Review: Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi (Film)

Das Star Wars Universum

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Gestern Abend habe ich mir dann nun auch standesgemäß den neuen Star Wars-Film angesehen und habe heute – immer noch völlig geflasht – gefühlt den halben Tag damit zugebracht, diesen Artikel zu "Papier" zu bringen, der mit knapp 3.300 Worten selbst für mich unerwartet umfangreich geworden ist. Selbstredend ist die Kritik als solche gänzlich spoilerfrei, wobei ich auch noch einen ausgiebigen Spoiler-Part hinzugefügt habe, den ihr allerdings gesondert "ausklappen" müsst, es droht also keine Gefahr beim Lesen!

Star Wars:
Episode VIII
Die letzten Jedi

Star Wars: The Last Jedi, USA 2017, 152 Min.

Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney GmbH
© Walt Disney

Regisseur:
Rian Johnson
Autor:
Rian Johnson

Main-Cast:

Mark Hamill (Luke Skywalker)
Carrie Fisher (Leia)
Adam Driver (Kylo Ren)
Daisy Ridley (Rey)
John Boyega (Finn)
Oscar Isaac (Poe Dameron)
Andy Serkis (Supreme Leader Snoke)
Lupita Nyong’o (Maz Kanata)
Domhnall Gleeson (General Hux)
Anthony Daniels (C-3PO)
Gwendoline Christie (Captain Phasma)
Kelly Marie Tran (Rose Tico)
Laura Dern (Vice Admiral Amilyn Holdo)
Benicio Del Toro (DJ)

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Obschon es dem Widerstand gelungen ist, Snokes gefürchtete Starkiller-Basis zu vernichten, befindet sich die Bewegung am Rande des Abgrundes und dem Obersten Führer Snoke ist es jüngst gelungen, eine der geheimen Basen zu entdecken. Während man am Boden noch die Evakuierung der Basis in die Wege leitet, stürzt sich Poe Dameron waghalsig in den ungleichen Kampf gegen einen Sternenkreuzer der Ersten Ordnung. In letzter Sekunde gelingt den Rebellen die Flucht durch den Hyperraum, derweil Rey auf der abgelegenen Welt Ahch-To die Hilfe von Jedi-Meister Luke Skywalker erbittet, der seine Hilfe allerdings zunächst verwehrt. Der noch immer auf der Flucht befindliche Widerstand derweil wird selbst nach dem Hyperraum-Sprung von Snokes Flotte ausfindig gemacht und sieht sich erneut in arge Bedrängnis geraten, woraufhin Poe und Finn einen aberwitzigen Plan schmieden, der den ehemaligen Truppler der Ersten Ordnung nach Canto Bight führt, wo er einen Codeknacker ausfindig machen soll, doch die Mission gestaltet sich schwieriger als erwartet, derweil Poe und Leia sowie deren Vertreterin, Vize-Admiral Holdo alles daran setzen, die verbliebenen Schiffe des Widerstandes zu beschützen. Kylo Ren derweil, jüngst bei Snoke durch sein Versagen in Ungnade gefallen, sieht sich auf telepathischem Wege unerwartet mit Rey verbunden, die ihn von der Abkehr von der Dunklen Seite zu überzeugen versucht…

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

Rezension:

Zwei Jahre, nachdem mit Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht der von J.J. Abrams inszenierte Startschuss für eine weitere Trilogie im Star Wars-Universum gefallen ist, übernimmt nun der vergleichsweise unbekannte Rian Johnson das Zepter, der sich fünf Jahre zuvor mit dem großartigen Looper seine Meriten verdient hat und geht in Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi spürbar eigene Wege, ohne dabei dem Kern der Saga untreu zu werden oder sich in seinem Sujet an Figuren und Schauplätzen zu verzetteln, wobei insbesondere die Schauplätze überraschend spärlich ausfallen, was damit zusammenhängen mag, dass der gesamte, mit 151 Minuten Laufzeit durchaus stattlich bemessene, aber jederzeit mitreißende Film im Grunde nur auf eine kleine Episode, die Flucht des Widerstandes vor dem Flaggschiff der Ersten Ordnung, konzentriert, was man so auch nicht erwartet haben mag. So klein die Welt in diesem Film dem Gefühl nach aber auch sein mag, so viel Wert legt Johnson bei all den obligatorischen Weltraumschlachten und (Laserschwert-)Duellen auf Charakterbildung und -entwicklung, was ebenfalls beinahe untypisch für die Saga ist, wenn man die oft nur rudimentär ausgearbeiteten Helden der Ursprungs-Saga einmal ohne die rosarote Fanboy-Brille betrachtet.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

