Review: Star Wars: Phasma | Delilah S. Dawson (Buch)

Das Star Wars Universum

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Und schon wird es wieder Zeit für einen neuen Star Wars-Roman, der sich diesmal müht, ein wenig Licht in das Dunkel einer quasi gesichtslosen Figur zu bringen und dabei tatsächlich auf ganzer Linie überzeugt, ohne zu viel zu verraten.

Journey to Star Wars: Die letzten Jedi

Star Wars
Phasma

Star Wars Phasma, USA 2017, 512 Seiten

Star Wars: Phasma von Delilah S. Dawson | © Blanvalet
© Blanvalet

Autorin:
Delilah S. Dawson
Übersetzer:
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16150-6

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

In den Zeiten des Erstarkens der Ersten Ordnung wird das Schiff der Rebellin Vi Moradi während einer Erkundungsmission vom Traktorstrahl eines Sternzerstörers der Resurgent-Klasse erfasst und im Hangar sieht sie sich einem Mann gegenüber, der ihn eine blutrote Sturmtruppler-Uniform gewandet ist und sie in einen abgeschiedenen Verhörraum bringt. Schnell wird klar, dass die Gestalt, deren Identität Vi längst kennt, auch über die Rebellin weit mehr weiß, als sie zunächst ahnt und so nimmt ein kräftezehrendes Verhör seinen Lauf, in dem der Mann alles nur Mögliche über seine ausgewiesene Erzfeindin Captain Phasma herauszufinden sucht, um sie beim Oberkommando in Misskredit zu bringen. Und so beginnt Vi ihrerseits, eine Geschichte zu erzählen, die vor mehr als einem Jahrzehnt auf dem fernen Planeten Parnassos ihren Anfang nahm und in deren Zentrum eine Stammeskriegerin der Scyre steht, die schon seinerzeit den Namen Phasma trug und alsbald eine schicksalsträchtige Begegnung mit einem Mann namens Brendol Hux haben sollte…

Rezension:

Gute neun Monate nach Erscheinen von Episode VIII hat man nun im jüngst zu Ende gegangenen September seitens Blanvalet die deutsche Ausgabe von Phasma veröffentlicht und liefert damit einen der noch fehlenden Beiträge zur Journey to Star Wars: Die letzten Jedi-Reihe. Dieser widmet sich – der Name verrät es – einer der dank Chrom-Rüstung schillerndsten Figuren der neuen Star Wars-Reihe, wobei der Hype um die Figur ja wohl am ehesten in ihrem imposanten Äußeren begründet liegt, denn erfahren tut man über Captain Phasma in den Filmen freilich herzlich wenig, womit sie sich diesbezüglich ein Schicksal mit Boba Fett teilt, der dem Film-Kanon von damals folgend ja auch eine wortwörtlich gesichtslose Dreingabe gewesen ist. Nun versucht sich Autorin Delilah S. Dawson aber daran, Phasma ein wenig Hintergrund und Tiefe angedeihen zu lassen, wobei es natürlich dahingehend um eine Gratwanderung handelt, dass zu viele Informationen die Figur schnell entmystifizieren würden. Hier wählt Dawson aber einen vielversprechenden Weg, die Hintergrundgeschichte von Phasma in eine Verhörsituation an Bord eines Sternenzerstörers zu betten, so dass die Rebellin Vi Moradi eine nunmehr zehn Jahre zurückliegende Geschichte zum Besten gibt, die ihr wiederum von Siv – einer der damaligen Begleiterinnen von Phasma – erzählt worden ist.

»Was wissen Sie über Captain Phasma?«, blafft er erneut. »Ich weiß, dass Sie auf Parnassos waren, und ich weiß, wer Sie geschickt hat. Ich weiß, dass Sie Informationen über Phasma sammeln sollten. Und jetzt werden Sie mir alles verraten, was Sie herausgefunden haben. Reden sie!«
Ja, als müsste er sie nur anbrüllen, um ihren Willen zu brechen. Aber zu einem Verhör gehören immer noch zwei.
Vi weiß jetzt, dass er sie durchschaut hat. Sie muss ihm etwas geben, andernfalls wird er sie brechen – und zwar schon sehr bald.

Das verleiht Phasma vom ersten Moment an eine ungewöhnliche Dynamik, da die sich auf dem Planeten Parnassos abspielende Geschichte immer wieder unterbrochen wird von Passagen an Bord der Absolution, wo sich Moradi und der verhörende imperiale Captain Cardinal eine Art unterschwelliges Kräftemessen liefern. Cardinal als ausgewiesener Kontrahent von Phasma bleibt zunächst zwar leider ausnehmend blass in seiner Charakterisierung, doch speziell im letzten Drittel des Romans, wenn sich übrigens auch Aufbau und Erzählton noch einmal nachhaltig ändern, versieht Dawson ihn zunehmend mit prägnanten Charakterzügen und lässt weitaus tiefer in dessen Seele blicken, als dies bei der Befragung von Vi der Fall gewesen ist. Der Hauptteil des Buches allerdings spielt sich auf Parnassos ab, dem Heimatplaneten der schon damals schlicht als Phasma bekannten Frau, der dem Star Wars-Kosmos ein in diesem Kontext frisch und unverbraucht wirkendes, postapokalyptisches Setting angedeihen lässt, denn Zivilisation und eine blühende Flora und Fauna gehören hier längst der Vergangenheit an und entsprechend hart ist das Leben für den Stamm der Scyre, zu deren Anführer sich Phasma gemeinsam mit ihrem Bruder Keldo aufgeschwungen hat.

