Review: Star Wars: Canto Bight | Saladin Ahmed | Mira Jackson | Rae Carson | John Jackson Miller (Buch)

Das Star Wars Universum

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Gönnen wir dem neuen Jahr doch gleich mal wieder eine ordentliche Dosis Star Wars, nachdem ich gefühlte Ewigkeiten darauf gewartet habe, dass Canto Bight endlich auch auf Deutsch erscheint.

Journey to Star Wars: Die letzten Jedi

Star Wars
Canto Bight

Star Wars: Canto Bight, USA 2017, 448 Seiten

Star Wars: Canto Bight | © Blanvalet
© Blanvalet

Autoren:
Saladin Ahmed (Die Regeln des Spiels)
Mira Jackson (Der Wein in Träumen)
Rae Carson (Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen)
John Jackson Miller (Der Ritt)
Übersetzer:
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16173-5

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Ungeachtet des in der Galaxis erneut aufziehenden Krieges verläuft das Leben in der Casino-Stadt Canto Bight wie eh und je und ist geprägt von Glücksspiel und Betrügereien, findigen Opportunisten und Verbrechern sowie einer schillernden Fassade, die den Sündenpfuhl zu kaschieren versucht. Hierhin verschlägt es auch den gutgläubigen Kedpin bei seiner ersten Urlaubsreise seit Jahrzehnten, während Derla ihren Ruf als exquisite Weinhändlerin zu pflegen gedenkt. Masseur Lexo derweil gerät mit einem der Unterweltbosse von Canto Bight aneinander und muss um das Leben seiner Tochter fürchten, während Glücksspieler Cal in eine Misere gerät, die ihn vor die schier unlösbare Aufgabe stellt, binnen einer Nacht nicht weniger als 800.000 Cantocoins zu gewinnen…

Rezension:

Mit Star Wars: Canto Bight ist vergangenen Monat nicht nur die erste Kurzgeschichten-Sammlung des neuen Kanons, sondern auch ein weiterer Vertreter der Journey to Star Wars: Die letzten Jedi-Reihe erschienen, also nur ein gutes Jahr nachdem der dazu passende Film Die letzten Jedi im Kino angelaufen ist. Zum Glück sind die hierin enthaltenen Geschichten aber in keiner Weise essentiell für den Genuss des Films, wie es ja auch schon bei den anderen Vertretern der Reihe der Fall war, doch hätte ich mir dennoch eine etwas zeitigere Veröffentlichung der deutschen Ausgabe seitens Blanvalet gewünscht. Darum soll es aber freilich nicht gehen, sondern vielmehr die insgesamt vier enthaltenen Geschichten, die sich auf jeweils rund hundert Seiten erstrecken und gemeinsam ein schönes Bild von Canto Bight zeichnen, ohne dass hier auch nur eine der bekannten Filmfiguren überhaupt Erwähnung findet. Das für sich genommen ist schon ein ziemliches Novum, wobei andererseits böse Zungen behaupten könnten, die Geschichten hätten sich dergestalt in jedem beliebigen Universum ansiedeln lassen, denn abgesehen von ein wenig Name-Dropping und dem prominenten Schauplatz sowie einigen bekannten Spezies sind die Geschichten tatsächlich recht losgelöst von dem, was man gemeinhin unter Star Wars versteht.

Die Limousine schwebte davon, und Kedpin blickte sich um. Humanoide diverser Formen und Größen schlenderten über einen Platz, der mit perlmuttartig glänzenden Steinen gepflastert war. An seinen Rändern standen die alderaanischen Chinarbäume, die er so oft in den Holovids gesehen hatte, und in seiner Mitte befand sich ein gewaltiger, marmorner Brunnen, dessen Wasser eine beruhigende Musik erzeugte, während es über mehrere Stufen floss.

Ich für meinen Teil habe diesen Ansatz aber auch als ungemein erfrischend und abwechslungsreich wahrgenommen, zumal die Kürze der Geschichten förmlich dazu einlädt, diese jeweils am Stück zu verschlingen, was in Anbetracht der durchweg kurzweiligen Schreibe der vier verpflichteten Autoren auch problemlos möglich ist. Den Auftakt macht hierbei Die Regeln des Spiels und hier widmet sich Saladin Ahmed einen Attentäter, der auf der Suche nach einem geeigneten Bauernopfer ist, was er in Gestalt des unbedarften Evaporator-Verkäufers Kedpin Shoklop gefunden zu haben scheint. Die Geschichte selbst mag nicht unbedingt vom Hocker reißen, doch sorgen die von Kapitel zu Kapitel wechselnde Perspektive und das langsame Zusammenraufen der beiden Protagonisten für eine schöne Dynamik, zumal es Ahmed wunderbar gelingt, durch die Augen des von außerhalb stammenden Kedpin eine Art Skizze des schillernden Canto Bight vor dem inneren Auge entstehen zu lassen, die dann wiederum auch als Grundstein für die nachfolgenden Geschichten dienen darf.

