Review: Kill Your Friends (Film)

Heute reden wir dann auch mal wieder über eine Buch-Verfilmung, leider aber eine, von der ich mir doch mehr erhofft habe, als der Film letztlich hat bieten können. Schlecht ist er deswegen zwar noch lange nicht, aber eben auch weit davon entfernt, ausgezeichnet zu sein, was ich mir durchaus gewünscht hätte. Aber gut, muss man hinnehmen.

Kill Your Friends

Kill Your Friends, UK 2015, 103 Min.

Kill Your Friends | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Owen Harris
Autor:
John Niven (Drehbuch & Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Nicholas Hoult (Stelfox)
in weiteren Rollen:
James Corden (Waters)
Georgia King (Rebecca)
Craig Roberts (Darren)
Jim Piddock (Derek Sommers)
Joseph Mawle (Trellick)
Ed Skrein (Rent)
Tom Riley (Parker-Hall)
Edward Hogg (DC Woodham)
Rosanna Arquette (Barbara)
Moritz Bleibtreu (Rudi)

Genre:
Komödie | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Kill Your Friends | © Ascot Elite
© Ascot Elite

England, 1997: Die BritPop-Welle ist auf ihrem Höhepunkt und der ambitionierte A&R-Manager Steven Stelfox ist bereit alles zu tun, um Erfolg und Ansehen zu gewinnen, lebt man schließlich in seiner Branche nach dem Credo, der Sinn des Lebens bestehe darin, „ seine Feinde vor sich her zu treiben und dem Wehklagen ihrer Weiber zu lauschen“. Während er sich also stilsicher durch die von Dekadenz und Hedonismus geprägte Welt des Musikbusiness bewegt und alles daran setzt, den nächsten Hit-Act unter Vertrag zu nehmen, bewegt er sich doch auch stets auf dünnem Eis, kann schließlich ein einziger Fehlgriff auch schnell das Aus für die eigene Karriere bedeuten und die ist schließlich alles was zählt. Als Steven dann Wind davon bekommt, dass einer seiner Kollegen zum Chef der A&R-Abteilung befördert werden soll, sieht der zielstrebige Zyniker rot und Mord scheint die einzig attraktive Alternative, will er nicht kampflos das Feld den in seinen Augen weniger Talentierten überlassen…

Rezension:

Trotz vieler verhaltener Kritiken war ich ja ziemlich gespannt auf Kill Your Friends, auch wenn es nun schon einige (viele…) Jahre her ist, dass ich die Buchvorlage von John Niven – der übrigens auch das Drehbuch zum Film verfasst hat, was eigentlich ein gewisser Qualitätsgarant hätte sein können – gelesen habe und hoffte wenn schon nicht auf eine adäquate so doch zumindest unterhaltsame Umsetzung, war mir beinahe sicher, dass der Film entgegen der vorherrschenden Meinung meinen Geschmack sicherlich treffen würde, zumal ich Nicholas Hoult (Young Ones) eigentlich immer gerne sehe, ergo auch von dieser Seite kein Ausfall zu erwarten gewesen wäre. Dies schien sich zunächst auch zu bewahrheiten, denn der Film beginnt durchaus vielversprechend und legt noch vor dem eigentlichen Start ordentlich vor, doch rudern Regisseur Owen Harris, der hier sein Kino-Debüt gibt, und Niven selbst von diesem Ausgangspunkt dermaßen weit zurück, dass es eine Schande ist, denn in formeller Hinsicht macht der Film nicht nur zu Beginn vieles richtig und fängt auch das Flair der späten Neunziger gekonnt ein, doch mag seine Story nicht so recht in Fahrt kommen.

Szenenbild aus Kill Your Friends | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Im Grunde passiert nämlich nicht allzu viel in Kill Your Friends und allein rund das erste Drittel wird auf die Exposition der Hauptfigur und des Settings verwandt, wobei das eigentlich noch die besseren Passagen sind, denn das Durchbrechen der vierten Wand, also die direkte Ansprache des Publikums durch den Protagonisten und Erzähler Steven Stelfox hat mir eigentlich in dieser Art und Ausprägung sehr gut gefallen, auch wenn das sicherlich kein neuer Kniff ist, doch hier funktioniert er im Kontext der Erzählung formidabel und transportiert durchaus ein paar bissige Kommentare zur Musikindustrie, wobei der von mir fälschlicherweise als Protagonist bezeichnete Steven natürlich weit mehr Antagonist ist und trotz seiner spitzzüngigen Art und dem Charme von Hoults Darstellung kaum dazu taugt, Sympathie zu erwecken, weshalb diese Spitzen ungenutzt und ungehört verpuffen, zumal hier eine Musikindustrie dekonstruiert wird, die schlichtweg beinahe zwei Dekaden zurückliegt, womit der Verfilmung der beißend satirische Charakter der Vorlage völlig abhandenkommt, was wiederum zu verschmerzen wäre, wenn der Film wenigstens lustig wäre auf eine schwarzhumorige Art, doch will sich auch hier kein rechtes Flair einstellen und zu viele Szenen dümpeln zu sehr vor sich hin, als dass man mit Interesse, geschweige denn Spannung dem Reigen folgen würde, denn vieles ist absehbar, vorhersehbar, wenig überraschend oder – der schlimmste Fall – schlecht geklaut, denn insbesondere der Vergleich zu American Psycho kommt nicht von ungefähr, doch speziell bei den Film-Varianten erreicht Nivens Werk nicht annähernd die Brillanz eines Bret Easton Ellis.