Besagtes Setting erinnert dabei wohl nicht von ungefähr an Mad Max: Fury Road, dessen Soundtrack Dawson beim Schreiben wohl gehört hat, aber es passt auch unbestreitbar gut zu der stoischen Kriegerin, deren Gesicht allein ein Mysterium für sich darstellt und nicht von ungefähr stets hinter einer Maske verborgen geblieben ist. So lässt die Autorin Phasma eine rohe Brutalität angedeihen und versieht sie mit einem ihr eigenen Werte-System und moralischem Kompass, ohne dass man der Figur wirklich näher kommen würde, was aber in diesem Fall ausnahmsweise positiv zu bewerten ist, denn nichts hätte ich ärgerlicher gefunden, als wenn diese Figur durch zu viele Informationen und innere Monologe dekonstruiert worden wäre. Das schenkt sich Dawson aber zum Glück beinahe gänzlich und lässt den Plot des Romans ja gar über zwei Ecken erzählen (Vi schildert, was Siv ihr von ihrer Zeit an Phasmas Seite erzählt hat), so dass schon inszenatorisch eine Art natürlicher Wall um die Figur herum errichtet wird.

»Ich werde dich aufhalten.«
Eine hochgewachsene Gestalt in voller Kampfrüstung trat vor den mordenden Usurpator.
Es war Keldos Schwester, Phasma.
Mit ihren mehr als zwei Metern Größe zog sie alle Blicke auf sich, außerdem trug sie ihre Kriegsmaske – ein rostrotes Schreckensbild aus gehärteter Robbenhaut, bemalt mit schwarzen Linien und umgeben von Federn und Fell. Über den Augenlöchern wölbte sich schützendes Drahtgeflecht, das sie aus einem Wrack geborgen hatte und das sie noch weniger wie einen Menschen aussehen ließ. Sie erinnerte mehr an ein Monster aus einem Albtraum.

Und dennoch meine ich, nun weitaus mehr über Phasmas Werdegang, ihre Beweggründe und ihren Antrieb zu wissen, derweil vor allem ihre Stellung innerhalb der Ersten Ordnung nun deutlich geworden ist, denn allein anhand der Filme konnte man lediglich mutmaßen, dass sie zur kämpferischen Elite gehört. Hier wird nun aber en Detail geklärt, wie Phasma mehr und mehr zum Protegé von Brendol Hux wurde, der ihr immenses Potential für die Streitkräfte der Ersten Ordnung erkannte, gleichsam aber von einer Loyalität gegenüber ihm und "seiner" Ordnung ausging, die der zutiefst opportunistischen Phasma schlichtweg nicht innewohnt. Das deckt sich im Übrigen trefflich mit dem Bild, das von ihr bereits in dem Comic Captain Phasma gezeichnet worden ist. Zwar muss ich einräumen, dass bei aller Kurzweil manche Passagen auf Parnassos in ihrer Art und Ausgestaltung doch arg vorhersehbar waren, doch trügt das nicht wirklich den durchweg positiven Gesamteindruck, den der Roman bei mir hinterlassen hat, zumal es wie eingangs erwähnt nicht unbedingt ein einfaches Unterfangen gewesen sein mag, einerseits die Figur Phasma nähergehend zu beleuchten, andererseits ihre mysteriös-undurchschaubare Aura dabei nicht zu gefährden.

Fazit & Wertung:

Delilah S. Dawson liefert mit Star Wars: Phasma die durchweg spannend und gelungen konzipierte Vorgeschichte zu dieser polarisierenden Figur, ohne sie dabei zu entmystifizieren. Eine verschachtelte Narration, stimmig gezeichnete Figuren und mit Parnassos eine an postapokalyptische Gestade erinnernde Welt tun hierbei ihr Übriges, um für eine gelungene Lektüre zu sorgen, auch wenn man sich nicht erwarten sollte, hierin wirklich und wahrhaftig einen Blick in Phasmas Kopf spendiert zu bekommen, was der Figur an sich aber wohl auch eher geschadet hätte.

8 von 10 Erzählungen vom fernen Parnassos

Star Wars: Phasma

  • Erzählungen vom fernen Parnassos - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Delilah S. Dawson liefert mit Phasma die durchweg spannend und gelungen konzipierte Vorgeschichte zu dieser polarisierenden Figur, ohne sie dabei zu entmystifizieren. Eine verschachtelte Narration, stimmig gezeichnete Figuren und mit Parnassos eine an postapokalyptische Gestade erinnernde Welt tun hierbei ihr Übriges, um für eine gelungene Lektüre zu sorgen, auch wenn man sich nicht erwarten sollte, hierin wirklich und wahrhaftig einen Blick in Phasmas Kopf spendiert zu bekommen, was der Figur an sich aber wohl auch eher geschadet hätte.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und der Autorin findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars: Phasma ist am 17.09.18 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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