Review: Klaus (Film)

Passend zum heutigen Tage habe ich mich heute in punkto Film-Rezension einem jüngst bei Netflix erschienenen Weihnachtsfilm gewidmet, den ich euch nur wärmstens empfehlen kann.

Klaus

Klaus, UK/ES 2019, 96 Min.

Klaus | © Netflix
© Netflix

Regisseure:
Sergio Pablos
Carlos Martínez López (Co-Regisseur)
Autoren:
Zach Lewis
Jim Mahoney
Sergio Pablos

Main-Cast:

Jason Schwartzman (Jesper [Stimme])
J.K. Simmons (Klaus [Stimme])
Rashida Jones (Alva [Stimme])
Norm MacDonald (Mogens [Stimme])
Will Sasso (Mr. Ellingboe [Stimme])
Joan Cusack (Mrs. Krum [Stimme])

Genre:
Animation | Abenteuer | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Klaus | © Netflix
© Netflix

Jesper ist nicht nur verwöhnt, sondern auch stinkfaul und im gleichen Maße überzeugt, sein wohlhabender Vater würde es schon richten, wenn es einmal nicht so läuft. Mit dieser Annahme allerdings lieg er falsch und als er hochkant von seinem Ausbildungsplatz zum Briefträger katapultiert wird, gefällt es seinem Vater, ihn als Lektion ins entlegene Zwietrachting zu schicken, wo er im Alleingang eine Postfiliale in Gang bringen und binnen Jahresfrist 6000 Briefe aufzugeben hat. In Zwietrachting angekommen, staunt Jesper nicht schlecht, als er erkennt, dass quasi die gesamte Ortschaft im Clinch miteinander liegt und folglich will niemand etwas hören von seinen albernen Briefen. Die Zeit vergeht und es gelingt dem enthusiastischen jungen Mann nicht, in der von Argwohn und Aversion geprägten Umgebung Fuß zu fassen, weshalb er sich in seiner Verzweiflung zu dem letzten verbliebenen Inselbewohner aufmacht, den er noch nicht für das Briefe schreiben zu begeistern versucht hat; einen abgeschieden lebenden Spielzeugmacher von immenser Statur mit Namen Klaus…

Rezension:

Es begab sich vor gar nicht allzu langer Zeit, genauer am vergangenen Wochenende, dass mich erstmalig in diesem Jahr die Weihnachtsstimmung packte und so kam es mir gerade recht, dass ich bis dahin schon viel Gutes und wenig Schlechtes über den jüngst bei Netflix erschienenen Animationsfilm Klaus gehört hatte, den ich mir spontan zu Gemüte zu führen dachte. Zeichentrickfilm wäre dabei gleichwohl das bessere Wort, denn trotz massivem Computereinsatz lässt dieser ohnehin vergleichsweise zeitlos wirkende Film die Qualitäten längst vergangener Tage wieder aufleben und macht erst einmal deutlich – zumindest ging es mir so – wie sehr einem dieser spezifische Look, dieses Feeling gefehlt haben mag. Doch trotz Zeichentrick-Flair wirkt der Film mitnichten wie aus der Zeit gefallen und stützt sich nicht nur bei den teils opulenten Hintergründen, sondern auch bei Spielereien wie Lichteinfall und Schattenwurf auf neueste Technik, was ihm trotz nostalgischer Atmosphäre auch modernen Esprit verleiht. Und der wird natürlich gleichsam verteilt durch Protagonist und Sympathieträger Jesper (Stimme im Original: Jason Schwartman, Moonrise Kingdom), der zwar zunächst ein reichlich verwöhntes und verzogenes Jüngelchen sein mag, dennoch aber spürbar das Herz auf dem rechten Fleck hat, als er von seinem Vater ins entlegene Zwietrachting verbannt wird, um ausgerechnet dort eine florierende Postfiliale aus dem Boden zu stampfen.

Szenenbild aus Klaus | © Netflix
© Netflix

Und allein dieser erste Gang durch das in trübem Grau, beinahe regelrechtem Schwarz-Weiß gehaltene Zwietrachting kann sich sehen lassen, zumal der verängstigte wie tollpatschige Jesper natürlich für einiges an Slapstick-Momenten und Situationskomik herhalten darf, doch wird man noch staunen, dass dies tatsächlich der schwächste Teil des Films ist, der sich trotz – wie für Animationsfilme beinahe symptomatisch – reichlich vorhersehbarer Handlung im weiteren Verlauf zu einem ungemein optimistischen und liebenswerten, bewegenden wie berührenden Weihnachtsfilm mausert, an dessen Ende man durchaus eine Träne verdrücken dürfte. Wie zu erwarten nämlich stößt Jesper zunächst auf reichlich Gegenwehr und niemand der griesgrämigen wie jähzornigen Bewohner von Zwietrachting will etwas hören von seinen Briefen, so dass er kurz vorm Verzweifeln und schlussendlicher Resignation steht, ganz ähnlich, wie es Leidensgenossin Alva (Rashida Jones, Zoe) erging, die als ambitionierte Lehrerin auf der Insel landete und nunmehr im tristen Zwielicht des Ortes ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Fischen bestreitet.

