Review: Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (Film)

Ach wie schön, nun endlich auch über diesen großartigen Film berichten zu können, den ich ja gerne schon im Kino gesehen hätte, aber gut Ding will Weile haben – könnt ich mir echt tätowieren den Spruch, so oft, wie ich den als Ausrede für lang Versäumtes einsetze – und jetzt immerhin reihe ich mich dann auch in die Riege der Rezensenten und offeriere meine Eindrücke zu:

Brooklyn
Eine Liebe zwischen zwei Welten

Brooklyn, IE/UK/CA 2015, 111 Min.

Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
John Crowley
Autoren:
Nick Hornby (Drehbuch)
Colm Tóibín (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Saoirse Ronan (Eilis)
Domhnall Gleeson (Jim Farrell)
Emory Cohen (Tony)
Jim Broadbent (Father Flood)
Julie Walters (Mrs. Keogh)

Genre:
Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Anfang der 1950er Jahre macht sich die junge Eilis Lacey von Irland aus auf, mit Hilfe der Unterstützung des gutherzigen Priesters Flood auf, die Heimat hinter sich zu lassen und nach Amerika zu emigrieren, genauer nach Brooklyn, wo Flood ihr bereits ein Zimmer in der Frauenpension der resoluten Miss Kehoe und einen Job in einem luxuriösen Kaufhaus organisiert hat. Eilis allerdings fällt es schwer, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden und wird von schrecklichem Heimweg geplagt, zumal die Briefe aus der und in die Heimat oft wochenlang unterwegs sind. Erst als Eilis den jungen Italo-Amerikaner Tony Fiorello kennenlernt, rücken die Gedanken an die irische Heimat in weite Ferne, doch gerade als es scheint, dass Eilis ihren Platz im Leben gefunden hätte, zwingt sie eine familiäre Tragödie zurück über das Meer und schweren Herzens lässt sie den sich sorgenden Tony zurück…

Rezension:

Eigentlich wollte ich Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (dessen pathetischen Untertitel man sich mal wieder hätte sparen können) bereits zum Kinostart seinerzeit sehen, doch wie es das Leben eben so wollte, wurde daraus mal wieder nichts, doch nun, mehr als ein Jahr später, habe ich es endlich geschafft, den Film nachzuholen und das Warten hat sich gelohnt, waren die Vorschusslorbeeren schließlich mehr als berechtigt. Dabei erzählt der Film eine im Grunde sehr überschaubare, weitestgehend auch überraschungsarme Geschichte ohne großartige Aufgeregtheit, aufgesetzte Dramatik oder übertriebenes Pathos, was sich aber mitunter als eine der Stärken der von Nick Hornby adaptierten Geschichte – basierend auf dem gleichnamigen Roman von Colm Tóibín – entpuppt, denn ihm gelingt das feinfühlig und intim skizzierte Portrait einer jungen Irin und Auswanderin, das von Fernweh und Heimweh, Selbstbestimmung und Erwachsenwerden handelt, mehr noch als all das aber von dem Begriff und dem Gefühl von Heimat, dass Protagonistin Eilis Lacey in der Fremde zu ergründen sucht.

Szenenbild aus Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Nun kann das Drehbuch von Hornby natürlich erzählerisch pointiert und feinfühlig betrachtet sein wie es möchte, steht und fällt die Geschichte von Brooklyn selbstredend mit ihren Figuren und hier hat man mit Saoirse Ronan (Grand Budapest Hotel) ein mehr als glückliches Händchen bewiesen und die Oscar-Nominierung verwundert nicht im Geringsten, denn Ronan geht in der Rolle der zunächst schüchternen und introvertierten Eilis gänzlich auf und vermag selbst ohne Worte ein extrem facettenreiches Portrait der jungen Irin Anfang der 1950er Jahre zu vermitteln. Besonders schön aber auch die Mühe, die man sich bei Ausstattung und Kostümen, ebenso der allgemeinen Inszenierung gegeben hat, denn wenn die Geschichte auch nicht einmal sieben Dekaden zurückreicht, war es eine gänzlich andere Welt, in der die Figuren sich bewegen, so dass allein die Überfahrt vom verträumten Irland ins gehuldigte Amerika zu einem regelrechten Abenteuer wird, während sich allein die Kommunikation mit der Heimat als schier unüberbrückbares Hindernis entpuppt, was in Eilis auch das entwaffnend dargebrachte Heimweh schürt, was sie im fernen Brooklyn so lange hemmen wird.

