Review: Das Morgan Projekt (Film)

Und weiter geht die wilde Fahrt mit der nächsten – und für diese Woche ersten – Film-Kritik, bei deren Lektüre ich wie gewohnt viel Freude wünsche.

Das Morgan Projekt

Morgan, USA 2016, 92 Min.

Das Morgan Projekt | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Luke Scott
Autor:
Seth W. Owen

Main-Cast:

Kate Mara (Lee Weathers)
Anya Taylor-Joy (Morgan)
Toby Jones (Dr. Simon Ziegler)
Rose Leslie (Dr. Amy Menser)
Boyd Holbrook (Skip Vronsky)
Michelle Yeoh (Dr. Lui Cheng)
Jennifer Jason Leigh (Dr. Kathy Grieff)
Paul Giamatti (Dr. Alan Shapiro)

Genre:
Action | Horror | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Das Morgan Projekt | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Seit nunmehr fünf Jahren zieht eine kleine Gruppe Wissenschaftler in einer abgeschiedenen Forschungseinrichtung ein mittels Nanotechnologie künstlich erschaffenes Wesen auf, das sie Morgan getauft haben. Als es aber eines Tages zu einem blutigen Zwischenfall kommt und eine der Wissenschaftlerinnen nicht unmaßgeblich verletzt wird, entsendet der verantwortliche Konzern die Risikomanagerin Lee Weathers, die den Fall in Augenschein nehmen soll, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Während für Weathers das Subjekt nur ein "Es" ist, wird ihr schnell klar, dass vom Chefwissenschaftler Ziegler bis hin zur Verhaltensforscherin Menser das Team Morgan mittlerweile beinahe als ihre eigene Tochter betrachtet. Eine objektive Beurteilung fällt da mitnichten leicht, doch Weathers ist bemüht, sich kein vorschnelles Urteil zu bilden. Als dann aber verspätet der ebenfalls hinzugezogene Psychologe Dr. Shapiro eintrifft, kommt es zu einem weiteren Zwischenfall mit Projekt Morgan…

Rezension:

Mit Das Morgan Projekt hat Luke Scott – Sohn von Regie-Legende Ridley Scott – 2016 sein Regie-Debüt abgeliefert und nachdem dieses vor nicht allzu langer Zeit schon im Fernsehen lief, bin ich nun auch dazu gekommen, mir die Blu-ray zu Gemüte zu führen. Nicht nur hinsichtlich der Besetzung, sondern natürlich vor allem in Bezug auf die Thematik verspricht dieses Debüt derweil ein spannendes Stück Film zu werden, das mit seinen rund anderthalb Stunden ansprechend griffig ausfällt. Und tatsächlich entfaltet sich bereits in den ersten Minuten und somit der Ankunft von Risikomanagerin Lee Weahters eine vorbildlich eindringliche Atmosphäre, während man zunächst rätselt, ob und was die Wissenschaftler zu verbergen haben mögen, ob sie Weathers bewusst von Morgan fernzuhalten versuchen und wie sich dieses erste Treffen letztlich gestalten wird. Und bereits die Eröffnungsszene punktet mit visuell einfallsreicher Inszenierung und einem schönen Schockmoment, derweil die dort benutzte Draufsicht dazu führt, dass man die stets Kapuze tragende Morgan zunächst nicht zu Gesicht bekommt (wenn man sich einen Blick auf das Cover verkneift).

Szenenbild aus Das Morgan Projekt | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Nicht von ungefähr erinnert dabei Das Morgan Projekt zunächst auch frappant an den (auch von mir) gefeierten Ex Machina, auch wenn sich hier eine andere Ausgangslage präsentiert und die kammerspielartige Atmosphäre nicht annähernd so ausgeprägt ist, gleichwohl die abgeschiedene Forschungseinrichtung in sich schon eine spürbare Begrenzung des Settings darstellt. Jedoch verfolgt Luke Scott auf lange Sicht ein gänzlich anderes Konzept, als die erste Filmhälfte vermuten lassen würde, denn so sehr er sich auch den Fragen nach dem (Selbst-)Verständnis einer künstlichen Intelligenz widmet, auslotet, ab wann man von einer "Sie", bis wohin man von einem "Es" sprechen würde, woher Morgan ihre Emotionen hat und ob sie im klassischen Sinne als "echt" zu bewerten sind, tritt das alles in der zweiten Hälfte deutlich in den Hintergrund.

