Review: Dead Man’s Badge – Sterben in Lansdale | Robert E. Dunn (Buch)

Und schon steht wieder die nächste Buch-Rezension an, die ich euch heute ohne lange Vorrede präsentiere.

Dead Man’s Badge
Sterben in Lansdale

Dead Man’s Badge, USA 2018, 360 Seiten

Dead Man’s Badge – Sterben in Lansdale von Robert E. Dunn | © Luzifer Verlag
© Luzifer Verlag

Autor:
Robert E. Dunn
Übersetzer:
Philipp Seedorf

Verlag (D):
Luzifer Verlag
ISBN:
978-3-958-35422-7

Genre:
Action | Krimi | Thriller

 

Inhalt:

Wenn in einem Film ein Mann sein eigenes Grab schaufelt, macht er ein perfektes, rechteckiges Loch. Er gräbt tief. In Wahrheit kratzt man eine ungleichmäßige Kuhle in den Boden, die man in Zentimetern und nicht in Metern misst. Selbstgegrabene Gräber sind immer flach. Im Film sind diese Männer stets wild entschlossen. Entweder fügen sie sich in ihr Schicksal oder planen zuversichtlich ihre Flucht. In der Realität schreien, weinen, bitten und betteln sie. Es wird immer verhandelt.

Longview Moody – schönen Dank auch an seinen Vater Buick für den Namen – ist Berufskrimineller und im Vergleich zu seinem Halbbruder Paris das schwarze Schaf der Familie, das zu allem Überfluss nun dem eigenen Ableben ins Auge sehen muss, denn wie in einem schlechten Film muss er sich in der Wüste sein eigenes Grab schaufeln. Doch Longview gelingt die Flucht und er hinterlässt einiges an verbrannter Erde in Mexiko, bevor er die Grenze passiert und letztlich über eine dubiose Verkettung von Zufällen in die Lage gerät, die Identität seines Bruders anzunehmen und sich als neuer Polizeichief von einer texanischen Kleinstadt nahe der Grenze namens Lansdale auszugeben. Doch in dem vermeintlich verschlafenen Kaff ist einiges los und sowohl ein mexikanisches Drogenkartell als auch die DEA zeigen starke Präsenz und sind nicht gerade erbaut von Longviews Erscheinen, auch wenn der sich als Paris ausgibt. Schon bald wird klar, dass er in ein regelrechtes Wespennest aus Korruption und Gewalt geraten ist, doch seine eigentlichen Qualitäten als skrupelloser wie findiger Krimineller könnten sich dafür als überaus nützlich erweisen, auch wenn seine Tarnung mehr als einmal gefährdet scheint, schließlich hat er keine Ahnung, wie ein rechtschaffener Chief sich zu gebärden hat…

Rezension:

Es kommt vielleicht nicht von ungefähr, dass allein schon das Cover von Robert E. Dunns Dead Man’s Badge – Sterben in Lansdale anmutet wie das Filmplakat eines ruppigen B-Movies und wenn das der beabsichtigte Effekt gewesen sein soll, kann man den Autor nur beglückwünschen, denn genauso dieses Flair und Feeling verströmt der Roman von der ersten bis zur letzten Seite. Die Idee, dass hier Longview in die Rolle seines Halbbruders schlüpft, mag dabei nicht eben neu sein und erinnert in ihrer Konstellation, dass er sich als neuer Polizeichief zu behaupten versucht, tatsächlich frappant an die ähnlich gelagerte TV-Serie Banshee, was in dem Fall aber eher Gütesiegel denn Kritik sein mag, habe ich schließlich eines übrig für die Cinemax-Produktion. Von der grundlegenden Prämisse aber einmal abgesehen, bewegen sich beide Storys doch in merklich unterschiedliche Richtungen, wobei der Roman tatsächlich für mich einige Zeit gebraucht hat, um richtig in Fahrt zu kommen, dann allerdings von Seite zu Seite besser und besser wird. Der Einstieg in die Geschichte ist dabei durchaus gelungen, nur hat man eben auch nicht zum ersten Mal erlebt, dass sich der Protagonist eines Romans direkt damit konfrontiert sieht, sich sein eigenes Grab zu schaufeln, auch wenn die Situation durchaus gut aufgelöst wird und auch später noch Bewandtnis haben wird.

Menschen, die nie wirkliche Gewalt erlebt haben, fragen sich oft, was einem durch den Kopf geht, wenn die Lage eskaliert und die kalte Nacht von glühenden, winzigen, stahlummantelten Kometen durchstreift wird. Wenn man Glück hat und Erfahrung mit so etwas, geht einem gar nichts durch den Kopf. Man reagiert einfach. Man bewegt sich.
Und das tat ich.

