Review: Mud – Kein Ausweg (Film)

Bei lauschigen, sommerlichen Temperaturen neigt sich das Wochenende dem Ende entgegen und für mich wird es Zeit, euch einen neuen Film-Tipp an die Hand zu geben, nachdem ich ja bereits auf Instagram angekündigt hatte, mir besagten Film am Freitagabend ansehen zu wollen. Wie ihr euch denken könnt, habe ich Wort gehalten und hatte mittlerweile auch Zeit, meine Eindrücke zum Film in Worte zu fassen. Viel Spaß bei der Lektüre!

Mud
Kein Ausweg

Mud, USA 2012, 130 Min.

Mud - Kein Ausweg | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Jeff Nichols
Autor:
Jeff Nichols

Main-Cast:
Matthew McConaughey (Mud)
Tye Sheridan (Ellis)
Sam Shepard (Tom)
Reese Witherspoon (Juniper)
in weiteren Rollen:
Michael Shannon (Galen)
Joe Don Baker (King)
Ray McKinnon (Senior)
Sarah Paulson (Mary Lee)
Paul Sparks (Carver)
Jacob Lofland (Neckbone)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Mud - Kein Ausweg | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Die vierzehnjährigen Freunde Ellis und Neckbone haben davon gehört, dass sich ein Boot in den Baumwipfeln einer kleinen Insel im Mississippi befindet und abenteuerlustig und neugierig wie sie sind, treibt es sie selbstverständlich schnurstracks zu dem havarierten Gefährt unbekannter Herkunft. Auf der Insel angelangt merken sie allerdings bald, dass sie dort mitnichten allein sind und lernen einen mysteriösen wie verschlossenen Mann kennen, der – auf den ersten Blick wie ein Obdachloser scheinend – sich als Mud zu erkennen gibt. Auf die Hilfe der Jungen angewiesen, bittet er sie, ihm etwas zu essen zu besorgen, da er aus Gründen sein Versteck auf der Insel nicht verlassen kann. Langsam lernen die Jungen den seltsamen Mann näher kennen und alsbald rückt er damit heraus, dass er wegen Mordes gesucht wird und seinerseits auf der Suche nach seiner großen Liebe Juniper ist, mit der gemeinsam er flüchten möchte.

Doch der Vater des Mannes, den Mud getötet hat, ist ihm bereits auf den Fersen und so sieht Mud keine andere Chance, als das im Baum hängende Boot wieder seetauglich zu machen und schickt nach Tom Blankenship, einem eigenbrötlerischen Mann, der ganz in der Nähe von Ellis wohnt und ihm helfen soll. Derweil bemerkt Neckbones Onkel langsam, dass sich auf der Insel ein Geheimnis verbirgt und die Jungen mehr wissen, als sie preiszugeben bereit sind. Als Juniper unerwartet im Ort auftaucht ist es insbesondere Ellis, der alles daran setzen will, sie und Mud wieder zu vereinen und sei es auch nur, um zu kompensieren, dass seine eigenen Eltern kurz vor der Scheidung stehen und sein Leben bald schon nicht mehr dasselbe sein wird.

Rezension:

Nachdem Jeff Nichols mit Take Shelter einen Überraschungserfolg sondergleichen abgeliefert hat und mich mit seiner feinsinnigen Erzählweise und Inszenierung zu begeistern wusste, stand außerfrage, dass ich auch Mud – Kein Ausweg meine Zeit widmen müsste, zumal Mattheh McConaughey in letzter Zeit bereits mehrfach mit einigen großartigen Rollen sein früheres RomCom-Image aufzubrechen wusste und sich mittlerweile zu einem meiner Lieblinge gemausert hat, ob nun als Killer Joe oder auch in The Paperboy, der ja durchaus in ähnlich gelagerten Gefilden stattfindet. Auffällig ist zunächst einmal, dass kaum klar wird, um was für eine Art von Film es sich hier nun handeln mag, denn einerseits könnte man ihn als lupenreines Drama verkaufen, doch eigentlich handelt es sich – wenn man berücksichtigt, dass eigentlich die beiden Jungen Ellis und Neckbone im Zentrum der Erzählung stehen – um einen klassischen Coming-of-age-Film, wenn auch das Setting zugegebenermaßen beinahe ungewohnt erscheint, wohingegen manche Begebenheiten auch an einen klassischen Thriller gemahnen, wenngleich diese Ausrichtung kaum weiter verfolgt wird und schließlich nur für ein furioses und ungewohnt actionlastiges Finale sorgt.

Szenenbild aus Mud - Kein Ausweg | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Meiner Meinung nach ist aber auch gerade diese unklare Ausrichtung von Mud eine der stärken des Films, denn während ein Großteil der Geschichte wahrlich vor sich hindümpelt und zu großen Teilen von sparsamen wie vieldeutigen Dialogen dominiert wird, entfaltet sich dank des stimmungsvoll hervorgehobenen Settings und einem gleichermaßen großartigen Soundtrack eine ganz besondere Südstaaten-Atmosphäre, die bekanntermaßen ihren ganz eigenen Charme zu versprühen weiß und mir ausnehmend gut gefällt. Da stört es dann auch gar nicht so sehr, dass Muds Herkunft gar nicht bis ins letzte Detail ausgelotet wird sondern unterstützt noch die undurchsichtige und wenig greifbare Erscheinung des Mannes, der das Leben der beiden Jungs gehörig auf den Kopf stellt. Und so sehr man auch danach strebt, hinter Muds Geheimnisse zu kommen und den Kern der Figur zu ergründen, ist es doch eigentlich Ellis, dem man auf Schritt und Tritt folgt und dessen Wohl einem am Herzen liegt, ob es nun die Trennung seiner Eltern oder den damit einhergehenden drohenden Umzug in die Stadt betrifft oder seine zaghaften Versuche, mit einem Mädchen anzubändeln, in das er sich verschossen hat.

