Review: Blown Apart (Film)

Es war wirklich nicht von mir vorausgeplant und hat sich tatsächlich einfach so ergeben, aber wie der Zufall will, habe ich heute – passend zu Ewan McGregors Geburtstag – eine weitere Kritik für euch zu einem Film, an dem er vor mittlerweile acht Jahren beteiligt war, weshalb ich gerne auch noch einmal auf mein unter Main-Cast verlinktes Portrait zu ihm verweise, wo ihr selbstredend noch viele Filme mehr mit ihm finden werdet.

Blown Apart

Incendiary, UK 2008, 96 Min.

Blown Apart | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Sharon Maguire
Autoren:
Chris Cleave (Buch-Vorlage)
Sharon Maguire (Drehbuch)

Main-Cast:
Michelle Williams (Young Mother)
Ewan McGregor (Jasper Black)
Matthew Macfadyen (Terrence Butcher)

Genre:
Drama | Romantik | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Blown Apart | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Eine junge Frau und Mutter lebt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in einfachen Verhältnissen im Londoner East End. Die Tage sind monoton, die Abende trist und die Beziehung zu ihrem Mann kaum noch mehr als eine Zweckgemeinschaft. Umso faszinierter ist die junge Frau, als sie den Journalisten Jasper kennenlernt, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt – jedoch auf der wohlhabenden Seite der Straße – und mit dem sie alsbald eine Affäre beginnt. Eines Tages, Vater und Sohn freuen sich bereits auf das Fußballspiel im nahen Stadion, seilt sich die Frau ab und begegnet unversehens Jasper, mit dem sie sich prompt zu sich nach Hause begibt, als kurz darauf das Unfassbare geschieht und ein Terroranschlag das Stadion zerstört, welches zahllose Leben unter sich begräbt, darunter auch die ihres Mannes und Sohnes. Von Schuldgefühlen und Trauer überwältigt, zieht die Frau sich in sich selbst zurück, während Jasper sich daran begibt, mehr über die Umstände des Attentats in Erfahrung zu bringen…

Rezension:

Ganze sieben Jahre nach ihrem weithin bekannten Erfolg Bridget Jones drehte Regisseurin Sharon Maguire 2008 Blown Apart, eine ungewöhnliche Mixtur aus Drama und Thriller, und adaptierte hierfür Chris Cleaves Debütroman Incendiary – so auch der Originaltitel des Films – , wofür sie selbst das Drehbuch verfasste. Berücksichtigt man dann noch, dass ihr nach Jahren der Abstinenz vom Filmemachen entstandener Film mit Michelle Williams und Ewan McGregor ausnehmend gut besetzt ist, hätte ein Erfolg eigentlich garantiert sein müssen, doch versank der Film weitestgehend unbeachtet in der Versenkung, was mitunter damit zusammenhängen mag, dass hier vielleicht ein paar Themen zu viel aufs Trapez gebracht werden, als dass diese in nicht einmal zwei Stunden Spielzeit behandelt werden könnten, denn einerseits geht es um Schuld und Reue, es geht um Terrorismus, darum, wie ein tragisches Ereignis ein Leben für immer verändern kann, es wird – zumindest kurz – versucht zu beleuchten, wie es den Polizisten und Angestellten des Öffentlichen Dienstes in Anbetracht der stets lauernden Bedrohung gehen mag, es geht ansatzweise um Politik und noch weitaus mehr um Liebe, Verrat, Lügen und nicht zuletzt die bedingungslose Liebe einer Mutter. Ambitioniert mag das sein und der Film ist auch mitnichten schlecht, doch übernimmt er sich eben zuweilen und scheitert folglich an den eigenen Ansprüchen.

Szenenbild aus Blown Apart | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Hinzu kommt, dass das Geschehen in Blown Apart streckenweise wenig fokussiert wirkt, so dass der Film wie die Erzählung aus der Sicht der jungen Mutter startet und dabei schon einige kleinere Zeitsprünge verkraften muss, dann aber wiederum die Perspektive auf ihren Mann schwenkt, nur kurz allerdings, denn allzu bald soll die junge Mutter den von McGregor verkörperten Jasper Black kennenlernen, mit dem sie eine Affäre beginnt und der sich auch bei ihr befindet, als ein Terroranschlag in einem Londoner Fußballstadion knapp hundert Menschen das Leben kostet – unter ihnen auch ihr Mann und Sohn. Und keine Sorge wegen Spoilergefahr, denn auch wenn es seine Zeit braucht, bis sich dies zuträgt, ist es die eigentliche Ausgangslage des Films, der bis dahin auch oftmals vor sich her dümpelt und nicht recht in Fahrt zu kommen scheint. In dem Zusammenhang sei übrigens schon einmal darauf hingewiesen, dass man sich von Ewan McGregors (Perfect Sense) Beteiligung an dem Film nicht allzu viel erhoffen sollte, denn nicht damit genug, dass seine Rolle weitaus kleiner ausfällt, als es beispielsweise das Filmplakat suggeriert, habe ich ihn zudem lange nicht mehr in einer solch enttäuschenden Rolle gesehen, was aber mehr am Drehbuch gelegen haben mag und weniger seinen Fähigkeiten.

