Review: Terminal – Rache war nie schöner (Film)

Auch diese Woche gedenke ich euch natürlich mit einigen Film-Kritiken zu versorgen und den Anfang macht dieses – meiner Meinung nach zu Unrecht – an vielen Stellen gescholtene Werk, das Ende der Woche Heimkinopremiere feiern wird, mich aber schon jetzt unterhalten durfte.

Terminal
Rache war nie schöner

Terminal, IE/UK/HK/HU/USA 2018, 95 Min.

Terminal - Rache war nie schöner | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Vaughn Stein
Autor:
Vaughn Stein

Main-Cast:

Margot Robbie (Annie)
Simon Pegg (Bill)
Dexter Fletcher (Vince)
Max Irons (Alfred)
Mike Myers (Clinton / Mr. Franklyn)

Genre:
Krimi | Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Terminal - Rache war nie schöner | © Universum Film
© Universum Film

Der todkranke Englischlehrer Bill findet sich zum Sterben im nächtlichen Bahnhof ein, doch der Zug, vor den sich zu werfen er gedachte, kommt nicht, weshalb es ihn in ein nahes Diner verschlägt, wo ihm die kesse Kellnerin Annie begegnet, die prompt fasziniert ist von seinem morbiden Gebaren, weshalb sie es sich zum Ziel setzt, mit ihm den idealen Selbstmord auszubaldowern. In einer anderen Nacht begegnen der Auftragskiller Vince und dessen Protegé Alfred derselben Kellnerin, die im Dienste ihres geheimnisvollen Auftraggebers zu stehen scheint und ihnen in der Folge noch an anderen, unmöglichen Orten begegnen wird. Gleichwohl scheint aber alles immer wieder in dem nächtlichen Bahnhof zusammenzulaufen, wo auch der merkwürdige Hausmeister Clinton allabendlich seine Nachtschicht antritt…

Rezension:

Mitunter einer meiner ersten Gedanken bei der Sichtung von Terminal – Rache war nie schöner war, dass so in etwa wohl Sin City ausgesehen hätte, wenn man es statt in Schwarz-Weiß in grellen Neonfarben – bei gleichbleibender Düsternis freilich – inszeniert hätte. Schon nach wenigen Minuten könnte man sich nämlich auf die Annahme versteifen, dass Vaughn Steins Spielfilm-Debüt sich dem Credo von "Style-over-Substance" verschrieben hätte, denn hier ist wirklich alles überstilisiert und gleichsam nihilistisch geraten, wirkt künstlich, verfremdet und surreal, was sicherlich auch eine gute Portion vom Reiz des Gezeigten ausmacht. Das präsentiert sich recht schnell als regelrecht phantasmagorische, abgründig geratene Märchen-Variation, dessen unverhohlene Anleihen bei Alice im Wunderland nicht etwa bloß Mittel zum Zweck darstellen, sondern tatsächlich tief in der eigentlichen Handlung verankert sind. Nichtsdestotrotz handelt es sich aber ohne Frage um einen Film, an dem sich allein schon seiner eigenwilligen Inszenierung wegen die Geister scheiden werden, wobei ich zugeben muss, dass Steins Werk – das Drehbuch stammt ebenfalls aus dessen Feder – teilweise nicht annähernd so clever geraten ist, wie es gern sein würde.

Szenenbild aus Terminal - Rache war nie schöner | © Universum Film
© Universum Film

Nichtsdestotrotz führt der Regisseur und Autor recht erfolgreich in den Kaninchenbau, der hier eben in Gestalt einen nächtlichen Bahnhofes daherkommt und legt gekonnt falsche Fährten, denn während sich die Geschichte anfänglich beinahe schon episodisch präsentiert und unterschiedliche, zeitlich nicht exakt zu verortende Handlungsstränge eröffnet, meint man einige der im letzten Drittel auf den Plan tretenden Twists schon drei Meilen gegen den Wind zu riechen. Mit diesen Annahmen mag man dann gar in den meisten Fällen sogar Recht behalten, doch vermag es Stein, diesbezüglich oft noch einen draufzusetzen, so dass man letztlich doch nur die halbe Wahrheit vorherzusagen wusste und fasziniert der Komplettierung des Gesamtbildes beiwohnen darf. Das funktioniert freilich gerade deshalb so gut, weil Margot Robbie (Suicide Squad) hier einmal mehr zur Höchstform auflaufen darf und den Film mit ihrem facettenreichen Spiel mühelos zu dominieren versteht, indem sie ihre Annie in jedem Moment als gleichermaßen verführerische wie undurchschaubare Strippenzieherin inszeniert, die gleichermaßen mit ihrer gespielten Unschuld kokettiert, wie sie die Geschicke der weiteren Akteure behutsam in die von ihr gewünschten Bahnen lenkt.

