Review: Hit-Girl in Rom (Graphic Novel)

Ich habe einen weiteren Ausflug mit Mindy McCready gewagt, von dem ich euch nachfolgend berichten möchte, zumal der mir diesmal vergleichsweise gut gefallen hat.

Hit-Girl in Rom

Hit-Girl #9-12, USA 2018/2019, 96 Seiten

Hit-Girl in Rom | © Panini
© Panini

Autor:
Rafael Scavone
Zeichner:
Rafael Albuquerque

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-741-61245-9

Genre:
Action | Komödie

 

Inhalt:

Ausschnitt aus Hit-Girl in Rom | © Panini
© Panini

Noch am Flughafen von Toronto gerät Mindy McCready alias Hit-Girl nach ihrem letzten Abenteuer im verschneiten Kanada mit einer gewieften Diebin aneinander, der es gar gelingt, die versierte Kampfmaschine zu überrumpeln und sie in einen Container zu verfrachten. Als Mindy wieder zu sich kommt, staunt sie nicht schlecht, sich nunmehr in Rom zu befinden. Dummerweise – für besagte Diebin – haben beide dieselbe Maschine genommen und so findet die Jagd ihre Fortsetzung, auch wenn Hit-Girl noch längst nicht ahnt, was es mit dem Diebesgut auf sich hat. Das nämlich soll bei einer ehemaligen Nonne namens Giustina abgeliefert werden, die sich zum Boss der gesamten Unterwelt von Rom aufgeschwungen hat, aber noch immer strenggläubige Katholikin ist, die nach einer für sie immens wertvollen Reliquie trachtet. Das Interesse von Hit-Girl ist freilich schnell geweckt und sie gewillt, es mit Giustina und all ihren Schergen aufzunehmen…

Rezension:

Mit Hit-Girl in Rom schließe ich nun zum derzeit aktuellsten Vertreter der als Procedural angelegten Comic-Reihe um Mindy McCready – freilich besser bekannt als Hit-Girl – auf, die seinerzeit 2008 in Kick-Ass ihr Debüt gab. Haben mich die vorangegangenen zwei Bände nur mäßig zu überzeugen gewusst, handelt es sich hierbei nun um den vorläufig besten Teil der Reihe, der zwar auch keine Innovationspreise gewinnen mag und im weitesten Sinne ein Action-Feuerwerk nach Schema F abliefert, gleichsam aber endlich einmal wieder mit ein paar schönen Charaktermomenten zu punkten versteht und Mindy nicht bloß als mordende Psychopathin inszeniert, sondern auch ihrer menschlichen und emotionalen Seite wieder mehr Beachtung schenkt. Das ist natürlich insoweit verwunderlich, dass zumindest Hit-Girl in Kolumbien noch von Figurenschöpfer und Mastermind Mark Millar geschrieben worden ist, der hiernach seine Figur wortwörtlich in die weite Welt entlassen hat, um sich wieder anderen Projekten zu widmen.

Ausschnitt aus Hit-Girl in Rom | © Panini
© Panini

Nun ist es hier ausgerechnet der mir bis dato unbekannte Rafael Scavone, der mit seiner in Rom angesiedelten Erzählung wieder mehr darauf abstellt, wer sich eigentlich hinter der Maske von Hit-Girl verbirgt und vor allem darauf, dass Mindy eben auch eine Teenagerin ist, die ihren Vater vermisst und durchaus neidvoll auf die Touristen-Familien blickt, die sich gemeinsam in der Metropole eine schöne Zeit machen – Normalität, wie sie Mindy seit jeher verwehrt war. So funktioniert Hit-Girl in Rom vor allem deshalb deutlich besser, da der emotionale Kern stimmt und man Mindy endlich wieder als Identifikationsfigur akzeptieren kann, auch wenn sie das Morden und ihre Skrupellosigkeit freilich keineswegs abgelegt hat. Und natürlich mag es in dem Band vor Italien-Klischees nur so wimmeln und ein Kampf im Colosseum steht ebenso auf dem Programm wie eine Fahrt mit einer Vespa, doch ist mir das allemal lieber als beispielsweise die Beliebigkeit des Settings in Hit-Girl in Kanada, wo die Story im Grunde an jedem x-beliebigen Ort mit Schnee und Bergen hätte verortet werden können.

