Review: The Riot Club – Alles hat seinen Preis (Film)

Auch heute ein paar Worte zu einem sicherlich vergleichsweise wohl eher unbekannten Werk, von dem ich mir zugegebenermaßen in diesem Fall allerdings deutlich mehr erhofft habe, denn irgendwie fehlte mir hier die Quintessenz, das Fazit, die Moral von der Geschicht, schlicht irgendwas, das die Sache rund erscheinen lässt. Aber lest selbst!

The Riot Club
Alles hat seinen Preis

The Riot Club, UK 2014, 107 Min.

The Riot Club - Alles hat seinen Preis | © Prokino/EuroVideo
© Prokino/EuroVideo

Regisseur:
Lone Scherfig
Autorin:
Laura Wade

Main-Cast:
Sam Claflin (Alistair Ryle)
Max Irons (Miles)
Douglas Booth (Harry Villiers)
Jessica Brown Findlay (Rachel)
Holliday Grainger (Lauren)
in weiteren Rollen:
Freddie Fox (James)
Ben Schnetzer (Dimitri)
Tom Hollander (Jeremy)
Natalie Dormer (Charlie)
Olly Alexander (Toby)

Genre:
Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Riot Club - Alles hat seinen Preis | © Prokino/EuroVideo
© Prokino/EuroVideo

Der aus gutem Hause stammende Miles ist frisch an der Oxford University eingetroffen, als er das erste Mal den Einfluss und das Ansehen echten Adels zu spüren bekommt, der ihm in Gestalt von Alistair Ryle begegnet. Dessen älterer Bruder war Mitglied des berühmt-berüchtigten Riot Club und so schickt sich auch Alistair an, Teil der Verbindung zu werden, die aus nicht einmal mehr zehn Mitgliedern besteht. Ansinnen des Riot Club ist es schlicht und ergreifend, ausladenden Exzessen zu frönen und sich dabei mit Alkohol, Drogen und Frauen zu vergnügen und auch wenn Miles auf den ersten Blick nicht in deren Welt zu passen scheint, lässt er sich bereitwillig verlocken, als ihm eine Mitgliedschaft in Aussicht gestellt wird. Nach erwartungsgemäß erniedrigenden Initiationsritualen ist die Aufnahme von Alistair und Miles beschlossene Sache und zur Feier des Tages mietet man sich zum Jahresdinner in einem auswärts gelegenen Pub ein, schließlich genießt der Riot Club aus schnell offenkundig werdenden Gründen innerhalb der Stadt längst überall Hausverbot…

Rezension:

Filme, basierend auf Theaterstücken, üben auf mich ja durchaus eine gewisse Anziehung aus und Werke wie Der Gott des Gemetzels oder Im August in Osage Conuty unterstreichen eindrucksvoll, was mit reduzierter Inszenierung und umso eindringlicherem Spiel qualitativ alles möglich ist. Bei The Riot Club handelt es sich nun ebenfalls um die Adaption eines Theaterstücks, für deren Inszenierung die dänische Regisseurin Lone Scherfig verantwortlich zeichnet, die mir unter anderem durch die Literatur-Adaption Zwei an einem Tag bereits ein Begriff gewesen ist. Das Skript zum Film stammt derweil von Laura Wade, die hier ihr eigenes Bühnenstück Posh zu adaptieren trachtete, was grundsätzlich erst einmal für eine gewisse Qualität sprechen würde, denn wer wäre vertrauter mit den Themen und der Marschrichtung des Stücks als deren Urheberin? Und tatsächlich ist der Film auch souverän inszeniert, wohingegen die Botschaft des Films, dessen Intention und Absichten, für mich schließlich ein großes Rätsel geblieben sind, was leider in letzter Konsequenz zu einem doch sehr ernüchternden Filmerlebnis geführt hat.

Reduziert und verdichtet geht es derweil aber auch hier zur Sache, dann nach einer ausladenden Einleitung, die den von Max Irons verkörperten Miles als Neuankömmling am ehrwürdigen Oxford College in Stellung bringt und gleich die weiteren handelnden Figuren – allen voran den gut betuchten wie charismatischen, von Sam Claflin (Ein ganzes halbes Jahr) gespielten Alistair – vorstellt, geht es recht bald in Richtung des gutbürgerlichen Etablissements "Bull’s Head". Dort entwickelt sich The Riot Club in Windeseile zu einem regelrechten Kammerspiel, auch wenn das Ensemble dafür doch beinahe zu groß ist. Nichtsdestotrotz zählt die zweite Filmhälfte zum weitaus überzeugenderen Teil des Films, der mich wahrscheinlich auch hätte abholen können, wenn die satirisch bewusst überhöhte Farce schlussendlich eine tiefere Bedeutung erfahren würde. Leider geht die Message des Films aber im Grunde zu keinem Zeitpunkt darüber hinaus, dass die Oberschicht, die Elite sich quasi alles erlauben darf und dann noch ungestraft davonkommt. So haben wir es mit einem einseitig negativen, mit Nachdruck auf die Spitze getriebenem Feindbild zu tun, das sich als männliche Klientel aus gutsituiertem Hause gibt.