So mag man zwar nicht das Gefühl haben, dass ihre männlichen Partner oder Kontrahenten ihr auch nur einen Moment ebenbürtig sein könnten, doch tut das der Faszination von Terminal kaum einen Abbruch, da sich der Film in seiner Dramaturgie ohnehin nicht auf klassischen Spannungsaufbau konzentriert, sondern seinen Reiz voll und ganz aus den mehr oder minder skurrilen oder stilisierten Situationen zieht und dem langsamen Zusammensetzen der einzelnen Mosaiksteine, die letztlich ein durchaus stimmiges Gesamtbild ergeben, auch wenn man die inhärente Logik bei einem so offenkundig konstruierten Film nicht allzu sehr hinterfragen sollte. Leider stört es in dem Zusammenhang allerdings ein wenig, dass Robbies Figur im Grunde das einzige, wirklich verbindende Element der einzelnen Storylines darstellt, wenn man vom namensgebenden Terminal einmal absieht, denn so ereignen sich die Dinge zunächst autark und isoliert, bevor man sie zumindest erzählerisch am Ende verknüpft. Darunter leidet zwar nicht die wie immer begeisterungswürdige, diesmal ungewohnt melancholisch-pessimistische Performance eines Simon Pegg (Kill Me Three Times), schmälert aber im Kontext ein wenig die Bedeutung seiner Figur.

Szenenbild aus Terminal - Rache war nie schöner | © Universum Film
© Universum Film

Ähnlich ergeht es freilich auch dem Auftragskiller-Duo Vince (Dexter Fletcher) und Alfred (Max Irons; The Riot Club), die aber immerhin noch miteinander agieren können, statt sich einzig auf Annie fokussieren zu müssen (wobei die Szenen zwischen Robbie und Pegg beinahe ausnahmslos großartig geraten sind). Das allerdings ist auch nicht immer ein Segen, zumal es einen Teil der Geschichte gibt, der die beiden in einer heruntergekommenen Mietwohnung zusammenpfercht und hier schleichen sich gar leichte Längen ein, da die Geschichte kaum merklich vorangebracht wird und der immens durchkonstruierte Charakter von Terminal hier besonders deutlich durchscheint. Nichtsdestotrotz wusste mich der Film mit seinem eigenwilligen und durchaus einzigartigen Flair zu fesseln und die positiven Aspekte überwiegen bei weitem, auch wenn es besondere Glanzmomente gibt, die aufzeigen, dass auch der Rest noch deutlich flüssiger und souveräner hätte inszeniert werden können. Die meiste Zeit allerdings werden diese kleinen Unpässlichkeiten von Margot Robbies Charisma und Präsenz allerdings mit Leichtigkeit überstrahlt.

Fazit & Wertung:

Vaughn Steins Spielfilm-Debüt Terminal – Rache war nie schöner ist durchaus eigenwillig geraten und wirkt zuweilen wie ein gewollt stylisch anmutendes Potpourri aus allerhand Versatzstücken, doch der morbid-märchenhafte Charakter des Ganzen sowie eine glänzend aufspielende Margot Robbie verleihen dem bewusst reduziert gehaltenen Geschehen eine eigenwillige Faszination und ein fesselndes Flair, das man allerdings freilich mögen und schätzen muss, um sich für diese ambitionierte Genre-Mixtur erwärmen zu können.

7,5 von 10 flackernden Neonreklamen

Terminal - Rache war nie schöner

  • Flackernde Neonreklamen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Vaughn Steins Spielfilm-Debüt Terminal - Rache war nie schöner ist durchaus eigenwillig geraten und wirkt zuweilen wie ein gewollt stylisch anmutendes Potpourri aus allerhand Versatzstücken, doch der morbid-märchenhafte Charakter des Ganzen sowie eine glänzend aufspielende Margot Robbie verleihen dem bewusst reduziert gehaltenen Geschehen eine eigenwillige Faszination und ein fesselndes Flair, das man allerdings freilich mögen und schätzen muss, um sich für diese ambitionierte Genre-Mixtur erwärmen zu können.

7.5/10
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Terminal – Rache war nie schöner erscheint am 16.11.18 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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