Das ändert sich erst, als Eilis dem jungen Italo-Amerikaner Tony Fiorello begegnet, mit dessen Darstellung sich Emory Cohen nun bei mir einige Pluspunkte eingefahren hat, nachdem mich beispielsweise dessen Part in The Place Beyond the Pines doch kaum zu überzeugen wusste. In einer kleineren, aber ebenso liebevoll angelegten Rolle weiß derweil auch Jim Broadbent (Drecksau) erwartungsgemäß erneut zu überzeugen und gibt hier den gutmütigen Priester Flood, der Eilis‘ Überfahrt nach Amerika überhaupt erst möglich gemacht hat. Und auch an der Rolle der Miss Kehoe (Julie Waters) als resolute Pensions-Leiterin lässt sich belegen, mit wie viel Sorgfalt hier auch die zunächst unscheinbarsten Rollen mit Leben gefüllt werden. Nichtsdestotrotz liefe Brooklyn mehr als einmal Gefahr, zu einem sentimentalen Rührstück oder einem handfesten Melodram zu verkommen, wenn da nicht die feinsinnigen Dialoge und die immer wieder durchscheinende Hoffnung wären, ein leiser Witz, der dem Gezeigten ein wenig die Schwere zu nehmen weiß, was insbesondere in der zweiten Hälfte noch einmal dringend nötig wird, wenn sich aufgrund einer persönlichen Tragödie Eilis‘ Rückkehr nach Irland anbahnt, nachdem es gerade schien, als würde sie in Brooklyn zaghaft Fuß fassen und sich einleben.

Szenenbild aus Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Der Part der in Irland geschilderten Erzählung fällt dabei überraschenderweise kaum weniger umfangreich aus als die in und um Amerika geschilderte Geschichte, was in Anbetracht des Titels vielleicht kurzzeitig verwirrt, doch geht es in Brooklyn eben weit weniger um die Stadt als solche, sondern im Kern immer nur um Eilis, was auch erklärt, weshalb zeitgenössische Konflikte und die großen Themen der damaligen Zeit kaum Erwähnung finden, denn im Fokus steht zu jeder Zeit und unzweifelhaft einzig Eilis und ihr Schicksal. Den irischen Part betreffend darf man aber auch diesmal wieder nicht Domhnall Gleeson unerwähnt lassen, der aus einer kleinen und ungemein unscheinbaren, im Grunde wenig differenzierten Rolle mit kleinen Gesten und Blicken alles herauszuholen weiß und so ganz anders wirkt als beispielsweise in The Revenant, der immerhin im selben Jahr entstanden ist. So bildet sich dank einer Handvoll ausgesuchter wie fähiger Darsteller und eines sorgsam austarierten Drehbuchs hier eine ungemein emotionale und intime Charakterstudie, die beinahe gänzlich auf große Gesten und völlig auf Bombast und Kitsch zu verzichten versteht und gerade deshalb so ungemein bewegt und berührt, obwohl man anhand der überschaubaren Geschichte kaum glauben mag, mit wie viel Herzblut und Feingespür hier eine längst vergangene Dekade aufs Überzeugendste zu neuem Leben erweckt worden ist.

Fazit & Wertung:

Der von John Crowley inszenierte Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten vermag zuvorderst dank des intensiven und differenzierten Spiels seitens Saoirse Ronan zu begeistern, der die Rolle der irischen Auswanderin Eilis Lacey wie auf den Leib geschnitten scheint, doch dank des superben Drehbuchs von Nick Hornby läuft die melancholische Erzählung auch niemals Gefahr, zu einem sentimentalen Rührstück zu verkommen, was in der Summe ein ungemein lohnenswertes, bis in die kleinsten Rollen vorzüglich besetztes Charakter-Drama ergibt, dessen unaufgeregte und intime Erzählweise sich als eine seiner größten Stärken entpuppt.

9 von 10 irischen Erinnerungen

Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten

  • Irische Erinnerungen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Der von John Crowley inszenierte Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten vermag zuvorderst dank des intensiven und differenzierten Spiels seitens Saoirse Ronan zu begeistern, der die Rolle der irischen Auswanderin Eilis Lacey wie auf den Leib geschnitten scheint, doch dank des superben Drehbuchs von Nick Hornby läuft die melancholische Erzählung auch niemals Gefahr, zu einem sentimentalen Rührstück zu verkommen, was in der Summe ein ungemein lohnenswertes, bis in die kleinsten Rollen vorzüglich besetztes Charakter-Drama ergibt, dessen unaufgeregte und intime Erzählweise sich als eine seiner größten Stärken entpuppt.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
ergothek
Der Kinogänger: 8,5/10 Punkte
Sneakfilm: 4/5 Punkte

Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten ist am 16.06.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Das klingt auch bei dir gar famos und ich freue mich umso mehr, dass der Film bereits bei mir im Regal steht… :)

    • Ich empfehle ein Double Feature mit „Carol“ – paßt stilistisch perfekt und dann hat man auch so ziemlich das Beste beisammen, was das Kinojahr 2016 zu bieten hatte!

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