Szenenbild aus The Riot Club - Alles hat seinen Preis | © Prokino/EuroVideo
© Prokino/EuroVideo

Da mag sicherlich etwas dran sein, doch differenzieren Scherfig und Wade hier in keiner Weise und setzen dem noch nicht einmal durchdachte und charakterlich ausformulierte weibliche Rollen entgegen. Natürlich mag es zur Botschaft des Films gehören, dass insbesondere Frauen von der selbstredend vornehmlich weißen, männlichen Oberschicht objektiviert werden, doch hätte man gerade in dieser Hinsicht einen gelungenen Kontrapunkt setzen können, der darüber hinausgeht, dass eine von Natalie Dormer (The FadesX-LINKPRÜFEN) verkörperte Prostituierte namens Charlie sich ungeachtet des Geldes weigert, den Wünschen der dekadenten Riot-Club-Runde nachzukommen, was denen in ihrem Irrglauben, mit Geld könne man alles kaufen, einen ersten Dämpfer versetzt, dem sie natürlich nur mit Aggression zu begegnen wissen. So ist es tatsächlich (mit Ausnahmen) samt und sonders die weibliche Belegschaft, ebenfalls vertreten durch Holliday Grainger sowie Jessica Brown Findlay (Victor Frankenstein), die den Oberschichtsprösslingen die Stirn bieten, als Figur aber eben sehr blass bleiben. Ähnlich verhält es sich leider auch mit Max Irons‘ Miles, der sich in weiten Teilen bereitwillig von den Mitgliedern des Riot Club verführen lässt, an deren zunehmend ausufernden Eskapaden und Exzessen teilzunehmen und sich wenn überhaupt nur zaghaft zur Wehr setzt, was gleichsam keine spannende Figurenentwicklung begünstigt, die doch zumindest mit einer Art Katharsis zu einem überzeugenden Abschluss hätte gebracht werden können. Interessanter – und deutlich polarisierender – vermag sich da schon Sam Claflin als Alistair in Szene zu setzen, doch liegt das wiederum allein im großen Gestus seiner Figur begründet und nicht etwa einer differenzierten Charakterzeichnung.

Szenenbild aus The Riot Club - Alles hat seinen Preis | © Prokino/EuroVideo
© Prokino/EuroVideo

So mangelt es The Riot Club schlichtweg an Identifikationsfiguren, um zum Mitfiebern verleiten zu können, denn die von der Elite verhasste Unterschicht bekommt wenn überhaupt in Gestalt des Wirts vom "Bull’s Head" eine Stimme verliehen, der Sündenfall von Miles könnte uninteressanter kaum sein und die Haltung von Alistair entbehrt jeglicher Einsicht oder Veränderung. All das zusammengenommen unterstreicht sicherlich die Botschaft des Werkes, wie von Laura Wade beabsichtigt, nur ist die eben wenig überraschend, bewusst undifferenziert und natürlich nach Möglichkeit mit der Holzhammer-Methode vorgetragen. In der Summe hat der Film zweifelsohne seine Momente und nach einem etwas behäbigen Einstieg ist der Part im "Bull’s Head" speziell durch seine satirische Überspitzung durchaus gelungen, während die Darsteller – und mehr noch die Darstellerinnen – in einzelnen Szenen zu glänzen wissen, doch muss man schon ein ausgeprägtes Faible dafür besitzen, einer Schar verwöhnter Oberschicht-Studenten beim sukzessiven Eskalieren beizuwohnen, denn viel mehr vermag der Film an Quintessenz dann doch nicht zu vermitteln, außer, dass das schon alles in Ordnung geht, obwohl es nicht in Ordnung ist – dafür hätte es aber keines ganzen Films bedurft.

Fazit & Wertung:

Lone Scherfigs The Riot Club schickt sich an, die Dekadenz der Oberschicht und den Klüngel des Geldadels zu kritisieren, kommt dabei aber selten über Plattitüden und Stereotypen hinaus und lässt in seiner satirischer Überhöhung eine gewisse Differenziertheit missen. Noch störender allerdings erweist sich das Fehlen einer Identifikationsfigur, die das zunehmend eskalierende Treiben recht unbeteiligt vor dem Auge ablaufen lässt, um in eine zwar konsequente, aber auch wenig überraschende Auflösung zu münden.

5 von 10 dekadenten Club-Mitgliedern

The Riot Club

  • Dekadente Club-Mitglieder - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Lone Scherfigs The Riot Club schickt sich an, die Dekadenz der Oberschicht und den Klüngel des Geldadels zu kritisieren, kommt dabei aber selten über Plattitüden und Stereotypen hinaus und lässt in seiner satirischer Überhöhung eine gewisse Differenziertheit missen. Noch störender allerdings erweist sich das Fehlen einer Identifikationsfigur, die das zunehmend eskalierende Treiben recht unbeteiligt vor dem Auge ablaufen lässt, um in eine zwar konsequente, aber auch wenig überraschende Auflösung zu münden.

5.0/10

The Riot Club – Alles hat seinen Preis ist am 05.03.15 auf DVD und Blu-ray bei Prokino im Vertrieb von EuroVideo erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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