So mokieren sich viele Zuschauer beispielsweise darüber, dass Die letzten Jedi nur wenige Antworten auf Fragen liefert, die der vorangegangene Teil aufgeworfen hat, doch verhielt es sich seinerzeit mit Das Imperium schlägt zurück kaum anders, zumal dort noch die Figur des Imperators quasi noch aus dem Hut gezaubert worden ist, doch möchte ich mich diesen Aspekten im sich später anschließenden Spoiler-Teil noch einmal gesondert widmen und konzentriere mich zunächst auf das, was man ohne schlechtes Gewissen (und eben ohne zu spoilern) von sich geben kann. Musste sich Das Erwachen der Macht den berechtigten Vorwurf gefallen lassen, im Grunde ein Remake des vierten Teils zu sein, emanzipiert sich Episode VIII deutlich von dem, was man hat erwarten dürfen und nutzt die begonnene Handlung aufs Trefflichste, um dem Franchise neue Facetten hinzuzufügen, aber auch konsequent Handlungsstränge zu einem teils überraschend frühen Ende zu führen. Vor allem aber gelingt Johnson bei Die letzten Jedi etwas, was eigentlich nur schwer – und selten erfolgreich – zu bewerkstelligen ist, denn einerseits handelt es sich um den wohl bislang lustigsten Film der Reihe, der noch dazu mit einem regelrechten "Cuteness-Overkill" daherkommt, wenn man sich neben BB-8 und den Porgs beispielsweise noch die Funkelfüchse und selbst die Fathiere auf Canto Bight ansieht, die bereits in Die Legenden von Luke Skywalker Erwähnung gefunden haben, andererseits ist der Film im gleichen Maße düster, ernst, dramatisch und fatalistisch geraten, gerade, wenn man sich das Schicksal der verbliebenen Helden der Ur-Trilogie besieht, noch überschattet selbstredend von dem ableben von Carrie Fisher im Dezember 2016, was den Szenen mit ihr eine zusätzliche, tragische Note verleiht, sie andererseits aber auch als General Organa noch einmal im hellsten Licht erstrahlen lässt und ihr ein würdiges Denkmal setzt.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

Der Humor im Film mag ansonsten natürlich vielerorts Geschmackssache sein und nicht ausnahmslos jeder Gag vermag freilich zu zünden (was aber auch kaum ein Film von sich behaupten kann), doch allein die Eröffnung mit einer "Unterhaltung" zwischen General Hux und Poe Dameron lässt sich als ausgeweitete Reminiszenz an die Einführung von Poe im vorangegangenen Teil betrachten und ist schlicht großartig geraten, allein weil – dieser Umstand sollte jedem bereits bewusst gewesen sein – Dameron hier natürlich aktiv als Nachfolger des nicht minder draufgängerischen und Sprüche klopfenden Han Solo aufgebaut wird, was schnell nach hinten hätte losgehen können, doch den charismatischen Oscar Isaac (Ex Machina) für diese Rolle zu verpflichten, empfand ich schon bei Episode VII als Genie-Streich, derweil er hier die Screentime beansprucht, die man ihm im letzten Teil der Dramaturgie geschuldet nicht hat geben können. So eröffnet der Film dann auch nicht, wie es mancherorts heißt, mit der Fortsetzung der Szene um Luke und Rey, sondern zeigt stattdessen Dameron, wie er sich quasi im Alleingang einem Kampfschiff der Ersten Ordnung entgegenstellt, um so dem Widerstand die Flucht zu ermöglichen. Das mag auf den ersten Blick zwar wie eine unnötige Materialschlacht der Schauwerte wegen wirken, initiiert aber im Grunde nicht nur den Plot des Films, sondern zeigt ebenso deutlich, wohin kopfloser Aktionismus führen kann, was die Figur des Poe betreffend eines der Leitmotive des Films sein wird.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

