Review: Ein gutes Omen | Terry Pratchett & Neil Gaiman (Buch)

Wer hier schon eine Weile mitliest, der dürfte bereits geahnt haben, auf welche Serie ich mich am kommenden Freitag stürzen werde und alle anderen wissen nun auch Bescheid, denn die heutige Rezension steht ganz im Zeichen einer sorgfältigen Vorarbeit zum kommenden Serien-Event.

Ein gutes Omen

Good Omens, UK 1990, 464 Seiten

Ein gutes Omen von Terry Pratchett & Neil Gaiman | © Piper
© Piper

Autoren:
Terry Pratchett
Neil Gaiman
Übersetzer:
Andreas Brandhorst

Verlag (D):
Piper
ISBN:
978-3-492-28166-9

Genre:
Fantasy | Komödie

 

Inhalt:

Es war keine dunkle und stürmische Nacht.
Eigentlich sollte es eine dunkle und stürmische Nacht sein, aber auf das Wetter ist eben kein Verlaß. Für jeden wahnsinnigen Wissenschaftler, der sein großes Werk fertigstellt, während draußen Blitze zucken, gibt es ein Dutzend andere, die ziellos unter friedlichen Sternen umherwandern, während Igor Überstunden macht.

Schon seit den Zeiten vom Garten Eden wandeln sowohl Mächte des Guten als auch des Bösen, ihres Zeichens Engel und Dämonen auf Erden. So auch der himmlische Erziraphael und der höllische Crowley, die seit den Tagen der sogenannten Übereinkunft erstaunlich gut miteinander auskommen, was wohl nicht ausbleibt, wenn man sich seit immerhin mehreren tausend Jahren kennt. Nun aber haben Engel wie Dämon ein Problem, denn eine Prophezeiung kündet davon, dass der Antichrist geboren wird und das Ende der Welt einläuten wird, was blöd ist, weil sich beide ziemlich an ihr Leben auf der Erde gewöhnt haben. Also beschließen die beiden, den Antichrist beiderseits zu beeinflussen, um durch den Widerstreit zwischen Gut und Böse zu gewährleisten, dass er eben nicht das Ende der Welt herbeiführt. Kurz vor knapp allerdings stellt sich heraus, dass das Kind vertauscht worden ist und der junge Warlock wohl nichts Teuflisches an sich hat. Wo allerdings der echte Antichrist nun sein könnte, ist zunächst ein großes Rätsel, das den Startschuss für ein Wettrennen gegen die Zeit liefert, denn sollten Erziraphael und Crowley scheitern, ist bereits kommenden Samstag Weltuntergang…

Rezension:

Voller Vorfreude und in Vorbereitung des am Freitag online gehenden Serien-Events Good Omens musste ich mir freilich auch im Vorfeld noch schnell die Buchvorlage vornehmen, die hierzulande als Ein gutes Omen vertrieben wird und nunmehr schon fast dreißig Jahre auf dem Buckel hat, was man dem Werk allerdings – zum Glück – in keiner Weise anmerkt (wenn man einmal davon absieht, dass hier noch die alte deutsche Rechtschreibung mit "daß" verwendet wird, die sich (für mich) tatsächlich mittlerweile komisch liest). Und obwohl die Geschichte auf der uns bekannten Erde spielt, ist sie im besten Sinne gealtert und wirkt ungebrochen aktuell, auch wenn sich beispielsweise in Sachen Technik natürlich so einiges getan hat seit Anfang der 90er. Im Grunde haben wir es aber natürlich mit einer Geschichte biblischen Ausmaßes zu tun und so nimmt die Geschichte eben auch – wenn auch nur kurz – im Garten Eden ihren Anfang, bevor dem Leser einerseits der gutmütige Engel Erziraphael und der gar nicht mal so garstige Dämon Crowley vorgestellt werden, die eine Jahrtausende währende Freundschaft verbindet.

Derzeit befand sich Crowley östlich von Slough, und seine Geschwindigkeit betrug hundertzehn Meilen pro Stunde. Wenn man klassische Maßstäbe anlegte, sah er eigentlich gar nicht wie ein Dämon aus. Ihm fehlten Hörner und Flügel. Zugegeben, er hörte sich eine Best of Queen-Kassette an, aber daraus lassen sich keine Schlußfolgerungen ziehen – alle Musikkassetten, die länger als zwei Wochen in einem Wagen liegen, verwandeln sich auf geheimnisvolle Weise in Best of Queen-Alben. Im Augenblick gingen Crowley keine besonders dämonischen Gedanken durch den Kopf.

Stil und Aufbau der Geschichte sind dabei zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftig, denn allein Kapitel sucht man hier gänzlich vergebens und ein Orts- oder Szenenwechsel kündigt sich lediglich durch eine Leerzeile an, was anfänglich dahingehend Verwirrung stiftet, dass neben Engel und Dämon natürlich auch der neugeborene (und dann vertauschte) Antichrist eine Rolle spielt und in diesem Zusammenhang auch die satanischen Nonnen vom Schwatzhaften Orden der Heiligen Beryll, ebenso wie die vier apokalyptischen Reiter nach und nach der Angelegenheit des nahenden Weltuntergangs annehmen, derweil es mit Agnes Spinner noch eine waschechte Prophetin gibt, die sich auf die Prophezeiungen von Anathema Apparat stützt, die zu ihren Lebzeiten als Hexe verbrannt worden ist, was uns schlussendlich zum immer noch existierenden Hexensucher-Orden führt, dessen Feldwebel Shadwell ebenso wie sein jüngster Gefreiter Newton ebenfalls ihre Rolle in dem Reigen zu spielen haben werden. Damit will ich keinesfalls von der Lektüre von Ein gutes Omen abraten, doch sollte man eben darauf gefasst sein, dass es anfänglich ein wenig verworren wird oder wirkt.

