Review: Kingsman: The Secret Service (Film)

Und hier wie gestern angekündigt, ganz ohne große Worte, der Film zum Comic.

Kingsman:
The Secret Service

Kingsman: The Secret Service, UK/USA 2014, 129 Min.

Kingsman: The Secret Service | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Matthew Vaughn
Autoren:
Jane Goldman (Drehbuch)
Matthew Vaughn (Drehbuch)
Mark Millar (Comic-Vorlage)
Dave Gibbons (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
Colin Firth (Harry Hart / Galahad)
Samuel L. Jackson (Valentine)
Mark Strong (Merlin)
Taron Egerton (Gary ‚Eggsy‘ Unwin)
Michael Caine (Arthur)
in weiteren Rollen:
Sophie Cookson (Roxy)
Sofia Boutella (Gazelle)
Mark Hamill (Professor Arnold)
Jack Davenport (Lancelot)

Genre:
Action | Abenteuer | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Kingsman: The Secret Service | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Niemand kennt den geheimsten der geheimen Nachrichtendienste überhaupt: die Kingsmen. Harry Hart, Deckname Galahad, ist einer von ihnen und ein Geheimagent der alten Schule, doch vor Jahren war Harry ein einziges Mal unachtsam und es kostete seinen damaligen Schützling das Leben, doch Hart ist niemand, der alte Schuld vergisst und so wird er Jahre später auf den jungen Eggsy aufmerksam, dessen Vater Harry einst das Leben gerettet hat und der nun in völliger Unwissenheit einen Gefallen von den Kingsmen einfordert. Hart erkennt Potential in dem Jungen und entschließt sich, ihn unter seine Fittiche zu nehmen und zum Agenten auszubilden, woraufhin sich Eggsy unversehens im wohl härtesten Rekrutierungsprogramm der Welt wiederfindet. Derweil verfolgt der Milliardär einen Richmond Valentine einen perfiden Plan, die Welt für immer zu verändern und nach und nach verschwinden mehr und mehr hochrangige und berühmte Persönlichkeiten, woraufhin die Kingsmen sich an dessen Fersen heften, um dem Größenwahnsinnigen auf die Schliche zu kommen…

Rezension:

Während Comic-Autor Mark Millar und Film-Regisseur Matthew Vaughn gemeinsam an der Verfilmung zu Kick-Ass arbeiteten, kam ihnen die Idee zu einer Agenten-Story, die nicht nur den Werdegang eines ganz normalen Jungen hin zum in allen Künsten bewanderten Agenten abbilden sollte, sondern gleichsam mit einer packenden Geschichte und zahllosen Anspielungen auf das Genre gespickt sein würde. Hieraus entstand die sechsteilige Story Secret Service, die keine zwei Jahre später in ihrer filmischen Adaption als Kingsman: The Secret Service das Licht der Welt erblicken sollte und dabei – so viel kann ich schon vorwegschicken – selbst den bereits ungemein überzeugenden Comic noch einmal spürbar hinter sich lässt, was auch erklären dürfte, weshalb es Vaughn dermaßen gereizt hat, die von ihm mitentwickelte Story für das Medium Film zu adaptieren, dass er hierfür selbst die Möglichkeit der Inszenierung von Kick-Ass 2 in den Wind schlug, was man nur als Glücksfall bezeichnen kann, denn es ließe sich kaum vorstellen, was aus der ungewöhnlichen wie spleenigen, comichaft überhöhten und actionreichen Chose unter anderer Regie hätte werden können.

