Review: GLOW | Staffel 3 (Serie)

Zwischenzeitlich habe ich ja echt mit dem Gedanken gespielt, heute einer anderen Serien-Kritik (die ich noch hätte schreiben müssen), den Vorzug zu geben, doch mitten in der Nacht hat dann der Streaming-Dienst gestreikt und so bleibe ich bei meinen ursprünglichen Plänen und erzähle heute von der dritten Staffel der wohl derzeit bekanntesten Wrestling-Serie, die aber natürlich eigentlich gar keine Wrestling-Serie ist.

GLOW
Staffel 3

GLOW, USA 2017-, ca. 32 Min. je Folge

GLOW | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Liz Flahive
Carly Mensch
Ausführende Produzenten:
Liz Flahive
Carly Mensch
Jenji Kohan
Tara Herrmann

Main-Cast:
Alison Brie (Ruth Wilder)
Betty Gilpin (Debbie Eagan)
Britt Baron (Justine Biagi)
Kate Nash (Rhonda Richardson)
Sydelle Noel (Cherry Bang)
Gayle Rankin (Sheila the She-Wolf)
Kia Stevens (Tammé Dawson)
Jackie Tohn (Melanie Rosen)
Britney Young (Carmen Wade)
Chris Lowell (Bash Howard)
Marc Maron (Sam Sylvia)
in weiteren Rollen:
Sunita Mani (Arthie Premkumar)
Shakira Barrera (Yolanda Rivas)
Kimmy Gatewood (Stacey Beswick)
Rebekka Johnson (Dawn Rivecca)
Marianna Palka (Reggie Walsh)
Ellen Wong (Jenny Chey)
Geena Davis (Sandy Devereaux St. Clair)
Bashir Salahuddin (Keith Bang)
Victor Quinaz (Russell Barroso)
Kevin Cahoon (Bobby Barnes)
Toby Huss (J.J. ‚Tex‘ McCready)
Breeda Wool (Denise)
Nick Clifford (Paul)

Genre:
Komödie | Drama | Sport

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus GLOW | © Netflix
© Netflix

Nach dem jüngsten Deal mit dem Fan-Tan-Casino im schillernden Las Vegas steht den Gorgeous Ladies of Wrestling ein neues wie aufregendes Kapitel in ihrer Karriere bevor, auch wenn Stunden vor der Premiere ihrer Show ein tragisches Ereignis die Bevölkerung erschüttert. Doch auch dessen ungeachtet müssen Ruth, Debbie und Konsorten bald lernen, dass eine regelmäßige Live-Show etwas ganz anderes ist als ihre früheren Fernseh-Matches, zumal ein Ort wie Vegas natürlich dazu verführt, dass Training auch mal Training sein zu lassen und sich stattdessen feiernd und trinkend die Nächte um die Ohren zu schlagen. Immerhin ist das Engagement ja nur auf drei Monate beschränkt, so redet man sich ein, bis sie die Option bekommen, weitere neun Monate die Ränge im Fan-Tan zu füllen, womit irgendwie niemand wirklich gerechnet zu haben scheint. Unterdessen fühlt Sam sich zunehmend unnütz in der Produktion, während Bashs und Rhondas noch frische Ehe auf eine harte Probe gestellt wird…

Rezension:

Nun liegt also auch die dritte Staffel GLOW hinter mir und dank der vergleichsweise kurzen Folgen von kaum über einer halben Stunde habe ich auch diese Staffel an einem Wochenende – verteilt über zwei Tage – geschafft, was einerseits für die Kurzweil und Unterhaltungswert der Serie spricht, andererseits aber auch dramaturgische Mängel deutlich offenkundiger zutage treten lässt. Denn so überzeugend die Show auch in ihrem dritten Jahr geraten ist, krankt sie doch immer noch an der einen oder anderen Stelle an einer unausgegorenen Erzählweise, weshalb es mich doch immer wieder stutzig macht, welch großer Beliebtheit sich die Serie anscheinend noch immer erfreut. Nicht, dass die im dritten Jahr befindliche – und daher nach meinen Erfahrungswerten und allgemeinem Tenor akut von der Absetzung bedrohte – Netflix-Produktion in irgendeiner Weise wirklich schlecht wäre, doch konzentriert man sich noch immer auf zu viele Einzelschicksale, als dass man alle Figuren und deren Probleme adäquat behandeln könnte.

Szenenbild aus GLOW | © Netflix
© Netflix

Konzentrierte sich GLOW in der ersten Staffel noch sehr auf die von Alison Brie (Community) und Betty Gilpin verkörperten ehemals besten Freundinnen Ruth und Debbie, ging man schon im zweiten Jahr den Weg, dem Rest der Gorgeous Ladies of Wrestling deutlich mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, derweil hier nun der von Chris Lowell verkörperte Bash Howard sogar offiziell zur Riege der Hauptdarsteller aufsteigt. Das ist nicht verwerflich oder schlecht, doch das halbstündige Format ist nicht eben dazu ausgerichtet, sich einem guten Dutzend Figuren widmen zu können und das merkt man, je eher man der Versuchung zum Binge-Watching erliegt, umso deutlicher. So deutet sich hier eine Bulimie bei einer der Figuren an, ein anderer Charakter bekommt gravierende Rückenprobleme, bei wieder einer anderen brechen sich akute Eheprobleme Bahn und gleich mehrere der Wrestling-Ladies gehen auf unterschiedlich geartete Selbstfindungs-Trips. Dumm nur, wenn ein Großteil der genannten Punkte dann aber wieder nur in teils einer einzigen Episode von Belang zu sein scheint und nicht einmal zu einem Abschluss gebracht wird, so dass viele der angerissenen Geschichten schlichtweg keine Auflösung erfahren.

