Review: V-Wars – Die Vampirkriege | Jonathan Maberry (Buch)

Heute bin ich mal richtig spät dran mit meiner Buch-Rezension, wobei es da noch nicht einmal einen richtigen Grund für gibt, außer, dass ich es vergessen habe, den Artikel auf Termin zu legen, bevor wir durch die Stadt gestromert sind. Aber sei es drum, im Grunde ist es ja auch egal, wann genau ein Artikel online geht, so lange ich es nur weiter durchziehe, täglich wenigstens einen davon zu veröffentlichen. Also, viel Spaß, trotz vergleichsweise vorgerückter Stunde.

V-Wars
Die Vampirkriege

V-Wars, USA 2012, 560 Seiten

V-Wars - Die Vampirkriege von Jonathan Maberry | © FISCHER Tor
© FISCHER Tor

Autoren:
Jonathan Maberry
Nancy Holder
John Everson
Yvonne Navarro
Keith R. A. DeCandido
Scott Nicholson,
Gregory Frost
James A. Moore
Dacre Stoker (Nachwort)
Übersetzerinnen:
Maike Hallmann
Birgit Herden

Verlag (D):
FISCHER Tor
ISBN:
978-3-596-70458-3

Genre:
Horror | Endzeit | Thriller

 

Inhalt:

»Was glauben Sie, weshalb ich nicht zu Ihnen reinkommen werde?«, hakte der Fragesteller nach.
»Weil Sie Angst vor mir haben.«
»Ja«, sagte der Fragesteller. »Das stimmt.«
Nach einer Pause sagte der Häftling: »Das sollten Sie auch.«
»Ich weiß.«

Luther Swann gilt seit langem als Vampirexperte und hat einige Bücher zu dem Thema verfasst, doch war es auch in seinen Augen stets Folklore, Schauergeschichten und Mythen. Entsprechend verdutzt ist er, als sich die Detectives Jerry Schmidt und Mike Yanoff an ihn wenden, doch scheint es tatsächlich, als habe sich Schauspieler Michael Fayne etwas zugezogen, was sich trotz der Absurdität der Situation nur als Vampirismus bezeichnen lassen kann. Nun ist es auch für Swann neu, sich in der Realität mit seiner Passion konfrontiert zu sehen, doch scheint er noch am ehesten für die Befragung von Fanye geeignet. Keiner der Beteiligten ahnt, dass das V-Ereignis kurz bevorsteht und Fayne alsbald als Patient Null gelten wird, wenn des Virus auf der gesamten Welt zunehmend um sich greift und die Gesellschaft, das Leben, die Zivilisation für immer verändern wird. Und ein jeder Betroffener wird auf seine Weise lernen müssen, mit seinem neuen Dasein klarzukommen, während die Vorbehalte bei den Nicht-Infizierten freilich immer größere Ausmaße annehmen, schließlich ist ja weithin bekannt, auf welche Art sich Vampire gemeinhin ernähren…

Rezension:

Quasi als Vorbereitung auf die angekündigte Netflix-Serie mit gleichem Namen habe ich mich jüngst dem Ende August erschienenen V-Wars – Die Vampirkriege gewidmet, wobei ich zugeben muss, mich im Vorfeld wieder nicht großartig informiert zu haben. So war mir nicht bewusst, dass es sich im Grunde um eine Anthologie-Serie handelt, zu der Jonathan Maberry lediglich die Hauptgeschichte, einige kleinere Episoden sowie eine Story-Bibel für die beteiligten Autorinnen und Autoren beigesteuert hat. Das ist nun aber natürlich de facto nichts Schlimmes oder Verwerfliches, nur hätte ich eben nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet solch ein Stoff als Serie adaptiert würde, da hier doch viele und oft kaum zusammenhängende Plots bedient werden, derweil die Hauptstory Schrott zwar einiges an Raum einnimmt, aber längst nicht dominiert. Ebendiese wird dann auch in der Serie definitiv zum Tragen kommen, was sich daran festmachen lässt, dass Ian Somerhalder (The Vampire Diaries) für die Rolle des dort in Erscheinung tretenden Vampirexperten Luther Swann verpflichtet worden ist. Um die Serie soll (und wird) es aber natürlich zu einem anderen Zeitpunkt gehen und somit widmen wir uns nachfolgend der Buchvorlage, die ihres Zeichens übrigens "nur" den Auftakt einer insgesamt vierbändigen Reihe bildet, die wahrscheinlich insbesondere dank der prestigeträchtigen Adaption auch ihren Weg zu uns findet, denn im Original ist (der erste Band) V-Wars bereits 2012 erschienen.

