Review: Hit-Girl in Kanada (Graphic Novel)

Weiter geht es mit Hit-Girl um die Welt, auch wenn ich leider nicht behaupten kann, dass ich diesen Ausflug jetzt als sonderlich außergewöhnlich oder spektakulär empfunden hätte.

Hit-Girl in Kanada

Hit-Girl #5-8, USA 2018, 100 Seiten

Hit-Girl in Kanada | © Panini
© Panini

Autor:
Jeff Lemire
Zeichner:
Eduardo Risso

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-741-61138-4

Genre:
Action | Komödie

 

Inhalt:

Im Nachgang an ihren Abstecher nach Kolumbien hat es Hit-Girl nun nach Kanada verschlagen, wo sie es auf einen Drogenhändlerring abgesehen hat, der New York mit unreinem Heroin regelrecht überschwemmt. Dabei interessieren sie natürlich vorrangig auch die Köpfe des Unternehmens und zu denen zählt auch Billy, seines Zeichens Sohn eines nicht minder skrupellosen wie gefährlichen Gangsterbosses. Als der erfährt, dass ein Mädchen seinem Sohn den Garaus gemacht hat, zögert er nicht lange und schart einen schlagkräftigen Trupp um sich, um seinerseits Hit-Girl zur Strecke zu bringen. Dass die sich das nicht gefallen lassen will, steht natürlich außerfrage…

Rezension:

Nach dem mäßig überzeugenden, aber doch dramaturgisch ansprechend inszenierten ersten Band der Kick-Ass-Ablegerserie mit wechselnder Belegschaft habe ich mich nun dem zweiten Band der Reihe gewidmet, der seinerseits die Hefte #5 – 8 der fortlaufenden Reihe enthält und mit seinem Titel Hit-Girl in Kanada auch gleich Thema und vor allem Setting umreißt. Erstmalig hat hier der federführende Schöpfer und Autor Mark Millar das Zepter aus der Hand gegeben und überlässt seinen Posten dem renommierten kanadischen Autor Jeff Lemire (Constantine), doch muss ich gleich vorwegschicken, dass es keinen Unterschied macht, ob man hier nun einen Kanadier, Amerikaner oder sonst was verpflichtet hätte, denn selbst im Vergleich zum ebenfalls schon sehr stringenten Vorgänger kommt die Geschichte derart schnörkellos und geradlinig daher, dass überhaupt kein Platz oder die Zeit bleibt, so etwas wie "kanadisches Flair" zu erleben.

Ansonsten bedient sich Lemire einiger kleinerer Zeitsprünge und damit Vor- und Rückblenden, um ein wenig die Geradlinigkeit seiner Geschichte zu kaschieren, doch täuscht das kaum darüber hinweg, dass hier dramaturgisch allenfalls B-Movie-Niveau bedient wird. Natürlich strotzt die Reihe vor Action und Gewalt, doch bestand sie bis dato nicht ausschließlich aus diesen Versatzstücken, was sich hier ein wenig so anfühlt. So ist eben auch Mindy in Hit-Girl in Kanada kaum mehr als kindliche Kampfmaschine, die einzig dadurch ein wenig Profil erhält, sich mit einem Einsiedler anzufreunden und im Traum imaginäre Zwiesprache mit ihrem toten Vater zu halten, so dass ich hier einmal mehr der deutlich differenzierter gezeichneten Mindy aus der Hauptserie hinterhertrauere, die dort, obwohl grundsätzlich eher nur Sidekick, weitaus mehr Tiefe zu bieten hatte.

Optisch immerhin ist Hit-Girl in Kanada ein Schritt nach vorne und hat mir zumindest weitaus besser gefallen als die psychopathisch wirkende, merkwürdig schlaksige Mindy im Vorgängerband, doch wenn ich sehe, was der hier verantwortliche Zeichner beispielsweise für Dark Night für Kunstwerke aufs Papier gebracht hat, scheint es auch hier eher lästige Auftragsarbeit gewesen zu sein, zumal die Farbgebung – für die aber freilich Risso nichts kann – auch gerne etwas weniger knallig hätte ausfallen können.

Ausschnitt aus Hit-Girl in Kanada | © Panini
© Panini

So weiß Hit-Girl in Kanada weder optisch noch inhaltlich so richtig vom Hocker zu hauen und taugt zwar sicherlich als kurzweilige Lektüre für zwischendurch, ist als solche mit den gerade einmal vier Heften Umfang und der doch wirklich sehr actionbetonten Geschichte ohne großartige Dialoge aber eben auch extrem schnell konsumiert, ohne dass großartig etwas hängenbleiben würde. Ja selbst die Antagonisten wirken überwiegend wie eine Schar wütender Hinterwäldler, die kaum je eine wirkliche Bedrohung für Mindy darstellen dürften, während man die Eckpunkte der Erzählung, wie etwa dass eine abgelegene Berghütte von den Gangstern belagert und dann unter Beschuss genommen wird, schon haufenweise zu Gesicht bekommen hat. Selbst wenn man sich also eine reinrassige Action-Story ohne Schnörkel und störendes Drumherum erwartet, ist der Band daher nicht so gelungen und lohnenswert, wie ich es mir erhofft hätte, weil das Geschehen hier doch reichlich substanzlos und generisch bleibt, was ich von einem Duo wie Lemire und Risso nun beim besten Willen nicht erwartet hätte.

Fazit & Wertung:

Die von Jeff Lemire für Hit-Girl in Kanada ersonnene Story ist leider kaum als solche zu bezeichnen und hakt lediglich pflichtschuldig Eckpunkte in einer relativ uninspirierten Action-Orgie, die nicht einmal optisch und inszenatorisch sonderlich originell geraten ist, denn auch der verpflichtete Zeichner Eduardo Risso bleibt hinter seinen Fähigkeiten zurück.

5 von 10 gnadenlos niedergemetzelten Gangstern

Hit-Girl in Kanada

  • Gnadenlos niedergemetzelte Gangster - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Die von Jeff Lemire für Hit-Girl in Kanada ersonnene Story ist leider kaum als solche zu bezeichnen und hakt lediglich pflichtschuldig Eckpunkte in einer relativ uninspirierten Action-Orgie, die nicht einmal optisch und inszenatorisch sonderlich originell geraten ist, denn auch der verpflichtete Zeichner Eduardo Risso bleibt hinter seinen Fähigkeiten zurück.

5.0/10
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Hit-Girl in Kanada ist am 26.02.19 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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