Mud ist dabei – bis auf wenige Ausnahmen – ein ausnehmend ruhiger Film und mag gar manchem langweilig oder weitschweifig erscheinen, so man denn nicht bereit ist, sich auf den besonderen Zauber der Geschichte einzulassen, doch langweilig ist es mir eigentlich nie geworden, da stets neue Geheimnisse gelüftet und Beweggründe von Figuren ergründet werden, während Muds geplante Flucht nur beinahe unmerklich vorankommt. Dieses Mitfiebern ist natürlich zuvorderst den großartig aufspielenden Darstellern zu verdanken und speziell Ellis‘ Inkarnation Tye Sheridan empfiehlt sich definitiv für weitere Rollen, zumal er Matthew McConaughey beinahe spielend die Stirn bittet und dass dieser ebenfalls wieder zu Höchstform aufläuft, hatte ich ja eingangs schon erwähnt. Für Reese Witherspoon hätte ich mir zwar ein wenig mehr Screentime gewünscht, aber auch sie macht als White-Trash-Schlampe einen guten Job, wohingegen es einzig bei dem eigentlich so großartigen Michael Shannon sowohl an Screentime als auch Tiefe der Figur mangelt und sich das Gefühl aufdrängt, Jeff Nichols habe ihm seine Rolle nur als Reminiszenz an Take Shelter geschrieben.

Szenenbild aus Mud - Kein Ausweg | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Andererseits erfüllt auch er durchaus seinen Part, denn eine der Stärken von Mud ist es, enttäuschte oder auch unerwiderte Liebe auf unterschiedlichste Art und Weise zu thematisieren und zu interpretieren und da erfüllt eben auch Neckbones Onkel seinen Part als ewiger Junggeselle. Für Freunde großer Charakter-Dramen oder eben Coming-of-Age-Filme ist Mud damit eine richtige Perle und trifft zu so gut wie jedem Zeitpunkt den richtigen Ton, wobei es dann gerade die allerletzten Einstellungen diesen Eindruck allerdings ein wenig zunichte machen, zumal man sich von Nichols nach seinem Vorgänger-Film etwas weitaus weniger profanes erwartet hätte, als er hier nun darbietet. Nichtsdestotrotz schmälert das aber kaum die Qualität des Films und es ist beachtlich, wie er mit einer vermeintlich simplen Geschichte über die Laufzeit von durchaus stolzen 130 Minuten durchweg zu fesseln weiß, so dass ich mich jetzt schon auf sein nächstes Werk zu freuen beginne.

Fazit & Wertung:

Mud ist eine ausgeklügelte Mischung aus Drama, Liebesgeschichte und Coming-of-age und gleichsam ein weiteres Mosaikteil in der immer beeindruckender werdenden Filmografie Matthew McConaugheys hin zu großen Charakterrollen. Die besondere Atmosphäre und Jeff Nichols‘ stilsichere Inszenierung heben den Film dabei gemeinsam mit den glänzend aufgelegten Darstellern spielend aus der Masse einschlägiger Filmproduktionen und runden das Gesamtbild dieser Indie-Film-Perle gekonnt ab.

8 von 10 Schutz versprechenden Talismanen und Ritualen

Mud - Kein Ausweg

  • Schutz versprechende Talismane und Rituale - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mud ist eine ausgeklügelte Mischung aus Drama, Liebesgeschichte und Coming-of-age und gleichsam ein weiteres Mosaikteil in der immer beeindruckender werdenden Filmografie Matthew McConaugheys hin zu großen Charakterrollen. Die besondere Atmosphäre und Jeff Nichols' stilsichere Inszenierung heben den Film dabei gemeinsam mit den glänzend aufgelegten Darstellern spielend aus der Masse einschlägiger Filmproduktionen und runden das Gesamtbild dieser Indie-Film-Perle gekonnt ab.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 8/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 9/10 Punkte

Mud – Kein Ausweg ist am 13.05.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Die Liebesgeschichte schreckt mich etwas ab, aber da ich Take Shelter auch unfassbar gut fand, werde ich „Mud“ eine Chance geben.

    • Also die Liebesgeschichte zwischen Mud und Juniper steht mitnichten im Vordergrund, keine Sorge und abschrecken lassen solltest du dich davon auch nicht, denn auch wenn Liebe sicherlich eines der Leitmotive ist, gibt es da jetzt keine verkitschten Schmonzetten-Szenen und meist ist es eben auch eine tragische, in die Brüche gegangene Liebe, die thematisiert wird. Vor allem aber geht es um Ellis, der in Mud so etwas wie einen großen Bruder findet und das ist wirklich großartig gemacht.

      Und ja, wenn du Take Shelter auch so mochtest, kannst du hier eigentlich nicht viel falsch machen, auch wenn der Film natürlich in eine deutlich andere Richtung geht.

  • Oh, auf den Film freue ich mich auch schon sehr! Coming-of-Age geht ja immer und ich musste schon an „Stand by Me“ und ähnliche Klassiker denken. Anscheinen zu Recht! :)

    • Ja, „Stand by Me“ wollte ich auch ursprünglich als Referenz nennen, ist mir dann aber im Schreibfluss untergegangen. Richtig, Coming-of-Age geht immer und dann noch mit McConaughey, Südstaaten-Atmosphäre und somit untypischem Setting geht sogar noch besser!

      Und – da ich ihn in deinem Rezensions-Archiv nicht gefunden habe – unbedingt auch „Take Shelter“ nachholen“

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