Review: Good Omens (Serie)

So, nachdem ich mir gestern den halben Tag um die Ohren geschlagen habe, um diese großartige Serie zu sichten, habe ich mir dann heute den halben Tag um die Ohren gehauen, um darüber zu schreiben und mein Gott hat das Spaß gemacht (beides), ganz zu schweigen von der Zeit freilich, die ich auf unten abgebildete Zeichnung verwendet habe, denn ich habe natürlich im Vorfeld quasi bereits gewusst, dass mich diese Show begeistern würde und behielt damit recht. Warum, könnt ihr natürlich jetzt in aller Ausführlichkeit nachlesen (spoilerfrei, versteht sich).

Good Omens

Good Omens, USA 2019, ca 54 Min. je Folge

Good Omens | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Serienschöpfer:
Neil Gaiman
Terry Pratchett
Showrunner:
Neil Gaiman

Regisseur:
Douglas Mackinnon
Autor:
Neil Gaiman

Main-Cast:
Michael Sheen (Aziraphale)
David Tennant (Crowley)
Adria Arjona (Anathema Device)
Miranda Richardson (Madame Tracy)
Michael McKean (Shadwell)
Jack Whitehall (Newton Pulsifer)
Daniel Mays (Arthur Young)
Sian Brooke (Deirdre Young)
Sam Taylor Buck (Adam Young)
Ned Dennehy (Duke of Hell Hastur)
Ariyon Bakare (Duke of Hell Ligur)
Jon Hamm (Gabriel)
Frances McDormand (Narrator / God [Stimme])
in weiteren Rollen:
Mireille Enos (War)
Yusuf Gatewood (Famine)
Brian Cox (Death)
Doon Mackichan (Archangel Michael)
Nina Sosanya (Mary Hodges)
Bill Paterson (Tadfield Neighbourhood Watch)
Simon Merrells (International Express Man)
Nick Offerman (Thaddeus Dowling)
Anna Maxwell Martin (Beelzebub)
Mark Gatiss (Mr. Harmony)
David Morrissey (Captain Vincent)
Derek Jacobi (Metatron)
Benedict Cumberbatch (Satan [Stimme])

Genre:
Fantasy | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Good Omens | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Nachdem vor rund 6000 Jahren – genauer am 21. Oktober 4004 v. Chr. – das Universum entstanden ist, hat sich einiges getan, doch seit dieser Zeit weilen auch Engel Erziraphael und Dämon Crowley auf der Erde, kennen sich quasi aus dem Garten Eden und sind sich über die Jahrtausende hinweg mehr als nur ein paar Mal über den Weg gelaufen. Doch da man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, hat Gottes Unerfindlichkeit wohl beschlossen, es reiche langsam, denn das Ende der Welt naht, angekündigt durch den Antichristen, der auf Erden wandeln und kurz nach seinem elften Geburtstag die Apokalypse einleiten soll. Crowley als Vertreter der Hölle wird damit betraut, auf das Kind achtzugeben, aber dank ein wenig Schludrigkeit verschiedener Parteien läuft nicht alles so wie geplant, ganz davon abgesehen, dass Crowley eigentlich gar keine Lust hat, die Welt untergehen zu sehen, schließlich gefällt es ihm auf der Erde (abgesehen vom 14. Jahrhundert vielleicht). Ähnlich ergeht es Erziraphael, der sich letztlich von Crowley dazu breitschlagen lässt, gemeinsam die Apokalypse zu verhindern, was allerdings schwieriger getan als gesagt ist. Doch wären da ja auch noch die freundlichen wie zutreffenden Prophezeiungen der Hexe Agnes, die ihrer Nachfahrin Anathema in die Hände fallen und die ihrerseits ebenfalls bestrebt ist, den Antichristen aufzuhalten. Der unterdessen ahnt noch nichts von seiner Bestimmung und lebt unter dem Namen Adam Young ein ziemlich gewöhnliches Leben mit seinen drei besten Freunden, doch mit der Ankunft seines persönlichen Höllenhundes fällt der Startschuss zur Auslöschung der Existenz und folglich machen sich auch die vier apokalyptischen Reiter auf, um Armageddon – eigentlich ja Harmagedon – beizuwohnen. Da scheint es fast ein Glücksfall, dass der Antichrist als Baby fälschlich vertauscht worden zu sein scheint, was so einige Pläne der Hölle über den Haufen wirft, was aber nicht heißt, dass die Apokalypse nicht trotzdem drohe – und zwar schon am Samstag…