Das lässt sich unter anderem daran belegen, dass Vaughn gemeinsam mit der Drehbuchautorin Jane Goldman einige durchaus signifikante Änderungen am Skript von Secret Service vorgenommen hat, ohne die zugrundeliegende Geschichte zu verwässern, aber in vielen Punkten dadurch noch einmal deutlich aufzuwerten. So wird aus dem MI6-Agenten Jack London, der eigentlich Garys Onkel ist, hier der schnittige Harry Hart, der kongenial von einem ultracoolen Colin Firth (Magic in the Moonlight) verkörpert wird, der gleich einer ganz neuen Geheimorganisation, den Kingsmen angehört, während zu Beginn des Films nicht etwa Mark Hamill von den Schergen von Professor Arnold entführt wird, sondern stattdessen der Professor selbst, der wiederum von Mark Hamill gespielt wird, was eine schöne Meta-Referenz an den Comic darstellt, wobei man schon in dieser initialen Szene sagen muss, dass diese noch einmal ungemein griffiger und packender inszeniert worden ist als in der Vorlage; zumal man hier einen ersten Blick auf Gazelle werfen darf, eine Dame mit Klingen statt Beinen, was es als Figur zwar auch schon in Millars Comic gegeben hat, hier aber durch den Geschlechterwechsel und die überzeugende Tricktechnik noch einmal weitaus imposanter und eleganter wirkt, während die von Samuel L. Jackson (Oldboy) verkörperte Figur des Valentine eine gänzliche Neuschöpfung als Bösewicht darstellt, der gleich auf mehrere Schurken der Filmgeschichte Rückbezüge erlaubt und hier den Part des Professor Arnold übernimmt und gleichsam in vielen Punkten als Karikatur verstanden werden darf, ohne dabei an Glaubwürdigkeit einbüßen zu müssen, denn dieser lispelnde, kein Blut sehen könnende Bösewicht gehört zum mitunter Besten, was das Kino in den letzten Jahren in diese Richtung zu bieten hatte.

Szenenbild aus Kingsman: The Secret Service | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Auf Seite der Helden, der Kingsman, derweil punktet Taron Egerton als filmische Version von Gary – hier von allen Eggsy genannt – und legt im Laufe der gut 130 Minuten eine beeindruckende, wenn auch zuweilen sprunghafte Wandlung vom Ghettokind zum Kingsman hin. Neben dem neuen Oberschurken und der behutsamen Neuinterpretation von Gazelle sind es aber nämlich die Kingsman selbst, die das eigentliche Highlight des Films ausmachen und diesen selbst bei Kenntnis der Vorlage zu einem ungemein lohnenswerten Film machen, denn das Konzept einer losgelöst von Regierung und Politik agierenden Geheimorganisation wirkt noch einmal stimmiger und spannender als der vergleichsweise profane MI6, zumal allein schon die Hintergründe der Organisation, wenn auch nur knapp angeschnitten, zu gefallen wissen und der Kniff, dass selbige sich angedenk der Tafelrunde nach Arthurs Rittern benennen, derweil beispielsweise Michael Caine (Harry Brown) als derzeitiger Oberster der Organisation als Arthur daherkommt und Mark Strong (Enemies) als Ausbilder und Technikexperte unter dem Codenamen Merlin in Erscheinung tritt, zwar einerseits ein wenig spleenig wirkt, aber mit so viel gebotener Ernsthaftigkeit dargebracht wird, dass es an Coolness kaum zu überbieten ist.

Apropos Coolness strotzt natürlich Kingsman: The Secret Service nur so vor entsprechenden Szenen und Einstellungen und auch hier hat die überstilisierte, mit zahllosen Zeitlupenaufnahmen garnierte und wahrhaft großartig choreografierte Action gegenüber der Vorlage spürbar die Nase vorn und verleiht dem Film schon allein in dieser Hinsicht einen gewissen Ausnahmestatus und gräbt den einschlägigen – ernster gemeinten – Agentenfilmen dieser Tage zuweilen spielend das Wasser ab, wobei man auch nicht behaupten könnte, dass Vaughns filmische Adaption sich nicht ernst nehmen würde, denn bei all der Spleenigkeit , den verrückten Gadgets, den bei logischer Betrachtung kaum ernstzunehmenden Kampfeinlagen gelingt es dem Film wie schon dem Comic, den schmalen Grat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor zu bewandern, so dass man zwar oft herzhaft lachen kann, zuweilen den Kopf schütteln mag, gleichermaßen aber betroffen sein dürfte und mitfühlt, ob es sich nun um Eggsys Sorge um seine Mutter handelt oder den schockierenden Epilog zu der bereits berühmt-berüchtigten Kirchen-Szene, die wahrhaftig in ihrer Inszenierung so schnell nicht zu überbieten sein dürfte und die Messlatte für actionreiche wie blutige Unterhaltung dermaßen hoch legt, dass hieran der Film selbst beinahe zu kranken droht, denn gegenüber dieser Szene kann das letzte Drittel des Films nur verlieren.

