Review: Chappie (Film)

So, es wird wieder Zeit, meint ihr nicht auch? Und weil es schon länger nichts mehr aus der Ecke gab, kommt heute mal wieder was zum Thema Science-Fiction und dann auch noch was richtig Schönes wie ich finde, denn entgegen meiner Erwartung fand ich den Film ziemlich gut!

Chappie

Chappie, USA/MX 2015, 120 Min.

Chappie | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Neill Blomkamp
Autoren:
Neill Blomkamp
Terri Tatchell

Main-Cast:
Sharlto Copley (Chappie)
Dev Patel (Deon Wilson)
Hugh Jackman (Vincent Moore)
in weiteren Rollen:
Ninja (Ninja)
Yo-Landi Visser (Yo-Landi)
Jose Pablo Cantillo (Yankie (Amerika))
Sigourney Weaver (Michelle Bradley)

Genre:
Action | Science-Fiction | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Chappie | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Deon Wilson ist bei einem Waffenkonzern angestellt und hat in deren Auftrag Polizei-Androiden entwickelt, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen und die Verbrechensrate signifikant nach unten treiben. Dumm nur, dass Deon eigentlich daran gelegen ist, einen Roboter mit echtem Bewusstsein zu erschaffen, denn davon will die Konzernchefin nichts wissen und so werkelt er privat und heimlich an seinem Projekt und entwendet kurzerhand einen der ausrangierten Polizei-Androiden für dringend benötigte Feldversuche. Just an diesem Tag allerdings hat es die Gangster-Bande um Ninja und Yolandi allerdings auf den Wissenschaftler abgesehen und entführt ihn kurzerhand nebst High-Tech-Blechbüchse. Als die Kriminellen das Potential des Roboters erkennen, planen sie prompt, ihn zum Teil ihres Raubzugs auf einen Geldtransporter zu machen, doch der von den Bösewichtern liebevoll Chappie getaufte Roboter ist entwicklungstechnisch auf dem Stand eines Kleinkindes und versteht nicht wirklich, was seine Zieheltern von ihm verlangen. Doch Chappie lernt schnell, derweil Deon darum kämpft, die Kontrolle über seine Erfindung zurückzuerlangen, während Vincent Moore, sein Kontrahent in der Firma, schon länger danach trachtet, die Polizei-Androiden auszubooten und seine eigene Erfindung – einen waffenstarrenden Mach – nach vorne zu bringen und Deon Wilson in Misskredit zu bringen…

Rezension:

Bei unserem ersten Aufeinandertreffen haben Regisseur Neill Blomkamp und ich uns ja merklich auf dem falschen Fuß erwischt und ich konnte Elysium, dem Nachfolger zu Blomkamps gefeiertem Erstlingswerk District 9 kaum etwas abgewinnen, doch während das Debüt hier ebenfalls bereits seiner Sichtung harrt, beschloss ich, dem Filmemacher mit Chappie eine weitere Chance einzuräumen und siehe da, wusste mich der Streifen weitaus mehr und besser zu unterhalten als gedacht und erwartet, wobei ich zum Glück auch keinen der Trailer zum Film kannte, denn wie sich später herausstellen sollte, suggerieren die mal wieder einen gänzlich anderen Film, als man letztlich geboten bekommt, denn wer sich hier einen adrenalingeschwängerten Action-Blockbuster mit Effekte-Overkill und ohne Verschnaufpausen erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden, wohingegen mich die oftmals an ein komödiantisch angehauchtes Drama erinnernde Geschichte eines im Zeitraffer erwachsen werdenden Roboters positiv überraschte und mich alsbald gar emotional abzuholen wusste, so lebendig erscheint Chappie bereits nach kurzer Zeit.

Szenenbild aus Chappie | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Während das in meinen Kritiken aber sonst kein Thema ist, muss ich in diesem Fall auch einmal kurz auf die Lokalisation zu sprechen kommen, denn während ich sonst die deutschen Synchronisationen oft und gerne in Schutz nehme und gerade im direkten Vergleich zu anderen Ländern als ungemein wertig erachte, geht bei Chappie in der deutschen Fassung doch einiges verloren, denn der im Original von Sharlto Copley (Oldboy) einerseits via Motion-Capture-Verfahren zum Leben erweckte, andererseits gesprochene Roboter verliert in der deutschen Fassung spürbar Ecken und Kanten und ist weitaus mehr auf niedlich und treudoof getrimmt, als dies im Original der Fall ist. Manchmal, beziehungsweise gerade zu Beginn, wenn Chappie noch auf dem geistigen Niveau eines Kleinkindes agiert, passt das noch recht gut und fällt nicht weiter störend ins Gewicht, doch im weiteren Verlauf stinkt dessen deutsche Quietsche-Stimme merklich gegen Copleys geniale Intonation ab, weshalb ich hier vehement zur Sichtung in Originalfassung raten muss. Davon abgesehen aber funktioniert der Streifen hinsichtlich der Kombination aus abgedrehtem Gangster-Trio mit kindlichem Killer-Roboter ausnehmend gut und auch wenn man meinen könnte, das Ganze würde zunehmend trashig werden und wirken, beschränkt sich dies doch zuvorderst auf das Auftreten des Gangsta-Style-Gespanns.

