Review: Teenage Bounty Hunters | Staffel 1 (Serie)

Heute steht also die erste Serien-Kritik in diesem Jahr an und ich darf euch gleich ein Streaming-Kleinod vorstellen, dass zwar leider schon wieder abgesetzt worden ist, dem einen oder anderen aber dennoch knapp zehn unterhaltsame Stunden bescheren dürfte.

Teenage Bounty Hunters
Staffel 1

Teenage Bounty Hunters, USA 2020, ca. 49 Min. je Folge

Teenage Bounty Hunters | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Kathleen Jordan
Ausführende Produzenten:
Jenji Kohan
Tara Herrmann
Robert Sudduth
Blake McCormick

Main-Cast:
Maddie Phillips (Sterling Wesley)
Anjelica Bette Fellini (Blair Wesley)
Kadeem Hardison (Bowser Jenkins)
Virginia Williams (Debbie Wesley)
Mackenzie Astin (Anderson Wesley)
Shirley Rumierk (Yolanda Carrion)
in weiteren Rollen:
Devon Hales (April Stevens)
Spencer House (Luke Creswell)
Charity Cervantes (Hannah B)
Myles Evans (Miles)
Eric Graise (Ezekiel)
Wynn Everett (Ellen Johnson)
Cliff ‚Method Man‘ Smith (Terrance Coin)

Genre:
Komödie | Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Teenage Bounty Hunters | © Netflix
© Netflix

Während die Zwillinge Sterling und Blair nachts unerlaubt mit dem Geländewagen ihres Vaters unterwegs sind, stolpern sie unvermittelt über einen Kautionsflüchtling und den Kopfgeldjäger Bowser Jenkins, der den Mann dank ihrer tatkräftigen Unterstützung dingfest machen kann. Dumm nur, dass dabei auch ihr Auto enorm in Mitleidenschaft gezogen worden ist und so beschließen die beiden, kurzerhand bei Bowser einzusteigen und sich ebenfalls als Kopfgeldjäger zu verdingen. Der hält von der Idee nicht viel, lässt sich dank der enervierenden Art der beiden aber letztlich breitschlagen. Ihre Eltern derweil denken, die zwei hätten einen Job in Bowsers Frozen-Joghurt-Shop angenommen, während sie nun eigentlich Jagd auf flüchtige Straftäter machen. Was für die beiden aber zunächst kaum mehr als ein aufregendes Hobby darstellt, beeinflusst bald auch ihr Dasein als Schülerinnen einer elitären wie streng christlichen Privatschule, zumal Sex vor der Ehe natürlich verpönt ist, die beiden aber kaum etwas anderes im Sinn haben, als diesbezüglich ihren Erfahrungshorizont zu erweitern. Das wird schnell zum Problem als Sterlings ärgste Widersacherin April dahinterkommt, dass die vermeintliche Musterschülerin anscheinend mit ihrem langjährigen Freund Luke geschlafen hat, was ihren Ruf an der Schule irreparabel schädigen könnte…

Rezension:

Kommen wir heute zu einer wirklich gelungenen, unterhaltsamen, aber leider sehr kurzlebigen Serie, auf die ich zufällig während der Feiertage stieß und die mich über die Dauer ihrer zehn Episoden wunderbar zu unterhalten wusste, gleichwohl ich schon zu Beginn wusste, dass bereits im Oktober die Absetzung der Serie seitens Netflix beschlossen und verkündet worden war. Anscheinend wohl auch eines der Serien-Opfer der Corona-Pandemie, denn eigentlich verzeichnete Teenage Bounty Hunters wohl sehr gute Aufrufzahlen nach Veröffentlichung im vergangenen August, teilt nun nach nur einer Staffel aber das Schicksal der ebenfalls im vergangenen Jahr abgesetzten Serie GLOW und vieler weiterer Produktionen. Das ist insofern besonders schade, dass die von Kathleen Jordan ersonnene, unter Schirmherrschaft von Jenji Kohan produzierte Show in vielerlei Hinsicht eigene Wege geht und eine überraschend homogene Mischung aus Teenie-Humor und -Eskapaden nebst satirischer Einschläge und skurriler Figuren bietet, derweil der Crime-Plot ums Kopfgeldjäger-Dasein zwar zeitweise etwas stiefmütterlich behandelt wird, aber stets immanenter Bestandteil der munteren Chose ist, in deren Mittelpunkt zwei herrlich sympathische Zwillinge stehen.