Ganz im Gegensatz dazu vermag hingegen Michelle Williams (My Week with Marilyn) zu brillieren wie sonst kaum und schultert den gesamten Film quasi im Alleingang, so dass man auch mit Fug und Recht behaupten kann, ihre Performance wäre der mitunter wichtigste – böse Zungen würden behaupten einzige – Grund, Blown Apart eine Chance zu geben, denn spätestens ab dem zweiten Drittel, wenn also die tragischen Geschehnisse ihren Lauf zu nehmen beginnen, darf sie ihr schauspielerisches Talent mit all seinen Facetten unter Beweis stellen und meistert diesen Drahtseilakt der oft ambivalenten, teils sprunghaften Emotionen formidabel. Gerade in Anbetracht ihrer faszinierenden Darstellung ärgert man sich aber im Gegenzug umso mehr über das nicht gerade stringent zu nennende Drehbuch, das mit ein wenig mehr Feinschliff sicherlich noch weitaus mehr hätte überzeugen können, selbst wenn man dafür das eine oder andere Thema vielleicht nur am Rand gestreift hätte. Paradebeispiel hierfür ist unter anderem Matthew Macfayden (Ripper Street), der eigentlich eine gewohnt souveräne Performance abliefert, dessen Figur sich aber kaum in den erzählerischen Mikrokosmos fügen will und für einen halbgaren Twist im letzten Drittel verheizt wird.

Szenenbild aus Blown Apart | © Ascot Elite
© Ascot Elite

So stolpert der Film durch eine zunehmend undurchsichtiger werdende Handlung, die noch dadurch beeinträchtigt wird, dass Williams‘ Figur sich ab einem gewissen Punkt in eine Traumwelt zu flüchten beginnt und nicht zuletzt Briefe an Osama Bin Laden verfasst, wie ihr jemand geraten hat, um die Trauer und den Schmerz zu verarbeiten, denn auch wenn dieser Ansatz zumindest dem Buch seinen deutschen Titel Lieber Osama eingebracht hat, wird er im filmischen Geschehen für mein Empfinden zu wenig verankert, um sich als Stilmittel wirklich entfalten zu können. Während man Blown Apart also im besten Sinne als ambitioniert bezeichnen kann und der Film in mehr als nur ein paar Momenten mit beeindruckender Intensität besticht – wie gesagt vorrangig Michelle Williams zu verdanken – ist die Inszenierung zuweilen dermaßen unrund und holprig geraten, dass man kaum anders kann, als sich über das verschenkte Potential zu ärgern.

Fazit & Wertung:

Sharon Maguires Blown Apart greift eine Vielzahl vielversprechender und wichtiger Themen auf, verzettelt sich aber zuweilen in einer unausgereiften Dramaturgie und Inszenierung, die den Film trotz der darstellerischen Glanzleistung von Michelle Williams weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben lassen.

6 von 10 Momenten innerer Zerrissenheit

Blown Apart

  • Momente innerer Zerrissenheit - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Sharon Maguires Blown Apart greift eine Vielzahl vielversprechender und wichtiger Themen auf, verzettelt sich aber zuweilen in einer unausgereiften Dramaturgie und Inszenierung, die den Film trotz der darstellerischen Glanzleistung von Michelle Williams weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben lassen.

6.0/10
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Blown Apart ist am 25.01.11 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Pingback: Portrait: Ewan McGregor | Medienjournal()

  • Huch, ein Film mit McGregor, Williams und Macfadyen, von dem ich noch nie gehört habe? Sachen gibt’s … Aber in dem Fall ja anscheinend durchaus nicht ganz zu Unrecht. 😉

    • Kannste mal sehen, manches rutscht einem eben immer durch 😉 Und tatsächlich, in dem Fall durchaus zu verschmerzen, wenngleich das Thema des Films auch acht Jahre später leider noch erschreckend aktuell ist… Wenn du übrigens aber großer Williams-Fan bist, solltest du bei günstiger Gelegenheit dennoch einen Blick riskieren, denn sie spielt wirklich famos (und ist für einen Großteil der vergebenen Punkte allein verantwortlich)!

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