Von diesem Punkt ausgehend widmet sich die Handlung von Die letzen Jedi dann schlussendlich auch dem Zusammentreffen von Luke und Rey, wobei das in so ziemlich allen Belangen freilich anders verläuft, als man sich das hätte vorstellen mögen, derweil Luke in vieler Hinsicht an den gealterten Einsiedler Obi-Wan erinnert, im Verlauf des Films aber einige ungemein starke Szenen spendiert bekommt, so dass ich sagen kann, dass sich das Warten durchaus gelohnt hat und die finale Szene im vorangegangenen Teil nicht zu viel versprach, während es gleich zu Beginn zu einigen großartig emotionalen Szenen kommt, als Luke von Hans Tod erfährt oder seinem alten Weggefährten R2 begegnet, ohne dass diese ikonischen Momente über Gebühr ausgewalzt würden. Viel mehr möchte ich über den Handlungsstrang von Luke aber an dieser Stelle aber gar nicht verlauten lassen, denn weiterführende Diskussionen würden unweigerlich Momente und Wendungen des Films vorwegnehmen, die man besser für sich selbst und unvorbelastet entdeckt, doch handelt es sich um eine rundweg würdige Rückkehr, die der ikonischen Gestalt mehr als gerecht wird. Rey (Daisy Ridley) wiederum hat da zumindest zu Beginn im Grunde das deutliche Nachsehen, doch werden im weiteren Verlauf auch ihre Konflikte und inneren Dämonen sehr schön herausgearbeitet, wobei es sehr für das Skript spricht, wenn zu Beginn getroffene Aussagen später eine tiefergehende Bewandtnis verliehen bekommen oder ins Gegenteil verkehrt werden. Der Umstand, Luke nun endlich gefunden zu haben, bringt es aber zudem auch mit sich, dass man endlich mehr über die Rückblenden erfährt, die es bereits in Das Erwachen der Macht kurz zu sehen gab, so dass beide Teile – ganz davon abgesehen, dass sie quasi minutiös aneinander anschließen – in diesem Punkt eine stimmige Einheit bilden.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

Ein weiterer Part der Handlung wiederum widmet sich Finn (John Boyega), dem ehemaligen Mitglied der Ersten Ordnung, der zuvor ja mehr durch Zufall in die Ränge des Widerstandes geraten ist und hier ebenfalls eine stimmige Entwicklung durchmacht, auch wenn ich an vieler Stelle habe lesen können, dass sein Handlungsstrang im Grunde ins Leere laufen würde, wogegen ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt zu argumentieren bereit bin. Auf alle Fälle verschlägt es ihn und seine neue Bekanntschaft Rose nach Canto Bight, um dort einen berüchtigten Codeknacker ausfindig zu machen und einen aberwitzigen Plan zu verfolgen, wie ihn die Rebellen schon Jahrzehnte zuvor nicht besser hätten entwerfen können, doch wo es dereinst einem Luke Skywalker gelang, quasi im Alleingang den Todesstern zu zerstören, geht dieser riskante Plan in vielerlei Hinsicht anders aus, als man das von einem Star Wars-Film, die ja schon seit jeher viel mit Stereotypen und beinahe schon absurden Ein-Mann-Aktionen kokettiert haben, erwarten würde. An Bord des Mon Calamari-Kreuzers des Widerstandes wiederum lernt man zudem die Figur der Vize-Admiralin Holdo kennen, eine Jugendfreundin Leias, wie man aus Leia, Prinzessin von Alderaan hat erfahren dürfen, die in diesem Fall von Laura Dern (99 Homes) verkörpert wird und dem "Gesicht" des Widerstandes eine weitere, interessante Facette hinzufügt, zumal sie und Poe Dameron sich nicht gerade grün zu sein scheinen und gänzlich andere Ansätze verfolgen, wenn es darum geht, die Reste des Widerstandes zu beschützen und zu retten.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