Interessant wird Dead Man’s Badge dann aber letztlich erst so richtig, wenn Longview in seiner Rolle als Paris in Lansdale eintrifft und seinen neuen Job antritt, zumal er sprichwörtlich von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und gleich mehrere Interessengruppen an ihn herantreten, derweil er bereits mit dem mysteriösen Milo in Kontakt steht. So wird Longview schnell klar, dass Paris mitnichten einfach nur Polizeichief hat werden sollen, sondern tatsächlich eingeschleust werden sollte, um etwas auf den Grund zu gehen, nur wie soll er dahinter kommen, ohne seine Tarnung zu gefährden? So muss sich der grundsätzlich eher tatkräftige und ungestüme Longview einerseits arg zurückhalten, um seiner neuen Rolle als Gesetzeshüter gerecht zu werden, benimmt sich andererseits aber oftmals ganz bewusst wie der Elefant im Porzellanladen und irritiert und verprellt seine Kollegen bei der Polizei schnell mit seinen unorthodoxen Methoden.

Entsprechend ist Dead Man’s Badge bei aller Grimmigkeit und Ernsthaftigkeit auch immer wieder von hintergründigem, oft situationsbedingten Humor durchzogen, der die Chose noch einmal deutlich kurzweiliger werden lässt, vor allem aber einen gelungenen Gegenpol bietet zu den zunehmend gewalttätiger werdenden und explizit geschilderten Auseinandersetzungen, denn Sterben in Lansdale ist hier als deutscher Untertitel nicht nur hohle Floskel, sondern tatsächlich Programm. Darüber hinaus gelingt Dunn aber auch ein überzeugendes Verwirrspiel, denn lang ist wirklich nicht klar, wer eigentlich etwas von Paris‘ eigentlicher Identität ahnt, welche Behörde welche Ziele verfolgt und welche Staatsbediensteten womöglich korrupt oder alternativ undercover unterwegs sein könnten und warum genau sich ausgerechnet Lansdale zum Schmelztiegel für das Aufeinandertreffen dieser zahlreichen Gruppen herauskristallisiert hat. Neben beinhartem Krimi mit ordentlich Adrenalin kommt also auch die eigentliche Ermittlungsarbeit nicht zu kurz, auch wenn Longview hier ebenso ungewöhnlich vorgehen muss, um nicht den falschen Leuten auf die Nase zu binden, dass er von seinem Job eigentlich nicht wirklich Ahnung hat.

Ich drehte mich um, spuckte auf den staubigen Boden und wartete, was wohl als Nächstes käme. Es war mühsam, zu atmen, und mir grummelte der Magen. Was sollte ich tun? Was wollte ich tun? Der Kerl hätte mich mit einem Lächeln kaltgemacht. Ich konnte ihn genauso gut hier zum Sterben in der Wüste zurücklassen, aber so grausam bin ich nicht.
Ich bin viel schlimmer.

So bringt Dunn gekonnt wie akribisch seine Figuren in Stellung, während sich Longview durch ein zunehmend undurchsichtiger und gefährlicher werdendes Netz aus Intrigen und Geheimnissen kämpft, um im letzten Drittel noch einmal zu einem hochtourigen und durchaus in vielerlei Hinsicht überraschenden Finale zu gelangen, denn es werden mitnichten alle Erkenntnisse seitens Longview/Paris mit dem Leser geteilt, derweil sich spätestens im letzten Akt der Geschichte eben auch seine kriminelle Vergangenheit Bahn bricht und er sich mitnichten so verhält, wie man es von einem Gesetzeshüter erwarten würde. Das macht freilich aber auch den konkreten Reiz dieser Erzählung aus, die zwar das Genre mitnichten neu erfindet, in der Summe aber eine mehr als überzeugende Crime-Noir-Story vor dem Hintergrund eines klassischen Grenzland-Thrillers offeriert, die man sicherlich mühelos auch verfilmen könnte. Wären da nicht kleinere Längen im Mittelteil zu verzeichnen und eine allgemeine Unglaubwürdigkeit vorhanden, dass es Longview so lange gelingt, den designierten Chief zu spielen, könnte man Dead Man’s Badge in den höchsten Tönen loben, doch auch so bleibt eine ansprechend ruppige und staubige, vor allem aber ungemein unterhaltsame Geschichte, die Freunde des Genres sich bestmöglich nicht entgehen lassen sollten.

Fazit & Wertung:

Robert E. Dunn liefert mit Dead Man’s Badge – Sterben in Lansdale einen gelungen konzipierten und zunehmend reißerisch inszenierten Crime-Noir-Thriller vor staubiger Wüstenkulisse, der zwar viele Klischees bedienen mag und mitnichten das Rad neu erfindet, stilistisch allerdings durchweg überzeugt und vor allem mit dem kriminellen Longview Moody als unfreiwilliger Polizeichief und unangepasster Protagonist zu punkten weiß.

7,5 von 10 Bemühungen, die eigene Identität zu verschleiern

Dead Man’s Badge – Sterben in Lansdale

  • Bemühungen, die eigene Identität zu verschleiern - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Robert E. Dunn liefert mit Dead Man’s Badge – Sterben in Lansdale einen gelungen konzipierten und zunehmend reißerisch inszenierten Crime-Noir-Thriller vor staubiger Wüstenkulisse, der zwar viele Klischees bedienen mag und mitnichten das Rad neu erfindet, stilistisch allerdings durchweg überzeugt und vor allem mit dem kriminellen Longview Moody als unfreiwilliger Polizeichief und unangepasster Protagonist zu punkten weiß.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Luzifer Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Dead Man’s Badge – Sterben in Lansdale ist am 30.11.19 im Luzifer Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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