Review: The Place Beyond the Pines (Film)

Und es geht weiter mit der Bildungslücken-Schließerei und ich widme mich heute endlich einem weiteren Film von Derek Cianfrance, nachdem der mehrere Jahre bei mir daheim hat reifen dürfen, aber wie das eben immer so ist mit Zeit und Lust, bin ich halt erst kürzlich dazu gekommen. Doch wem erzähle ich das eigentlich, den meisten von euch dürfte es ja ähnlich gehen, wenn mich nicht alles täuscht.

The Place Beyond the Pines

The Place Beyond the Pines, USA 2012, 140 Min.

The Place Beyond the Pines | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Derek Cianfrance
Autoren:
Derek Cianfrance
Ben Coccio
Darius Marder

Main-Cast:
Ryan Gosling (Luke)
Bradley Cooper (Avery)
Eva Mendes (Romina)
Ray Liotta (Deluca)
in weiteren Rollen:
Ben Mendelsohn (Robin)
Rose Byrne (Jennifer)
Mahershala Ali (Kofi)
Bruce Greenwood (Bill Killcullen)
Harris Yulin (Al Cross)
Dane DeHaan (Jason)
Emory Cohen (AJ)

Genre:
Krimi | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Place Beyond the Pines | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Luke, der sich als Motoradstuntfahrer verdingt, führt ein einfaches wie überschaubares Leben, bis er in dem Örtchen Schenectady seiner Ex-Freundin begegnet, die einen Sohn hat, der sich als Lukes Kind entpuppt. In dem Bestreben, für Mutter und Kind zu sorgen, schlägt Luke einen gefährlichen Weg ein und beginnt, gemeinsam mit dem Werkstattbesitzer Robin Banken zu überfallen, um das nötige Kleingeld zur Unterstützung seines Kindes zu bekommen, was anfänglich auch mehr als reibungslos funktioniert. Nachdem Luke aber immer größere Risiken einzugehen bereit ist, läuft eines Tages so einiges gehörig aus dem Ruder und der Streifenpolizist Avery heftet sich an seine Fersen, was in eine blutige Auseinandersetzung mündet. Avery seines Zeichens ist ebenfalls frisch gebackener Vater, stellt allerdings oftmals seinen Job als Cop an erste Stelle und muss sich ein ums andere Mal der Einflüsterungen seiner korrupten Kollegen erwehren, die ihn auf die schiefe Bahn zu bringen versuchen. Fünfzehn Jahre später, die Söhne von Luke und Avery sind längst zu Teenagern geworden, wirkt die uralte Fehde zwischen dem Cop und dem Stuntfahrer noch immer nach…

Rezension:

Obwohl ich vor Jahren von Derek Cianfrances Zweitwerk Blue Valentine ziemlich begeistert war und mir auch recht schnell sein hieran anschließendes Epos The Place Beyond the Pines zugelegt habe, sollte doch etliche Zeit ins Land ziehen, bevor ich mich dieser beinahe zweieinhalbstündigen Generationen-Geschichte widmen sollte, denn ein Werk wie dieses – so war mir schon im Vorfeld bewusst – genießt man am besten, wenn Stimmung und Atmosphäre passen, wobei ich mich im Nachgang dann doch frage, ob ich mich bezüglich meiner eigenen Gemütslage womöglich verschätzt habe, denn in Anbetracht der vielen lobenden Worte, des ausgesuchten Casts und des spannenden Themas war ich bereits vorher überzeugt, hier sicherlich Bestnoten vergeben zu können, doch wenn der Film sich inszenatorisch sicherlich keine Blöße gibt und einem zweifelsohne spannenden Aufbau folgt, ist es ausgerechnet die Geschichte, die mich nicht hundertprozentig abzuholen wusste, denn wenn Cianfrance auch an mehr als einer Stelle überrascht, ist der Kern des Ganzen leider reichlich profan und wenig innovativ geraten.

Szenenbild aus The Place Beyond the Pines | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

So dürfte bekannt sein, dass sich The Place Beyond the Pines aus mehreren Fragmenten zusammensetzt und unterschiedlichen Figuren folgt, wobei es sich mitnichten um einen Episodenfilm handelt, sondern durchaus um ein eng verzahntes Drama, deren einzelne Versatzstücke dann wiederum – und das ist sicherlich eine der Stärken des Films – in unterschiedlichsten Genres mäandern und damit eine große Bandbreite filmischen Schaffens abbilden, sich trotz der zaghaft differenzierenden Erzählweise aber auch zu einem stimmigen Ganzen fügen. Das mag sich zunächst einmal durchweg positiv anhören und so verhält es sich auch, doch ist der eigentliche Plot eben weit weniger überraschend als seine Inszenierung und bereits im ersten Drittel oder spätestens mit dessen Ende weiß man im Grunde, worauf der behandelte Generationen-Konflikt hinauslaufen wird, was dem sich anschließenden Geschehen oft ein wenig die Spannung nimmt. Nichtsdestotrotz findet Cianfrance für seine Themen immer wieder passende Bilder und Miniaturen und vermag es insbesondere in Anbetracht der ungemein verdichteten Handlung(en), vielsagende Einstellungen zu finden, die transportieren, wofür andere Regisseure Minuten über Minuten an Bildern und Dialog benötigen würden und in dieser Beziehung ist dann auch sein dritter Film großes Arthouse-Kino.

