Review: Take Shelter (Film)

Zum Ende des Wochenendes melde ich mich direkt prompt mit einer weiteren Film-Review zu einem empfehlenswerten Streifen zurück. Das am Freitag angekündigte Gewinnspiel ist übrigens heute Nachmittag auf Facebook mit leichter Verspätung angelaufen und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Wer also auch ein Exemplar von Mark Allen Smiths Der Spezialist abgreifen möchte ist herzlich zu einem Besuch auf der Facebook-Seite des Medienjournals eingeladen. Jetzt aber zur Hauptattraktion des heutigen Abends:

Take Shelter
Ein Sturm zieht auf

Take Shelter, USA 2011, 120 Min.

Take Shelter | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Jeff Nichols
Autor:
Jeff Nichols

Main-Cast:
Michael Shannon (Curtis)
Jessica Chastain (Samantha)
in weiteren Rollen:
Shea Whigham (Dewart)
Katy Mixon (Nat)
Kathy Baker (Sarah)
Ray McKinnon (Kyle)

Genre:
Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Curtis LaForche führt ein durch und durch normales, typisches Leben im ländlichen Ohio. Tagsüber arbeitet er mit seinem besten Freund Dewart auf dem Bau, um abends zu seiner Frau Samantha und der gemeinsamen Tochter Hannah heimzukehren. Zwar leben die LaForches nicht in Saus und Braus, müssen mühsam ihr Eigenheim abstottern und hadern mit ihrem Schicksal, dass Hannah taubstumm ist, doch haben sie es im Grunde im Leben nicht schlecht getroffen und könnten zufrieden sein mit ihrer Existenz. Aber nach und nach schleicht sich das Grauen ein, denn Curtis beginnt prophetische Träume zu haben, glaubt unheilvolle Wolken am Himmel zu erblicken und tosenden Donner zu vernehmen, während seine Umwelt dieser Zeichen nicht gewahr wird.

Szenenbild aus Take Shelter | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Immer heftigere Alpträume plagen ihn des Nachts und scheinen selbst den eigenen Hund zur Bedrohung werden zu lassen, woraufhin sich der immer paranoider werdende Curtis nicht anders zu helfen weiß, als diesen in den Garten zu verbannen. Mehr und mehr beginnt er zu glauben, dass ein Sturm sich am Horizont abzeichnet, wagt es aber nicht, sich jemandem anzuvertrauen. In seiner Verzweiflung ob der kräftezehrenden Träume sucht er einen Arzt auf und der vermutet schnell eine Verbindung zu der bei Curtis‘ Mutter vor Jahren diagnostizierten Schizophrenie. Zwar öffnet sich Curtis zunächst dieser Möglichkeit, zieht sich jedoch gleichsam mehr und mehr in seine Welt zurück, um den dringend notwendigen Sturmschutzbunker auszubauen, um sich und seine Familie vor dem nahenden Sturm zu retten.

Rezension:

Als Take Shelter im Frühjahr diesen Jahres in die Kinos kam, habe ich ihn ja schon mit Vorschusslorbeeren überhäuft und noch davor war der Film bereits Gewinner zahlloser Preise auf teils namhaften Film-Festivals wie dem Festival de Cannes oder dem Filmfest Hamburg. Unlängst kam ich nun also endlich selbst in den Genuss des Films und es sollte sich zeigen, dass diese Lobeshymnen und Ehrungen ausnahmsweise einmal nicht von ungefähr kommen. Das Thema von Jeff Nichols‘ Zweitlingswerk ist zweifelsohne spannend und letztlich stellte sich nur die Frage einer adäquaten und dem Thema angemessenen Umsetzung.

