Review: Kiss Kiss Bang Bang (Film)

Noch ist Weihnachten und deshalb gibt es heute auch noch einmal eine weihnachtlich gefärbte Film-Kritik, denn schon seit Jahren hatte ich vor, zu diesem Film ein paar Worte zu verlieren, was ich nun endlich – und auch noch termingerecht – geschafft habe, weshalb ich euch meine euphorischen Worte zu diesem 2005 erschienenen Ausnahme-Krimi auch gar nicht länger vorenthalten möchte.

Kiss Kiss Bang Bang

Kiss Kiss Bang Bang, USA 2005, 103 Min.

Kiss Kiss Bang Bang | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Shane Black
Autoren:
Shane Black (Drehbuch)
Brett Halliday (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Robert Downey Jr. (Harry Lockhart)
Val Kilmer (Gay Perry)
in weiteren Rollen:
Michelle Monaghan (Harmony Faith Lane)
Corbin Bernsen (Harlan Dexter)

Genre:
Action | Komödie | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Kiss Kiss Bang Bang | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Kleinganove Harry Lockhart wird auf frischer Tat ertappt, als er kurz vor Weihnachten in ein Spielzeuggeschäft einbricht, flüchtet vor der Polizei und stolpert unvermittelt in ein Casting. Dort ist man von seiner "Darbietung" so von den Socken, dass man unverzüglich Probeaufnahmen für eine Rolle als Detektiv avisieren möchte und Harry zu einer Party in Los Angeles schickt, wo er den Privatermittler Perry – von allen nur Gay Perry genannt – treffen und ihn einige Tage begleiten soll, um sich auf die Rolle vorzubereiten. Auf der Party, beziehungsweise kurz darauf, lernt Harry zudem die attraktive Harmony kennen, die sich als alte Schulkameradin und Freundin von ihm entpuppt und bei der er sich prompt in die Nesseln setzt. Dessen ungeachtet steht für den folgenden Tag Harrys erste Tour mit Perry an, doch gleich beim ersten, eigentlich routinemäßigen Auftrag werden die beiden Zeugen eines Mordes oder zumindest der Entsorgung einer Leiche. Von da an wird alles zunehmend verworrener und verfahrener, während Harry sich gezwungen sieht, gegenüber Harmony zu behaupten, ein echter Detektiv zu sein, nachdem die ihn für einen anderen Fall zu engagieren gedenkt…

Rezension:

Es gibt da diesen Weihnachtsfilm, der eigentlich gar kein Weihnachtsfilm ist und den ich schon seit Jahren besprechen wollte, vorzugsweise in der Weihnachtszeit, zu der er nun einmal spielt und nun scheint das endlich geglückt zu sein. Denn wieder einmal – wie beinahe jedes Jahr – habe ich mir Shane Blacks Regie-Debüt Kiss Kiss Bang Bang zu Gemüte geführt und habe mich erneut fesseln lassen von einer großartig unterhaltsamen, im besten Sinne wendungsreichen und verworrenen Geschichte, die gleichsam das Comeback von Robert Downey Jr. begründet hat und den Grundstein für dessen Besetzung als Tony "Iron Man" Stark gelegt hat, nachdem Jon Favreau ihn hier als Hobby-Detektiv und Gelegenheitsganove Harry Lockhart hat erleben dürfen. Und ganz ehrlich bin ich auch nicht verwundert darüber, dass Downey Jr. selbst einmal dem Vernehmen nach gesagt haben soll, dieser Harry Lockhart wäre die ihm liebste Rolle, denn mir geht es genauso, wenn ich an Harrys Tollpatschigkeit und gleichsam Großherzigkeit denke, seinen spitzbübischen Charme und den Stoizismus, mit dem er jedes noch so derbe Fettnäpfen hinnimmt, in das zu treten er prädestiniert scheint.

Szenenbild aus Kiss Kiss Bang Bang | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Vor allem aber gibt Harry einen großartigen Erzähler ab, auch wenn er sich in der Chronologie der Ereignisse gern mal verzettelt, doch so nimmt Kiss Kiss Bang Bang vom ersten Moment an Tempo zu und bewahrt sich dies in weiten Teilen bis zum Outro gute neunzig Minuten später. Black als versierter Autor scheint dabei genau zu wissen, wie verwinkelt und verschachtelt er seine Story aufziehen kann, ohne dass sie zu wirr oder überfordernd wirken würde und so steigen wir in der Gegenwart einer Party in Los Angeles ins Geschehen ein, um uns hieran anschließend zunächst den Umständen zu widmen, wie einerseits Harry und andererseits Harmony zu besagter Party gekommen sind. Untermalt werden diese einleitenden Kapitel – die auch als solche tituliert und eingeblendet werden – auch weiterhin von Harrys Ausführungen, was zwar einerseits verpönt sein mag, hier aber extrem gut funktioniert, was einerseits an der Spitzzüngigkeit der Figur und ihrem selbstironischen Touch liegt, andererseits den Noir-Faktor des Ganzen unterstreicht, denn auch wenn sich das Geschehen quasi mit Erscheinen von Val Kilmer (Palo Alto) als "Gay Perry" zu einer lupenreinen Buddy-Comedy mausert, die Black als Autor ja auch überhaupt erst bekannt gemacht hat (Lethal Weapon), ist es doch gleichsam eine mit Mystery-Elementen durchsetzte Kriminalgeschichte im Stile eines Raymond Chandler, von dem sich Black auch die Titel seiner einzelnen Kapitel entliehen hat, die tageweise durch das Geschehen führen.