Dadurch wird die dritte Staffel GLOW aber eben auch bei allem Unterhaltungswert zu einem extrem zweischneidigen Schwert, denn einerseits bringt der Umzug nach Las Vegas und die damit einhergehende Neuausrichtung der Wrestling-Show einiges an frischem Wind und neuen Figuren mit sich, andererseits sieht man von den Wrestling-Matches in dieser Staffel so wenig wie noch nie zuvor, wenn man einmal von den besonderen Shows in den Episoden Ein voll verrückter Dienstag (3.05) und dem staffelfinale GLOWe Weihnachten (3.10) absieht. Und auf der einen Seite ist es schön, dass sich die Story zunehmend als klassische Dramedy versteht und auch ernstere Themen nicht ausspart (nicht, dass sie das vorher getan hätte), doch auf der anderen Seite ärgert es dann eben doppelt, wenn das angerissene Drama sang- und klanglos in der Versenkung verschwindet. Nichtsdestotrotz überwiegen die Stärken noch bei weitem und wem die ersten beiden Seasons gefallen haben, der dürfte beinahe unter Garantie auch hier wieder seine Freude haben, zumal man an dem mittlerweile eingespielten Team – sowohl der Serie als auch der Gorgeous Ladies of Wrestling – nicht rüttelt und alle lieb gewonnenen Figuren nicht nur zurückkehren, sondern eben teils auch mehr Aufmerksamkeit bekommen, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.

Szenenbild aus GLOW | © Netflix
© Netflix

Als dramaturgischer Genickbruch derweil – wenn diese Ausführung trotz geringfügigem Spoiler gestattet sei – erweist sich ein mehrmonatiger Zeitsprung zu Beginn der Episode Immer weiter (3.08), denn sich hier erst einmal mit der geänderten Ausgangslage und dem Stand der Dinge auseinandersetzen zu müssen, führt zu einer – wenn auch nur kurzzeitigen – regelrechten Entfremdung vom Geschehen, zumal damit noch die letzten Geschichten abgewürgt werden, auf deren Fortsetzung man möglicherweise gehofft hatte, um an deren Stelle neue Baustellen zu eröffnen. Sei es wie es will, hoffe ich aber dennoch, dass GLOW eine weitere Verlängerung erfährt und sei es nur, um die Geschichte zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen, denn unspektakulärer und nichtssagender ist leider lange keine Staffel mehr zu Ende gegangen, was damit zusammenhängt, dass sie – ich sage mal aus Gründen – gleichsam eine Weihnachtsepisode zu sein hatte und auch da erweist sich das halbstündige Format als zu enges Korsett, um allem gerecht zu werden, ohne dass es gedrängt und gequetscht wirken würde.

Fazit & Wertung:

Auch die dritte Staffel GLOW büßt nichts an Charme oder Verve ein und überzeugt vor schillernder Las-Vegas-Kulisse, derweil sich die Autoren dramaturgisch leider so manchen Schnitzer leisten und sich kaum abgesprochen zu haben scheinen, wessen Geschichte denn nun erzählt oder überhaupt weiterverfolgt werden soll. Spaß macht das Ganze trotzdem, doch ärgert man sich hier zusehends über die verschenkten Möglichkeiten.

7,5 von 10 mühsam choreografierten Moves

GLOW | Staffel 3

  • Mühsam choreografierte Moves - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Auch die dritte Staffel GLOW büßt nichts an Charme oder Verve ein und überzeugt vor schillernder Las-Vegas-Kulisse, derweil sich die Autoren dramaturgisch leider so manchen Schnitzer leisten und sich kaum abgesprochen zu haben scheinen, wessen Geschichte denn nun erzählt oder überhaupt weiterverfolgt werden soll. Spaß macht das Ganze trotzdem, doch ärgert man sich hier zusehends über die verschenkten Möglichkeiten.

7.5/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 3

01. Hoch hinaus (7/10)
02. Whirlpool-Treff (7/10)
03. Wüstenpollen (7,5/10)
04. Say Yes (7,5/10)
05. Ein voll verrückter Dienstag (8,5/10)
06. In der freien Natur (7/10)
07. Hollywood Homecoming (7,5/10)
08. Immer weiter (7/10)
09. Die Libertins (8/10)
10. GLOWe Weihnachten (8/10)

 
– – –

GLOW | Staffel 3 ist seit dem 09.08.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

Sharing is Caring:

Hinterlasse einen Kommentar