweg der Ankerpunkt gefehlt hätte, den die Geschichte um Mikael, Ana und Chris zweifellos liefert.

Szenenbild aus The Promise - Die Erinnerung bleibt | © Alive
© Alive

Damit einhergehend weist der Anfang einige kleine Längen auf, während sich The Promise im Mittelteil – und nach einem Zeitsprung – kurzzeitig anfühlt wie ein gänzlich anderer Film, bevor es zur erneuten Begegnung unserer drei Protagonisten kommt, um die sich hier im Grunde alles dreht. Freilich bemüht sich Terry George auch, einen Blick auf die am Wegesrand vergessenen Gestalten zu werfen und zumindest ansatzweise anhand kleinerer Nebenhandlungen die Gräuel des Krieges zusätzlich zu verdeutlichen, doch ist hier eben für meinen Geschmack ein bisschen zu viel von allem in den Film gepackt worden, als dass es noch ein rundherum stimmiges Ganzes ergeben könnte. Für eine historische Behandlung des Themas fehlt es mir ein wenig an Tiefe und konkreten Eckdaten, für eine romantische Geschichte – tragisch hin oder her – fehlt es mir an ausgeprägter Romantik, weshalb ich den Film zwar immer noch uneingeschränkt empfehlen kann, man sich aber darüber im Klaren sein sollte, dass er lediglich als Trittbrett zu dienen imstande ist, um sich von hier ausgehend näher mit seinem Thema zu beschäftigen. Denn so drastisch und dramatisch das Gezeigte auch sein mag, fokussiert das Geschehen doch die meiste Zeit beinahe ausschließlich auf Mikael und sein Umfeld, was den Blickwinkel doch sehr eingeschränkt bleiben lässt. Dergestalt betrachtet ein zwar wichtiger Film, der hinsichtlich seiner reinen Dramaturgie aber auch hinter seinen Möglichkeiten bleibt und das Liebesdreieck zu offensichtlich nur als Aufhänger nutzt, um einen im Grunde ganz andere – und ungleich gewichtigere – Geschichte zu erzählen.

Fazit & Wertung:

Terry George versucht sich mit The Promise – Die Erinnerung bleibt daran, den Genozid an den Armeniern im Kinoformat aufzuarbeiten und hatte bereits im Vorfeld mit einigen Leugnern und Verweigerern zu kämpfen, was die Brisanz des Themas noch zusätzlich untermauert. Doch während ich es von einer dramaturgischen Warte aus verstehen kann, dass dieser immens schwierig zu transportierende Stoff um eine Dreiecks-Liebesgeschichte gestrickt worden ist, finden sich ausgerechnet hier kleinere Schwächen in der Inszenierung des Ganzen, so dass die tragische Liebe weit weniger zu berühren weiß als die vielen Kriegstragödien und unnötigen Opfer, die man im Verlauf dieser knapp über zwei Stunden währenden Odyssee präsentiert bekommt.

7,5 von 10 abscheulichen Kriegsverbrechen

The Promise – Die Erinnerung bleibt

  • Abscheuliche Kriegsverbrechen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Terry George versucht sich mit The Promise – Die Erinnerung bleibt daran, den Genozid an den Armeniern im Kinoformat aufzuarbeiten und hatte bereits im Vorfeld mit einigen Leugnern und Verweigerern zu kämpfen, was die Brisanz des Themas noch zusätzlich untermauert. Doch während ich es von einer dramaturgischen Warte aus verstehen kann, dass dieser immens schwierig zu transportierende Stoff um eine Dreiecks-Liebesgeschichte gestrickt worden ist, finden sich ausgerechnet hier kleinere Schwächen in der Inszenierung des Ganzen, so dass die tragische Liebe weit weniger zu berühren weiß als die vielen Kriegstragödien und unnötigen Opfer, die man im Verlauf dieser knapp über zwei Stunden währenden Odyssee präsentiert bekommt.

7.5/10
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The Promise – Die Erinnerung bleibt ist am 18.12.17 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Alive erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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