Es schließt sich mit Der Wein in Träumen aus der Feder von Mira Grant mein persönlicher Tiefpunkt des Buches an, denn auch wenn die Geschichte mitnichten schlecht oder langweilig geraten ist, hat mich das Gezänk um einen überaus kostbaren wie seltenen Wein einfach nicht richtig abholen können, auch wenn Grant hier einige interessante Situationen entwirft und spannende Figuren ins Feld führt, die teils später noch Erwähnung finden werden. Nichtsdestotrotz die Story, auf die ich am ehesten hätte verzichten können. Dafür allerdings folgt hierauf wiederum mein persönliches Highlight des Buches mit Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen von Rae Carson, das allein dadurch gewinnt, dass die Geschichte samt und sonders aus der Sicht seiner Hauptfigur Lexo geschildert wird und dadurch deutlich mehr Gelegenheit bietet, selbigen zu charakterisieren. Zudem ist Lexo alsbald von der elementaren Motivation getrieben, seine Ziehtochter Lula zu retten, was die Spannungskurve des Ganzen deutlich in die Höhe treibt, so dass die Story nicht nur im direkten Vergleich zu Der Wein in Träumen deutlich packender und actionreicher wirkt und ist.

Wenn er ehrlich mit sich war – und Anglang Lehet versuchte, immer ehrlich mit sich zu sein –, dann hatte er bei diesem Job ein mieses Gefühl. Es ging nicht um das Ziel; Officer Brawg war augenscheinlich die Art zähneausschlagender Abschaum, die den Tod verdiente. Es ging auch nicht um den Plan; der war perfekt und kreativ – die Art Plan, bei deren Ausarbeitung Anglangs Puls höherschlug. Die einzige Herausforderung war logistischer Natur, und dank des verschluckten Detonators sollte es in der Hinsicht keine Probleme geben. Aber nachdem Anglang diesen dummen, von allem und jedem überraschten Trottel eine Weile beobachtet hatte, war der Gedanke, ihn in tausend Fetzen zu sprengen … Nun, es fühlte sich ein wenig falsch an.

Schlussendlich lässt man dann noch John Jackson Miller zu Wort kommen, der bereits einige Star Wars-Romane auf dem Kerbholz hat (zuletzt Eine neue Dämmerung) und hier Der Ritt beisteuern durfte, eine ungemein kurzweilige wie dynamische Glücksspieler-Geschichte, bei der das Leben der Hauptfigur Cal stets auf Messers Schneide zu stehen scheint und die sich durch gehörigen Esprit auszeichnet, wenngleich man hier manche Prämisse wirklich einfach schlucken muss, um Spaß an der Geschichte zu haben. Abgesehen davon aber, dass hier auch Kedpin aus der ersten Story noch einmal kurz in Erscheinung tritt, teilen sich die unterschiedlichen Geschichten hauptsächlich den übergeordneten Handlungsort und einige spezifischere Etablissements, was ein wenig dem vollmundigen Klappentext-Versprechen Vier miteinander verbundene Kurzgeschichten – ein großes Abenteuer! widerspricht, aber das ist halt Marketing. Ich hatte auf alle Fälle mit allen Vertretern dieses Bandes gehörigen Spaß und empfand es als sehr schön, mich einmal nicht mit dem Imperium oder der Ersten Ordnung, den Rebellen oder dem Widerstand, den Jedi oder den Sith zu beschäftigen, sondern mich mehr dem alltäglichen Treiben einer schillernden Metropole zu widmen, das nicht minder interessant und erzählenswert daherkommt als die sonst doch weitaus epischeren Vertreter der zunehmend üppiger werdenden Star Wars-Bibliothek. Wer diesem Ansatz allerdings nichts abzugewinnen meint, der kann getrost einen Bogen um Canto Bight machen, ohne auch nur irgendetwas Wichtiges verpasst zu haben.

Fazit & Wertung:

Insgesamt vier Autoren machen aus der Kurzgeschichtensammlung Star Wars: Canto Bight ein ungemein abwechslungsreiches wie kurzweiliges Erlebnis, das sich einmal fernab ausgetretener Pfade bewegt und von den galaktischen Konflikten kaum Kenntnis nimmt, denn in Cantonica gehen die Uhren merklich anders und was hier weitaus mehr zählt, ist das nächste Fathier-Rennen.

8 von 10 Verlockungen in Canto Bight

Star Wars: Canto Bight

  • Verlockungen in Canto Bight - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Insgesamt vier Autoren machen aus der Kurzgeschichtensammlung Star Wars: Canto Bight ein ungemein abwechslungsreiches wie kurzweiliges Erlebnis, das sich einmal fernab ausgetretener Pfade bewegt und von den galaktischen Konflikten kaum Kenntnis nimmt, denn in Cantonica gehen die Uhren merklich anders und was hier weitaus mehr zählt, ist das nächste Fathier-Rennen.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und den Autoren findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars: Canto Bight ist am 17.12.18 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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