Review: Am grünen Rand der Welt (Film)

Holen wir heute mal einen Historien- oder besser Kostümfilm nach, den ich schon lange einmal habe sehen wollen und der die Vorfreude tatsächlich auch verdient gehabt hat, denn meine Erwartungen wurden gar übertroffen!

Am grünen Rand der Welt

Far from the Madding Crowd, USA/UK 2015, 119 Min.

Am grünen Rand der Welt | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Thomas Vinterberg
Autoren:
David Nicholls (Drehbuch)
Thomas Hardy (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Carey Mulligan (Bathsheba Everdene)
Matthias Schoenaerts (Gabriel Oak)
Michael Sheen (William Boldwood)
Tom Sturridge (Sergeant Francis Troy)
in weiteren Rollen:
Juno Temple (Fanny Robbin)
Jessica Barden (Liddy)

Genre:
Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Am grünen Rand der Welt | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Dorset im Jahre 1870: Kurz nachdem Schäfer Gabriel Oak der alleinstehenden und wenig wohlhabenden Bathsheba Everdene einen Heiratsantrag gemacht hat, den sie allerdings ausschlägt, wendet sich für sie beide das Schicksal und während Bathsheba nach einer Erbschaft Besitzerin eines großzügigen Gehöfts ist, verliert Gabriel seine Schafherde und muss notgedrungen bei Bathsheba anheuern. Derweil beginnt der wohlhabende wie distinguierte William Boldwood um Miss Everdene zu werben, doch auch wenn er gesellschaftlich die beste Wahl sein mag, fühlt sich Bathsheba kaum zu ihm hingezogen, derweil es ihr weit eher der windige Soldat Francis Troy angetan hat, vor dem sie allerdings der fürsorgende Oak zu warnen versucht. Dessen Beweggründe in Frage stellend, ist die ohnehin ungemein selbstständige Bathsheba gewillt, ihren eigenen Weg zu gehen, während die drei Männer noch um ihre Gunst buhlen…

Rezension:

Ich weiß nicht, wie oft und wie lange schon ich um Am grünen Rand der Welt herumgeschlichen bin, ohne mich letztendlich zu m Kauf durchringen zu können, doch jüngst habe ich mir dann doch ein Herz gefasst und die Blu-ray günstig erstehen können, weshalb ich nun auch in den Genuss dieser formidablen Literatur-Verfilmung gekommen bin. Diese fußt im vorliegenden Fall auf dem hierzulande gleichnamig betiteltem Roman von Thomas Hardy, der 1874 erschien und gleichsam seinen Durchbruch als Schriftsteller markiert hat, derweil das Drehbuch zum Film nun selbst von einem Schriftsteller stammt. Adaptiert wurde das Ganze nämlich von David Nicholls, der auch schon das Skript zu Zwei an einem Tag (nach seinem eigenen Roman) verfasst hat und dem es – meines Erachtens noch mehr als bei seinem eigenen Werk – gelingt, die Essenz des originär als Far from the Madding Crowd betitelten Stoffes einzufangen, der freilich für eine Laufzeit von unter zwei Stunden ordentlich zurechtgestutzt werden musste. Doch obwohl die Story mehrere Jahre umfasst und folglich einige Zeitsprünge mit sich bringt, wirkt doch alles ungemein homogen und gekonnt durchkonzipiert, obwohl man sich vielerorts eben einzig und allein an prägnanten Weggabelungen abarbeitet, was das Leben der Protagonistin Bathsheba Everdene betrifft.

Szenenbild aus Am grünen Rand der Welt | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Bathsheba indes, formidabel besetzt mit Carey Mulligan (Inside Llewyn Davis), strahlt derweil gleichsam etwas Filigranes, Zerbrechliches aus, während man ihr auch unbenommen das Freigeistige und eigenständige abzunehmen vermag, was freilich nur in einem Kostümfilm als ungewöhnlich inszeniert werden kann, der so betrachtet beinahe schon feministische Züge aufweist, wenn sich die von den Männern belächelte Bathsheba in der Domäne der Landwirtschaft zu behaupten beginnt und nicht nur durch die verschmähten Heiratsanträge, sondern auch ihre selbstbewusste Art den Männern vor den Kopf stößt. Dank des feinsinnigen Skripts sind die Sympathien aber auch gleichmäßig zwischen Bathsheba und ihren Verehrern verteilt, wenn man einmal von dem Soldaten Troy (Tom Sturridge, On the Road) absieht, bei dem man von weitem erkennen mag, dass es sich um einen windigen Zeitgenossen handelt. So ganz lassen sich also auch bei Am grünen Rand der Welt die Klischees nicht umschiffen, was aber weit mehr an der Vorlage aus 1874 liegt als an dem Film als solchen, denn manches Versatzstück war nun einmal schwer en vogue in der viktorianischen Literatur.

