Review: The Man Who Killed Don Quixote (Film)

Auch diesen Freitag hätte ich dann mal wieder einen Film mit – unter anderem – Adam Driver im Gepäck und der Mann scheint tatsächlich einen echten Lauf zu haben, was die Werke mit seiner Beteiligung angeht, auch wenn mich dieses hier nicht bis in die letzte Faser hat überzeugen können und doch im besten Sinne als eigenwillig zu bezeichnen ist.

The Man Who Killed Don Quixote

The Man Who Killed Don Quixote, BE/ES/FR/PT/UK 2018, 132 Min.

The Man Who Killed Don Quixote | © Concorde
© Concorde

Regisseur:
Terry Gilliam
Autoren:
Terry Gilliam
Tony Grisoni

Main-Cast:
Adam Driver (Toby)
Jonathan Pryce (Don Quixote)
Stellan Skarsgård (The Boss)
Olga Kurylenko (Jacqui)
Joana Ribeiro (Angelica)
in weiteren Rollen:
Óscar Jaenada (Gypsy)
Jason Watkins (Rupert)
Sergi López (Farmer)
Rossy de Palma (Farmer’s Wife)
Hovik Keuchkerian (Raul / Knight of the Mirrors)
Jordi Mollà (Alexei Miiskin)

Genre:
Abenteuer | Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Man Who Killed Don Quixote | © Concorde
© Concorde

Regisseur Toby ist dabei, in Spanien einen Film zu drehen und verzweifelt zunehmend an der Gesamtsituation, denn nichts scheint zu klappen wie es soll, derweil er selbst mit seiner zynischen und arroganten Art nicht gerade unschuldig an der Situation ist. Durch eine skurrile Begegnung fühlt Toby sich alsbald aber an einen zehn Jahre zurückliegenden Dreh erinnert, als er als aufstrebender Jung-Regisseur die Geschichte des legendären Don Quixote zu verfilmen trachtete. Wie es der Zufall will, trug sich dies in einem nahegelegenen Dorf zu und aus einer Laune heraus kehrt Toby zu seinen Wurzeln zurück, um schockiert festzustellen, dass er nicht nur das Dorf ins Unglück gestürzt hat, sondern auch der von ihm besetzte Schuhmacher seit damals glaubt, wirklich und wahrhaftig Don Quixote zu sein, was ihn zu einem schrulligen Eremiten macht, der als eine Art Jahrmarktsattraktion gehandelt wird. Und ohne es zu wollen, lässt sich Toby alsbald tiefer und tiefer in die Welt des Wahnsinns des vermeintlichen Don Quixote entführen, der in Toby zu allem Überfluss seinen trotteligen Knappen Sancho Panza zu erkennen meint…

Rezension:

Die Entstehung von The Man Who Killed Don Quixote, der Versuch, den Stoff zu verfilmen, die Katastrophen am Set, der Abbruch und das Jahrzehnte lange Schmoren in der Produktionshölle sind weithin bekannt und haben den Film, lange bevor er entstanden ist, zu einer echten Hollywood-Legende werden lassen, die bereits mit dem Dokumentarfilm Lost in La Mancha ein Denkmal gesetzt bekommen hat. Ex-Monty-Python-Mitglied Terry Gilliam aber war nicht gewillt, dieses Scheitern auf sich sitzen zu lassen und so – wie er selbst mit eingangs gezeigter Texttafel festhält – kam 2018 schlussendlich sein Werk "nach mehr als 25 Jahren in Arbeit … oder Nicht-Arbeit … endlich im Kino". Bezeichnend und passend eigentlich, dass der Film dann schlussendlich im Kino herzlich wenig Aufmerksamkeit bekam, gleichwohl er bei seiner Uraufführung in Cannes fünfzehnminütige Standing Ovations einfahren konnte. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, denn ein kultverdächtiges Meisterwerk ist es leider nicht geworden, dafür aber ein durch und durch kompromissloser und exaltiert-überdrehter Reigen, der eine merkliche Katharsis für den Filmschaffenden Gilliam mit sich gebracht haben dürfte.

Szenenbild aus The Man Who Killed Don Quixote | © Concorde
© Concorde

Derweil habe ich Terry Gilliam nicht erst mit seinen Memoiren Gilliamesque schätzen und lieben gelernt, doch freue ich mich schon einmal auf ganz persönlicher Ebene für seinen Triumph, denn auch wenn das Ergebnis sicher kein Werk für jedermann sein dürfte und durchaus die Meinungen zu spalten vermag, kann man zumindest nicht vorwerfen, Kompromissbereitschaft habe das Werk zu einem halbgaren Aufguss werden lassen. Dabei beginnt alles noch vergleichsweise human und normal mit der Rahmenhandlung eines exzentrischen Regisseurs, der an den Dreharbeiten in Spanien zu verzweifeln beginnt (ob und inwieweit dieser Part schon immer existiert hat, oder eine persönliche Aufarbeitung dessen enthält, was Gilliam als Filmemacher hat durchmachen müssen, vermag ich nicht zu sagen), doch bereitet dieser Part kaum auf den vor einem liegenden Exzess vor, der irgendwo zwischen Lachen und Leiden, Slapstick und Skurrilität, Monty-Python-Humor und echter Tragik zu verorten ist. So sollte man auch tunlichst nicht den Fehler begehen, sich beispielsweise vom Trailer blenden zu lassen und eine waschechte Komödie zu vermuten, denn dafür enthält The Man Who Killed Don Quixote viel zu viel Ernst und Drama, denn allein der Aufhänger, dass der spanische Darsteller sich nach all den Jahren nun für den echten und leibhaftigen Don Quixote hält, wird mitnichten nur für Gags und Klamauk herangezogen, sondern vermittelt auch eine echte Tragik und Betroffenheit, wobei der Film stets auf oft ungemütliche Art zwischen diesen beiden Polen – Ernst und Albernheit – zu schwanken vermag.