Szenenbild aus Kingsman: The Secret Service | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Damit ist zwar nicht gemeint, dass Kingsman: The Secret Service auf den letzten Metern die Puste ausgehen würde, doch gestaltet sich das Finale im direkten Vergleich schon weitaus generischer als alles Vorangegangene. Immerhin darf Egerton hier noch einmal zeigen was er kann und auch Strong bekommt ein wenig mehr zu tun, als nur der mürrische wie erfahrene Ausbilder zu sein. Nicht nur hier aber ist es die mir bis dato unbekannte Sophie Cookson gewesen, die als Roxy, welche gemeinsam mit Eggsy die Ausbildung zum Kingsman durchläuft, gekonnt einige Akzente zu setzen wusste und zum Glück auch zur Belegschaft des derzeit im Dreh befindlichen zweiten Teils Kingsman: The Golden Circle gehören wird. Die Figur der Roxy findet sich übrigens derweil genauso wenig in der Vorlage, wie das eben bei vielen weiteren Figuren der Fall ist und selbst bei den Szenen, die vermeintlich unverändert übernommen worden sind, hat man es sich nicht nehmen lassen, hier wirklich das Optimum rauszuholen und so profitiert der Film zwar von einer stimmigen Basis, erhebt sich aber in weiten Teilen spürbar darüber hinaus, punktet mit Witz und Charme, einer packenden Geschichte, einer stimmigen Besetzung, überbordend verspielt und dennoch beinhart inszenierten Action-Sequenzen und einer unerwartet emotionalen Story, die einem die Figuren ans Herz wachsen lässt, wie es in diesem Genre vergleichsweise selten der Fall ist. Für mich einer der überzeugendsten und mitreißendsten Action-Filme der letzten (und vermutlich auch nächsten) paar Jahre.

Fazit & Wertung:

Der auf Basis des Millar-Comics unter Regie von Matthew Vaughn entstandene Kingsman: The Secret Service ist nicht nur ein regelrechtes Füllhorn an Einfällen und kultigen Szenen geworden, sondern gleichermaßen Verbeugung und Reminiszenz an Agenten-Filme, während sich der Geniestreich von Film auch genügend Eigenständigkeit und Ernsthaftigkeit bewahrt, um für sich selbst als über die Maßen abwechslungsreicher Action-Thriller zu überzeugen, derweil der Witz und der damit einhergehende Unterhaltungswert ebenfalls nicht zu kurz kommen. Einer der seltenen Fälle, wo die filmische Adaption (noch) besser ist als ihre Vorlage.

9 von 10 entführten Prominenten

Kingsman: The Secret Service

  • Entführte Prominente - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Der auf Basis des Millar-Comics unter Regie von Matthew Vaughn entstandene Kingsman: The Secret Service ist nicht nur ein regelrechtes Füllhorn an Einfällen und kultigen Szenen geworden, sondern gleichermaßen Verbeugung und Reminiszenz an Agenten-Filme, während sich der Geniestreich von Film auch genügend Eigenständigkeit und Ernsthaftigkeit bewahrt, um für sich selbst als über die Maßen abwechslungsreicher Action-Thriller zu überzeugen, derweil der Witz und der damit einhergehende Unterhaltungswert ebenfalls nicht zu kurz kommen. Einer der seltenen Fälle, wo die filmische Adaption (noch) besser ist als ihre Vorlage.

9.0/10
Leser-Wertung 8/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 8/10 Punkte
Der Filmaffe: 4,5/5 Punkte
Filmherum: 4,5/5 Punkte
Der Kinogänger: 9/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte

Kingsman: The Secret Service ist am 23.07.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Pingback: Review: Secret Service (Graphic Novel) | Medienjournal()

  • Klingt wunderbar! Habe mir die Blu-ray auch erst vor ein paar Tagen zugelegt und freue mich nun umso mehr auf den Film… :)

    • Ha, ja das passt ja wunderbar! Und endlich war ich mal wieder schneller mit meinem Artikel als du, nicht so wie bei „Non-Stop“, „Her“ und demnächst noch „Ex Machina“ 😉

  • Kein Zweifel, eine der besten Comic-Adaptionen überhaupt. Alleine beim Lesen deiner Rezension wird mir schon wieder warm ums Herz – und die Kirchen-Sequenz … *schwärm* Hoffentlich kann die Fortsetzung das Niveau annähernd halten!

    • Wohl wahr. Ich mein, ich wusste ja, dass er gut werden würde, aber das er SO gut war, hat mich dann doch überrascht, gerade im Vergleich zur Vorlage, die ich ja – wie ich schrieb – sogar ein wenig schlechter fand. Auf die Fortsetzung bin ich auch mal sehr gespannt, auch und gerade hinsichtlich der Gerüchte um Colin Firth‘ Figur…

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