So wirkt auch der Widerstand an sich mehr denn je wie eine Ansammlung von Individuen und nicht wie eine gesichtslose Masse an bunt zusammengewürfelten Gestalten, was sich auch an einigen widerkehrenden Gesichtern festmachen lässt, die zwar vielleicht nicht grundlegend zur Handlung beitragen, aber dennoch das Gefühl von Dringlichkeit und Bedrohung verstärken, dem sich der Haufen Widerständler ausgesetzt sieht. Um aber nicht nur von den "Guten" zu sprechen, wird natürlich auch gesteigerter Wert auf die Entwicklung der Vertreter der Ersten Ordnung gelegt, wenn man einmal von General Hux absieht, mit dem Domhnall Gleeson (The Revenant) zwar einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt, ansonsten aber beinahe einmal zu oft als Paradebeispiel der Inkompetenz der Führungsriege herhalten muss. Dafür allerdings emanzipiert sich insbesondere der von Adam Driver (Midnight Special) verkörperte Kylo Ren deutlich von seinem Image aus dem vorangegangenen Teil und legt ein irritierend ambivalentes Verhalten an den Tag, das ich mir so auch nicht erwartet hätte, doch ist auch dies einer der Punkte, an denen Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson gekonnt mit der Erwartungshaltung des Publikums spielt, denn die Beziehung zwischen ihm und Rey vermag hier durch einen gekonnten Kniff vortrefflich vertieft werden und lässt die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch mehr als einmal verwischen.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

Überraschend letztlich auch die Rolle von Snoke in dem Treiben, denn auch hier geht die Handlung Wege, die man sicherlich kaum hätte vorausahnen können und besticht mit einer Konsequenz, die ihresgleichen sucht. All das bringt aber natürlich auch – und insbesondere in der zweiten Hälfte – einiges An Action mit sich und ich bin mehr als erstaunt gewesen, dass sich in diesen Belangen keinerlei Ermüdung einzustellen gedroht hat, denn nachdem man seit einigen Jahren mit sich gegenseitig selbst übertreffenden Materialschlachten gefühlt zugeschmissen worden ist, funktionieren die Auseinandersetzungen jede für sich und in der Kombination ausnehmend gut und bieten mehr als einmal ikonische Momente, die vielerorts einfach nur als episch zu bezeichnen sind. Das, gepaart mit einem angenehmen Wechsel zwischen den einzelnen Handlungsorten und damit einhergehend unterschiedlichen Stimmungen und Ansätzen des Storytellings, machen Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi für mich zu einem der überraschendsten, kurzweiligsten (!) und besten Filme der Sage bisher, weshalb ich mit Fug und Recht behaupten kann, Rian Johnson, auf den ich schon im Vorfeld große Stücke hielt, habe meine Erwartungen mehr als erfüllt, manches Mal auch locker übertroffen, zumal speziell das Ende und damit einhergehend die Auflösung mancher Plot-Points nicht minder ungewöhnlich, aber im gleichen Maße großartig inszeniert worden sind und für das Finale dieser Trilogie auf Großes, vor allem aber Unerwartetes hoffen lassen. Um aber an dieser Stelle noch weitergehend von meinen Eindrücken des Films berichten zu können, ist es nun unabdingbar, in den Spoiler-Modus zu wechseln, den ihr euch bestmöglich erst nach eigener Sichtung des Films zu Gemüte führen solltet.

Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | Zeichnung von Wulf Bengsch

SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER – SPOILER

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Beginnen wir diesen Part mit dem Offensichtlichsten und Naheliegendsten, der Darstellung von Luke Skywalker: Was war ich gespannt, wie dieser sich würde entwickelt haben, gerade nachdem ich in der IMDb die Aussage Mark Hamills "I pretty much fundamentally disagree with every choice you’ve made for this character" gegenüber Rian Johnson gelesen habe, doch muss ich sagen, war ich wirklich angetan von seiner desillusionierten, resignierten Art und seiner anfänglichen Weigerung, Rey in den Jedi-Künsten zu unterrichten, schließlich mag er sich nicht ohne Grund an den Rand der Galaxis verdrückt haben, während wir aus der Sicht von Rey ja auch einen kurzen Blick auf seinen alten X-Wing am Meeresboden werfen konnten, was schon früh nahegelegt hat, es gäbe für ihn weder Möglichkeit noch Grund, die abgeschiedene Insel jemals wieder zu verlassen. In Kombination mit der ausgebauten Rückblende, die kurz und prägnant das Ende seiner "Jedi-Schule" umreißt, bekommt man dann ja auch seine Gründe für diesen Schritt dargelegt und in dieser Hinsicht war die Entwicklung der Figur doch absolut stimmig, insbesondere auch durch den Zweifel, den Kylo in Rey sät, als er ihr seine Sicht der damaligen Geschehnisse schildert, die das unerwartete, wenn auch nur kurz währende Bündnis glaubhaft erscheinen lassen.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

Überhaupt, der Kniff, eine Verbindung zwischen Rey und Kylo, im Grunde den eigentlichen Hauptfiguren der neuen Trilogie, herzustellen, wenn auch in letzter Konsequenz von Snoke forciert, hat meines Erachtens bestens funktioniert, zumal man nicht den Fehler gemacht hat, beide gemeinsam ins Bild zu rücken und es trotzdem zu bewerkstelligen wusste, durch geschickt gesetzte Schnitte eine Zusammengehörigkeit zu erzeugen. So untermauert Johnson quasi nebenbei auch ein weiteres Leitmotiv, denn wo frühere Star Wars-Filme beinahe schon plakativ auf die enorme Kluft zwischen Gut und Böse verwiesen haben, dominieren hier mehr denn je die Grauschattierungen und während des Films mag man sich zumindest in den ersten zwei Dritteln kaum je sicher sein, ob Kylo Ren wirklich so abgrundtief böse ist, während Rey spürbaren Schmerz, ja beinahe Hass in sich trägt, was bekanntermaßen den Weg zur Dunklen Seite bereitet, wodurch wiederum Lukes Angst, seine Verweigerung wunderbar herausgearbeitet werden. Nichtsdestotrotz vermag es ja schließlich Yoda – eine wahnsinnig gute Szene, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hätte – ihn zu überzeugen, dem Widerstand und damit nicht zuletzt auch Leia ein letztes Mal zur Seite zu stehen.