Gerade in der Kombination aber dieser überzeichneten Kunstfiguren mit einem hochtechnologischen, auf deren Hilfe angewiesenen Roboter findet Chappie eine ziemlich einzigartige Erzählweise, die dem Film eine ihm eigene Note verleihen und sich anbietende Vergleiche mit anderen Roboterfilmen prompt ad absurdum führen. So ist Chappies Verhalten anfänglich von kindlicher Naivität geprägt und der Niedlichkeitsfaktor nicht von der Hand zu weisen, doch ebenso schnell vermag die Stimmung im Verlauf des Films zu kippen, wenn Ninja beispielsweise versucht, seinen Roboter-Gangster in spe abzuhärten und der das Opfer brutaler Gang-Gewalt wird, ohne zu verstehen, wieso ihm überhaupt jemand etwas Böses will, dann offenbaren sich in dem bis dahin so leichtfüßigen Film tieftragische Noten, die sich bis zum Ende durch das Geschehen ziehen und teils regelrecht nachdenklich stimmen, da Blomkamp es gelingt, existentielle Fragestellungen nach dem Leben und dessen Sinn auf Roboter Chappie und dessen Schöpfer Dean zu übertragen, der übrigens in Gestalt von Dev Patel (Best Exotic Marigold Hotel) daherkommt und dem Film noch einmal eine dringend benötigte Erdung angedeihen lässt.

Szenenbild aus Chappie | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch Hugh Jackman (Prisoners), der an seinem Part des Vokuhila tragenden Bösewichts Vincent Moore spürbare Freude hat und zwar nicht unbedingt viel Screentime beansprucht, seiner Rolle aber zumindest zum Ende hin noch einmal gehörig Gewicht verleihen darf – wortwörtlich wie im übertragenen Sinne. Einzig Sigourney Weaver geht in dem Treiben beinahe gänzlich unter, so dass der Part der Firmenchefin Michelle Bradley im Grunde von jeder beliebigen Person hätte gespielt werden können, was natürlich noch negativer dadurch ins Gewicht fällt, dass der Film mit großen Namen wirbt, um das Publikum zu locken, dabei aber zwei der eigentlichen Hauptdarsteller – Ninja und Yo-Landi Visser der Kapstädter-Rap-Rave-Band Die Antwoord – gänzlich außen vor lässt und das, obwohl sie es sind, die sich zu den Zieheltern Chappies mausern und neben dem namensgebenden Roboter große Teile des Films schultern. Und ja, speziell durch die beiden in den Film überführten Kunstfiguren Ninja und Yo-Landi hat Chappie eine nicht von der Hand zu weisende trashige Note und kokettiert mit genau diesem Aspekt, doch davon abgesehen handelt es sich um ein überraschend intelligentes und vielschichtiges, vor allem aber warmherziges Filmvergnügen voller Gegensätze und spannender Einfälle, die gerade in der zunächst absurd erscheinenden Kombination der unterschiedlichen Versatzstücke zu gefallen wissen.

Fazit & Wertung:

Neill Blomkamps Chappie mag auf den ersten Blick und dem Marketing nach wie ein ziemlich trashiger Actioner wirken, doch tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Fassade ein sowohl witziger als auch berührender, mancherorts tragischer Film voller philosophisch-existentieller Denkansätze in Kombination mit völlig überzeichneten Figuren, was ein ungewöhnliches, aber auch ungemein lohnenswertes Filmvergnügen ergibt, das zwar nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte, mich in seiner unangepassten Art aber ziemlich begeistert hat.

8 von 10 Lektionen des Erwachsenwerdens

Chappie

  • Lektionen des Erwachsenwerdens - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Neill Blomkamps Chappie mag auf den ersten Blick und dem Marketing nach wie ein ziemlich trashiger Actioner wirken, doch tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Fassade ein sowohl witziger als auch berührender, mancherorts tragischer Film voller philosophisch-existentieller Denkansätze in Kombination mit völlig überzeichneten Figuren, was ein ungewöhnliches, aber auch ungemein lohnenswertes Filmvergnügen ergibt, das zwar nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte, mich in seiner unangepassten Art aber ziemlich begeistert hat.

8.0/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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Chappie ist am 09.07.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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