Review: Andor | Staffel 1 (Serie)

Das Star Wars Universum

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Ja, es geschehen noch Zeichen und Wunder und weil das eben manchmal so ist, kommt heute tatsächlich mal wieder eine Serien-Rezension von meiner Seite.

Andor
Staffel 1

Andor, USA 2022, ca 49 Min. je Folge

Andor | © Disney+
© Disney+

Serienschöpfer:
Tony Gilroy
Showrunner:
Tony Gilroy

Main-Cast:

Diego Luna (Cassian Andor)
Kyle Soller (Syril Karn)
Adria Arjona (Bix Caleen)
Stellan Skarsgård (Luthen Rael)
Fiona Shaw (Maarva Andor)
Denise Gough (Dedra Meero)
Genevieve O’Reilly (Mon Mothma)
Faye Marsay (Vel Sartha)
Varada Sethu (Cinta Kaz)
Elizabeth Dulau (Kleya Marki)

in weiteren Rollen:

Joplin Sibtain (Brasso)
James McArdle (Timm Karlo)
Gary Beadle (Clem Andor)
Kathryn Hunter (Eedy Karn)
Alastair Mackenzie (Perrin Fertha)
Anton Lesser (Major Partagaz)
Alex Lawther (Karis Nemik)
Sule Rimi (Lieutenant Gorn)
Ebon Moss-Bachrach (Arvel Skeen)
Gershwyn Eustache Jnr (Taramyn Barcona)
Stanley Townsend (Commandant Jayhold Beehaz)
Ben Miles (Tay Kolma)
Andy Serkis (Kino Loy)
Duncan Pow (Melshi)
Forest Whitaker (Saw Gerrera)
Richard Dillane (Davo Sculdun)
Dave Chapman (B2EMO [Stimme])

Genre:
Abenteuer | Drama | Science-Fiction | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Andor | © Disney+
© Disney+

Auf der Suche nach seiner Schwester, die er seit ihrer Jahre zurückliegenden Zeit auf ihrem vom Imperium geplünderten Heimatplaneten nicht mehr gesehen hat, verschlägt es Cassian Andor nach Morlana One. Dort gerät er allerdings unfreiwillig mit zwei Konzernmitarbeitern aneinander und deren Tod erweckt verständlicherweise die Aufmerksamkeit von Deputy Officer Syril Karn, der für die Sicherheitsabteilung von Preox-Morlana arbeitet. Cassian setzt sich nach Ferrix ab, wo auch seine Ziehmutter Maarva lebt, und wendet sich an die Mechanikerin Bix Caleen, die ihrerseits Kontakt mit einem möglichen Käufer einer imperialen Starpath-Einheit herstellen soll, die Cassian hat erbeuten können. Während Syril Karn weiter unerbittlich allen Spuren folgt, die letztlich in Richtung Ferrix weisen, begibt sich Cassian zu einem Treffen mit dem Unbekannten, der es allerdings auf weit mehr abgesehen hat als nur die Starpath-Einheit. Es versteht sich, dass die Lage zusehends aus dem Ruder läuft und wie die Ereignisse ihre Bahnen zu ziehen beginnen, erweckt der Vorfall letztlich gar das Interesse der ISB. Supervisorin Dedra Meero ist allerdings zunächst die einzige, die Zusammenhänge zu erkennen meint zwischen mehreren, vermeintlich zufälligen Raubüberfällen und Infiltrationen. Das allerdings soll sich ändern, als Cassian von dem mysteriösen Käufer für einen Job auf dem Planeten Aldhani angeworben wird…

Rezension:

Ehrlicherweise habe ich seinerzeit, als erstmals die Rede von einer Serie namens und über Andor war, so bei mir gedacht, was das denn für eine Schnapsidee wäre, denn so etwas wie erzählerisches Potential habe ich dort beim besten Willen nicht erkennen können, ganz davon ab, dass ich die Figur in Rogue One zwar mochte, aber doch durchaus weitaus begeisterter von Jyn Erso gewesen bin. Letztlich hat es dann aber doch nur einen läppischen Trailer und die Tatsache gebraucht, dass auch Stellan Skarsgård sich an der Produktion beteiligt, dass meine Neugierde nicht nur geweckt, sondern regelrecht angefacht worden ist. Dabei hat man im September gut daran getan, immerhin drei Episoden am Stück zu veröffentlichen, denn zugegebenermaßen ist der Anfang – von vereinzelten Thrill- und Action-Momenten abgesehen- doch eher getragen und gemächlich, was nicht heißen soll, dass es langweilig wäre, Cassians Geschicken zu folgen, sondern nur, dass die Verantwortlichen sich Zeit nehmen für Exposition und Wordlbuilding, die hier als außerordentlich gelungen betrachtet werden können. Den Ansatz, in Rückblenden die Kindheit von Andor abzufrühstücken, hat man zwar eigentlich schon einmal zu oft genutzt, doch überzeugt selbst hier das Ergebnis, zumal man einige unkonventionelle, aber richtige Entscheidungen trifft wie etwa, das Kauderwelsch der Jugendlichen nicht zu übersetzen, derweil es ohnehin einige Zeit braucht, bis man sortiert hat, wo man sich befindet und was dort vorgefallen sein mag.