Große Ehre gebührt hierfür freilich vor allem Jonathan Pryce (The Salvation), der einen gar wunderbar kauzigen Don Quixote zu geben vermag, dessen eingebildete Abenteuer und Herausforderungen zunehmend auch den zunächst abweisenden Regisseur Toby (Adam Driver, BlacKkKlansman) in ihren Bann zu schlagen wissen. Toby derweil stolpert gänzlich unverhofft und unvorbereitet in dieses Abenteuer und hat so seine liebe Mühe zu akzeptieren, vom vermeintlichen Quixote als sein treuer Gefährte Sancho Panza betrachtet zu werden. Hierbei gelingt aber auch Driver eine glaubhafte Gratwanderung, die zumindest in Teilen nachvollziehen lässt, warum er nicht ab einem gewissen Punkt einfach das Weite sucht, zumal er zunehmend seinen früheren Enthusiasmus und die ihm abhanden gekommene Empathie wiederentdeckt, die ihm als jungen Filmemacher noch innegewohnt hat, so dass The Man Who Killed Don Quixote auch durchaus zum Nachdenken anregt und Botschaften vermittelt, auch wenn Gilliam mit zunehmender Laufzeit die erzählerischen Zügel vermehrt zu entgleiten drohen. Was nämlich überschaubar und nachvollziehbar beginnt, steigert sich zunehmend in einen absurden Reigen, in dem sich – ganz bewusst – Realität und Fiktion kaum noch voneinander unterscheiden lassen, was dann nicht nur an Tobys Verfassung, sondern auch am erzählerischen Konstrukt zu nagen beginnt.

Szenenbild aus The Man Who Killed Don Quixote | © Concorde
© Concorde

Gleichwohl The Man Who Killed Don Quixote aber vielerorts episodisch und zunehmend übersteuert geraten ist, werde ich dieses unnachahmliche und vor allem einzigartige Werk in bester Erinnerung behalten, auch wenn es wie erwähnt nicht langt, um ihm einen möglichen Kultstatus zu attestieren oder auch nur restlos begeistert zu sein. Dafür häufen sich hier zu viele Auslassungen und verwirrende Passagen, nicht ausformulierte Zusammenhänge und Merkwürdigkeiten, zumal einem das ohnehin schon rar gesäte Lachen vermehrt im Halse stecken bleibt, doch der Mut und die Einsatzbereitschaft, diesen Film genau so nun endlich auf die Leinwand – und ins Heimkino – zu bringen, verdient Respekt und Anerkennung, derweil ich glaube, dass, je mehr man über Terry Gilliam weiß, man sich diesem Film und seiner Geschichte durchaus verbunden fühlen kann. So macht er hier aus seiner Eigenwilligkeit eine Tugend und wenn eine glattgebügelte Version sicherlich auch mehr Menschen hätte erreichen und überzeugen können, hat Gilliam für sich und seine Fans genau den Film geschaffen, der eben seit mehreren Jahrzehnten bereits mehr oder minder beständig durch seinen Kopf gespukt haben muss.

Fazit & Wertung:

Mit The Man Who Killed Don Quixote hat Terry Gilliam schlussendlich einem echten Lebenstraum Gestalt und Ausdruck verliehen. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß eigensinnig und skurril, was ihn bei der breiten Masse wohl kaum die verdienten Meriten einfahren lassen dürfte. Und auch wenn es dramaturgisch ein wenig hapern mag und das stete Schwanken zwischen Tragik und Melancholie auf der anderen Seite, Slapstick und Absurdität auf der anderen Seite nicht jedermann munden dürfte, sind dem Werk seine Kompromisslosigkeit, nicht zuletzt aber auch die hervorragend aufspielenden Darsteller Driver und Pryce hoch anzurechnen.

7 von 10 eingebildeten Ungeheuern und Abenteuern

The Man Who Killed Don Quixote

  • Eingebildete Ungeheuer und Abenteuer - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit The Man Who Killed Don Quixote hat Terry Gilliam schlussendlich einem echten Lebenstraum Gestalt und Ausdruck verliehen. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß eigensinnig und skurril, was ihn bei der breiten Masse wohl kaum die verdienten Meriten einfahren lassen dürfte. Und auch wenn es dramaturgisch ein wenig hapern mag und das stete Schwanken zwischen Tragik und Melancholie auf der anderen Seite, Slapstick und Absurdität auf der anderen Seite nicht jedermann munden dürfte, sind dem Werk seine Kompromisslosigkeit, nicht zuletzt aber auch die hervorragend aufspielenden Darsteller Driver und Pryce hoch anzurechnen.

7.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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vgw

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Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 20. April 2020

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