Review: Blood Father (Film)

Wir starten die Woche mit einem Film, von dem ich bis vor kurzem noch gar nichts mitbekommen hatte und das, obwohl der nun mittlerweile auch schon wieder rund vier Jahre auf dem Kerbholz hat.

Blood Father

Blood Father, FR 2016, 88 Min.

Blood Father | © Splendid
© Splendid

Regisseur:
Jean-François Richet
Autoren:
Peter Craig (Drehbuch & Buch-Vorlage)
Andrea Berloff (Drehbuch)

Main-Cast:

Mel Gibson (Link)
Erin Moriarty (Lydia)
Diego Luna (Jonah)
Michael Parks (Tom ‚Preacher‘ Harris)
William H. Macy (Kirby)

Genre:
Action | Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Blood Father | © Splendid
© Splendid

Die nunmehr siebzehnjährige Lydia hat schon vor Jahren dem Haus ihrer Mutter den Rücken gekehrt und ist seit einiger Zeit mit dem Gangster Jonah zusammen. Der ist ohnehin schon nicht von der umgänglichen Art und wird noch wütender, als jemand sich an seinen Drogen bedient zu haben scheint. Die Situation schaukelt sich hoch, Lydia soll – um Loyalität zu beweisen – eine Frau erschießen, feuert stattdessen aber auf Jonah und ergreift die Flucht. Andernorts, in einem heruntergekommenen Wohnwagen hausend, staunt ihr Vater Link nicht schlecht, als er nach all der Zeit von seiner Tochter kontaktiert wird. Als trockener Alkoholiker und frisch aus dem Knast Entlassener ist er sicherlich weit davon entfernt, zum Vorzeige-Elternteil des Jahres gewählt zu werden, bringt ob seiner Vergangenheit womöglich aber auch genau die Fähigkeiten mit sich, die es braucht, um Lydia vor den wütenden Kartell-Killern zu beschützen…

Rezension:

Mit Blood Father hat es wieder einmal einen Film, auf den ich rein zufällig stieß und den ich wohl ansonsten keines Blickes gewürdigt hätte, wobei ich hier tatsächlich nicht einmal aufgrund von Mel Gibson in der dominanten Hauptrolle neugierig geworden bin sondern aufgrund der Beteiligung von Erin Moriarty, die mir freilich spätestens seit The Boys ein Begriff ist und die hier die entlaufene – und in Schwierigkeiten geratene – Lydia verkörpert. Und auf deren beiden Schultern entwirft und inszeniert Jean-François Richet einen richtig schönen Genre-Beitrag, der zwar kaum etwas anders oder besser macht als andere Vertreter ähnlicher Machart, dank rauem Charme und einer gewissen Grimmigkeit aber durchweg überzeugt, auch wenn er im Grunde nur bekannte Versatzstücke neu arrangiert. Das funktioniert, weil Gibson in der Rolle des bärbeißigen und eigenbrötlerischen Link überzeugt wie schon lange nicht mehr und sich die Figur gekonnt zu eigen macht, während der dreckige Look sein Übriges beiträgt.

Szenenbild aus Blood Father | © Splendid
© Splendid

Nicht minder überzeugend ist Erin Moriarty, hat aber auch den dankbareren oder zumindest leichteren Part, wobei insbesondere das Zusammenspiel der sich völlig entfremdeten Familienmitglieder überzeugt. Viel Zeit für die große Familienzusammenführung bleibt aber ohnehin nicht, denn Jonah (Diego Luna) heftet sich alsbald an Lydias Fersen und mit ihm noch einige weitere Gangster mehr, auch wenn viele von ihnen im weiteren Verlauf als Kanonenfutter enden werden. Dabei ist Blood Father gar nicht einmal die unbedingte Empfehlung für Fans von Actionfilmen, denn auch wenn selbige durchaus eine tragende Rolle spielt, sind die Sequenzen meist knapp und schnörkellos geraten, entsprechend schnell auch wieder vorbei, während es sich im Kern eben weit mehr um ein Drama handelt.

So hat Mel Gibson (Dragged Across Concrete) auch mehrfach Gelegenheit, die Untiefen und Verfehlungen seiner Figur auszuloten, wofür ihm des Öfteren der wohlwollende Kirby zur Seite steht, der von niemand Geringerem als William H. Macy (Shameless) verkörpert wird. Alles in allem muss ich sagen, keine allzu große Erwartungshaltung an Blood Father gehabt zu haben, doch vielleicht gerade deshalb wusste der mich umso mehr zu überzeugen. Wenn Richet also kompromiss- und schnörkellos sein Action-Drama kredenzt, dann ist das doch alles sehr souverän und stilistisch überzeugend inszeniert, was eben auch locker darüber hinwegtröstet, dass es dramaturgisch hier kaum etwas zu bestaunen gäbe, was man nicht schon andernorts gesehen hätte.

Szenenbild aus Blood Father | © Splendid
© Splendid

Hinzu kommt, dass Richet zumindest skizzenhaft das Bild einer Parallelgesellschaft im heutigen Amerika präsentiert, die dem Gefühl nach wenig mit "unserer" Welt gemein hat, als Mikrokosmos aber schön den spröden Charme des Gezeigten unterstreicht. Und zuletzt wären da ein paar herrlich satirische auflockernde Momente, die zwar rar gesät sein mögen – denn Blood Father nimmt sich die meiste Zeit immens ernst –, dadurch aber umso gelungener daherkommen. Davon abgesehen herrschen aber Tristesse und Fatalismus vor und man wird sich kaum zu einem Zeitpunkt der Illusion hingeben können, alle Beteiligten kämen heil aus der Nummer heraus, aber das kann ja jeder in dem knackig inszenierten Neunzig-Minüter für sich selbst entdecken. Zuletzt erwähnens-, und im Kontext der Länge des Films auch durchaus bemerkenswert ist, dass Richets Film tatsächlich als Buch-Adaption des gleichnamigen Romans von 2005 daherkommt. Denn hier kann man schön sehen, dass bei entsprechender Vorlage und dem richtigen Fokus eine Geschichte auch locker zu anderthalb Stunden kompakter, inszenatorisch düsterer Unterhaltung verdichtet werden kann, auch wenn das literarische Äquivalent sicherlich noch einiges mehr an Nuancen zu bieten hat, was insbesondere die Beziehung zwischen Link und Tochter Lydia angeht.

Fazit & Wertung:

Jean-François Richet offeriert mit Blood Father ein mitnichten innovatives, aber stilistisch und inszenatorisch überzeugendes Action-Drama, in dem insbesondere Mel Gibson zu brillieren versteht. Davon abgesehen punktet der anderthalbstündige Reißer mit schnörkellos auf den Punkt gebrachten Einstellungen und einem düsteren Look, der sich sehen lassen kann.

7 von 10 rachdurstigen Kartell-Mitgliedern

Blood Father

  • Rachdurstige Kartell-Mitglieder - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Jean-François Richet offeriert mit Blood Father ein mitnichten innovatives, aber stilistisch und inszenatorisch überzeugendes Action-Drama, in dem insbesondere Mel Gibson zu brillieren versteht. Davon abgesehen punktet der anderthalbstündige Reißer mit schnörkellos auf den Punkt gebrachten Einstellungen und einem düsteren Look, der sich sehen lassen kann.

7.0/10
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Blood Father ist am 28.10.16 auf DVD und Blu-ray bei Splendid erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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vgw

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