Review: Die Mitchells gegen die Maschinen (Film)

Nach zwei Tagen Auszeit kommt heute dafür mal wieder ein Animationsfilm daher, von dem ich gern ein wenig schwärmen möchte.

Die Mitchells gegen die Maschinen

The Mitchells vs the Machines, USA/CA/HK 2021, 113 Min.

Die Mitchells gegen die Maschinen | © Netflix
© Netflix

Regisseure:
Michael Rianda
Jeff Rowe (Co-Regisseur)
Autoren:
Michael Rianda
Jeff Rowe

Main-Cast:
Abbi Jacobson (Katie Mitchell [Stimme])
Danny McBride (Rick [Stimme])
Maya Rudolph (Linda [Stimme])
Michael Rianda (Aaron [Stimme])
Olivia Colman (PAL [Stimme])
in weiteren Rollen:
Eric André (Mark [Stimme])
Fred Armisen (Deborahbot 5000 [Stimme])
Beck Bennett (Eric / PAL MAX Robots [Stimme])
Chrissy Teigen (Hailey Posey [Stimme])
John Legend (Jim Posey [Stimme])

Genre:
Animation | Abenteuer | Komödie | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Die Mitchells gegen die Maschinen | © Netflix
© Netflix

Katie Mitchell begeistert sich wie verrückt für Filme und hat als Hobbyregisseurin bereits einige ihrer Werke bei YouTube veröffentlicht, wobei Familien-Mops Monchi oft und gern die Hauptrolle in ihren Kurzfilmen übernehmen durfte. Entsprechend freut sie sich, nun an einer Filmschule angenommen worden zu sein und kann es nicht erwarten, ihre künftigen Kommiliton*innen kennen zu lernen. Ihr Vater Rick allerdings macht ihr dahingehend einen Strich durch die Rechnung, dass er es für eine gute Idee hält, Katies Flug zu stornieren und stattdessen einen Family-Road-Trip quer durchs Land zu initiieren, auch, um seiner Tochter wieder näher zu kommen, zu deren Leidenschaft er als Naturbursche und Hobby-Handwerker nicht so wirklichen Zugang findet. Damit erreicht Rick aber natürlich genau das Gegenteil und Katie kapselt sich zunehmend ab, doch wird die Situation gehörig durchgerüttelt, als sich auf der ganzen Welt eine Art Robo-Apokalypse Bahn bricht und die Mitchells alsbald die einzigen sind, die noch nicht von den garstigen Maschinen in Gewahrsam genommen wurden. Katie – dank ihrer Film-Affinität natürlich prompt im Thema – entwirft derweil einen aberwitzigen Plan, die Maschinenherrscher zu stürzen und die Welt zu retten…

Rezension:

Kommen wir heute mal wieder zu einem Animationsfilm aus dem Hause Sony Pictures Animation, der jüngst bei Netflix Premiere feiern durfte und mich tatsächlich immens gut zu unterhalten gewusst hat. Dabei muss man wissen, dass ich bei freier Wahl noch immer der Konkurrenz von beispielsweise Pixar den Vorzug geben würde, weil mir viele der Sony-Sachen dann doch zu laut, schrill, hektisch und gewollt cool daherkommen, doch im Fall von Die Mitchells gegen die Maschinen macht man aus der Not eine Tugend, denn wenn der Weltuntergang bevorsteht und Roboter die Herrschaft übernehmen, darf es eben schon einmal gerne laut und hektisch werden, wofür die quirlige Familie Mitchell geradezu prädestiniert ist. So mag man es zwar zuweilen auch hier mit der inszenatorischen Holzhammer-Methode ein wenig übertreiben, doch wirkt das Ergebnis weitaus runder und überzeugender, als ich das im Vorfeld – oder nach den ersten Minuten – erwartet hätte. So stehen nämlich neben der Robo-Apokalypse auch ganz simple, nuancierte und feinsinnig inszenierte Familien-Zwistigkeiten auf dem Programm und im Kern dreht sich die Geschichte darum, wie Vater Rick (Danny McBride, Don Verdean) seiner Tochter Katie (Abbi Jacobson) wieder näherzukommen versucht, was er zwar unbeholfen und grobschlächtig, aber auch mit besten Absichten versucht.

Szenenbild aus Die Mitchells gegen die Maschinen | © Netflix
© Netflix

So dauert es natürlich rund zwei Stunden, bis die beiden gefühlsmäßig wieder zueinanderfinden, doch wie sie beiderseits langsam verstehen, wie der andere tickt und denkt, ist einfach wahnsinnig schön in Szene gesetzt und liefert einen überzeugenden Kontrapunkt zur drohenden Vernichtung der Menschheit. Und das ist herrlich augenzwinkernd in Szene gesetzt und strotzt nur so vor Seitenhieben auf das technikaffine Zeitalter, so dass man die Menschen zumeist schon mit Gratis-WLAN zu ködern vermag und der unbedarfte Rick beim Bedienen eines Computers schon mal versehentlich eine Waschmaschine bestellt. Bei dem klaren Fokus auf das Vater-Tochter-Gespann würden derweil andernorts die restlichen Familienmitglieder eher stiefmütterlich behandelt werden, doch im Fall von Die Mitchells gegen die Maschinen ist der Name Programm und die Chose folglich ein Ensemble-Stück, bei dem auch Mutter Linda (Maya Rudolph, The Good Place) und Katies kleiner Bruder, der dinoverrückte Aaron (Michael Rianda), ihre Glanzmomente spendiert bekommen, ganz zu schweigen von dem knautschigen Familien-Mops Monchi, bei dem die Roboter so ihre Probleme haben zu erkennen, ob es sich um einen Hund, ein Schwein oder Toastbrot handelt. Was sich zunächst albern anhören mag, sorgt dabei für einen der gelungensten Running-Gags in einem ohnehin sehr amüsanten, sehr einfallsreichen und vor allem clever zusammengestellten Streifen, der auch erzählerisch längst nicht so geradlinig ist, wie man meinen würde.

