Review: A Quiet Place (Film)

Gestern noch am Tiefpunkt, heute obenauf, denn endlich habe ich (wieder) einen der Filme nachgeholt, für den so viele vor geraumer Zeit doch ziemlich geschwärmt haben. Und in diese Lobeshymnen stimme ich nun ein, wenn es auch kleinere Mängel gibt, die den Gesamteindruck trüben.

A Quiet Place

A Quiet Place, USA 2018, 90 Min.

A Quiet Place | © Universal Pictures/Paramount
© Universal Pictures/Paramount

Regisseur:
John Krasinski
Autoren:
Bryan Woods
Scott Beck
John Krasinski

Main-Cast:
Emily Blunt (Evelyn Abbott)
John Krasinski (Lee Abbott)

Genre:
Drama | Horror | Endzeit

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus A Quiet Place | © Universal Pictures/Paramount
© Universal Pictures/Paramount

Irgendwo in einer ansonsten menschenleeren Kleinstadt im Staate New York durchforstet Familie Abbott – bestehend aus Vater Lee, Mutter Evelyn und ihren drei Kindern Regan, Marcus und Beau – ein verlassenes Geschäft nach Vorräten und Arzneimitteln. Sie verständigen sich wortlos, in Gebärdensprache, nicht etwa nur, weil Tochter Regan taub ist, sondern weil jedes Geräusch den Tod bedeuten kann. Rund drei Monate sind vergangen, seit grausige Monster, blind, aber mit empfindlichstem Gehör, über die Menschheit hergefallen sind. Die Zivilisation ist nicht mehr und ein Großteil der Bevölkerung tot, während die Abbotts sich im Wohnhaus einer abgeschiedenen Farm verbarrikadiert haben und ein Leben in steter Anspannung führen. Die Zeit vergeht, das lautlose Leben geht seinen Weg und nach mehr als einem Jahr in stetiger Furch vor den lautlosen Killern stehen die Abbotts vor ihrer wohl größten Herausforderung, denn Evelyn ist schwanger und ein Neugeborenes neigt bekanntermaßen nicht unbedingt dazu, keinen Ton von sich zu geben…

Rezension:

Auch bei der Sichtung von A Quiet Place zähle ich zu den Nachzüglern, ohne genau benennen zu können, woran es gelegen haben mag, dass ich diesen vielgepriesenen und hochgelobten Film so lange links liegen gelassen habe. Das einhellige Lob allerdings ist durchaus berechtigt, denn allein die beinahe wortlose Inszenierung des Gezeigten ist eine Klasse für sich und hebt den Film wohltuend von einem Großteil ähnlich gearteter Veröffentlichungen ab, derweil der sorgsam-spärliche Einsatz von Musik und Soundeffekten so natürlich umso besser zum Tragen kommt. Entsprechend sollte man Krasinskis nunmehr dritten Film auch mit ordentlich aufgedrehtem Sound genießen, zumal sich die Mitglieder der Familie Abbott durchaus das eine oder andere Mal unterhalten und auch wenn dies zum besseren Verständnis untertitelt ist, wirkt es nur umso stimmiger, wenn man sie wirklich leise flüstern hört. Das kommt freilich alles sehr der Atmosphäre des Streifens zugute und so übernimmt man unwillkürlich schnell manche Manierismen und Verhaltensweisen der Figuren, denn dass jedes lautere Geräusch den eigenen Tod bedeuten kann, macht das Geschehen schon nach wenigen Minuten effektiv und erschütternd deutlich.

Szenenbild aus A Quiet Place | © Universal Pictures/Paramount
© Universal Pictures/Paramount

Inszenatorisch ist die rund anderthalb Stunden währende Mär also wirklich außerordentlich gelungen und bewahrt sich diese Qualitäten auch überwiegend bis zuletzt, wobei es zugegebenermaßen im letzten Filmdrittel – wahrscheinlich zugunsten der Spannung – einige kleinere Störquellen gibt, die leichtes Stirnrunzeln hervorrufen, die bis dahin überaus gelungene und intensive geschilderte Erzählung aber freilich nicht verderben. Eines hat Krasinski allerdings zahlreichen Filmemachern voraus, denn gemessen daran, dass wir uns in einer Art endzeitlichem Setting befinden, ganze Landstriche entvölkert sind und gnadenlos mordende Monster umgehen, hätte so mancher auf zumindest eine einleitende Texttafel zurückgegriffen, um diese Eckdaten zu kommunizieren, doch hier ist tatsächlich "Show, don’t tell" noch vorherrschendes Credo und so vermittelt A Quiet Place alles Wissenswerte über das Gezeigte, ohne je in Erklärungsnot zu kommen. Bestes Beispiel könnten hierbei die Umgebungsgeräusche in den ersten Filmminuten sein, die einer allumfassenden Stille weichen, wenn die Kamera auf Regan schwenkt, wodurch man mit simpelsten Mitteln schon früh kommuniziert bekommt, dass sie taub ist und gleichsam sicherlich Hauptgrund, weshalb die gesamte Familie Abbott die Gebärdensprache beherrscht.