Der Virus allerdings, den er sich dort eingefangen hatte, der kam groß raus. I1V1. Der »Eisvirus«. Irgendein Scheiß, der vor zig Millionen Jahren in der Arktis eingeschlossen und durch die globale Erwärmung freigesetzt worden war, bla, bla, bla. Große Sache. Beinahe wäre er dran verreckt. Als er nach L. A. zurückkam, hatte er über vierzig Grad Fieber und abartigen Schüttelfrost. Musste ins Krankenhaus, obwohl er schon lange keine Versicherung mehr hatte. Die Rechnungen würde er wohl noch abbezahlen, wenn seine Enkel ins College gingen.

Insgesamt finden sich in dem rund 550 Seiten starken Band zwölf Geschichten versammelt, die manchmal nur wenige Seiten, andernorts gleich mehrere Teile umfassen. Schrott sticht hierbei dahingehend heraus, dass es sich mit sechs Teilen um die tendenziell längste Geschichte handelt und Luther Swann als Figur auch in den lose nachfolgenden Episoden Eskalation (von Gregory Frost sowie Genozid, Krieg und Letzte Worte (allesamt von Maberry) in Erscheinung tritt. Schrott umreißt dabei die Geschichte von Schauspieler Michael Fayne, der hier als Patient Null in Erscheinung tritt und den ersten dokumentierten Fall des V-Virus darstellt, auch wenn dies zum Zeitpunkt der Story noch als I1V1 oder Eisvirus betitelt wird. Dabei handelt es sich um einen Erreger, eingeschlossen im arktischen Eis, der nun schlummernde DNA-Stränge dahingehend aktiviert, dass Personen sich dergestalt verändern, dass man von Vampirismus sprechen würde. Dieser Ansatz allein ist tatsächlich außerordentlich gelungen und auch wenn wir uns hier im Feld von fiktionaler Literatur bewegen, ist doch im Kontext der Story schön beschrieben, wie diese Art Virus sich verhält und was sie mit den Leuten macht. Ausschlaggebend dafür, welche Art Vampir man letztlich wird, ist dabei die genetische Disposition, womit die beteiligten AutorInnen dem Umstand Rechnung tragen, dass es Geschichten von Vampiren allerorts auf der Welt gegeben hat, dieses sich aber teils drastisch von dem uns am ehesten bekannten "klassischen" Vampir unterscheiden.

Schön auch die Seitenhiebe, die gegen "funkelnde Vampire" abgefeuert werden, was man dann schön unter Meta-Humor verbuchen kann, derweil sich Maberry und sein Team hier ganz bewusst einem realistischeren Ansatz widmen und die Frage behandeln, was mit unserer Welt geschehen würde, käme es zu dem Ausbruch einer solchen Seuche. Naturgemäß unterliegen die Geschichten dabei gewissen qualitativen Schwankungen, doch kann ich nicht behaupten, dass es auch nur eine Story in V-Wars gegeben hätte, mit der ich so gar nichts anzufangen gewusst hätte. Nichtsdestotrotz mag vielleicht der Titel die Vampirkriege ein wenig irreführend sein, denn zu einem Krieg kommt es hier mitnichten (zumindest nicht in diesem Band). Stattdessen konzentrieren sich die Autorinnen und Autoren lieber auf mal kleinere, mal größere Geschichten, die aber allesamt auf einzelne Individuen oder Gruppen abstellen, ob es sich dabei um eine Biker-Gang, den District Attorney für die Bronx, eine Talkshow-Gastgeberin oder einen nach seiner Schwester suchenden Kleinkriminellen handelt. Für Abwechslung ist also gesorgt und anders als man das von klassischen Anthologien erwarten würde, sind diese Geschichten mitnichten einfach aneinandergereiht, sondern wechseln sich in steter Tour ab, so dass bestmöglich mit der Lektüre am Ball bleiben sollte, um nicht hunderte Seiten später feststellen zu müssen, dass man sich kaum noch an den vorangegangenen Teil einer nun fortgeführten Geschichte erinnert. Das gilt aber natürlich für fast jedes Buch und soll folglich nicht als Kritik gemeint sein, sondern nur als wohlgemeinter Rat.