Szenenbild aus Andor | © Disney+
© Disney+

Das als Aufhänger nutzend, möchte ich gerne direkt auf eine der größten Stärken von Andor zu sprechen kommen, denn fernab dessen, was die Serie ausmachen und sehenswert machen mag, bietet sie vor allem einen ungeschönten und ungekannten Blick auf die Galaxis und die Gräuel, die sich in ihr ereignen. Es war nie ein Geheimnis, für was das Imperium steht und zu welchen Schrecken es fähig ist, doch nie würden die Konsequenzen dessen so nahbar und erschütternd eingefangen wie hier, was dem Ganzen eine Ernsthaftigkeit und etwas Grimmes verleiht, das man in dieser Form selten findet. Überhaupt wirkt die Serie aber manchmal so wie ein Blick hinter die Kulissen, wenn die Geschichten aus Star Wars sich wirklich und wahrhaftig so ereignet hätten, denn erstmals werden auch in aller Ausführlichkeit Blickwinkel und Betrachtungsweisen des ISB erörtert, erfährt man erstmals aus erster Hand wie das "Leben am Hofe" von Coruscant gewesen sein muss, was hier am Beispiel der stets unter Beobachtung stehenden Mon Mothma durchexerziert wird. Die wird im Übrigen einmal mehr von Genevieve O’Reilly verkörpert, die seit Die Rache der Sith das Gesicht der Rebellenanführerin ist, die Figur hier aber erstmals wirklich mit Charakter und Schneid zu versehen vermag. Das ist natürlich dem Mehr an Zeit geschuldet, was eine Serie so mit sich bringt, zumal man hier – anders als bei The Mandalorian oder auch Obi-Wan Kenobi – die Story auf immerhin zwölf Episoden zu je einer guten Dreiviertelstunde verteilt, womit es wohl auch die bis dato größte und ambitionierteste Star-Wars-Live-Action-Serie ist.

Das mag erst einmal seltsam klingen, wenn man berücksichtigt, was bisher im Serienkosmos des noch jungen Streaming-Anbieters Disney+ das Licht der Welt erblickt hat (auch wenn die Rückkehr so manch ikonischer Figur längst nicht so begeistert aufgenommen worden ist, wie man das hätte meinen können), doch hier geht man selbstsicher und vom ersten Moment an neue Wege. Wege, die sich ganz ohne Einsatz der Macht werden ergründen lassen müssen und die weit düsterer und weniger heldenhaft sind, als man das erwarten möchte. So verschwimmt erstmal sogar die Grenze dessen, was man lange als Prototyp einer Schwarz-Weiß gezeichneten Welt hat betrachten können, denn plötzlich werden selbst Mitglieder – oder zumindest Sympathisanten – des Imperiums nahbar, während die noch aufkeimende Rebellion mehr als einmal in einen schmerzvoll pragmatisch geprägten Abgrund blicken lässt. Zweifellos sind das Qualitäten, an denen sich auch schon Rogue One in Teilen versucht hat, doch blieben dort eben auch nur zwei Stunden Zeit, in denen zudem noch die Pläne des Todessterns erbeutet werden mussten. Zum größten Kuriosum dieser zunehmend faszinierenden Serie wird damit mehr und mehr, warum man sich für den Namen Andor erschienen hat, denn mehr denn je handelt es sich um eine echte Ensemble-Serie, in der Cassian zuweilen gar eine ziemlich untergeordnete Rolle spielt, auch wenn er für vieles von dem, was sich ereignet, mehr oder minder indirekt verantwortlich zeichnet. Was wie Kritik klingt, ist dabei als großes Kompliment gemeint, denn insbesondere Figuren wie der Konzern-Sicherheitsinspektor Syril Karn (Kyle Soller, Das Geheimnis von Marrowbone) oder auch die Rebellin Vel Sartha (Faye Marsay) machen eine beeindruckende Entwicklung durch, gerade wenn man berücksichtigt, dass die Ereignisse in Andor gerade einmal ein paar wenige Monate umfassen. Ausgelegt ist die Serie bekanntermaßen auf exakt zwei Staffeln (wobei die nächste und letzte Staffel wohl bis Ende 2024 auf sich warten lassen wird), doch die angedachten Zeitsprünge bis zum Einsetzen der Handlung von Rogue One kommen hier noch nicht zum Tragen, so dass allein die ersten sechs Episoden sich nur über wenige Tage erstrecken, Rückblenden selbstredend ausgenommen.