Der Umstand, dass Luke sich letzten Endes nie auf Crait befunden hat, wird den aufmerksamen Zuschauern dabei schnell klar gewesen sein, einerseits durch dessen nicht vorhandene Möglichkeit, sein selbst gewähltes Exil zu verlassen, andererseits durch den Umstand, dass es ihm unmöglich gewesen sein sollte, in die Rebellen-Basis einzudringen, vor allem aber dadurch, dass er in merklich "aufgehübschter" Version ohne graue Haare zu sehen ist und noch dazu das blaue Lichtschwert nutzt, das gemeinsam mit Rey allerdings in Richtung Snokes Thronsaal entschwunden ist und gar nicht bei ihm hätte sein können. Ob man nun aber im Vorfeld geahnt oder gewusst hat, dass Luke letztlich gar nicht zugegen ist, hätte man der ikonischen Figur des Skywalker keine bessere finale Schlacht schreiben können, zumal er ja – wie Poe extra noch proklamiert – dem Widerstand dadurch die Flucht ermöglicht, als eine zutiefst humanitäre Absicht verfolgt und seinen einstigen Schüler – Kylo – ein letztes Mal in seine Schranken weist. Dankenswert auch, dass es eben nicht Kylo ist, der Luke Skywalker tötet, denn auch wenn man ihn zum Oberbösewicht par excellence aufbaut, wäre es doch etwas viel des Guten gewesen, hätte er sich nach dem Mord an Han Solo nun auch noch als Schlächter des letzten Jedi herausgestellt, denn von da an wäre es nur noch ein kurzer Schritt gewesen, um im nächsten Teil zu verkünden, er habe – off-screen, versteht sich – nun auch noch Leia erwischt. So gewährt man stattdessen Luke den würdevollen Abgang in bester Tradition eines Obi-Wan und liefert in einem ansonsten doch oft sehr kampflastigen Film einen denkwürdigen wie emotionalen Moment, der nahe an das letzte Wiedersehen zwischen ihm und Leia herankommt, zumal hier noch das feine Detail der Würfel aus Hans Schiff zum Tragen kommt, die sich später in Kylos Händen in Luft auflösen, da Luke ja nie wirklich zugegen war.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

Um aber noch einmal auf die Verbindung zwischen Rey und Kylo zurückzukommen, hat auch das unerwartete Ableben von Snoke mir sehr imponiert, denn damit hätte ich in diesem Teil der Reihe wahrlich noch nicht gerechnet, doch ist es eben diese Konsequenz, die nicht nur hier dem film eine gehörige Frischzellenkur verpasst, zumal Snoke ansonsten – speziell durch seine Darstellung hier – im Grunde kaum mehr gewesen wäre als ein Aufguss des früheren Imperators. Wer nun allerdings meint, die Figur hätte dann nicht mit so viel Trara im vorangegangenen Teil eingeführt werden müssen, da sie letztlich keine Bewandtnis zu haben scheint, den möchte ich an Yodas Worte erinnern, die er Luke gegenüber äußert, dass es – sinngemäß – die größte Bürde eines Meisters ist, zu akzeptieren, dass es die eigenen Schüler sind, die sich dereinst über sie erheben werden und genau das tut Kylo hier mit dem scheinbar so allmächtigen Snoke und emanzipiert sich dergestalt von seinem Rang als "zweiter Vader" (nachdem er bereits zu Beginn des Films seine Maske zerstört hat), denn diese Auflehnung gegenüber seinem Meister war dem früheren Anakin erst kurz vor seinem Tod beschieden. Der sich anschließende Kampf mit den Gardisten derweil war ein ganz und gar außergewöhnlicher Fanservice-Moment für mich, kennt man diese schließlich bereits aus der Ur-Trilogie, wo sie nichts anderes machen durften, als herumzustehen und entsprechend ist der gemeinsame Kampf gegen die Thronsaal-Wachen ein inszenatorisch wie optisch frühes Highlight des Films, der sich von da an noch mehrfach zu steigern weiß.

Szenenbild aus Star Wars: Episode VIII - Die letzten Jedi | © Walt Disney
© Walt Disney