Rezension:

Bereits seit der ersten Ankündigung war ich unglaublich gespannt auf das Serien-Event Good Omens und brauche wohl niemandem erklären, dass allein das Vorhaben, einen von Terry Pratchett und Neil Gaiman verfassten Roman – noch dazu mit Michael Sheen und David Tennant in den Hauptrollen – als Mini-Serie zu adaptieren, natürlich eine enorme Erwartungshaltung mit sich bringt und im Grunde nur entweder glorios oder alternativ enttäuschend geraten kann. Dazwischen dürfte wenig Raum sein, denn entweder gelingt es, den Geist der Vorlage zu erhalten und eine getreue und würdige Adaption abzuliefern oder man scheitert mit Pauken und Trompeten, zumal die Fangemeinde beider Autoren und des Buchs im Speziellen immens sein dürfte und keine Fehler verzeiht. Hier zum Glück haben wir es mit dem ersten Fall zu tun und die auf sechs Episoden angelegte Show überzeugt auf ganzer Linie, was durchaus auch an einigen logischen, aber sicherlich nicht selbstverständlichen Entscheidungen liegt, zu deren wohl wichtigster gehört, dass Neil Gaiman selbst nun die Skripte für die einzelnen Episoden und somit die gesamte Geschichte verfasst hat und natürlich wie kaum ein Zweiter geeignet ist, das Flair der Vorlage zu verstehen und zu erhalten. Denn auch wenn der Roman dem Gefühl nach doch ein wenig mehr die Handschrift des 2015 verstorbenen Terry Pratchett trägt, kann man wohl davon ausgehen, dass die von Gaiman adaptierte Handlung ihm gefallen hätte.

Szenenbild aus Good Omens | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Wie es die Natur der Sache ist, bildet die Serie aber natürlich nicht alles ab, was in dem Buch passiert und so muss man speziell als Fan der Vorlage in Kauf nehmen, dass einerseits die Rollen der Sie/Them (da viele der Namen/Bezeichnungen eingedeutscht worden sind, verweise ich bei erstmaliger Nennung auf beide Schreibweisen) sowie der apokalyptischen Reiter im direkten Vergleich gehörig zusammengestaucht worden sind. Das ärgert manches Mal, weil so auch weniger Zeit bleibt, auf Insider-Gags für die Buchkenner einzugehen (Elvis immerhin sieht man auch hier einmal kurz am Grill stehen), hätte aber auch die Handlung nicht signifikant vorangebracht, zumal mir selbst bei der Lektüre der hierzulande als Ein gutes Omen vertriebenen Buchvorlage die ausufernden Diskussion von Adam und seinen drei Freunden manches Mal ein wenig zu ausufernd erschienen sind. Würde es sich bei Good Omens aber um eine minutiös abgearbeitete 1:1-Umsetzung handeln, bräuchte die sich ehrlicherweise auch kaum jemand ansehen und so begrüße ich den eingeschlagenen Weg, denn was hier den zahlreichen Figuren an Screentime abgeknapst wird, kommt samt und sonders dem Engel Erziraphael/Aziraphale und dem Dämon Crowley zugute, die in der Serie deutlich präsenter und gewichtiger wirken, als sie es im literarischen Vorbild waren. Darüber hinaus ließ es sich Gaiman dann auch nicht nehmen, die vielen angedeuteten Begegnungen zwischen den beiden ungleichen Freunden hier auch ein wenig mehr auszuschmücken, was in der Episode Schwere Zeiten (1.03) gipfelt, die einfach mal beinahe eine halbe Stunde darauf verwendet, Engel und Dämon durch die Zeitalter zu begleiten, wie man sie auch in dem wirklich wunderbaren Vorspann zu sehen bekommt, der in diesem Fall hier erst nach 28,5 Minuten über die Leinwand flimmert. So etwas würde man sich bei einer regulären Network-Serie wahrscheinlich in den wenigsten Fällen trauen, doch hier macht es absolut Sinn und zeigt eben auch die Freiheiten auf, die diese Art Projekt mit sich bringt.