Der zweite Punkt, weshalb The Place Beyond the Pines durchaus zu überzeugen versteht, sind die vielen fähigen Darstellerinnen und Darsteller, allen voran natürlich Ryan Gosling (La La Land) und Bradley Cooper (Aloha – Die Chance auf Glück), die jeweils ein Drittel des Films dominieren dürfen, wohingegen Eva Mendes trotz prominenter Nennung auf dem Cover eine doch eher untergeordnete und vergleichsweise wenig fordernde Rolle übernimmt, derweil Ray Liotta im Grunde dasselbe Programm abspult wie in vielen ähnlich gelagerten Filmen, denn als korrupten Bullen habe ich den umtriebigen Darsteller nun wirklich nicht zum ersten Mal gesehen. Dafür allerdings vermochte mich Ben Mendelsohn (Lost River) mit einer kleinen, aber punktgenau interpretierten Rolle erneut zu überzeugen und unterstreicht wieder einmal seine Wandlungsfähigkeit.

Szenenbild aus The Place Beyond the Pines | © STUDIOCANAL
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Im letzten Drittel des Films schlussendlich übernehmen Emory Cohen und Dane DeHaan (Chronicle) in der Rolle der Söhne von Luke (Gosling) und Avery (Cooper), werden trotz ihrer tragenden und den im Grunde thematisch elliptisch verlaufenden Film beschließenden Parts bei der Besetzung quasi nicht erwähnt, was mich schon ein wenig verwundert hat, wobei ich auch sagen muss, dass die beiden von ihnen verkörperten Jugendlichen mir doch auch ein wenig zu klischeebehaftet dahergekommen sind und mit ihrer offensiv auf Coolness getrimmten Sprache schon reichlich nervig zu sein vermochten, doch mag das auch damit zusammenhängen, dass mich der Film zu diesem Zeitpunkt bereits ein Stück weit verloren hatte, denn die Vermutungen, wie sich die Story entwickeln würde, fanden sich hier allesamt bestätigt und so verläuft The Place Beyond the Pines nach einem intensiven Einstieg und einem nicht minder überzeugenden Mittelteil hier mehr und mehr im Sande, wenn auch die finalen Szenen in ihrer Ausdruckskraft noch einiges retten können. Obwohl Cianfrance also wirklich alle Register zieht, Familien-Drama, Gangster-Geschichte, Cop-Thriller und Rache-Mär unter einen Hut zu bekommen versteht und inszenatorisch auf ganzer Linie überzeugt und mich auch emotional abzuholen verstanden hat, bleibt also am Ende eine nur allzu vorhersehbare Dramaturgie, die mir den Film, von dem ich mich wirklich begeistern lassen wollte, ein wenig verleidet haben.

Fazit & Wertung:

Obschon ich von inszenatorischer Warte aus verstehen kann, dass The Place Beyond the Pines (in diesem Fall auch zurecht) als Meisterwerk gehandelt wird und obwohl Gosling als auch Cooper in ihren emotional aufgeladenen Rollen regelrecht brillieren, ist die zugrundeliegende Geschichte des Generationen-Epos leider in vielen Aspekten zu profan und vorhersehbar, als dass man nicht als halbwegs erfahrener Cineast den Fortgang und die Konklusion der Geschichte bereits meilenweit gegen den Wind riechen könnte, was dem Geschehen natürlich spürbar Spannung raubt.

7,5 von 10 sich über Generationen erstreckende Konflikte

The Place Beyond the Pines

  • Sich über Generationen erstreckende Konflikte - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Obschon ich von inszenatorischer Warte aus verstehen kann, dass The Place Beyond the Pines (in diesem Fall auch zurecht) als Meisterwerk gehandelt wird und obwohl Gosling als auch Cooper in ihren emotional aufgeladenen Rollen regelrecht brillieren, ist die zugrundeliegende Geschichte des Generationen-Epos leider in vielen Aspekten zu profan und vorhersehbar, als dass man nicht als halbwegs erfahrener Cineast den Fortgang und die Konklusion der Geschichte bereits meilenweit gegen den Wind riechen könnte, was dem Geschehen natürlich spürbar Spannung raubt.

7.5/10
Leser-Wertung 5.67/10 (3 Stimmen)
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