Review: Antichrist (Film)

Auch heute kredenze ich euch wieder eine neue Rezension, auch wenn ich mich bei diesem Film merklich schwergetan habe, ein paar aussagekräftige Zeilen auf das digitale Papier zu bringen, was – zumindest für mich – ein weiteres Zeichen dafür ist, wie sehr die Wirkung des Films, gut anderthalb Wochen später, immer noch nachhallt.

Antichrist

Antichrist, DK/DE/FR/SE/IT/PL 2009, 108 Min.

Antichrist
Quelle: IMPawards.com

Regisseur:
Lars von Trier
Autor:
Lars von Trier

Main-Cast:
Willem Dafoe (Er)
Charlotte Gainsbourg (Sie)

Genre:
Drama | Thriller | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Ein namenloses Ehepaar gibt sich ekstatisch und entrückt dem Liebesspiel hin und bemerkt dabei nicht, wie ihr Sohn Nic aus seinem Kinderbett entkommt, den Tisch erklimmt und schlussendlich vom Fenstersims rutscht und in einen gnadenvollen Tod stürzt. Diese Tragödie stürzt die Frau in tiefste Depressionen. Aufgrund ihrer Schuldgefühle erleidet sie einen Nervenzusammenbruch und ihr Mann, seines Zeichens Therapeut, versucht sie langsam und behutsam wieder aufzurichten. Bei der Analyse ihrer irrationalen Angstzustände stoßen die beiden schnell darauf, dass eine unerklärliche Angst vor dem Wald Eden sie umtreibt, wo sie vergangenen Sommer mit ihrem Sohn in einer Hütte verbrachte, um ihre Dissertationsarbeit abzuschließen.

Die beiden machen sich auf, den Ursprung ihrer Ängste zu ergründen. Dem Mann erscheinen alsbald Tiere, die in grauenhafter Form unter dem Leitbild des Todes stehen und seine Frau lässt sich alsbald zu der Aussage hinreißen, dass „die Natur Satans Kirche ist“. Während die Frau sich immer weiter in ihren Wahn und in ihre Angst hineinsteigert, verliert der Mann zusehends die Kontrolle und gerät in den Sog des Chaos. Die Ereignisse kulminieren in einem brutalen Akt und bald schon steht die Ankunft der drei Bettler bevor.

Rezension:

Lars von Trier polarisiert. Dieses Jahr in Cannes zu den 64. Internationalen Filmfestspielen nicht so sehr mit Melancholia, seinem neuesten und bald auch bei uns erscheinenden Film, sondern vielmehr mit seinen Ausführungen zu Adolf Hitler und den Nazis, welche ihn schlussendlich in den Augen des Festivalkomitees zu einer Persona non grata machten. 2009 sah die Sache anders aus, denn hier sorgte – ebenfalls in Cannes – sein Film Antichrist für Furore. Mag man Herrn von Trier für seine Ansichten und Äußerungen verurteilen und im Fall von Antichrist sein Bild der Frau kritisieren, sollte man doch nicht den Fehler begehen, aus diesem Grunde auch seinem filmischen Schaffen den Rücken zu kehren.

Antichrist ist weniger Film denn Erfahrung und Trier räumte selbst ein, dass er selbst dieses visualisierte Statement zur Frauenrolle nicht befürworte, aber darum geht es in diesem Film eigentlich überhaupt nicht, auch wenn einige religiöse Eiferer das – durchaus verständlicherweise – anders sehen. Die Geschichte, die von Trier hier erzählt, ist so simpel wie eindrücklich und strotzt nur so vor Symbolismus. Sie ist dabei derart beklemmend und düster, dass sie in ihrer wirklich kompromisslosen Art nur schwer zu ertragen ist und es einem ein gehöriges Maß an Selbstüberwindung kostet, nicht irgendwann wegzuschalten.

Es wird nur allzu deutlich, dass der Regisseur in Antichrist insbesondere seine eigene Depression zu verarbeiten sucht und dafür hat er die perfekten Schauspieler in Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg gefunden, die beide in einer derart überzeugenden und gefangennehmenden Weise agieren, dass es einem oft kalt den Rücken runterläuft. Antichrist ist der visualisierte Schrecken fernab stumpfer Slasher-Action und brutaler, als alles was ich bisher gesehen habe. Es ist eine Grenzerfahrung und die Bilder hallen einem noch Tage später im Kopfe nach.

Das liegt nicht etwa daran, dass Antichrist mit plumpen Effekten zu schockieren versucht, sondern an der Tatsache, dass der Film von der ersten bis (fast) zur letzten Sekunde Angst, Beklemmung, Einsamkeit und Bedrohung vermittelt und emotionalen Schrecken verbreitet. Er bewegt sich in Richtung einer psychischen Vergewaltigung, bleibt dabei stets am Rande des Abgrundes, taucht tief ein in seine beiden Hauptprotagonisten und enthält dem Zuschauer trotzdem nicht eine Art reinigende Katharsis vor.

Fazit & Wertung:

Antichrist ist schonungslos und extrem. Wer sich nicht selbst quälen möchte, sollte Abstand halten von diesem Werk, bei jedweder Labilität wäre ebenfalls von ihm abzuraten. Wer sich aber traut, dem Ehepaar nach Eden zu folgen, dem wird definitiv eine Erfahrung zuteil.

9 von 10 Erscheinungsformen der drei Bettler

Antichrist

  • Erscheinungsformen der drei Bettler - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Antichrist ist schonungslos und extrem. Wer sich nicht selbst quälen möchte, sollte Abstand halten von diesem Werk, bei jedweder Labilität wäre ebenfalls von ihm abzuraten. Wer sich aber traut, dem Ehepaar nach Eden zu folgen, dem wird definitiv eine Erfahrung zuteil.

9.0/10
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