Ausschlaggebend für diesen Stimmungs- und Themenwandel ist derweil der Besuch des Psychologen Dr. Shapiro (Paul Giamatti, Love & Mercy), der in einer beklemmend intensiven Szene Morgan spürbar in die Defensive drängt, um sie von dort aus der Reserve zu locken, doch so überzeugend diese Konversation auch geraten sein mag, markiert sie doch auch den Moment, ab dem Das Morgan Projekt qualitativ spürbar einbüßt. Denn alsbald geht es Scott und Drehbuchautor Seth W. Owen nicht mehr darum, ihre doch hochspannenden Themen zu verhandeln, sondern lieber einen reißerischen Thriller zu generieren, was nicht grundsätzlich zu verurteilen sein mag, hier aber wenig innovativ und reichlich generisch in Szene gesetzt wird, wenn man von einzelnen Szenen einmal absieht. Visuell kann sich der Film zwar auch und insbesondere in der zweiten Hälfte sehen lassen, büßt aber darüber hinaus einiges an Faszination ein, zumal dieser thematische Richtungswechsel in diesem Ausmaß gar nicht notgetan hätte, um nicht dennoch eine spannende und packende Geschichte zu erzählen, womit Scotts Film einen ähnlichen Weg geht wie der jüngst an dieser Stelle besprochene Patient Zero, dessen zweite Hälfte ihm auch mehr schadet als nützt.

Szenenbild aus Das Morgan Projekt | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Zum Glück gibt es aber auf Darstellerseite einige Faktoren, die den Film davor bewahren, in die gänzliche Belanglosigkeit abzurutschen, denn nicht nur überzeugt unter anderem Toby Jones (Wayward Pines) in gewohnter Manier, nein, auch die aus Game of Thrones bekannte Rose Leslie macht hier als Verhaltensforscherin Dr. Menser eine gute Figur, während Kate Mara (Transcendence) die hinzugezogene Weathers angenehm ambivalent, neugierig und gleichsam professionell zurückhaltend, verkörpert. Vor allem anderen aber begeistert Anya Taylor-Joy in ihrer hier zweiten Hauptrolle als Morgan, bevor man sie in Filmen wie Split oder Vollblüter hat bestaunen können. Nichtsdestotrotz ist es natürlich ärgerlich, dass die vielversprechende erste Hälfte des Films nunmehr aufgefangen werden muss von der ansprechenden Inszenierung und dem ausgesuchten Cast, um auch noch in der zweiten Hälfte zumindest als solide inszeniert gelten zu können, denn hier werden Möglichkeiten en masse verschenkt. Den finalen Twist, der noch dazu mehr als offensichtlich im Mittelteil angeteasert wird, hätte man sich in seiner schlussendlichen Profanität im Übrigen auch sparen können und wäre folglich besser damit gefahren, den ursprünglich eingeschlagenen Weg beizubehalten. Für eine Sichtung taugt Das Morgan Projekt dennoch, doch wäre es schöner gewesen, wenn Luke Scott sich hätte entscheiden können, ob er ein Drama oder einen Thriller inszeniert – oder zumindest beide Ansätze besser miteinander verknüpft hätte.

Fazit & Wertung:

In seinem Regie-Debüt Das Morgan Projekt liefert Luke Scott zwar einiges an Schauwerten und überzeugenden Einzelszenen, wartet vor allem aber mit einer spannenden Prämisse auf, doch in der zweiten Hälfte entgleitet ihm die Dramaturgie des Gezeigten zusehends und nach vielversprechendem Start rutscht die Produktion in die Belanglosigkeit generischer Action-Thriller, was dann auch die hochkarätigen DarstellerInnen nicht mehr gänzlich aufzufangen wissen.

6 von 10 aggressiven Affekthandlungen

Das Morgan Projekt

  • Aggressive Affekthandlungen - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

In seinem Regie-Debüt Das Morgan Projekt liefert Luke Scott zwar einiges an Schauwerten und überzeugenden Einzelszenen, wartet vor allem aber mit einer spannenden Prämisse auf, doch in der zweiten Hälfte entgleitet ihm die Dramaturgie des Gezeigten zusehends und nach vielversprechendem Start rutscht die Produktion in die Belanglosigkeit generischer Action-Thriller, was dann auch die hochkarätigen DarstellerInnen nicht mehr gänzlich aufzufangen wissen.

6.0/10
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Das Morgan Projekt ist am 29.03.17 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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