So war und ist Good Omens eben von vornherein als Mini-Serie konzipiert gewesen und ich kann mir nur schwerlich vorstellen – selbst bei zu erwartendem, immensen Erfolg – dass hier jemand der Versuchung erliegen könnte, eine Art Fortsetzung nachzuschieben, denn dafür dürfte auch der – jederzeit spürbare – Respekt für die Vorlage viel zu groß sein. Um aber auf Erziraphael und Crowley zurückzukommen, gleicht es schon einem Geniestreich, hierfür Michael Sheen (Midnight in Paris) und David Tennant (Doctor Who) verpflichtet zu haben, denn jeder für sich und beide gemeinsam begeistern immens mit ihrer punktgenauen und herrlich augenzwinkernden Interpretation der beiden Freunde, die seit dem Anbeginn der Menschheit auf der Erde weilen, sich alle paar Jahrhunderte über den Weg laufen und sich schon längst gegenseitig näher sind als ihren jeweiligen "Arbeitgebern", auch wenn es ihnen (noch) schwerfällt, dies zu erkennen. So ein drohender Weltuntergang allerdings schweißt bekanntlich zusammen und letztlich lässt sich gar der prinzipientreue Erziraphael überreden, mit Crowley gemeinsame Sache zu machen. Aber beginnen wir am Anfang und das ist hier bekanntermaßen wörtlich zu nehmen, denn die Serie setzt nach kurzer Einführung durch die Stimme von Gott (Frances McDormand, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri), die hier auch weiterhin als Erzählerin fungieren wird, im Garten Eden ein und beginnt mit dem wohl prestigeträchtigsten Obst-Verzehr der "Geschichte", an dem Crowley (damals noch Crawly, also Kriecher) eben auch nicht ganz unschuldig gewesen ist. Besonders schön hierbei, dass der Part zur Entstehung des Universums und der Menschheit quasi wortwörtlich aus dem Buch übernommen worden ist, wie es eben auch für folgende, erzählerische Einschübe gilt, die allenthalben vorkommen, um Dinge, oft Gedanken zu erklären, die auf der Leinwand anders einfach nicht hätten dargestellt werden können.

Good Omens | Zeichnung von Wulf Bengsch

Auf die zahlreichen, für Pratchett typischen Fußnoten muss man natürlich an dieser Stelle verzichten, doch hat Gaiman nach eigener Aussage darauf geachtet, dass sie zumindest alle vorkommen – bildlich gesprochen – und so schöne Easter-Eggs für die Buchkenner bilden, was ich nach der kaum eine Woche zurückliegenden Lektüre tatsächlich nur bestätigen kann. So bietet die Serie Good Omens für Fans und Kenner der Vorlage natürlich noch ein "reicheres" Sehvergnügen, doch kann ich dank meiner Freundin auch bestätigen, dass die Serie nicht minder gut funktioniert, wenn man eben mit dem Buch nicht vertraut ist. Die erste Episode Am Anfang (1.01) derweil widmet sich im Grunde lediglich der Exposition des Settings und der beiden Hauptfiguren, während man sich bis zur zweiten Folge Das Buch (1.02) Zeit lässt, um überhaupt die zahlreichen weiteren Figuren einzuführen, zu denen die Okkultistin Anathema Apparat/Device (Adria Arjona) und der angehende Hexensucher-Gefreite Newton Läuterer/Pulsifer (Jack Whitehall) zählen, ebenso wie Hexensucher-Feldwebel Shadwell (Michael McKean) und Madame Tracy (Miranda Richardson). Und auch deren Geschichten werden freilich kompakter, aber nicht weniger liebevoll erzählt, so dass sich dieser muntere wie absurde Reigen, den Gaiman und Pratchett vor nunmehr drei Dekaden ersonnen haben, auch als Serie zu einem stimmigen und ungemein sympathischen Ganzen fügt.