Der Inhalt seines Magens – das ganze Essen und der Alkohol, den er letzte Nacht runtergekippt haben musste – schien ihm plötzlich hochzukommen. Nur dass er zu erstarrt war, um sich zu übergeben.
Der Augenblick dehnte sich ins Unendliche. Das Ding unterm Bett weigerte sich wegzugehen. Weigerte sich, Teil irgendeines Säuferdeliriums zu werden, in dem er vielleicht noch gefangen war.

So lobenswert, interessant und gelungen aber allein der Ansatz und die Prämisse sein mögen, muss ich auch sagen, dass ich mir gewünscht hätte, die Geschichten würden zumindest ein wenig miteinander verzahnt werden, denn abgesehen davon, dass insbesondere Swann und Fayne immer mal wieder am Rande Erwähnung finden, steht doch wirklich jede Story für sich und sie alle spielen sich zwar nach dem V-Ereignis, aber ansonsten zu gänzlich unterschiedlichen Zeiten und an diversen Orten ab, so dass man auf einen roten Faden kaum zu hoffen braucht, den einzig die von Maberry selbst verfassten Geschichten in ungemein rudimentäre Form beinhalten. Wer mit dieser Art Aufbau also grundsätzlich nichts anfangen kann, kann V-Wars – Die Vampirkriege getrost übergehen, doch wer auch nur ein wenig für die blutsaugenden Gestalten übrig hat, könnte die Lektüre als ähnlich unterhaltsam und lohnenswert erachten wie ich es tat, denn gemessen am Umfang der Sammlung habe ich diese doch vergleichsweise schnell verschlungen, was sehr für den Unterhaltungswert und die Qualität spricht. Bleibt jetzt eigentlich nur noch abzuwarten, ob man bei Fischer Tor auch die noch fehlenden drei Bände einzudeutschen gedenkt oder es zunächst einmal bei diesem Ausflug belässt. Der kann ohne Frage auch für sich bestehen, doch würde mich schon reizen, welche Art Geschichten nun folgen würden, nachdem zum Ende hin eine gewisse Form der Eskalation des Zusammenlebens zwischen Mensch und Vampir angedeutet worden ist und dann passt vielleicht auch der reißerische, freilich vom Original diktierte Titel besser als hier, denn auch wenn es blutig und teils explizit werden mag, sollte man sich auf keinen Fall reißerische Action und weitschweifige Auseinandersetzungen erwarten.

Fazit & Wertung:

Mit V-Wars – Die Vampirkriege liegt nun – passend zur angekündigten Netflix-Adaption – der erste Band der Anthologie-Reihe von Jonathan Maberry vor, welche sich in insgesamt zwölf Geschichten den Auswirkungen des Ausbruchs der V-Seuche widmet, die bis dahin normale Menschen quasi an Vampirismus erkranken lässt. Ein roter Faden mag aufgrund dieser Struktur zwar nur marginal erkennbar sein, doch überzeugen die Storys für sich genommen allesamt und werfen einen frischen, interessanten Blick auf die Blutsauger.

7,5 von 10 Ausprägungen des Vampirismus

V-Wars – Die Vampirkriege

  • Ausprägungen des Vampirismus - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit V-Wars – Die Vampirkriege liegt nun – passend zur angekündigten Netflix-Adaption – der erste Band der Anthologie-Reihe von Jonathan Maberry vor, welche sich in insgesamt zwölf Geschichten den Auswirkungen des Ausbruchs der V-Seuche widmet, die bis dahin normale Menschen quasi an Vampirismus erkranken lässt. Ein roter Faden mag aufgrund dieser Struktur zwar nur marginal erkennbar sein, doch überzeugen die Storys für sich genommen allesamt und werfen einen frischen, interessanten Blick auf die Blutsauger.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite von FISCHER Tor.

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V-Wars – Die Vampirkriege ist am 28.08.19 bei FISCHER Tor erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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