Das liegt allerdings nicht – das möchte ich betont wissen – an Nicholas Hoult, denn der macht seine Sache erwartungsgemäß gut und gemessen daran, dass er einen objektiv betrachtet regelrechten Kotzbrocken verkörpert, der für sein eigenes Glück über Leichen zu gehen bereit ist, war mir die Figur doch erschreckend sympathisch und auch der dekadente Lifestyle ließ sicherlich das eine oder andere Mal ungewollt Neid aufkommen, womit Kill Your Friends eine zugegebenermaßen schwierige Gratwanderung gelingt, während ich mich auch für Tom Riley (Da Vinci’s Demons) in seiner Rolle als A&R-Manager Parker-Hall zu begeistern wusste und Moritz Bleibtreus Auftritt als überzeichneter Techno-Freak Rudi wirklich zum Brüllen ist, doch davon abgesehen bleiben die anderen Figuren relativ blass und speziell der Plot selbst kommt wie gesagt nicht so richtig in die Gänge, als dass er wirklich zu packen wüsste. Die Exzesse der handelnden Figuren, das Leben auf der Überholspur, die angenommene Parallelgesellschaft der Musikindustrie, das alles ist nett und unterhaltsam, aber auch nicht unbedingt neu oder innovativ geschildert, folgt also den üblichen Verhaltensmustern von unverbindlichem Sex und übersteigertem Drogenkonsum, hier noch gewürzt mit ein bisschen Mord und Totschlag, doch reizt der Film das Thema nicht annähernd aus.

Szenenbild aus Kill Your Friends | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Am Ende ist Kill Your Friends ein zwar solider Film, den man sich durchaus ansehen kann, doch ist er für eine beißende Satire nicht satirisch genug, für eine schwarze Komödie nicht witzig genug, für einen Thriller nicht spannend genug, für einen Slasher nicht blutig genug und für eine Abrechnung mit der Musikindustrie zu einseitig von seiner Hauptfigur und deren doch eher speziellen Ansichten geprägt, was in der Summe eine leider nur theoretisch vielversprechende Genre-Mixtur ergibt, die weder Fisch noch Fleisch ist und leider trotz Hoults durchaus überzeugender Darstellung nicht von ihm allein geschultert werden kann, was die Frage aufwirft, ob es wirklich so clever war, den Buchautor selbst auch das Drehbuch verfassen zu lassen, denn auch wenn der sich seine Meriten als Romancier ohne Frage verdient hat und schon bei seinem Roman-Erstling Music From Big Pink zu überzeugen wusste, hätte ein durchdachteres, stringenteres Drehbuch der Sache sicherlich gut getan und dem Film eine eigene Note verleihen können, statt ihn wie einen halbgaren Abklatsch des Buches wirken zu lassen.

Fazit & Wertung:

So vielversprechend sich die Literaturadaption von Kill Your Friends auf dem Papier liest, so wenig vermag der eigentliche Film leider zu überzeugen, denn obwohl Nicholas Hoult als charismatischer Unsympath Steven Stelfox zu gefallen weiß, vermag das nicht darüber hinwegzutäuschen, dass Nivens Adaption seines eigenen Buches in weiten Teilen wie ein Medley anderer, besser Filme wirkt.

6 von 10 hitverdächtigen Songs

Kill Your Friends

  • Hitverdächtige Songs - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

So vielversprechend sich die Literaturadaption von Kill Your Friends auf dem Papier liest, so wenig vermag der eigentliche Film leider zu überzeugen, denn obwohl Nicholas Hoult als charismatischer Unsympath Steven Stelfox zu gefallen weiß, vermag das nicht darüber hinwegzutäuschen, dass Nivens Adaption seines eigenen Buches in weiten Teilen wie ein Medley anderer, besser Filme wirkt.

6.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 6/10 Punkte
Der Kinogänger: 8,5/10 Punkte

Kill Your Friends ist am 18.03.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Ich bin immer noch verwundert, daß der Film generell so mäßig ankommt, denn als Eröffnungsfilm beim Fantasy Filmfest war er letztes Jahr ein echter Hit. Mal sehen, wie ich ihn bei der Zweitsichtung finde – vielleicht hatte die Festivalstimmung ja doch einen gewissen Einfluß auf das Unterhaltsamkeitsempfinden …

    • Tja, ich kanns dir auch nicht erklären. Ich fand ihn ja auch mitnichten schlecht und Hoult geht auch immer wie ich finde, nur kam mir das alles irgendwo bekannt vor, da war nichts so richtig innovativ, neu, etc – zumal ich mir allein schon von einem in den 90ern zu Zeiten der Britpop-Welle spielenden Film einen deutlich großartigeren Soundtrack erwartet hätte. Also ja, vielleicht hat das Festival-Flair eine Rolle gespielt, vielleicht hat der Film mich auch nur auf dem falschen Fuß erwischt… Erklärt natürlich die anderen mäßigen Bewertungen nicht, mh.

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