Um aber dem Meta-Humor eine weitere Ebene zu verleihen, spielen auch die (fiktiven) Bücher des Groschenroman-Autors Johnny Gossamer eine größere Rolle in dem Treiben, denn nicht nur Harmony ist großer Fan der zahllosen Bücher, die ihr und ihrer Schwester gar durch eine schlimme Kindheit geholfen haben, nein, auch der Fall – oder die Fälle – scheinen unweigerlich mit den Geschichten des Autors verwoben, wobei auch hier eine Art selbstreferenziell-augenzwinkernder Humor zum Tragen kommt, wenn Harry darüber referiert, dass bei Gossamer stets zwei Fälle ohne erkennbaren Zusammenhang sich am Ende als im Grunde ein und derselbe Fall entpuppen, ganz so, wie es natürlich auch bei Kiss Kiss Bang Bang der Fall sein wird. Da stellen dann auch Kleinigkeiten wie der Klingelton von "Gay Perry" gelungene und unterschwellige Foreshadowing-Momente dar, während Black es sich freilich auch nicht verkneifen kann, allerlei Reminiszenzen und Querverweise in die ohnehin schon vor Wortwitz sprühenden Dialoge zu weben. Ansonsten aber könnte man Blacks Regie-Debüt gar als progressiv bezeichnen, denn obwohl keine vierzehn Jahre alt, handelt es sich doch bei Val Kilmers Privatermittler um die erste, offen schwule Hauptfigur in einem Hollywood-Action-Film.

Szenenbild aus Kiss Kiss Bang Bang | © Warner Home Video
© Warner Home Video

So strotzt Kiss Kiss Bang Bang im Grunde vor Qualitäten an jeder Ecke und punktet eben nicht nur mit Witz und Charme, sondern auch gelungen skizzierten und vor allem ungemein liebenswürdigen Figuren, einem herrlich verworrenen und sorgsam konstruiertem Plot und nicht zuletzt mit gehörig Atmosphäre, die hier – wie eingangs erwähnt – eine Menge weihnachtliches Flair versprüht, wovon auch die von Michelle Monaghan (Gone Baby Gone) verkörperte Harmony ein Lied singen kann, die hier ebenfalls eine Art Durchbruch für sich verzeichnen konnte, denn im Anschluss war Monaghan zunehmend Teil größerer und höher budgetierter Projekte. Ein Regie-Debüt also, wie es überzeugender und gelungener kaum hätte ausfallen können, auch wenn es meinem Gefühl nach seinerzeit doch sehr unter dem Radar geflogen ist. Dabei nimmt Kiss Kiss Bang Bang aber auch viele Qualitäten des später unter Blacks Regie entstandenen The Nice Guys vorweg und wirkt gar noch eine großzügige Portion unverbrauchter und frischer, weshalb sich Freunde dieser Art Noir-Krimi mit einer gehörigen Portion Witz und Spleens dieses hervorragend gealterte Werk auch nach "all den Jahren" nicht entgehen lassen sollten, derweil ich selbst froh bin, nun endlich ein paar würdigende Worte für dieses – in meinen Augen – Ausnahmewerk zu "Papier" gebracht zu haben.

Fazit & Wertung:

Shane Black liefert mit Kiss Kiss Bang Bang ein vor pointierten Dialogen und Wortwitz nur so sprühendes Regie-Debüt ab und verwandelt all seine Stärken als Drehbuchschreiber für die große Leinwand, derweil neben Robert Downey Jr. in einer Art Paraderolle als tollpatschiger Hobby-Detektiv sowohl Val Kilmer als auch Michelle Monaghan zu brillieren wissen und dieses vom ersten Moment mit Tempo, Verve und Esprit versehende Abenteuer bis zur letzten Sekunde fesselt und in Atem hält.

9 von 10 aberwitzigen Zufällen

Kiss Kiss Bang Bang

  • Aberwitzige Zufälle - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Shane Black liefert mit Kiss Kiss Bang Bang ein vor pointierten Dialogen und Wortwitz nur so sprühendes Regie-Debüt ab und verwandelt all seine Stärken als Drehbuchschreiber für die große Leinwand, derweil neben Robert Downey Jr. in einer Art Paraderolle als tollpatschiger Hobby-Detektiv sowohl Val Kilmer als auch Michelle Monaghan zu brillieren wissen und dieses vom ersten Moment mit Tempo, Verve und Esprit versehende Abenteuer bis zur letzten Sekunde fesselt und in Atem hält.

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Kiss Kiss Bang Bang ist am 28.04.06 auf DVD und am 14.12.06 auf Blu-ray bei Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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