Review: Die Saat der Bestie | Michael Dissieux (Buch)

Heute gibt es ohne große Umschweife die nächste und folglich neueste Buch-Kritik, diesmal zu einem Werk aus dem Luzifer Verlag, den ich jüngst erst für mich entdecken durfte, den es aber fraglos zu supporten gilt und aus dessen Programm euch sicherlich noch des Öfteren an dieser Stelle etwas über den Weg laufen dürfte.

Die Saat der Bestie

Die Saat der Bestie, DE 2013, 256 Seiten

Die Saat der Bestie von Michael Dissieux | © Luzifer Verlag
© Luzifer Verlag

Autor:
Michael Dissieux

Verlag (D):
Luzifer Verlag
ISBN:
978-3-943-40816-4

Genre:
Horror | Thriller | Endzeit

 

Inhalt:

Es ist eine postapokalyptische Welt, eine Welt der Einsamkeit: Die Menschen wurden auf unerklärliche Weise von der Erde getilgt, sind urplötzlich kollektiv verschwunden. Die, die nicht verschwanden, bekämpften sich gegenseitig und starben. Eine der letzten Überlebenden ist Samantha, die in ihrer Heimat Waterbury lange Monate vergeblich auf die Rückkehr ihres geliebten Mike gewartet hat. Doch Sam blieb allein und eines Tages beschloss sie, ihrem Zuhause den Rücken zu kehren und nach Osten zu wandern in der Hoffnung, dort ihrer Schwester zu begegnen, wenn sie auch tief im Inneren weiß, dass sie sich Illusionen hingibt.

Die verlassenen Häuser und verwaisten Plätze schwitzen den Tod aus. Die Luft scheint dicker als auf den Straßen und Feldern zu sein und trägt den Gestank von verrottenden Kadavern mit sich.

Während ihrer Reisen gelangt sie an einen namenlos bleibenden Ort und trifft alsbald auf David, einen schüchternen und zuvorkommenden Mann, den die unerwartete Gesellschaft sichtlich irritiert. Doch die Monate des Alleinseins haben ihren Tribut gefordert und während Sam noch glaubt, seine einseitigen Gespräche mit einer Schaufensterpuppe wären sein größter Spleen, verbergen sich hinter Davids Antlitz noch ganz andere Abgründe ungeahnten Ausmaßes, die Sam zum Verhängnis werden könnten, während sie sich bereitwillig auf die neue Bekanntschaft einzulassen beginnt.

Rezension:

Michael Dissieux siedelt seine Geschichte Die Saat der Bestie in einem postapokalyptischen Endzeit-Setting an, doch steht dies gar nicht im Fokus seiner Erzählung und dient letztendlich nur als Vehikel, um den Schrecken der eigentlichen Geschichte noch zu verstärken, denn in einer menschenleeren Welt kann niemand Sam zu Hilfe eilen und das Gefühl, dem psychopathischen David auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein potenziert sich um ein Vielfaches. Bis dahin aber ist es ein weiter Weg und Dissieux nutzt die Zeit gekonnt, um seinen Figuren Tiefe und Charakter zu verleihen und den Leser mit der entvölkerten Welt vertraut zu machen, durch die sich Sam bewegt.

So verzichtet der Autor auch darauf, Gründe für das Verschwinden der Menschheit zu liefern und konzentriert sich ganz auf die kammerspielartige Atmosphäre zwischen Sam und David. Wer sich demnach eine Endzeitgeschichte mit einer entsprechenden Mythologie erwartet, einer Erklärung und womöglich noch gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhängen und Folgen, der wird von Die Saat der Bestie bitterlich enttäuscht werden, denn selbst die Figuren scheinen diesen Umstand mit kontemplativer Gelassenheit hinzunehmen und auch wenn sie sich nach besseren Zeiten sehnen, kommt es ihnen doch nicht in den Sinn, nach den Gründen zu forschen. Mir persönlich fehlte dieser Aspekt bei dem gerade einmal 250 Seiten umfassenden Werk überhaupt nicht, da es aus oben genannten Gründen eigentlich unerheblich ist, wie die Entvölkerung konkret vonstattengegangen ist, wenn es mich auch verwirrt hat, dass einerseits die Rede davon war, dass die Menschen einfach verschwunden seien, wohingegen an anderer Stelle erwähnt wird, dass zahllose Leichen den Fluss hinabgetrieben seien (daher auch meine nur vage ausformulierte Inhaltsangabe diesbezüglich).