Bis zum Aufstand der Maschinen, ausgelöst durch ein ungemein intelligentes, in seinem Stolz verletztes Smartphone, dauert es naturgemäß nicht lange, doch lebt Die Mitchells gegen die Maschinen auch davon, dass die Geschichte von allerlei Rückblenden durchsetzt ist, die sich etwa Katies Kindheit widmen oder zu einem späteren Zeitpunkt zeigen, was Vater Rick für seine Tochter aufzugeben bereit gewesen ist, was ihn in seiner unbeholfenen Art noch einmal in einem neuen Licht erscheinen lässt. Geschildert wird die Geschichte derweil aus Katies Sicht und deren Zeichnungen und Skizzen überlagern schon einmal das Geschehen, wenn sie sich oder andere Familienmitglieder in klassischer Helden-Pose zu inszenieren gedenkt. Da muss dann auch Zeit bleiben für einen Cool-Guys-Don’t-Look-At-Explosions-Moment, denn auch wenn die Rettung der Welt im Vordergrund steht, muss so eine Geschichte natürlich auch stilecht zum Besten gegeben werden. Entscheidungen wie etwa, Live Your Life von T.I. und Rihanna zur Hymne der Familie Mitchell hochzustilisieren, werde ich zwar nicht unbedingt nachvollziehen können und empfand den Einsatz des Songs (insbesondere gegen Ende) dann doch ein wenig over-the-top und albern, doch weiß das der von Michael Rianda und Co-Regisseur Jeff Rowe inszenierte Film mit allerhand anderen, großartigen Ideen und Momenten mehr als wettzumachen (zumal es ja reine Geschmackssache ist, ob man den Gesangseinlagen der Mitchells etwas abgewinnen kann).

Szenenbild aus Die Mitchells gegen die Maschinen | © Netflix
© Netflix

In der Gesamtheit aber gelingt dem unter Federführung von Phil Lord und Christopher Miller (Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen, The Lego Movie) produzierten Animationsfilm eine gleichermaßen herzerwärmende, absurde und herrlich spleenige Komödie, die den Spagat zwischen Familienfilm und apokalyptischer Roboterinvasion souverän meistert und sich in Sachen Optik einiges traut – auch reale YouTube-Schnipsel werden in die animierte Handlung gebettet –, was zwar manchmal fast ein wenig viel des Guten ist, aber zumindest für einen einzigartigen und modernen Stil sorgt, der Hand in Hand geht mit lebensecht und liebenswert skizzierten Charakteren, die gemeinsam über sich selbst hinauswachsen und vor dem Hintergrund des drohenden Weltuntergangs wieder zueinander finden. Und dazwischen finden sich dann eben allerhand Seitenhiebe auf Soziale Medien, Memes und die Abhängigkeit vom Internet, ohne jedoch mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen, sondern sich stattdessen selbstironisch gleich mit einzureihen beim liebevollen Bashing, so dass der Herrschaftssitz des verschmähten Smartphone PAL (mit der Stimme von Olivia Colman, The Favourite) vielleicht nicht von ungefähr aussieht wie eine gewisse Konsole aus dem Hause Sony.

Fazit & Wertung:

Mit Die Mitchells gegen die Maschinen erzählen Michael Rianda und Co-Regisseur Jeff Rowe einen herrlich skurrilen Family-Road-Trip vor der Kulisse einer Roboter-Apokalypse, was nicht nur ungemein schnittig und charmant inszeniert ist, sondern auch mit sorgsam ausgearbeiteten Figuren, reichlich Witz und Tempo punktet, derweil man auch stilistisch in die Vollen geht und genüsslich Animiertes mit Karikiertem, Gezeichneten und Realfilm-Schnipseln zu einem wunderbar wilden Werk verknüpft.

8 von 10 improvisierten Weltenrettungs-Plänen

Die Mitchells gegen die Maschinen

  • Improvisierte Weltenrettungs-Pläne - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Die Mitchells gegen die Maschinen erzählen Michael Rianda und Co-Regisseur Jeff Rowe einen herrlich skurrilen Family-Road-Trip vor der Kulisse einer Roboter-Apokalypse, was nicht nur ungemein schnittig und charmant inszeniert ist, sondern auch mit sorgsam ausgearbeiteten Figuren, reichlich Witz und Tempo punktet, derweil man auch stilistisch in die Vollen geht und genüsslich Animiertes mit Karikiertem, Gezeichneten und Realfilm-Schnipseln zu einem wunderbar wilden Werk verknüpft.

8.0/10
Leser-Wertung 9.5/10 (2 Stimmen)
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Die Mitchells gegen die Maschinen ist seit dem 30.04.21 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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