Review: Für immer Adaline (Film)

Hach ja, Dienstagabend, neue Woche, neues Glück, neue Film-Kritik. Ich fasse mich kurz heut, fällt mir schließlich gerade nichts Sinn stiftendes ein, weshalb mir folglich nur noch bleibt, euch einen schönen Abend zu wünschen. Immerhin.

Für immer Adaline

The Age of Adaline, USA/CA 2015, 112 Min.

Für immer Adaline | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Lee Toland Krieger
Autoren:
J. Mills Goodloe
Salvador Paskowitz

Main-Cast:

Blake Lively (Adaline Bowman)
Michiel Huisman (Ellis Jones)
Kathy Baker (Kathy Jones)
Harrison Ford (William Jones)
Ellen Burstyn (Flemming)

Genre:
Romantik | Drama | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Im Stadtarchiv von San Francisco arbeitet die attraktive, doch unscheinbare Jenny und führt ein vermeintlich unaufgeregtes Leben. Niemand ahnt, dass Jenny eigentlich Adaline Bowman heißt und bereits 1908 geboren worden ist, jedoch seit einem Autounfall 1937 nicht mehr altert, was sich die junggebliebene Frau selbst nicht erklären kann. Und während anfangs niemandem aufzufallen scheint, dass Adaline nicht altert, wird ihr gleichbleibendes Äußeres spätestens dann zum Problem, als man sie und ihre Tochter Flemming immer öfter für Schwestern zuhalten beginnt, woraufhin schließlich selbst das FBI auf sie aufmerksam wird. Adaline gelingt die Flucht, doch sieht sie sich gezwungen, ihrem früheren Leben den Rücken zu kehren und schwört sich selbst, alle zehn Jahre weiterzuziehen und eine neue Identität anzunehmen.

Szenenbild aus Für immer Adaline | © Universum Film
© Universum Film

Sechzig Jahre vergehen, bevor sie sich das erste Mal wieder nach San Francisco wagt und Flemming – noch immer ihre einzige Vertraute – ist längst eine alte Frau, die mit dem Gedanken an eine Seniorenresidenz liebäugelt. Doch kurz bevor sich ihr zehnjähriger Aufenthalt dem Ende neigt und während sie schon dabei ist, ihre neue Identität zu etablieren, lernt Adaline – also Jenny – den charmanten wie wohlhabenden Ellis kennen und es nicht nur seinem beharrlichem Werben sondern auch dem guten Zureden von Flemming zu verdanken, dass Adaline sich letztlich auf die Romanze einlässt. Als sie allerdings einwilligt, Ellis zu seinen Eltern zu begleiten, ahnt sie nicht, dass ihre Vergangenheit im Begriff ist, sie nur allzu bald einzuholen…

Rezension:

Drei Jahre nach Celeste & Jesse meldet sich Regisseur Lee Toland Krieger nun mit Für immer Adaline zurück und liefert eine gleichermaßen ungewöhnliche Liebesgeschichte ab, die zwar weit weniger Comedy, dafür aber in Gestalt der nicht altern könnenden Adeline einen Hauch Fantasy beinhaltet. Wie es dazu kam, wird recht bald zu Beginn von einem Erzähler berichtet, der ein wenig an die kommentierende Stimme aus Filmen wie Die fabelhafte Welt der Amélie oder auch der Serie Pushing Daisies erinnert, weshalb es auch nicht weiter störend wirkt, dass der mehr wie ein Märchenonkel wirkt und sich auf Erkenntnisse beruft, die erst im Jahre 2035 der Menschheit bekannt werden, denn natürlich erfordert ein Film wie dieser schon auf den ersten Metern eine ausgeprägte Bereitschaft zur Willing Suspension of Disbelief, funktioniert gerade aufgrund seines märchenhaft gelagerten Charakters aber auch ausnehmend gut, denn sonst würde man dem Film seinen teils offensiven Kitsch womöglich übel nehmen. Dadurch aber, dass der fatalistische Aspekt an Adelines Zustand zwar angeschnitten, aber nie regelrecht breitgetreten wird, entpuppt sich Kriegers neuestes Werk als echter Feel-Good-Movie, dem natürlich zuvorderst Personen mit einer ausgeprägten romantischen Ader etwas abgewinnen können.