Der eigentliche Horror schlussendlich bricht sich dann im Grunde erst im letzten Drittel von Die Saat der Bestie Bahn, doch bis dahin fesselt Dissieux mit einer beklemmenden und dichten Atmosphäre, die den nahenden Schrecken auf jeder Seite bereits erahnen lässt, wenn es auch dauert, bis der Wahnsinn sich an die Oberfläche kämpft. Dann allerdings geht es überraschend explizit zur Sache und der Autor spart nicht an ekelerregenden Details, die aber eben auch das Geschehen noch unmittelbarer erlebbar machen. Wer sich hingegen an allzu eindeutigen Ausdrücken und Schilderungen stößt, sollte einen Bogen um dieses Buch machen, aber dieser Hinweis sollte sich erübrigen, wenn man nur annähernd mit dem Verlags-Portrait vertraut ist. Mich hat es als Leser zu fesseln gewusst, zumal Michael Dissieux es versteht, sich emotional wie physisch seinen Figuren anzunähern, so dass dieses Buch sicherlich nicht mit dem am meisten ausgefeilten Plot oder der einfallsreichsten Geschichte aufwartet, dafür aber sehr tief in das Geschehen eintauchen lässt und sich dadurch von Seite zu Seite mehr und mehr zu einem Page-Turner entwickelt.

David hat diesem Jemand sogar einen Namen gegeben. Er nennt diese imaginäre Person Frank, so wie sein zweiter Vorname lautet. Frank ist ein bisschen wie Harvey, der Hase, den er als Kind einmal in einem Film gesehen hat. Nur dass ihm Frank mit jedem Wort, das er ihm anvertraut, realer erscheint. Manchmal hat David sogar das Gefühl, dass er nur die Hand auszustrecken bräuchte, um Frank ertasten zu können. Die Vorstellung, dass sich Frank in eine reale Person verwandeln könnte, zeugt davon, dass David in dieser stillen und einsamen Welt beginnt, den Verstand zu verlieren. Doch warum soll er sich Gedanken um etwas machen, das funktioniert? Und wen würde es stören, wenn er wirklich verrückt werden würde?

Doch nicht nur bei den teils abstoßenden Szenen weiß der Autor sich auszudrücken, sondern weiß über die Dauer des gesamten Romans eine bildhafte und einfallsreiche Sprache für sich zu nutzen. Einzig, dass sich zuweilen doch einige Wiederholungen bei seinen Metaphern eingeschlichen haben und mancher Vergleich nur allzu platt wirkt, trübt das Lesevergnügen ein ganz klein wenig, nichtsdestotrotz ist ihm mit Die Saat der Bestie ein packender Thriller gelungen, der allenthalben von seinem Endzeit-Setting profitiert, sich im Grunde aber als schnörkelloser Reißer entpuppt, der schnell in seinen Bann zieht, ebenso schnell gelesen ist, dafür aber noch eine ganze Weile nachhallt.

Fazit & Wertung:

Obwohl sich das endzeitliche Setting in Die Saat der Bestie schlussendlich als Mittel zum Zweck entpuppt und zwar mit vielen Eindrücken, aber kaum Erklärungen aufwartet, ist Michael Dissieux in diesem Kontext eine geradlinige und kompromisslose Horrormär gelungen.

7,5 von 10 einsamen Nächten

Die Saat der Bestie

  • Einsame Nächte - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Obwohl sich das endzeitliche Setting in Die Saat der Bestie schlussendlich als Mittel zum Zweck entpuppt und zwar mit vielen Eindrücken, aber kaum Erklärungen aufwartet, ist Michael Dissieux in diesem Kontext eine geradlinige und kompromisslose Horrormär gelungen.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und den Autoren findet ihr auf der Seite des Luzifer Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe als PDF.

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Die Saat der Bestie ist am 07.08.13 als Taschenbuch im Luzifer Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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