Review: Alien: Covenant (Film)

Passend zum Oktober-Anfang komme natürlich auch ich zunächst einmal mit einem Horror-Film daher, von denen es in den nächsten Tagen und Wochen freilich noch einige mehr geben wird, auch wenn ich sicherlich nicht auf das Pensum kommen werde, dass manche Blogger-Kolleginnen und -Kollegen sich so vorgenommen haben.

Alien: Covenant

Alien: Covenant, USA/UK 2017, 122 Min.

Alien: Covenant | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Ridley Scott
Autoren:
John Logan
Dante Harper

Main-Cast:

Michael Fassbender (David / Walter)
Katherine Waterston (Daniels)
Billy Crudup (Oram)
Danny McBride (Tennessee)
Demián Bichir (Lope)

Genre:
Horror | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Alien: Covenant | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Sieben Jahre bevor das Kolonisationsschiff Covenant sein eigentliches Ziel erreicht, wird das Schiff von einer verheerenden Schockwelle getroffen und Android Walter sieht sich gezwungen, die Crew aus ihrem Kälteschlaf zu holen, gleichwohl nicht jeder die Tragödie überlebt, die sich an Bord des Schiffes ereignet. Derweil die Besatzung alles daran setzt, die Schäden schnellstmöglich zu beheben und die Reise fortzusetzen, erreicht das Schiff eine Nachricht von einem nahegelegenen Planeten, die mysteriöser und irritierender kaum sein könnte, da von menschlicher Zivilisation in diesem Teil des Alls keine Spur sei dürfte. Ein erster Oberflächenscan des Planeten fördert allerdings zutage, dass dieser gar besser zur Besiedelung geeignet scheint als ihr eigentliches Ziel, weshalb der frisch zum Kapitän beförderte Christopher Oram beschließt, dass es sich lohnen könnte, dem Planeten zumindest einmal einen Besuch abzustatten. Ungeachtet dessen, dass die Terraforming-Spezialistin Daniels nachdrücklich Einspruch erhebt, macht sich ein Expeditions-Team zur Planetenoberfläche auf, um einerseits dem Signal nachzugehen, andererseits die Lebensbedingungen unter die Lupe zu nehmen. Ein Entschluss, der bald fatale Folgen nach sich ziehen wird…

Rezension:

Lange Zeit habe ich mich ja gesträubt, Alien: Covenant überhaupt einen Blick zu widmen, nachdem mich Prometheus ja doch eher verärgert, denn unterhalten hat, doch wie das so ist mit einerseits Science-Fiction-Filmen im Allgemeinen und andererseits Michael-Fassbender-Filmen im Besonderen, konnte ich natürlich auch nicht ewig an mich halten und wagte dann doch den Ausflug auf das Kolonialschiff "Covenant", das wiederum alsbald auf LV-223 aufschlagen wird, wo sich ein gutes Jahrzehnt zuvor die Ereignisse aus dem vorangegangenen Origin-Film abgespielt haben. Der Cast wurde hierbei natürlich zu großen Teilen ausgetauscht und einzig Fassbender sowie immerhin Guy Pearce als Peter Weyland sind wieder mit an Bord, wobei Pearce‘ Rolle sich auch hier wieder über lediglich einige wenige Minuten erstreckt und das Intro zum eigentlichen Film bildet. Diesbezüglich wird für mich persönlich auch offenbar, inwieweit Regisseur Ridley Scott hier und schon im letzten Teil Möglichkeiten verschenkt hat, denn statt das Franchise mit wirklichem Hintergrund über die Weyland Corporation anzureichern, war es zuvor eine (für meinen Geschmack zu) philosophische Sinnsuche nach dem Ursprung der Menschheit, während er sich hier – der Kritik folgend – wieder vermehrt darauf verlegt, simpel gestrickten Horror zu vermitteln, was dem Film als Vertreter einer eben dafür bekannt gewordenen Reihe aber zumindest weitaus besser zu Gesicht steht.

Szenenbild aus Alien: Covenant | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

So beginnt Alien: Covenant zwar einerseits mit einem – wörtlich zu nehmenden – Knall, benötigt aber auch so seine Zeit, bis es gen LV-223 geht, wobei die Zeit zumindest effektiv genutzt wird, um den Crew-Mitgliedern zumindest ein wenig charakterliche Tiefe angedeihen zu lassen, die sich aber im Grunde lediglich auf einzelne Wiedererkennungsmerkmale und Charakteristika erstreckt. Immerhin ausreichend, um später das Mitfiebern zu erleichtern, doch wäre auch hier deutlich mehr drin gewesen und in vielen Fällen merkt oder weiß man eben, dass es sich um kaum mehr als Kanonenfutter handelt, das auf die eine oder andere Weise über kurz oder lang einem Alien zum Opfer fallen wird. Vom klaustrophobischen Raumschiff-Horror der ursprünglichen Filmreihe bleibt auch dieser neueste Vertreter freilich weit entfernt, doch wirkt das Setting des gleichermaßen unwirtlichen wie verzaubernden Planeten auch hier noch herrlich frisch und unverbraucht, so dass es eine schöne Variation darstellt, die Crew der "Covenant" hier auch mal im offenen Feld kämpfen oder zumindest flüchten zu sehen. Was dem Film dabei an Schockmomenten und Spannung fehlt, versucht Scott hier mit einem deutlich gesteigerten Splatter-Anteil aufzuwiegen, was ihm zumindest zu Teilen gelingt, derweil ich mir noch mehr und ausgeprägtere Spannungsmomente erhofft hätte.