Szenenbild aus Für immer Adaline | © Universum Film
© Universum Film

So wirkt Für immer Adaline auch im zweiten Drittel, wenn die anfängliche Exposition der titelgebenden Hauptfigur abgeschlossen, ihre Lebensweise zur Genüge skizziert worden ist und ganz allgemein das Thema desausbleibenden Alterungsprozesses in den Hintergrund tritt, um der sich anbahnenden Romanze zwischen Adaline (die sich allerdings Jenny nennt) und Ellis Platz zu schaffen, wie eine bessere Nicholas Sparks-Verfilmung und stellt meines Erachtens auch den mitunter schwächsten Part des Films dar, der aber, bevor es zu Ermüdungserscheinungen zu kommen droht, mit dem Auftauchen von Harrison Ford ein jähes Ende findet, denn was als nettes, seichtes Filmchen mit einer interessanten Prämisse begann, bekommt mit Einführung der Figur von Harrison Ford eine dramatische und emotionale Komponente, die ich dergestalt zu diesem Zeitpunkt von dem Film gar nicht mehr erwartet hätte, zumal Ford so intensiv und überzeugend spielt wie vermutlich seit Jahren nicht mehr. Doch nicht nur Harrison Ford, nein auch Ellen Burstyn (The Fountain) als Adalines Tochter Flemming weiß zu gefallen, wenngleich ihre Rolle nicht annähernd mit derselben Wucht und melancholischen Kraft daherkommt, doch nimmt man ihr und Blake Lively tatsächlich ab, es könne sich um Mutter und Tochter handeln, was in Anbetracht der sozusagen vertauschten Rollen gar nicht einmal so selbstverständlich ist.

Überhaupt überrascht Blake Lively mit der Ausgestaltung ihrer Rolle immens, denn auch wenn man sie fernab von Gossip Girl schon einige Male in Kinofilmen wie Savages oder auch The Town hat sehen können, schien sie doch zuvorderst auf das Sujet des Eye-Candy abonniert zu sein und brauchte hinsichtlich schauspielerischem Talent nicht allzu viel unter Beweis zu stellen, weshalb ich umso mehr überrascht war, mit welcher glaubhaften Erhabenheit und Abgeklärtheit sie die Rolle der Adaline zu verkörpern weiß, Weisheit und Lebenserfahrung mit jugendlichem Charme zu verquicken weiß und regelrecht über sich hinauswächst. Der undankbarste Job kommt in dem Zusammenhang dann auch am ehesten Michiel Huisman zu, der zwar ein durchaus charmantes Love-Interest für Adaline geben darf, hinsichtlich Charaktertiefe aber eben auch nicht über diesen Status hinauskommt.

Szenenbild aus Für immer Adaline | © Universum Film
© Universum Film

So sind es in der Summe aber dennoch speziell die durchweg überzeugenden – im Falle von Harrison Ford gar herausragenden – schauspielerischen Leistungen, die Für immer Adaline in der Gesamtheit so toll wirken lassen, denn geschichtlich wurde hier durchaus einiges Potential verschenkt, was mit dem kaum zweiminütigen Gastauftritt des FBI seinen Anfang findet, sich durch die vielen Möglichkeiten, welche die unterschiedlichen Epochen und Orte, die Adaline bereist hat, bereitgehalten hätten, hindurchzieht und in einem – so leid es mir tut – ziemlich überkonstruiert wirkenden Finale mündet, bei dem ich kurzzeitig das Gefühl hatte, man würde mir auf die letzten Meter noch den gesamten Film verhageln, was sich aber zum Glück nicht bewahrheitet hat. Dennoch ist und bleibt es ein überzeugender Film mit viel Herz und ein wenig Kitsch, den ich gerade in dieser Sparte der oft recht gleichförmigen und damit eintönigen Filme uneingeschränkt empfehlen kann, nicht zuletzt, weil ich mich dem Zauber und der Faszination der märchenhaften Prämisse trotz vereinzelter dramaturgischer Patzer nur schwerlich hätte entziehen können.

Fazit & Wertung:

Lee Toland Kriegers Für immer Adaline erzählt eine märchenhafte und bewegende Geschichte, die schnell zu verzaubern weiß, ebenso wie Blake Lively in der Rolle der ewig Neunundzwanzigjährigen zu brillieren versteht, während Harrison Ford in einer kleinen, aber gewichtigen Rolle dem Film die nötige melancholische Schwere verleiht, die auch über den arg konstruierten Schluss hinwegsehen lässt. Trotz zuweilen durchscheinender Tragik ein tief romantischer und hoffnungsvoller Feel-Good-Movie im besten Sinne.

8 von 10 gelebten Leben

Für immer Adaline

  • Gelebte Leben - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Lee Toland Kriegers Für immer Adaline erzählt eine märchenhafte und bewegende Geschichte, die schnell zu verzaubern weiß, ebenso wie Blake Lively in der Rolle der ewig Neunundzwanzigjährigen zu brillieren versteht, während Harrison Ford in einer kleinen, aber gewichtigen Rolle dem Film die nötige melancholische Schwere verleiht, die auch über den arg konstruierten Schluss hinwegsehen lässt. Trotz zuweilen durchscheinender Tragik ein tief romantischer und hoffnungsvoller Feel-Good-Movie im besten Sinne.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Die fabelhafte Welt der Aurea: 6,5/10 Punkte

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