Nun bin ich natürlich jetzt schon durch den Trailer zur Serienadaption vorgeschädigt und hatte beim Lesen durchaus Michael Sheen und David Tennant vor Augen, was tatsächlich wahnsinnig gut funktioniert, doch auch so wären mir die beiden wohl schnell ans Herz gewachsen, auch wenn sie tatsächlich im Mittelteil dann doch eher durch Abwesenheit glänzen. Überhaupt zieht sich leider gerade in der Mitte die Geschichte schon ein wenig, die zu diesem Zeitpunkt zwar schon in die Gänge gekommen ist und die (zahlreichen) Protagonisten positioniert hat, sich hier aber mehr darin ergeht, skurrile Episode an Episode zu reihen, was durchaus ein wenig hätte gestrafft werden können. Nun liest man aber insbesondere Terry Pratchett auch aufgrund des Humors und in dieser Hinsicht ist natürlich auch Ein gutes Omen eine gute Wahl, auch wenn es eben nicht Teil der Scheibenwelten ist, wobei man dank der Reiter Apokalypse ja zumindest auf TOD nicht zu verzichten braucht. Die Zusammenarbeit mit Neil Gaiman bietet sich hier natürlich freilich an und trägt auch durchaus Früchte, wobei ich schon das Gefühl hatte, der Pratchett’sche Stil würde mehr durchschlagen. Dabei muss man aber natürlich auch berücksichtigen, dass der Roman noch aus Gaimans Anfangstagen als Schriftsteller stammt und tatsächlich sogar sein Roman-Debüt markiert.

Rein technisch gesehen war Erziraphael ein Erzengel, doch in der heutigen Zeit machten die Leute ihre Witze über so etwas.
Unter normalen Umständen hätten Crowley und er sicher nicht Freundschaft geschlossen, aber sie waren Männer von Welt (zumindest sahen sie in ihrer gegenwärtigen Erscheinungsform wie Männer aus), und "Die Übereinkunft" gereichte ihnen beiden zum Vorteil. Außerdem gewöhnte man sich schließlich an das einzige andere Wesen, das seit sechstausend Jahren auf Erden wandelte.

Ansonsten aber ist Ein gutes Omen ein herrlich kurzweiliges Lesevergnügen voller skurriler Einfälle und amüsanter Fußnoten, stilvoll und clever ineinander verschachtelt und miteinander verwoben, bei allem spleenigen Witz aber eben auch durchaus intelligent und von klugen Beobachtungen und Analogien durchwoben. Kein Wunder also, dass man sich entschlossen hat, den Stoff zu adaptieren und in Anbetracht der vielen aberwitzigen Ereignisse im Buch bin ich sehr gespannt, wie der hereinbrechende Weltuntergang für die heimischen Fernsehschirme umgesetzt werden wird, aber als Paradebeispiel für Absurdität und schier grenzenlosen Einfallsreichtum taugt auch schon das zugrundeliegende Buch, wenn es eben auch an einigen Stellen erzählerisch ein wenig hätte gestrafft werden können.

Fazit & Wertung:

Die von Terry Pratchett und Neil Gaiman ersonnene Geschichte Ein gutes Omen wirkt auch heute– beinahe 30 Jahre nach Ersterscheinen des Romans – noch brandaktuell und hat nichts von ihrem Schneid und Witz verloren, während sich augenzwinkernde Absurditäten zunehmend aufeinandertürmen und die unvermeidbar scheinenden Apokalypse zusehends näher rückt. Trotz üppig verteiltem Humor-anteil steckt die Geschichte aber auch voller kluger Überlegungen und folgt einer wenn auch verschachtelten, so doch gleichsam cleveren narrativen Struktur.

8,5 von 10 kryptischen, aber durchaus freundlichen und zutreffenden Prophezeiungen

Ein gutes Omen

  • Kryptischen, aber durchaus freundliche und zutreffende Prophezeiungen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die von Terry Pratchett und Neil Gaiman ersonnene Geschichte Ein gutes Omen wirkt auch heute– beinahe 30 Jahre nach Ersterscheinen des Romans – noch brandaktuell und hat nichts von ihrem Schneid und Witz verloren, während sich augenzwinkernde Absurditäten zunehmend aufeinandertürmen und die unvermeidbar scheinenden Apokalypse zusehends näher rückt. Trotz üppig verteiltem Humor-anteil steckt die Geschichte aber auch voller kluger Überlegungen und folgt einer wenn auch verschachtelten, so doch gleichsam cleveren narrativen Struktur.

8.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Weitere Details zum Buch und den Autoren findet ihr auf der Seite von Piper. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Ein gutes Omen ist am 02.05.18 als Klappenbroschur bei Piper erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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