Dann allerdings wird Jesper gewahr, dass er nun doch noch nicht jeden Bewohner der samt und sonders im Clinch liegenden Insel dazu zu bekehren versucht hat, doch vielleicht einmal einen Brief aufzugeben, weshalb er sich auf die beschwerliche Reise ans andere Ende des Eilands begibt, wo ein eigenbrötlerischer wie wortkarger Spielzeugmacher namens Klaus ein regelrechtes Einsiedler-Dasein führt. Dessen sprachfaule Natur gibt Sprecher J. K. Simmons (Whiplash) zwar zunächst wenig zu tun, doch vermögen allein Mimik und Gestik den muskulösen Riesen bereits sympathisch zu machen, denn der schickt sich alsbald an, die Kinder von Zwietrachting mit Spielzeug zu versorgen, so sie ihm denn nur einen Brief schreiben. Jesper wittert natürlich prompt das große Geschäft und forciert diese Tatsache, so dass zumindest die kleinsten und jüngsten der Bewohner von Zwietrachting alsbald Feuer und Flamme für das ansonsten verschmähte Postamt sind. Der Wechsel, der sich dadurch langsam aber stetig in der tristen Ortschaft vollzieht und nach und nach Lachen, Freude und zunächst vereinzelte Farbtupfer in Zwietrachting Einzug halten lässt, ist dabei inszenatorisch genauso gelungen wie der Rest des Streifens, dem man doch zuweilen deutlich anmerkt, dass hier einige Ex-Disney-Verantwortliche eine neue Heimat gefunden haben, ohne nur einfach den Stil des Branchen-Giganten zu kopieren (der in der Pixar-Ära dem Thema "Zeichentrick" ja ohnehin ziemlich den Rücken zugewandt hat).

Szenenbild aus Klaus | © Netflix
© Netflix

Wie gesagt, die eigentliche Handlung lässt sich meilenweit gegen den Wind vorherahnen, die Entwicklung Jespers vom verwöhnten Adelsjüngling hin zum aufopferungsvollen Briefträger genauso vorhersehbar wie die spätere Rolle des ohnehin mit ikonischer Statur versehenen Klaus, während auch kein Zweifel darüber besteht, dass die verbitterte Alva alsbald mit neu erwachtem Enthusiasmus zu ihrer alten Profession als Lehrerin zurückfindet, doch erzählt Klaus all das mit so entwaffnender Hingabe, dass man dem Film daraus ohnehin keinen Strick drehen mag. So ist der von Netflix mitproduzierte und von Sergio Pablos inszenierte Film nahe dran, als ultimativer (Vor-)Weihnachtsfilm zu gelten, doch ausgerechnet da, wo er zusätzlich noch einmal hätte punkten können, lassen sich leichte Schwächen im Gesamtbild ausmachen, nämlich bei der Musik. Die setzt aus unerfindlichen Gründen nämlich weit häufiger auf modernen, seichten Pop, als einem lieb sein kann, was dahingehend gleich doppelt irritiert, dass man ansonsten kaum konkret benennen könnte, zu welcher Zeit die Geschichte spielt, aber das ist trotz allem wie so oft Jammern auf allerhöchstem Niveau und ich kann nur jedem raten, Klaus eine Chance zu geben und sich vorsichtshalber ein paar Taschentücher für das zu Tränen rührende Finale parat zu legen.

Fazit & Wertung:

Sergio Pablos gelingt mit Klaus nicht nur ein Zeichentrickfilm der alten Schule, mit modernster Technik in Sachen Animation gekonnt veredelt, sondern auch ein zu Herzen gehender Weihnachtsfilm, der meinem Empfinden nach auf lange Sicht durchaus das Zeug zum modernen Klassiker hat, selbst wenn sich kleinere dramaturgische oder auch inszenatorische Schwächen kaum verhehlen lassen.

9 von 10 selbstlosen Taten

Klaus

  • Selbstlose Taten - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Sergio Pablos gelingt mit Klaus nicht nur ein Zeichentrickfilm der alten Schule, mit modernster Technik in Sachen Animation gekonnt veredelt, sondern auch ein zu Herzen gehender Weihnachtsfilm, der meinem Empfinden nach auf lange Sicht durchaus das Zeug zum modernen Klassiker hat, selbst wenn sich kleinere dramaturgische oder auch inszenatorische Schwächen kaum verhehlen lassen.

9.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
Sende

Klaus ist seit dem 15.11.19 exklusiv bei Netflix verfügbar.

vgw

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