Review: Logan Lucky (Film)

Zum Wochenende dann mal wieder was regelrecht Aktuelles und gleichzeitig ein Film, der Steven Soderberghs Rückkehr zum Kino markiert. Schöner kann man in die freien Tage kaum starten.

Logan Lucky

Logan Lucky, USA 2017, 118 Min.

Logan Lucky | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Steven Soderbergh
Autorin:
Rebecca Blunt

Main-Cast:
Channing Tatum (Jimmy Logan)
Adam Driver (Clyde Logan)
Riley Keough (Mellie Logan)
Daniel Craig (Joe Bang)
in weiteren Rollen:
Seth MacFarlane (Max Chilblain)
Katie Holmes (Bobbie Jo Chapman)
Katherine Waterston (Sylvia Harrison)
Dwight Yoakam (Warden Burns)
Sebastian Stan (Dayton White)
Brian Gleeson (Sam Bang)
Jack Quaid (Fish Bang)
Hilary Swank (Special Agent Sarah Grayson)

Genre:
Krimi | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Logan Lucky | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Die Bewohner von Boone County, West Virginia sind sich einig, dass über der Familie Logan ein Fluch liegt, denn während Jimmy sich mit einer schweren Knieverletzung herumplagen muss, die ihn jüngst wieder seinen Job auf einer Großbaustelle gekostet hat, hat sein jüngerer Bruder Clyde im Krieg seinen Unterarm verloren. Nachdem nun Jimmy also wieder arbeitslos ist und keine Idee hat, wie er den Unterhalt an seine Ex-Frau Bobbie Jo und die gemeinsame Tochter Sadie leisten soll, fasst er einen Plan, der auch die vom Unglück bisher verschonte Mellie Logan involviert. Denn Jimmy plant nichts weniger als einen kühnen Raubüberfall bei einem großangelegten Rennen, der den Logans die gesammelten Geldbestände der dortigen Fressbuden sichern soll, zumal Jimmy dank seiner Arbeit auf dem Bau recht gut informiert ist über das dortige unterirdische Rohrpostsystem. Fehlt nur noch ein Tresorspezialist, doch der ist in Gestalt von Joe Bang schnell zur Hand. Dumm nur, dass selbiger noch hinter Gittern sitzt und seinerseits Forderungen stellt, doch auch hierfür hat Jimmy bereits eine Lösung parat und es scheint, als könnte wirklich nichts mehr schiefgehen…

Rezension:

Ich weiß noch, wie traurig ich war, als Steven Soderbergh seinerzeit verkündete, keine Filme mehr drehen zu wollen und sich in Richtung Fernsehen verabschiedete, und entsprechend hellhörig wurde ich, als sich Soderberghs Rückkehr mit Logan Lucky ankündigt, der nun eben nicht unter den Fittichen eines milliardenschweren Studios entstanden ist, sondern das Pilot-Projekt von Soderberghs eigener Verleih-Firma Fingerprint Releasing darstellt. Entsprechend kompromisslos konnte der Filmemacher auch zu Werke gehen und punktet hier mit inszenatorischem Charme, der weit über die üblichen Versatzstücke einer Hollywood-Produktion hinausgeht und sich eine ganze Ecke kantiger und unangepasster gibt. So lebt der Film weder von seinem über die Maßen ausgeklügelten Skript noch Lachern am laufenden Band, sondern stattdessen vornehmlich von einer ganzen Riege bestens aufgelegter DarstellerInnen, die ihren jeweiligen Figuren mit Herzblut gehörig Leben einhauchen und sie als echte Unikate inszenieren, die zweifelsohne mal mehr, mal weniger spleenig geraten sind, aber nie nur als Mittel zum Zweck dienen und in der Summe vor allem einen gehörigen Unterhaltungswert generieren.

Szenenbild aus Logan Lucky | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Die Planung des Coups erinnert dann auch nicht von ungefähr an den typischen Heist-Movie an sich, sondern natürlich insbesondere an Soderberghs Ocean’s-Reihe, gleichwohl wir uns mit dem Handlungsort West Virginia nebst Autorennstrecke und nicht zuletzt dem Metier weiße Unterschicht in gänzlich anderen Sphären bewegen als man das von Danny Ocean und vielen weiteren Vertretern dieser Gattung Film gewohnt ist. Macht aber gar nichts, denn dafür kreieren insbesondere Channing Tatum (Side Effects) und Adam Driver (Midnight Special) mit ihren beiden Logan-Brüdern Jimmy und Clyde echte Typen, die insbesondere im Zusammenspiel aufzublühen wissen. Den hart arbeitenden, herzensguten Arbeiterklasse-Kerl nimmt man Tatum dabei vom ersten Moment an ab und dessen Vorliebe für den Song "Take Me Home, Country Roads" – der auch schon in Kingsman: The Golden Circle eine ähnlich prägnante Rolle gespielt hat – macht hier natürlich auch geografisch absolut Sinn. Driver als einarmiger Barkeeper Clyde bekommt zwar nicht ganz so viel Screentime spendiert, macht aber aus seiner Figur tatsächlich einen ungemein vielschichtigen Charakter und hat ebenfalls sichtlich Spaß an dem leicht spleenigen Gestus dieses Soderbergh-Films, der auf dem Skript einer gewissen Rebecca Blunt basieren soll, bei der es sich aber eigentlich um Soderberghs Ehefrau Jules Asner handelt.