Szenenbild aus Teenage Bounty Hunters | © Netflix
© Netflix

Die werden verkörpert von Maddie Phillips und Anjelica Bette Fellini, beide für mich quasi unbeschriebene Blätter, obwohl ich Fellini zumindest aus einer kleinen Rolle in The Gifted kannte, doch gehen sie beide mit dermaßen Esprit und Verve zu Werke, dass man sich mühelos auch als Mittdreißiger für die teenie-typischen Probleme und ihre oft nervige, weil hibbelige Art erwärmen kann. Die Chemie der beiden untereinander ist beispiellos und eines der Alleinstellungsmerkmale von Teenage Bounty Hunters, ganz davon abgesehen, dass die zwei auch gerne mal – mindestens einmal pro Episode – in quasi telepathische Zwiesprache treten, deren Sprechgeschwindigkeit sich mitnichten vor der der Gilmore Girls verstecken muss. Kein Wunder also, dass der griesgrämige und abgeklärte Bowser (Kadeem Hardison) oft ge- und entnervt von den beiden ist, denn Aufhänger der Serie ist eben, dass die beiden unvermittelt in eine Kopfgeldjagd platzen und aus der (Geld-)Not heraus bei Bowser anheuern, ohne indes vom Business jegliche Ahnung zu haben. Als gelungener – und oft für die satirischen Einschübe verantwortlicher – Kontrast sind die beiden aber auch Schülerinnen einer streng christlich geprägten Schule, verurteilen Drogen ebenso sehr wie das Rauchen und haben damit zu kämpfen, dass jegliche Körperlichkeit natürlich bei den frommen Schüler*innen verpönt ist, derweil sie natürlich in exakt dem Alter sind, erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln.

So halten sich zunächst stümperhafte Kopfgeldjagden mit schulinternen Intrigen und Geheimniskrämereien die Waage, an denen insbesondere die biestige April (Devon Hales) beteiligt ist, doch zeichnet sich Teenage Bounty Hunters eben auch dadurch aus, dass viele Rollen längst nicht so stumpf, stereotyp und durchschaubar sind, wie sie zunächst erscheinen mögen. So ist eine zehnteilige Staffel – insbesondere im Stream – mittlerweile zwar quasi die Norm, bietet aber doch eher begrenzt Zeit, wirklich ausgefeilte Charakterentwicklung voranzutreiben, was hier aber definitiv der Fall ist. So tummeln sich sowohl im Kopfgeldjäger-Milieu als auch an Sterlings und Blairs Schule allerhand sonderliche, und spleenige Gestalten, die enorm zum kurzweiligen Flair der Serie beitragen. Dabei wird es aber dennoch ernst und zuweilen dramatisch, ob es nun um erste Liebe, enttäuschte Erwartungen, verheimlichte Vorlieben oder – bereits früh angedeutet – Familiengeheimnisse geht, die durchaus imstande scheinen, die Zwillinge auf eine harte Probe zu stellen. So benötigt die Serie zwar sicherlich einige Episoden, ihre spezifische Marschrichtung einzuschlagen und das Publikum auf die Art satirischer Dramedy einzuschießen, die hier geboten werden soll, doch speziell im letzten drittel erhöht sich spürbar die Taktzahl und eine Fortsetzung wäre sicherlich – auch in Anbetracht des beinahe durchweg positiven Tenors – in trockenen Tüchern gewesen.