Last but not least ein kurzes Wort aber noch zu der Handlung um Finn und Rose, die unter anderem ja auch Benicio del Toros (Sicario) namenlos bleibende Figur ins Spiel bringt, der ebenfalls den Faktor "Grauschattierungen" in Johnsons Werk unterstreicht – denn hier wird ja gerne geunkt, mit dem Ausflug nach Canto Bight und dem schlussendlichen Scheitern der Mission liefe dieser Handlungsstrang ins Leere, doch finden sich hier mehrere wichtige Punkte, die nicht zu unterschätzen sind. So ist Finn, kurz bevor er auf Rose trifft, drauf und dran, dem Widerstand den Rücken zu kehren und die Flucht zu ergreifen und macht infolge der sich anschließenden Mission eine merkliche Wandlung durch, insbesondere dadurch, dass Rose ihn auf die Schattenseiten von Canto Bight hinweist, derweil es den beiden durch die Befreiung der Fathiere gelingt, den Funken der Hoffnung auf dem Planeten zu entfachen. So ist es im Grunde – den Gesamtkontext betrachtend – für den Widerstand der wichtigste Part des Films, denn ansonsten bliebe von der Rebellion einzig ein bunt zusammengewürfelter Haufen, während nun in der letzten – ebenfalls für die Saga sehr ungewöhnlichen – Einstellung des Films zu sehen ist, dass die Sache des Widerstandes noch längst nicht verloren ist und auch, wenn Luke der letzte Jedi gewesen sein mag, sind es nicht nur Rey und Kylo, sondern eben auch der zuletzt gezeigte Junge, der sich mittels Telekinese seinen Besen heranzieht, die sich der Macht bedienen können. Vor allem aber ist es Finns Rettung durch Rose und ihre an ihn gerichteten Worte, dass sich der Widerstand dadurch auszeichne, zu beschützen, was man liebt und nicht, zu zerstören, was man hasst, was wie selten zuvor den Geist der Star Wars-Saga zusammenfasst und Finn schließlich, nachdem er sich durch das Besiegen von Captain Phasma ultimativ von der Ersten Ordnung losgesagt hat, nach einer zwei Filme währenden Odyssee zu einem vollwertigen Mitglied des Widerstandes macht.

SPOILER ENDE – SPOILER ENDE – SPOILER ENDE

Fazit & Wertung:

Rian Johnson liefert mit Star Wars Episode VIII – Die letzten Jedi nicht nur den inszenatorisch mutigsten und ungewöhnlichsten Film des bisherigen Franchise ab, sondern widmet sich mit traumwandlerischer Sicherheit gleich mehreren Leitmotiven der Star Wars-Saga und betreibt eine oft unerwartete Figuren-Entwicklung, während der Film als Ganzes gleichermaßen witzig, düster, kurzweilig und emotional geraten ist und in seinen besten Momenten regelrecht episches Flair zu versprühen vermag. Mag die eigentliche Geschichte daher noch so kompakt geraten sein, vollziehen sich dennoch gleich mehrere Paradigmenwechsel in der umkämpften Galaxis, die mit vor Staunen offenstehenden Mündern zurücklassen. Ohne Frage einer der überzeugendsten, wenn nicht sogar der beste Teil der Saga überhaupt.

10 von 10 aufopferungsvollen Taten

Star Wars Episode VIII – Die letzten Jedi

  • Aufopferungsvolle Taten - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Rian Johnson liefert mit Star Wars Episode VIII – Die letzten Jedi nicht nur den inszenatorisch mutigsten und ungewöhnlichsten Film des bisherigen Franchise ab, sondern widmet sich mit traumwandlerischer Sicherheit gleich mehreren Leitmotiven der Star Wars-Saga und betreibt eine oft unerwartete Figuren-Entwicklung, während der Film als Ganzes gleichermaßen witzig, düster, kurzweilig und emotional geraten ist und in seinen besten Momenten regelrecht episches Flair zu versprühen vermag. Mag die eigentliche Geschichte daher noch so kompakt geraten sein, vollziehen sich dennoch gleich mehrere Paradigmenwechsel in der umkämpften Galaxis, die mit vor Staunen offenstehenden Mündern zurücklassen. Ohne Frage einer der überzeugendsten, wenn nicht sogar der beste Teil der Saga überhaupt.

10.0/10
Leser-Wertung 7.67/10 (9 Stimmen)
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Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi erscheint demnächst auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Walt Disney, läuft seit gestern aber zunächst einmal hierzulande im Kino. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:


Blu-ray:


vgw

Kommentare (5)

  1. Der Kinogänger 15. Dezember 2017
    • Wulf | Medienjournal 15. Dezember 2017
  2. Singende Lehrerin 17. Dezember 2017
  3. Ingo Schulze 17. Dezember 2017
  4. Schelm of the Realm 21. Februar 2018

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