Review: Chronicle – Wozu bist du fähig? (Film)

Mittwochabend und somit allerhöchste Zeit, euch wieder einmal eine Film-Kritik zu kredenzen, bevor ich mich gleich dem nächsten Neuzugang in meiner Film-Sammlung widmen werde, den man mir freundlicherweise hat zukommen lassen. Aber erst einmal gilt es, die Altlasten abzuarbeiten und dazu gehört eben auch

Chronicle
Wozu bist du fähig?

Chronicle, USA 2012, 84 Min.

Chronicle - Wozu bist du fähig? | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Josh Trank
Autor:
Max Landis

Main-Cast:

Dane DeHaan (Andrew Detmer)
Alex Russell (Matt Garetty)
Michael B. Jordan (Steve Montgomery)
Michael Kelly (Richard Detmer)
Ashley Hinshaw (Casey Letter)

Genre:
Drama | Science-Fiction | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Chronicle - Wozu bist du fähig? | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Als wäre es nicht genug, dass Andrew sowieso schon ein Außenseiter an seiner Schule ist und nicht gerade beliebt, entschließt er sich eines Tages, fortan nur noch mit einer Kamera vor der Nase vor die Türe zu gehen, um quasi sein gesamtes Leben zu dokumentieren und damit auch die gesamte Schmach und Schande, die seine Mitschüler ihm zuteil werden lassen. Doch auch ansonsten ist Andrew nicht gerade ein glückliches Leben beschieden, denn seine Mutter liegt im Sterben und sein Vater hat sich dem Alkohol und seinem Jähzorn hingegeben. Einzig Matt, Andrews Cousin ist zumindest noch widerwillig bereit, sich mit dem Sonderling abzugeben und überredet ihn auch, mit ihm gemeinsam eine Party zu besuchen.

Dort spricht ihn auch Steve an, der Star der Schule und gefeierter Sportler, denn er und Matt haben im dunklen Wald eine unglaubliche Entdeckung gemacht, bei der es sich um einen Meteoriten zu handeln scheint. Doch der seltsam leuchtenden Substanz wohnen ungeahnte Kräfte inne und nach dieser Nacht ist es den Jungs plötzlich möglich, Gegenstände kraft ihrer Gedanken zu bewegen. Was anfänglich nur Blödeleien und harmlose Späße nach sich zieht, droht bald schon bitterer Ernst zu werden und speziell Andrew scheint sich im Taumel seiner telekinetischen Kräfte schier zu verlieren.

Rezension:

Ich war ja doch skeptisch, ob Chronicle für mich funktionieren würde, zumal ich ja kein ausgewiesener Freund von sogenannten Found-Footage-Filmen bin. Am Ende muss ich aber sagen, dass dieser Superheldenfilm der etwas anderen Art doch zumindest einer der besseren Vertreter der Gattung ist und weitestgehend ohne Längen auskam. Verschenktes Potential hat es trotzdem gegeben, was aber durch viele nette Plot-Ideen zumindest teilweise relativiert werden konnte. Vor allem aber macht die Handkamera-Optik ja durchaus Sinn im konzeptionellen Rahmen der ungleichen Jungs, die plötzlich Kräfte entwickeln und ihre immer waghalsigeren Versuche und Spielereien festhalten möchten. Die Eskalation ist dabei jederzeit absehbar und vergleichsweise glaubhaft in die Handlung gebettet, wenn mir hier auch einige Dinge sauer aufgestoßen sind.