Szenenbild aus Andor | © Disney+
© Disney+

Und so erweitert sich dann auch mit jeder weiteren Episode der Blick auf die Galaxis, werden neue Figuren und Zusammenhänge eröffnet, Motivationen, Geheimnisse und Intrigen enttarnt, während ein noch reichlich unerfahrener und sicherlich auch oft überforderter Cassian Andor durch die Welt stolpert und zunächst eigentlich nur sein persönliches Glück zu machen trachtet. Es mag zwar schwerfallen, Diego Luna abzunehmen, dass er hier einen Mann von Anfang zwanzig verkörpern soll (zumal er beim Dreh seinen vierzigsten Geburtstag gefeiert haben dürfte), doch ist das schon Jammern auf hohem Niveau und ein naheliegendes Problem einer im Nachhinein produzierten Preque-Serie, über das ich wohlwollend hinwegzusehen bereit bin. Dafür nämlich bekommt man hier Einblicke in die Galaxis geliefert, wie man sie noch nie gesehen hat, lernt, dass auch eine Star-Wars-Serie als waschechtes und handfestes Drama funktionieren kann, freut sich über ein Wiedersehen mit längst gedanklich abgeschriebenen Charakteren wie Saw Gerrera (Forest Whitaker, Arrival) und begeistert sich ebenso sehr für die Neuzugänge, ob das die tatkräftige und willensstarke Bix Caleen (Adria Arjona, Good Omens) oder der sich ganz dem höheren Ziel verpflichtet fühlende Luthen Rael (Stellan Skarsgård, The Man Who Killed Don Quixote). Es mag stimmen, dass die Staffel im Mittelteil ihrer Erzählblöcke ein wenig ruhiger, vielleicht sogar unaufgeregter sein mag, doch entschädigen ein fulminantes Worldbuilding, ein unverbrauchter Blickwinkel und eine ganze Schar spannender, überzeugender, vielschichtiger Figuren dafür mehr als nur ein wenig und die Qualität nachfolgender Franchise-Produkte wird sich künftig an diesem großen Wurf messen lassen müssen. Wie gerne ich diese Zeilen lieber zu Obi-Wans Rückkehr verfasst hätte, brauche ich wohl niemandem gesondert zu verraten, doch umso schöner ist die Überraschung nun, dass ausgerechnet eine Serie, der ich persönlich im Vorfeld so wenig zugetraut habe, mich so dermaßen begeistert hat.

Fazit & Wertung:

In meinen Augen ist Andor eine der Serienüberraschungen des Jahres schlechthin und in vielerlei Hinsicht pure, gelebte Magie, die allerdings in diesem Fall ganz ohne Jedi, Sith und Macht auskommt, dafür allerdings ein Bild der aufkeimenden Rebellion skizziert, das einnehmender kaum sein könnte. Da fällt es kaum störend ins Gewicht, dass die namensgebende Hauptfigur oft genug nur die zweite Geige spielt und bereitwillig die Bühne dem breit angelegten Ensemble überlässt, das sich in dieser vom Imperium unterjochten Galaxis umtut. Es versteht sich beinahe, dass die Serie auch audiovisuell auf ganzer Linie zu überzeugen weiß.

9 von 10 Einsätzen für einen angehenden Rebellen

Andor | Staffel 1

  • Einsätze für einen angehenden Rebellen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

In meinen Augen ist Andor eine der Serienüberraschungen des Jahres schlechthin und in vielerlei Hinsicht pure, gelebte Magie, die allerdings in diesem Fall ganz ohne Jedi, Sith und Macht auskommt, dafür allerdings ein Bild der aufkeimenden Rebellion skizziert, das einnehmender kaum sein könnte. Da fällt es kaum störend ins Gewicht, dass die namensgebende Hauptfigur oft genug nur die zweite Geige spielt und bereitwillig die Bühne dem breit angelegten Ensemble überlässt, das sich in dieser vom Imperium unterjochten Galaxis umtut. Es versteht sich beinahe, dass die Serie auch audiovisuell auf ganzer Linie zu überzeugen weiß.

9.0/10
Leser-Wertung 5.75/10 (4 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Kassa (8/10)
02. Das bin ich (7,5/10)
03. Abrechnung (9/10)
04. Aldhani (7,5/10)
05. Die Axt vergisst ihr Werk (7,5/10)
06. Das Auge (9/10)
07. Bekanntgabe (8/10)
08. Narkina 5 (8/10)
09. Niemand hört zu (8,5/10)
10. Ein Weg raus (9,5/10)
11. Tochter von Ferrix (8,5/10)
12. Rix Road (10/10)

 
– – –

Andor | Staffel 1 ist (komplett) seit dem 23.11.22 exklusiv bei Disney+ verfügbar.

vgw

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