Review: The Widow (Serie)

Diesmal deutlich später als gewöhnlich und erwartet, haue ich dessen ungeachtet auch am frühen Abend gerne noch meine wöchentliche Serien-Review raus, die sich diesmal einer in sich abgeschlossenen Story widmet, die zwar nicht perfekt, aber doch rundherum überzeugend und spannend inszeniert worden ist.

The Widow

The Widow, UK 2019, ca 45 Min. je Folge

The Widow | © ITV/Amazon Studios
© ITV/Amazon Studios

Serienschöpfer:
Harry Williams
Jack Williams
Ausführende Produzenten:
Harry Williams
Jack Williams

Regisseure:
Samuel Donovan (1.01-1.04)
Oliver Blackburn (1.05-1.08)
Autoren:
Harry Williams
Jack Williams

Main-Cast:
Kate Beckinsale (Georgia Wells)
Alex Kingston (Judith Gray)
Babs Olusanmokun (General Azikiwe)
Réginal Kudiwu (Djamba)
Ólafur Darri Ólafsson (Ariel Helgason)
Charles Dance (Martin Benson)
in weiteren Rollen:
Louise Brealey (Beatrix)
Luiana Bonfim (Gaëlle Kazadi)
Howard Charles (Tom Jansen)
Matthew Le Nevez (Will Mason)
Jacky Ido (Emmanuel Kazadi)
Matthew Gravelle (Joshua Peake)
Balindile ka Ngcobo (Gloria)
Bart Fouche (Pieter Bello)
Maya Barcot (Stefania)
Yoli Fuller (Sidney)

Genre:
Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Widow | © ITV/Amazon Studios
© ITV/Amazon Studios

Drei Jahre lebte Georgia Wells zurückgezogen im ländlichen Wales und trauerte um ihren totgeglaubten Ehemann Will, der bei einem Flugzeugabsturz in der Demokratischen Republik Kongo ums Leben gekommen ist. Dann aber sieht Georgia durch Zufall in einer Nachrichtensendung dokumentierte Ausschreitungen im Kongo und glaubt, ihren Mann zu erkennen. Prompt aus ihrer Lethargie gerissen, reist die frühere Soldatin in den Kongo und reaktiviert alte Kontakte, unter anderem Wills frühere Chefin Judith, die eine Hilfsorganisation vor Ort leitet, sowie den Kongolesen Emmanuel, der bei dem damaligen Flugzeugabsturz seine Frau verloren hat, worüber er und Georgia sich kennengelernt haben. Schnell allerdings scheinen Georgias Nachforschungen ins Leere zu laufen, bis eine unbekannte Partei ihr Steine in den Weg zu legen beginnt, was die resolute Frau nur darin bestärkt, Recht damit zu haben, dass ihr Mann womöglich noch am Leben sei. Doch rund um den Flugzeugabsturz scheint eine regelrechte Verschwörung im Gang zu sein und Georgia ist drauf und dran, sich mehr als mächtige Feinde zu schaffen…

Rezension:

Ich muss ja zugeben, die von den Amazon Studios und dem britischen Sender ITV koproduzierte Miniserie The Widow im Vorfeld überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt zu haben und entsprechend neugierig war ich prompt, als ich das erste Mal die Vorschau zu der Serie war, deren Hauptdarstellerin allein für mich natürlich schon beinahe zwingendes Argument für eine erste Inaugenscheinnahme war. Und ja, die Show ist schon sehr um ihre Titelheldin herum gestrickt worden, wie schon Cover und Titel verdeutlichen, so dass Kate Beckinsale mit objektiv viel zu perfektem Make-Up und stets ansprechend schwingender Mähne durch den Dschungel marodiert, was subjektiv natürlich sehr hübsch anzuschauen ist. Aufhänger für die Story ist und bleibt aber, dass hier die sich von der trauernden Witwe zur schlagkräftigen Badass-Lebensretterin wandelnde Georgia auf der verzweifelten Suche nach ihrem totgeglaubten Mann ist. Nichtsdestotrotz wäre das natürlich für eine immerhin achtteilige Serie etwas mager und so baut man eben noch die politischen Unruhen, die sozialen Missstände und das prekäre Thema Coltanabbau in den Plot des Ganzen, der sich darüber hinaus über Wales und den Kongo bis hin nach Rotterdam erstreckt, wo wir den blinden Ariel Helgason (Ólafur Darri Ólafsson) kennenlernen, der auf zunächst unklare Weise ebenfalls mit dem drei Jahre zurückliegenden Flugzeugabsturz in Verbindung steht.