Ähnlich augenzwinkernd geht er dann zu Werke, wenn er den gestandenen Mimen Daniel Craig (Verblendung) als Darsteller-Newcomer mit den Worten "And introducing" anpreist, was vielleicht in der Kombination Craig plus wasserstoffblonde Haare richtig sein mag, denn die hat er sich extra färben lassen, um einen stimmungsvollen Knacki mit Namen Joe Bang zu geben, der hier den Tresor-Spezialisten gibt und mit nicht minder absurdem Plan kurzerhand aus dem Gefängnis "entführt" wird, um bei dem Coup mitzumischen. Nur anfänglich etwas im Schatten der bislang ausschließlich männlichen Riege steht derweil Riley Keough (The Discovery) als Mellie Logan, die allerdings für das Gelingen der Aktion von immenser Bedeutung ist. Ansonsten geben sich in allerhand kleineren Rollen die Stars und Sternchen die Klinke in die Hand, denn Logan Lucky fixiert mitnichten nur auf den eigentlichen Heist-Part, sondern bettet des Ganze noch in die Familiengeschichte der Logans und den anstehenden Auftritt von Jimmys Tochter Sadie, während auch die weiteren Bang-Brüder ihre Leinwandzeit bekommen und nicht nur Seth MacFarlane als NASCAR-Teamchef, sondern auch Dwight Yoakam als Gefängnisdirektor ihren Teil zum Unterhaltungswert des Streifens beitragen.

Szenenbild aus Logan Lucky | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Die größte Stärke und gleichzeitige Schwäche von Logan Lucky liegt aber im etwas unangepassten Skript, das zuweilen regelrecht aus dem Tritt zu kommen scheint und zwischen Ernst und Exzentrik zu mäandern versteht, was zwar einerseits erfrischend und unvorhersehbar ist, andererseits aber auch manches Mal irritiert, denn bei so mancher Szene dachte ich so bei mir, dass man den Spaß auch noch weiter hätte treiben können. Nichtsdestotrotz versteht es Soderbergh aber auch wieder, bewusst falsche Fährten zu legen und im Mittelteil hinters Licht zu führen, was das letzte Drittel nebst Hillary Swank (The Homesman) als FBI-Agentin dann aber auch erst so richtig überzeugend wirken lässt, während über allem die Frage steht, ob den Logans ihr sprichwörtliches Unglück zum Verhängnis wird, oder ob sie mit dem aberwitzigen Coup davonkommen. Die Liebe fürs Detail und die bis in die kleinsten Rollen vorzügliche Besetzung machen aus dem Streifen aber ohnehin ein rundherum sehens- wie lohnenswertes Vergnügen, gleichwohl es für mein persönliches Empfinden an mancher Stelle gern noch einen Hauch über- und abgedrehter hätte sein dürfen. Hauptsache aber, das Filmgeschäft hat Steven Soderbergh zurück und nachdem jüngst sein Nachfolgeprojekt Unsane: Ausgeliefert veröffentlicht worden ist, scheinen sich ja bereits zwei weitere Filme mehr oder minder in der Mache zu befinden.

Fazit & Wertung:

Mit Logan Lucky vermag Regisseur Steven Soderbergh sich mit einem Paukenschlag zurückzumelden und versammelt einen großartigen All-Star-Cast für eine leichtfüßig wie hingebungsvoll inszenierte Heist-Geschichte der etwas anderen Gang- und Mach-Art, die insbesondere durch ihre Ecken und Kanten, manchmal eine gar etwas holprige Darbietung mit gehörig Sympathiewerten zu punkten vermag. Stellenweise hätte das Treiben gern noch ein wenig peppiger ausfallen dürfen, macht aber rundweg eine Menge Spaß.

7,5 von 10 brenzligen Situationen

Logan Lucky

  • Brenzlige Situationen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Logan Lucky vermag Regisseur Steven Soderbergh sich mit einem Paukenschlag zurückzumelden und versammelt einen großartigen All-Star-Cast für eine leichtfüßig wie hingebungsvoll inszenierte Heist-Geschichte der etwas anderen Gang- und Mach-Art, die insbesondere durch ihre Ecken und Kanten, manchmal eine gar etwas holprige Darbietung mit gehörig Sympathiewerten zu punkten vermag. Stellenweise hätte das Treiben gern noch ein wenig peppiger ausfallen dürfen, macht aber rundweg eine Menge Spaß.

7.5/10
Leser-Wertung 7/10 (3 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Der Kinogänger: 7/10 Punkte

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vgw

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