Szenenbild aus Chronicle - Wozu bist du fähig? | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Leider verhält es sich nämlich so, dass speziell für Hauptfigur und Kameramann Andrew, großartig verkörpert von dem mir vorher unbekannten Dane DeHaan, doch arg viele Klischees bemüht werden, um seine schwere Kindheit und seinen Außenseiter-Status zu untermauern, was mit dem trinkenden und cholerischen Vater beginnt, von der sterbenskranken Mutter unterstützt und mit den ihn hänselnden und verprügelnden Mitschülern abgerundet wird und so erklären soll, warum er schlussendlich seine Kräfte zu missbrauchen beginnt. Sein bester Freund und Cousin Matt hingegen hat mir ein wenig zu viel philosophiert und wirkt gerade zu Beginn des Streifens nicht annähernd so clever und tiefgründig, wie er sich zu geben versucht, weshalb mir die Figur zunächst nicht ganz kohärent erschien. Der dritte im Bunde, Steve, bleibt dahingehend ziemlich blass und lässt immer mal wieder ein paar Zeilen seine Familie betreffend los, ist ansonsten aber immer nur Beiwerk und – abgesehen von einer konkreten Entwicklung beziehungsweise Szene – nicht wirklich storyrelevant.

Die Story ist es dann auch, die eben einerseits viele Klischees bedient, andererseits aber auch oft überraschend einfallsreich daherkommt. Chronicle nähert sich dem Thema Superhelden von einer merklich anderen Warte als üblich und erinnerte mich streckenweise an Joe Hills Geschichte Das Cape, die in eine ähnliche Kerbe schlägt. Leider laufen aber irgendwann nicht nur die vermeintlichen Helden Amok, sondern gleich der ganze Film, denn während in der ersten Hälfte der Found-Footage-Gedanke noch konsequent verfolgt wird, wird dieses Schema schon aufgebrochen, wenn erst noch die Kamera von Casey, dargestellt von Ashley Hinshaw, hinzukommt und speziell im Finale der Gedanke daran, wer hier was filmen könnte und womit beinahe vollständig über Bord geworfen wird und man sich dem reinen Exzess ergibt, der nicht nur – für meinen Geschmack – zu übertrieben und ausufernd inszeniert worden ist, sondern auch ein recht abruptes Ende findet und durch die unerklärlichen Kameraeinstellungen der Kohärenz des zuvor Gezeigten schadet.

Szenenbild aus Chronicle - Wozu bist du fähig? | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dennoch bleibt Josh Tranks Chronicle ein in seiner Gesamtheit durchaus inspirierter und überzeugender Film mit angenehm unbekannten Darstellern, die dem Streifen die notwendige Authentizität verleihen. Die Effekte können sich ebenfalls sehen lassen und sind bei dem vergleichsweise geringen Budget erstaunlich gut gelungen (wenn es auch Ausbrüche nach unten gibt) und auch die Geschichte wird nie langweilig, wenn sie doch auch in weiten Teilen ziemlich vorhersehbar ist. Das kaschieren aber die vielen tollen Einfälle und Szenen sowie der einfallsreiche Look des Films, denn nicht häufig bietet sich bei einem Found-Footage-Film die Möglichkeit, mit über den Köpfen schwebender Kamera zu drehen, was natürlich durch die telekinetischen Kräfte von Andrew ermöglicht wird und schon extrem cool aussah.

Fazit & Wertung:

Chronicle ist ein Found-Footage-Film, der am Ende keiner mehr sein möchte, ist ein Superheldenfilm ohne Superhelden, ein Film, der, obwohl klischeebeladen und oftmals vorhersehbar, auf seine Art aber auch durchweg einzigartig, am Ende nicht großartig, aber auf alle Fälle lohnenswert ist.

7 von 10 schwebenden Gegenständen

Chronicle - Wozu bist du fähig?

  • Schwebende Gegenstände - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Chronicle ist ein Found-Footage-Film, der am Ende keiner mehr sein möchte, ist ein Superheldenfilm ohne Superhelden, ein Film, der, obwohl klischeebeladen und oftmals vorhersehbar, auf seine Art aber auch durchweg einzigartig, am Ende nicht großartig, aber auf alle Fälle lohnenswert ist.

7.0/10
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Chronicle – Wozu bist du fähig? ist am 17.08.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Kommentare (10)

  1. Dominik Höcht 9. Juli 2014
      • Dominik Höcht 10. Juli 2014
      • Wulf | Medienjournal 12. Juli 2014
  2. bullion 10. Juli 2014
  3. Florian 11. Juli 2014
  4. Greifenklaue 14. Juli 2014

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