Dass Hit-Girl in Rom aber so zu gefallen weiß, liegt sicherlich auch an dem diesmal verpflichteten Zeichner Rafael Albuquerque, der schon mit Millar Huck hat realisieren können und hier wie dort einen formidablen Job macht, einerseits Mindy und die weiteren Figuren, andererseits die Schönheit Roms wie auch im krassen Gegensatz die überbordende Gewalt im Bild festzuhalten. So machen Scavone und Albuquerque in vielerlei Hinsicht das Beste aus den gerade einmal vier Heften, die ihnen für ihre Erzählung zur Verfügung gestanden haben und die wie gewohnt hierzulande von Panini in einem Sammelband nebst Cover-Galerie und Artwork-Skizzen vereint worden sind. So hat es neben einer zwar überschaubaren, aber doch wendungsreichen und manches Mal überraschenden Geschichte eben nicht nur emotionale Momente, sondern auch der Humor kommt endlich wieder weit deutlicher durch, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, denn die vorangegangenen Storys waren mir doch auch ihrer Tonalität nach zu düster geraten, während hier die Gewaltexzesse wieder durch ein leichtes Augenzwinkern abgemildert werden.

Ausschnitt aus Hit-Girl in Rom | © Panini
© Panini

Über die Gegenspielerin, eine tiefgläubige ehemalige Nonne namens Giustina, die das Mafia-Geschäft für sich entdeckt hat, kann man geteilter Meinung sein, doch umso mehr hat mir die Diebin Paola gefallen, die zunächst Hit-Girl gekonnt überrumpelt und später ein Zweckbündnis mit ihr eingeht, nachdem Mindy schlussendlich davon ablässt, sie in Stücke hacken zu wollen. Natürlich ist dieser Sidekick nicht von Dauer und muss für den nächsten Vierteiler weichen, wenn Mindy ihre Weltreise fortsetzt, doch hat Scavone mit Paola eine Figur erschaffen, deren Rückkehr ich auch nicht grundsätzlich ausschließen würde, denn das Potential wäre ohne Frage vorhanden. Gleichsam wären wir dann aber auch bei einem der Schwachpunkte, welcher der gesamten Reihe anhaftet, denn durch die wechselnden Kreativ-Teams muss jede Geschichte losgelöst von den anderen Abenteuern existieren und abgesehen davon, dass die Geschichte am Flughafen von Toronto startet, finden sich kaum Verknüpfungen oder Hinweise auf die vorangegangenen Abenteuer, so dass Mindy schlichtweg keine nachhaltige Entwicklung zu machen imstande ist, eben ganz so, wie man es aus klassischen TV-Procedurals auch kennt. Bringt aber immerhin den Vorteil mit sich, dass Hit-Girl in Rom dadurch auch für Quereinsteiger interessant ist, die keine Lust auf die mäßigen Vorgänger haben und dennoch einmal einen Blick riskieren möchten, den ich in diesem Fall tatsächlich empfehlen kann, denn kurzweiliger könnte ein Trip durch Rom kaum sein.

Fazit & Wertung:

Mit Hit-Girl in Rom übernehmen diesmal Rafael Scavone und Rafael Albuquerque Autorenschaft und Zeichenstift und fördern endlich wieder alte Qualitäten der Serie und der Figur zu Tage, womit dieser Abstecher zum bislang überzeugendsten Vertreter der Reihe gerät, die mit toller Optik, cleverer Geschichte, emotionalen Momenten und exzessiven Auseinandersetzungen gekonnt für sich einzunehmen weiß.

7,5 von 10 gnadenlos niedergemetzelten Gangstern

Hit-Girl in Rom

  • Gnadenlos niedergemetzelte Gangster - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Hit-Girl in Rom übernehmen diesmal Rafael Scavone und Rafael Albuquerque Autorenschaft und Zeichenstift und fördern endlich wieder alte Qualitäten der Serie und der Figur zu Tage, womit dieser Abstecher zum bislang überzeugendsten Vertreter der Reihe gerät, die mit toller Optik, cleverer Geschichte, emotionalen Momenten und exzessiven Auseinandersetzungen gekonnt für sich einzunehmen weiß.

7.5/10
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Hit-Girl in Rom ist am 23.04.19 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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