Szenenbild aus Take Shelter | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Zu Nichols‘ großem Glück konnte er einerseits Michael Shannon erneut ins Boot holen, der schon in dessen Debüt Shotgun Stories die Hauptrolle innehatte und andererseits Jessica Chastain, die zwar immer noch nicht so bekannt ist, wie sie mittlerweile sein sollte, nichtsdestotrotz aber eine überaus überzeugende Rolle als Shannons Frau spielt, in Take Shelter eindeutig die zweite Geige. Jedoch holt sie aus ihrer Rolle alles heraus und bietet Shannons Darstellung des verwirrten Curtis LaForche immerhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Stirn. Michael Shannon indes ist einmal mehr in Höchstform zu bewundern und mausert sich mehr und mehr zu einem von mir hochgeschätzten Darsteller, denn man für seine Art der Darstellung, sein intensives Spiel und sein Charisma nur loben kann.

Ganz langsam entzieht sich Shannons Curtis der Realität und driftet mehr und mehr in seine scheinbar prophetischen Traumwelten, die gleichsam an inszenatorischer Intensität ihresgleichen suchen. Regisseur und Drehbuchautor Nichols inszeniert diese Vorkommnisse so behutsam und elegant, dass sich zu keinem Zeitpunkt erschließen lässt, dass ein nahendes Unheil kurz bevorsteht bis zu dem Punkt, an dem die unwirklichen Erlebnisse sich Bahn schlagen und dem Zuschauer klar wird, dass es sich nicht um die Realität handeln kann. Curtis handelt dabei trotz seines geistig desolaten Zustands nicht kopflos sondern durchaus selbstreflexiv und zieht auch die Möglichkeit in Betracht, wie seine Mutter damals an Schizophrenie erkrankt zu sein. Dennoch tut er sich merklich schwer, seine Frau oder auch seinen besten Freund ins Vertrauen zu ziehen und bemüht sich, der Lage allein Herr zu werden.

Szenenbild aus Take Shelter | © Ascot Elite
© Ascot Elite

So trostlos das Leben in Ohio dargestellt wird, so bedrohlich Curtis‘ Träume wirken, so grenzenlos ist der Sog, dem sich der Zuschauer beinahe von Beginn an ausgesetzt sieht und der die Spannung über die gesamte Dauer von Take Shelter aufrecht erhält, wenngleich der Film keineswegs mit reißerischen Momenten oder einer aufgeregten Inszenierung punktet, sondern stattdessen mit einer zu großen Teilen unaufgeregten, nur unterschwellig bedrohlich wirkenden Erzählweise, die ihn auch davor bewahrt, ihm Effekthascherei vorwerfen zu können, wenn beispielsweise der riesige Vogelschwarm am Himmel seine Kreise zieht oder der drohende Sturm ein ums andere Mal in Curtis‘ Gedanken aufzieht. Das Ende hingegen ist im höchsten Maße ambivalent und wird durchaus einige Zuschauer vor den Kopf stoßen, obschon er im Grunde extrem konsequent gewählt ist, um dem Streifen einen würdigen Abschluss zuteilwerden zu lassen. Ob man sich mit dem Ende anfreunden kann, ist aber auch letztlich eine Frage dessen, welcher Fährte des Regisseurs man zu folgen bereit war und mit welchem Ende man unbewusst gerechnet hat.

Fazit & Wertung:

Take Shelter ist ein eindrücklicher und eigenwilliger Film, der ganz auf die wachsende Paranoia des Hauptakteurs fokussiert und dem dabei die herausragenden darstellerischen Leistungen von Michael Shannon in die Hände spielen. Doch auch sonst handelt es sich um großes inszenatorisches Kino, das höchstens mit dem beinahe profanen Ende den einen oder anderen Zuschauer verstimmen könnte.

8,5 von 10 heraufziehenden Stürmen

Take Shelter

  • Heraufziehende Stürme - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Take Shelter ist ein eindrücklicher und eigenwilliger Film, der ganz auf die wachsende Paranoia des Hauptakteurs fokussiert und dem dabei die herausragenden darstellerischen Leistungen von Michael Shannon in die Hände spielen. Doch auch sonst handelt es sich um großes inszenatorisches Kino, das höchstens mit dem beinahe profanen Ende den einen oder anderen Zuschauer verstimmen könnte.

8.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 9/10 Punkte
Going to the Movies: 9/10 Punkte

Take Shelter ist am 21.08.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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