Dabei merkt man freilich auch an der Anzahl der hochkarätigen Gast-Stars, dass es den Beteiligten und Verantwortlichen ein Herzensprojekt gewesen ist, so dass sich hier in teils kleinsten Rollen von Mark Gatiss über David Morrissey bis hin zu Derek Jacobi zahlreiche bekannte Namen die Ehre geben, um Teil dieser Produktion sein zu können, derweil einzig der Part von Benedict Cumberbatch vielleicht dahingehend ein wenig enttäuscht, dass er eben "nur" die Stimme von Satan übernimmt und das auch nur für einige wenige Minuten, wohingegen Brian Cox (The Autopsy of Jane Doe) als Kultfigur – und der Scheibenwelt entliehener – Tod/Death einfach nur großartig ist, obwohl man ihn selbst eben auch nicht zu sehen bekommt. Ebenfalls erinnerungswürdig mag die jüngst noch in der Amazon-Serie Hanna in Erscheinung getretene Mireille Enos als Krieg/War sein, gleichwohl der Part der apokalyptischen Reiter wie gesagt sehr zusammengestaucht worden ist, doch eine der großartigsten Ergänzungen ist tatsächlich Jon Hamm (Catch Me!), der Erzengel Gabriel verkörpern darf und sein ganzes komödiantisches Talent unter Beweis stellt, zumal der Part der Figur im Vergleich zum Buch deutlich aufgebohrt worden ist, um quasi einen Ansprechpartner im Himmel zu haben, der hier einem in gleißendes Licht getauchten Bürokomplex ähnelt (während die Hölle in den reichlich heruntergekommenen Kellergeschossen residiert).

Szenenbild aus Good Omens | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Leider aber – und vielleicht ein Hauptgrund, warum ich nicht die Höchstwertung vergebe – gibt es auch kleinere Dinge zu bemängeln, zu denen vorrangig gehört, dass die Szenen um Adam Young (Sam Taylor Buck), also den Antichristen und seine drei Freunde nicht immer ganz stimmig geraten sind und speziell die Dialoge doch dazu neigen, ein wenig hölzern zu wirken, was zwar nicht gravierend ins Gewicht fällt, aber doch ein wenig an der Authentizität des Gezeigten kratzt. Auch die Sinneswandel von Adam selbst wirken leider in der "gekürzten" Form der Erzählung ein wenig sprunghafter, als sich dies im Buch dargestellt hat, aber über solche kleineren Stolpersteine kann man durchaus wohlwollend hinwegsehen, denn ansonsten ist wirklich alles vertreten und dabei, was man sich als Fan des Kultbuches wünschen würde, inklusive zahlloser Queen-Songs, die aus der Anlage von Crowleys Bentley tönen, völlig unabhängig davon, welche CD er ursprünglich eingelegt haben mag, und als wäre Good Omens als Serien-Event nicht schon großartig genug, hat es damit auch noch den perfekten Soundtrack für sich gepachtet.

Fazit & Wertung:

So groß die Vorfreude auf Good Omens auch war, so immens war auch die Fallhöhe, falls das Projekt enttäuschen sollte, doch das liebevoll seitens Neil Gaiman selbst adaptierte Skript, die formidable wie spielfreudige Besetzung und die mutige wie vorlagengetreue Inszenierung, die um keine Absurdität verlegen ist, machen aus dieser sechsteiligen Mini-Serie ein Kleinod der seriellen Unterhaltung, das Fans wie Neulinge gleichermaßen zu begeistern imstande ist und geradezu dazu einlädt, in einem Rutsch genossen zu werden.

9 von 10 kryptischen, aber durchaus freundlichen und zutreffenden Prophezeiungen

Good Omens

  • Kryptische, aber durchaus freundliche und zutreffende Prophezeiungen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

So groß die Vorfreude auf Good Omens auch war, so immens war auch die Fallhöhe, falls das Projekt enttäuschen sollte, doch das liebevoll seitens Neil Gaiman selbst adaptierte Skript, die formidable wie spielfreudige Besetzung und die mutige wie vorlagengetreue Inszenierung, die um keine Absurdität verlegen ist, machen aus dieser sechsteiligen Mini-Serie ein Kleinod der seriellen Unterhaltung, das Fans wie Neulinge gleichermaßen zu begeistern imstande ist und geradezu dazu einlädt, in einem Rutsch genossen zu werden.

9.0/10
Leser-Wertung 8/10 (4 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht:

01. Am Anfang (9/10)
02. Das Buch (9/10)
03. Schwere Zeiten (9/10)
04. Spaß am Samstagmorgen (9/10)
05. Der letzte Ausweg (9/10)
06. Der allerletzte Tag ihres restlichen Lebens (9/10)

 
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Good Omens ist seit dem 31.05.19 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.


vgw

Kommentare (2)

  1. KiraNear 3. Juni 2019

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