Szenenbild aus The Widow | © ITV/Amazon Studios
© ITV/Amazon Studios

Die unterschiedlichen Handlungsorte werden dabei hinsichtlich Stimmung und Farbgebung überzeugend voneinander abgegrenzt und schaffen ein interessantes Flair, auch wenn ein Hauptteil der Geschichte von The Widow sich eben im Kongo ereignet. Dort kristallisiert sich schnell der gefürchtete wie gnadenlose General Azikiwe (Babs Olusanmokun, The Defenders) als Antagonist heraus, bleibt in der ersten Hälfte der Staffel allerdings auffallend im Hintergrund, obwohl bereits mehrere Spuren in dessen Richtung deuten. Zunächst aber heftet sich Georgia an die Fährte eines gewissen Pieter Bello (Bart Fouche), der dann auch über Umwege und Ecken das Thema Coltanabbau und damit einhergehend die Kindersoldatin Adidja ins Spiel bringt. In dieser Hinsicht bringen die Schöpfer, Autoren und Produzenten Harry und Jack Williams einige wirklich spannende Themen aufs Trapez, doch wirkt es leider immer wieder so, als diene all das nur als exotische Kulisse für die One-Woman-Show und damit einhergehend Georgias unbeirrbarer Suche nach Wahrheit, was zuweilen ein wenig plakativ wirkt, denn obwohl das Setting Kongo eine durchaus wichtige und prägnante Rolle spielt, liegt der Fokus eben mitnichten bei den Afrikanern, sondern eben doch wieder auf der Weißen, die ob ihrer angedichteten Militärvergangenheit und allgemeinen Hartnäckigkeit ein ums andere Mal die Nase vorn zu haben scheint.

Inszenatorisch hapert es in dieser Hinsicht also schon an mancher Stelle, doch zählt dies eher zu den Versäumnissen, wie viel mehr man mit der Gesichte von The Widow hätte machen können, wohingegen der eigentliche Aufbau des Ganzen mit seinen Vor- und Rückblenden, den falschen Fährten und Versprechungen, dubiosen Machenschaften und zunächst unerklärlichen Rätseln und Andeutungen ohne Frage am Ball bleiben lässt, so dass ich die um Kate Beckinsale (Underworld) kreisende Produktion in Windeseile regelrecht verschlungen habe. Ihr zur Seite stehen zudem noch einige durchaus namhafte Darsteller wie etwa Alex Kingston (Doctor Who), deren Rolle als Hilfsorganisationsleiterin Judith Gray in dem von Beginn an undurchsichtigen Treiben zunächst eher klein und profan wirkt, doch gelingt es den Autoren in tatsächlich beinahe jeder Episode, eine dermaßen überraschende Wendung der Ereignisse einzubauen, dass man am liebsten direkt die nächste Folge starten möchte. Aus Charles Dance (Ein ganzes halbes Jahr) als Geheimdienstler Martin Benson, der Georgia ein ums andere Mal mit Rat und Tat zur Seite steht hätte man zwar freilich noch mehr machen können, aber hier sorgt immerhin seine natürliche Präsenz dafür, dass man sich über jede Szene mit ihm freut.

Szenenbild aus The Widow | © ITV/Amazon Studios
© ITV/Amazon Studios

Weil The Widow aber auch zu großen Teilen von seinen Rätseln und Mysterien lebt, fällt ausgerechnet die finale Episode qualitativ leider ein wenig ab. Denn auch wenn die Serie grundsätzlich eher langsam und bedächtig erzählt wird – wodurch die ungleich reißerischer inszenierte Action nur umso deutlicher und adrenalinschwängernder heraussticht –, sind letzthin natürlich die meisten Rätsel bereits gelöst oder haben sich in Wohlgefallen aufgelöst, was insbesondere die finale Folge dramaturgisch doch zu Teilen aus dem Tritt geraten lässt. Hinzu kommt, dass so manche vergleichsweise profane Erklärung nicht jedem munden dürfte und freilich nicht jeder Twist vollends zu überraschen weiß, doch fernab solch dramaturgischer und teils struktureller Probleme ist die Serie doch durchweg spannend geraten und vermag mit ihrer doch überwiegend realistischen wie bedrückenden Inszenierung zu punkten, auch wenn hier in Sachen Tiefgang doch noch einiges mehr drin gewesen wäre. Nichtsdestotrotz spielt sich insbesondere Beckinsale mit Nachdruck ins Bewusstsein zurück und Look und Feel des Ganzen stimmen, weshalb man hier durchaus einen Blick riskieren darf, zumal man sich aufgrund der in acht Episoden abgeschlossenen Story eben nicht für Jahre zu verpflichten droht und einfach einen verdammt kurzweiligen Thriller genießen kann.

Fazit & Wertung:

faz

7,5 von 10 Stationen im kongolesischen Dschungel

The Widow

  • Stationen im kongolesischen Dschungel - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Die von Harry und Jack Williams kreierte, geschriebenen und produzierte Miniserie The Widow vermag mit einem spannenden Plot, reichlich Mysterien und einer charismatisch-durchsetzungsfähigen Hauptfigur zu punkten, während es in Sachen Tiefgang an mancher Stelle hapert und Handlungsort Kongo zuweilen zum reinen Plot-Device verkommt. Dank souveräner Inszenierung und ordentlichen Schauwerten aber durchaus eine Produktion, die man sich in Erwartung eines gelungenen Thrillers durchaus ansehen kann.

7.5/10
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Episodenübersicht:

01. Mr. Tequila (7/10)
02. Der grüne Löwe (7,5/10)
03. Die Überlebenden (7/10)
04. Violet (7,5/10)
05. Verloren (7,5/10)
06. Die Spinne und das Netz (8/10)
07. Will (7,5/10)
08. Nigel (6,5/10)

 
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The Widow ist seit dem 01.03.19 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

vgw

Eine Reaktion

  1. Britta 17. März 2019

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