Durch diesen ausbleibenden Erklärwahn bleibt aber auch die Bedrohlichkeit der namenlos bleibenden Kreaturen vollumfänglich erhalten, die eben nicht durch beispielsweise die Worte eines klugen Wissenschaftlers – alles schon dutzendfach gesehen – irgendwann gänzlich entmystifiziert werden, sondern gerade im ersten Drittel eine zwar stetig lauernde, aber nur im Verborgenen agierende Bedrohung darstellen. Konzept und Design der Monster ist im Übrigen außerordentlich stimmig und gelungen, gerade was deren immens ausgeprägte Fähigkeit selbst kleinste Geräusche wahrzunehmen angeht. Und auch auf klassische Jump-Scares verzichtet Krasinski weitestgehend und wirkt so in vielerlei Hinsicht wie die Erwachsenen-Version eines Teenie-Horrorfilms, der es nicht nötig hat, seine Protagonisten schlichtweg irrational agieren zu lassen, um irgendwie den Plot am Laufen zu halten. Natürlich agieren insbesondere die Kinder freilich nicht so besonnen wie ihre Eltern Lee und Evelyn, doch liegt das eben in ihrem Alter und ihrer Angst begründet, nicht etwa einem schlampigen Drehbuch. Ganz ohne Patzer kommt zwar auch A Quiet Place wie erwähnt nicht aus, die fallen aber in Anbetracht der ansonsten vorherrschenden Atmosphäre und inszenatorischen Qualität locker unter den Tisch.

Szenenbild aus A Quiet Place | © Universal Pictures/Paramount
© Universal Pictures/Paramount

Dass aber A Quiet Place so sehr überzeugt, hat noch zwei weitere, im Grunde profane Gründe, denn neben dem eigentlichen Horroranteil funktioniert das Gezeigte auch als ungewöhnliches Familiendrama formidabel und vermittelt ohne Worte einerseits die unbedingte gegenseitige Zuwendung und andererseits aber auch tief sitzendes Bedauern und Schuldgefühle. Dass dieser Part des Films nicht minder überzeugt als seine Horrorelemente, ist eben zu großen Teilen – so überzeugend die jugendlichen DarstellerInnen auch sein mögen – Emily Blunt (Sicario) und John Krasinski (Aloha) zu verdanken, die nicht nur hier als Ehepartner Lee und Evelyn Abbott in Erscheinung treten, sondern auch im wahren Leben miteinander verheiratet sind, weshalb das gegenseitige Stützen, Trösten und Bekräftigen auch etwas ungemein authentisches, ungekünsteltes hat, was speziell bei der wortkargen Inszenierung des gesamten Films von unschätzbarem Wert für die ruhigeren Szenen ist. Obwohl der Dramaturgie also gegen Ende sowohl der Innovationswille als auch die unbedingte Eigenständigkeit abhandenzukommen droht und sie vermehrt beinahe der Versuchung erliegt, sich in generische Genre-Fahrwässer gleiten zu lassen, überzeugt das Werk als Ganzes doch bis zuletzt. Wenig verwunderlich, dass man schon vage Pläne für eine Fortsetzung ins Auge gefasst hat, gleichwohl ich skeptisch bin, wie gut das Ganze im zweiten Aufguss wirklich noch zu funktionieren vermag.

Fazit & Wertung:

Mit A Quiet Place liefert John Krasinski ein durchweg überzeugendes, bis zuletzt packendes Werk voller inszenatorischer Finesse ab, das zu gleichen Teilen als Horror-Thriller wie auch Familien-Drama funktioniert und mit dem einzigartigen audiovisuellen Design und einer gelungenen Prämisse Ausrufezeichen zu setzen vermag.

8,5 von 10 todbringenden Geräuschen

A Quiet Place

  • Todbringende Geräusche - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit A Quiet Place liefert John Krasinski ein durchweg überzeugendes, bis zuletzt packendes Werk voller inszenatorischer Finesse ab, das zu gleichen Teilen als Horror-Thriller wie auch Familien-Drama funktioniert und mit dem einzigartigen audiovisuellen Design und einer gelungenen Prämisse Ausrufezeichen zu setzen vermag.

8.5/10
Leser-Wertung 8.33/10 (3 Stimmen)
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A Quiet Place ist am 23.08.18 auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray bei Paramount im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

vgw

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Eine Reaktion

  1. Stepnwolf 14. Juli 2019

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