Davon aber einmal abgesehen, wirkt der von Thomas Vinterberg (Die Jagd) inszenierte Film in keiner Weise angestaubt und punktet eben nicht nur mit großartiger Ausstattung und Kulisse, sondern auch vielschichtigen und ebendigen Figuren, zumal es eine erfrischende Abwechslung ist, dass hier gleich mehrere Männer um die Gunst ein und derselben Dame buhlen, was vorrangig deshalb so gut funktioniert, weil man sowohl dem von Matthias Schoenaerts (Suite Française) verkörperten Schäfer Gabriel Oak als auch dem von Michael Sheen (Good Omens) dargestellten William Boldwood im Grunde nur das Beste wünscht. So umwerfend Mulligan in ihrer Rolle nämlich auch sein mag, finden sich die eigentlichen Highlights von Am grünen Rand der Welt in den Momenten, wenn sich Oak und Boldwood begegnen und – beide in dieselbe Frau vernarrt – ihre Gefühle verbalisieren, was man in der Form und Prägnanz in kaum einem Historienfilm geboten bekommt und das eine Verletzlichkeit offenbart, die sie beide nur noch sympathischer und bedauernswerter macht. Im Umkehrschluss käme man aber auch nie auf die Idee, deren persönliches Unglück und Schmachten Bathsheba zum Vorwurf zu machen, so dass sich – abgesehen von dem einseitig windigen und opportunistischen Troy – kaum je so etwas wie plakative Schwarz-Weiß-Zeichnung in dem Reigen findet.

Szenenbild aus Am grünen Rand der Welt | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So kann ich guten Gewissens Am grünen Rand der Welt attestieren, ein nicht nur rundherum gelungener Kostümfilm, sondern auch zu Herzen gehendes Drama mit romantischem Einschlag zu sein, zumal hier die Qualitäten noch längst nicht enden, denn fernab pittoresker Landschaften und schöner Szenenbilder gelingen Vinterberg in der Inszenierung noch zahlreiche weitere, schöne wie intime Momente. Beispielhaft hierfür sei nur das von Mulligan und Sheen zum Besten gegebene Duett von "Let No Man Steal Your Thyme" genannt, das mir regelrechte Gänsehaut verursacht hat, während fernab von Mulligan und ihren drei Verehrern auch Juno Temple (Vinyl) und Jessica Barden (The End of the F***ing World) in kleineren Rollen zu glänzen wissen. Hatte ich also durchaus im Vorfeld schon damit gerechnet, es mit einem filmischen Kleinod zu tun bekommen zu können, hätte ich doch nicht erwartet, dass mich ein Film mit derart klassischem Thema und Setting so zu überzeugen und bewegen wissen würde, doch hier stimmt schlichtweg das Gesamtpaket, selbst wenn manches in dem umtriebigen Reigen dann doch auffällig knapp abgehandelt wird.

Fazit & Wertung:

Regisseur Thomas Vinterberg gelingt mit Am grünen Rand der Welt eine überzeugende Adaption des Romans von Thomas Hardy, wobei sein Kostümfilm trotz altertümlichem Setting in keiner Weise angestaubt oder langweilig wirkt, sondern im Gegenzug mit einer ganzen Riege überzeugender DarstellerInnen – und einer herausstechenden Carey Mulligan – nebst einer durchweg souveränen Inszenierung zu punkten weiß.

8 von 10 Heiratsanträgen

Am grünen Rand der Welt

  • Heiratsanträge - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Regisseur Thomas Vinterberg gelingt mit Am grünen Rand der Welt eine überzeugende Adaption des Romans von Thomas Hardy, wobei sein Kostümfilm trotz altertümlichem Setting in keiner Weise angestaubt oder langweilig wirkt, sondern im Gegenzug mit einer ganzen Riege überzeugender DarstellerInnen – und einer herausstechenden Carey Mulligan – nebst einer durchweg souveränen Inszenierung zu punkten weiß.

8.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Am grünen Rand der Welt ist am 19.11.15 auf DVD und Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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vgw

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