Szenenbild aus Teenage Bounty Hunters | © Netflix
© Netflix

Mit der dürften freilich auch die Macherinnen gerechnet haben und so mündet Teenage Bounty Hunters freilich auch in einen Cliffhanger, der aber noch vergleichsweise human geraten ist und auch als Serienabschluss taugt, auch wenn selbstredend einiges an Nebenhandlung in der Schwebe und viele Fragen unbeantwortet bleiben. Das sollte aber meines Erachtens niemanden davon abhalten, der Serie nicht doch eine Chance zu geben, zumal ich darauf schwören würde, dass man von Phillips und Fellini noch einiges hören wird. Zumindest wäre es wünschenswert, denn deren quirlige Art macht eben das Zentrum der Show aus und transportiert den auf den ersten Blick krude scheinenden Mix aus Schlüpfrigem, Derben und Absurden vortrefflich, der ein wahrlich charmantes Vergnügen zu bereiten imstande ist. Sicherlich, das mag auch nicht jedermanns Sache sein und man muss sich dieser verqueren Mixtur erst einmal zu öffnen bereit sein, doch von mir bekommt die Serie eine uneingeschränkte Empfehlung spendiert, auch wenn selbst hier natürlich dramaturgisch nicht alles Gold ist, was glänzt, und manches durchaus konstruiert wirkt. Das gehört hier aber auch irgendwie dazu und unterstreicht den oft surrealen Ton, der hier zum Besten gegeben wird, wenn man allein bedenkt, dass Blair zeitweise denkt, von einem Geist verfolgt zu werden, die Zwillinge ein Doppelleben nebst Scheinidentität als Verkäuferinnen in einem Frozen-Joghurt-Shop zu führen beginnen und die Spanischlehrerin Wert darauf legt, die Sprachfähigkeiten ihrer Schüler*innen auf Telenovela-Niveau zu hieven.

Fazit & Wertung:

Kathleen Jordan hat mit Teenage Bounty Hunters eine vielversprechende Mischung aus Teenie-Beziehungsdrama und skurriler Kopfgeldjagd-Beschäftigung ersonnen, die sich gleichermaßen bei schlüpfrigen Gags wie herrlich satirischen Seitenhieben zuhause fühlt und insbesondere mit einem glänzend aufgelegten Cast und exzentrischen Figuren zu glänzen weiß. Lieder nach nur einer Staffel eingestellt, hätte die Serie sicherlich das Zeug gehabt, auch künftig bei Netflix zu glänzen, reiht sich nun aber bei den bedauerlichen Absetzungen im Zuge der Corona-Pandemie ein.

7,5 von 10 amateurhaften Kopfgeldjagden

Teenage Bounty Hunters | Staffel 1

  • amateurhafte Kopfgeldjagden - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Kathleen Jordan hat mit Teenage Bounty Hunters eine vielversprechende Mischung aus Teenie-Beziehungsdrama und skurriler Kopfgeldjagd-Beschäftigung ersonnen, die sich gleichermaßen bei schlüpfrigen Gags wie herrlich satirischen Seitenhieben zuhause fühlt und insbesondere mit einem glänzend aufgelegten Cast und exzentrischen Figuren zu glänzen weiß. Lieder nach nur einer Staffel eingestellt, hätte die Serie sicherlich das Zeug gehabt, auch künftig bei Netflix zu glänzen, reiht sich nun aber bei den bedauerlichen Absetzungen im Zuge der Corona-Pandemie ein.

7.5/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Daddys Truck (7,5/10)
02. Was ist ein Jennings (7,5/10)
03. So müssen sich die Dummen fühlen (7,5/10)
04. Das Gegenteil von Bodenständig (7,5/10)
05. Tot ist schlecht (7,5/10)
06. Immer die Gewinnerin (7,5/10)
07. Rummachen oder so (8/10)
08. Telenovela-Niveau (8/10)
09. Unser Schinken ist gut (8/10)
10. Schnitzeljagd (8/10)

 
– – –

Teenage Bounty Hunters | Staffel 1 ist seit dem 24.08.2020 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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