Dafür allerdings finden sich dann aber auch Stärken im Film, die ich mir so nicht erwartet hätte, denn beispielsweise Michael Fassbender (X-Men) ist hier in einer Doppelrolle zu sehen und tritt zunächst als Walter in Erscheinung, das ein Nachfolgemodell des aus Prometheus bekannten David darstellt, der hier ebenfalls in der zweiten Hälfte wieder eine gravierende Rolle spielen wird. Und allein die Momente, in denen Fassbender "mit sich selbst" interagiert sind in meinen Augen großes Kino und lohnen quasi allein schon die Sichtung, derweil es nach den ersten Opfern und Todesfällen auch eine ausgiebige Verschnaufpause gibt, die einerseits Raum für ausgiebige Charaktermomente bietet, andererseits Zeit, die eigentlichen Ursprünge der Aliens zu umreißen, auch wenn sicherlich nicht jeder Fan glücklich damit sein wird, was Scott sich hier letztlich hat einfallen lassen. Ich für meinen Teil verorte hier allerdings nach einem eher gemächlichen Start und einigen wenig überraschenden, aber gelungen inszenierten Body-Horror-Momenten sowohl das Herzstück als auch Highlight des Films, so dass es Ridley Scott zumindest gelingt, sich bei mir hinsichtlich des enttäuschenden Vorgängers zu rehabilitieren. Zugegebenermaßen merkt man mancherorts aber auch, dass Alien: Covenant ursprünglich nicht nur einen anderen Titel sondern auch eine andere Ausrichtung hat bekommen sollen, so dass nicht ausnahmslos alles rund und stimmig wirkt und das vermehrte Auftauchen von gleich unterschiedlich entwickelten Aliens mancherorts wie notwendiger Fan-Service wirkt.

Szenenbild aus Alien: Covenant | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Nichtsdestotrotz macht der Film für meinen Geschmack mehr richtig als falsch und auch die neue Crew weiß mit ihren prominenten Gesichtern rund um Katherine Waterston (Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind) und Billy Crudup (Gypsy) zu gefallen, derweil Danny McBride (Das ist das Ende) mich mit einer fast schon ungewohnten Ernsthaftigkeit überrascht hat. Ansonsten sind es aber freilich Schauwerte und ein überzeugendes Produktions-Design, die Alien: Covenant zu einem Erlebnis machen, zumal allein der vermeintliche Twist am Ende sicherlich niemanden hinter dem Ofen hervorlocken wird. Im Kontext des Gezeigten funktioniert aber selbst dies auffallend gut und auch wenn der Film sich quasi hat verbiegen müssen, um wieder mehr den Sehgewohnheiten der geneigten Alien-Fangemeinde zu entsprechen (die wohl trotzdem in weiten Teilen ziemlich unglücklich mit dem Endergebnis gewesen ist), gefiel mir dieser erneute Abstecher nach LV-223 doch bedeutend besser. Nicht zuletzt, da hier die Mischung aus philosophischem Diskurs und brachialem Horror deutlich besser aufgeht, als dies bei dem Quasi-Stand-Alone-Prequel der Fall gewesen ist, denn speziell mit den bemühten Themen und Verweisen, von "Ozymandias" über den "Einzug der Götter in Walhall" bis hin zu Dantes "Göttliche Komödie", wirkt Scotts zweites Alien-Prequel sowohl durchdachter als auch stringenter, auch wenn sich die unterschiedlichen Versatzstücke und Ausrichtungen des Films sicherlich noch besser hätten ineinanderfügen lassen.

Fazit & Wertung:

Mit Alien: Covenant gelingt es Ridley Scott zwar nicht, an seinen Science-Fiction-Horror-Klassiker heranzureichen, doch gefällt das Ergebnis aus blutigem Body-Horror, Survival-Thrill und philosophischer Sinnsuche hier durchaus, zumal insbesondere Michael Fassbender – diesmal gar in einer Doppelrolle – erneut zu brillieren versteht und die zweite Filmhälfte beinahe spielend an sich reißt. Zwar hätten die weiteren Rollen durchaus etwas mehr Tiefe vertragen können, doch opulente Schauwerte und eine konsequent Spannung aufbauende Atmosphäre trösten darüber zumindest teilweise hinweg.

7 von 10 fremdartigen, höchst aggressiven Organismen

Alien: Covenant

  • Fremdartige, höchst aggressive Organismen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Mit Alien: Covenant gelingt es Ridley Scott zwar nicht, an seinen Science-Fiction-Horror-Klassiker heranzureichen, doch gefällt das Ergebnis aus blutigem Body-Horror, Survival-Thrill und philosophischer Sinnsuche hier durchaus, zumal insbesondere Michael Fassbender – diesmal gar in einer Doppelrolle – erneut zu brillieren versteht und die zweite Filmhälfte beinahe spielend an sich reißt. Zwar hätten die weiteren Rollen durchaus etwas mehr Tiefe vertragen können, doch opulente Schauwerte und eine konsequent Spannung aufbauende Atmosphäre trösten darüber zumindest teilweise hinweg.

7.0/10
Leser-Wertung 6/10 (2 Stimmen)
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Alien: Covenant ist am 21.09.17 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

Eine Reaktion

  1. bullion 3. Oktober 2018

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